Wildes Bienenvolk im Dach retten

  • Hallo,


    ich bekam gestern einen Anruf von Leuten welche seit 14 Jahren ein wildes Bienenvolk in ihrem Wohnhaus haben. Ich habe mir das angeschaut und tatsächlich sitzen die Bienen in einem Hohlraum zwischen Mauer und Dach. Nach dem Flugverkehr zu urteilen ist es ein recht starkes Volk. Die Bienen haben diese sehr naturverbundenen Leute nie gestört.
    Allerdings wird nun das Dach erneuert und sie wollten wenn nur irgendwie möglich die Bienen retten. Der Dachdecker traut sich aber nicht aufs Dach solange die Bienen dort sind. Es gibt nur einen kleinen Schlitz in der Mauer durch welchen die Bienen zum Nest gelangen. Man müsste meiner Meinung nach einen Teil des Dachs öffnen was der Dachdecker aber nicht macht solange es dort Bienen gibt....


    Hat vielleicht einer von euch ein Idee wie man das Volk retten könnte?


    Api

  • Moin Api,


    das ist alles eine Frage von Aufwand und Nutzen. Sehr oft sitzen solche "wilden" Völker sehr verwoben mit der Baustruktur. Die Schäden am Wabenwerk sind also beträchtlich. Umschneiden ist bei zermatschter Brut auch nicht gut zu bewerkstelligen. Man wird also nur die Bienen retten können. Das geht mit ausräuchern, wenn man irgendwie an einer weiteren Stelle das Volk anbohren kann. (Das Dach muß man ja wohl dort nicht mehr schonen :wink: ) Schwarmfangsack vors Flugloch und Rauch rein, von der andern Seite. Irgendwann kommen die wie angestochen raus. Gazesäcke, Fliegengittersäcke oder besser ein dünner Bettbezug tun's als Fangsack, wenn man die mit Ringen oder Bändern und Stöcken offen halten kann. Anschließend muß man abwandern und die Bienen, die nicht in den Sack gehen sind auch wirklich verloren. Stellt man den so gebildeten Trommelschwarm irgendwo in der Nähe auf, hat der Dachdecker seinen Spaß. Deshalb muß man das Bienennest auch am nächsten Tag ausschwefeln. Dann erwischt man die Verlustbienen ohne, daß es den Dachdecker erwischt.


    Wenn man Waben oder Teile davon retten konnte, kann man den Trommelschwarm darauf einschlagen. Aber mach Dir darüber keine Gedanken, das was Du an Waben vorfindest ist uralt, topfschwarz und siffig. Da gibst Du ihnen sicher freiwillig lieber MW oder Streifen.


    Ob du bei der Aktion die Königin erwischt hast, was ja Dein Ziel ist, kannst Du nur überprüfen indem Du sofort nach dem einschlagen eine Weiselprobe machst. Dann könntest Du's nochmal probieren mit dem Ausräuchern. Aber auch da mache ich Dir keine Hoffnung.


    Rein wirtschaftlich betrachtet, machst Du'S als gebührenpflichtige Beseitigung und gleich mit Schwefel!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • [quote='Api']Hallo,


    ich bekam gestern einen Anruf von Leuten welche seit 14 Jahren ein wildes Bienenvolk in ihrem Wohnhaus haben.



    Hi APi


    14 Jahre ein wildes Bienenvolk, ohne Varroabehandlung???? das währe eine Sensation von dem müsste man Nachziehen.


    gruß
    Arno

  • @ Henry


    kommen die denn raus wenns richtig qualmt? ich dachte dass die Bienen versuchen ihre Brut zu schützen, und sich dann noch weiter in die Wabenstruktur zurückziehen.


    arnix


    es sind öfters Schwärme abgegangen innerhalb der 14 Jahre nud während einiger Wochen gab es keine Bienen in diesem Haus. Allerdings hat es nicht lange gedauert bis ein neuer Schwarm die Behausung gefunden hat.

  • Hallo Api,


    ich bin zwar erst seit letztem Jahr mit dem Imkern beschäftigt, habe aber im letzten Jahr auch mit einem ähnlich altem Volk angefangen.
    Hatte nur daß verdammte Glück, daß dieses Volk sich in einem uraltem Kasten in einem verwahrlostem Bienenhaus befand und ich diesen zunächt auf den Platz befördern konnte, wo ich ein paar Tage später umsetzte.


    Diese Völker kommen mit der Milbe deswegen ganz gut klar, weil sie in der Regel jedes Jahr mehrmals schwärmen, allein, weil meist Platzmangel herrscht. Durch die dadurch entstehende Brutpause wird auch die Milbe gut dezimiert.


    Aber das ist auch eine gute Chance die Bienen zu bekommen.
    Mein Vorschlag:
    Die Bienenwohnung ist vermutlich bis in den letzten Winkel verbaut. Letztes Jahr war ein gutes Honigjahr und man kann annehmen, daß die Waben noch sehr voll sind und deswegen werden wohl auch schon Königinen nachgezogen. Um diese Jahreszeit ist der erste Schwarm wahrscheinlich schon sehr bald fällig.
    Stell in unmittelbarer Umgebung ordentlich Flüssigfutter zu Verfügung und einen Schwarmfankasten bereit. Dann laß den Dachdecker (ruhig mit Schleier) schon mal das Gerüst aufbauen. Sollte ein Schwarm abgehen, fängst Du den. Das wäre der beste Fall, dann hast Du schon mal ein Völkchen. So oder so läßt Du den Dachdecker mit Schleier das Dach abdecken. Sag Ihm daß die Bienen durch den Zucker zu Schafen werden. Geh mit einer tragbaren Kiste und einem Messer auch auf's Dach und schneide selbst die Waben so gut wie's geht raus und lege sie samt Bienen in den Kasten, Deckel drauf und ab damit.
    Auf dem neuen Standplatz schlag alle Bienen in eine frisch bestückte Beute. (mit MW) Aus den alten Honigwaben machst Du Stampfhonig, den Du verfütterst. War vorher ein Schwarm da, dann hast Du sowieso kaum oder nur auslaufende Brut und Du hast im besten Fall noch ein zweites Völkchen. Sollte noch viel gute Brut vorhanden sein, dann lege auf das ausgeschlagene Volk ein Absperrgitter und eine leere Zarge. Dort stellst Du die alten Brutwaben irgenwie rein. Hauptsache hochkant, kreuz und quer is egal.
    Später, nach dem Schlüpfen verarbeitest Du diese obere Zarge dann auch zu Stampfhonig.
    Nun läßt Du das Dach einen Tag offen in Ruhe, und bereitest einen Industriestaubsauger mit einer neuen Tüte vor.
    Am frühen Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen findest Du eine Traube der restlichen Flugbienen in dem alten Loch, die Du getrost absaugst. Den Beutel entleerst Du auch im Neuen Magazin. Du wirst Staunen wie gut die Bienen den Staubsauger verkraften.
    Was jetzt noch auf dem Dach angeflogen kommt, sind höchstwahscheinlich nur Drohnen. Da mußt Du nur noch dem Dachdecker zeigen, daß die harmlos sind.


    Die Bienen vor dem Umsetzen mit ausreichend Zucker zu versorgen macht sie wirklich handzam. Das war meine erste Begegnung mit Bienen! Ich war so erstaunt, daß ich nur einen Schleier benötigte und keine Handschuhe. Meine Oberarme waren über und über mit Bienen besetzt und es krabbelte und summte nur so. Das war meine Bienentaufe. (ok, einen Stich als ich eine Biene drückte)


    Im übrigen sind diese "natubeslassenen" Völker nicht unbedingt varroaresistenter. Werden sie erstmal so bewirtschaftet wie andere, sind sie genauso anfällig wie diese.
    Der Milbe bekommt halt das regelmäßige Schwärmen und die alten schwarzen Waben mit den kleinen Löchern nicht so gut.


    Viel Glück beim Überreden des Dachdeckers.


    Gruß, Robert

  • Also eines kann ich sagen, mit Rauch bekommst du die Königin nicht raus. Ich versuchte einmal einen in ein Mauerloch einziehenden Schwarm am Einziehen zu hindern. Die Königin war schon drinnen - und ließ sich durch nichts in der Welt wieder heraustreiben. Die Bienen, die schon drinnen waren, taten ihr bestes den Rauch, den ich hineinblies, gleich wieder herauszublasen.
    Wenn's wirklich schnell gehen muss, hilft wohl nur ein Streifen Schwefel. :cry: 
    Schade um die Bienen. Mir tut es um jedes Volk leid. Aber die Leute wollen ein neues Dach und der Dachdecker vermutlich arbeiten.
    Ich hätte nicht die Zeit, ein Volk wie oben beschrieben herauszuholen. Da hab ich in der selben Zeit einen Garten voller Ableger erstellt.


    lg, Stefan