Schwarmstimmung !!!!!

  • Hallo,


    habe heute eine Stunde Sonnenschein erwischt, und habe die Völker nach
    Weiselzellen untersucht, und was ist - in einem von drei Völker die ich habe waren Weiselzellen. (hoffe das ich keine übersehen habe)
    Die Königen ist von 2003. Baurahmen wurde nicht bebaut, aber es gibt viel Dronenbrut in Arbeiterinzellen.
    Bringt es was zur Schwarmlust reduzierung, wenn ich von diesem Volk ableger mache, oder ist es schon zu spät ???
    Was kann man noch alles machen, außer Weiselzellen ausbrechen ???


    Grüße
    Vitali

  • Hallo Vitali,


    wenn bestiftete oder gar schon entwickelte Weiselzellen vorhanden sind (verdeckelt?) und auch der Bautrieb erloschen ist, ist das Volk unbedingt im Auge zu behalten; außer du willst eine Schwarmimkerei betreiben.


    Dr. Liebig empfiehlt: rechtzeitig zu schröpfen, d.h. ein bis zwei verdeckelte Brutwaben mit ansitzenden Bienen zu entnehmen. Alle Weiselzellen ausbrechen.


    Die Hauptschwierigkeit besteht darin, wirklich alle WZ zu finden und keine zu übersehen! Daher alle Zargen abnehmen und nur das Bodenbrett stehen lassen. Eine Leerzarge auf das Bodenbrett: dann aus der unteren Brutzarge Wabe für Wabe ziehen und in die Bienen in die leere Zarge schütteln. Alle WZ ausbrechen und Wabe zuhängen. Da die Bienen das Bauen eingestellt haben, könnte man eine ausgebaute Leerwabe in den Brutraum hängen, damit die Königin wieder legen kann. Rechtzeitig erweitern!


    Nach sieben Tagen nochmals kontrollieren.


    In solchen Völkern ist das große Problem: unterbeschäftigte Pflegebienen. Man kann aus einem anderen Volk ein oder zwei Waben mit offener jüngster Brut (ohne Bienen) über Absperrgitter zuhängen und zwei Tage später mit diesen Waben einen Ableger bilden - so zieht man Pflegebienen ab (Sauglingsvariante).


    Viele Grüße
    Christoph

  • Hallo zusammen,


    ich lese immer "rechtzeitig schröpfen". Wann ist rechtzeitig?
    Kann das jemand vesuchen zu erklären.


    Danke und Gruß


    Peter

  • Hallo Peter,


    gemeint ist wohl: bevor die Schwarmstimmung auftritt! Ende April oder Anfang Mai eine mit Bienen besetzte verdeckelte Brutwabe pro Volk entnehmen - so empfiehlt es Liebig. Er sagt aber selbst, dass durchschnittlich ein Drittel seiner Völker dennoch in Schwarmstimmung geraten.


    In seinem jüngsten Aufsatz (ADIZ 5/2005) empfiehlt er daher, noch strenger auf Schwarmträgheit auszulesen. Schwarmlust wird so zu einem k.o. Kriterium. Es sollte aslo nur von den Völkern nachgezogen werden, die keinerlei Schwarmneigung zeigen.


    Christoph

  • Hallo, Christoph,


    wenn Liebig das


    Zitat

    In seinem jüngsten Aufsatz (ADIZ 5/2005) empfiehlt er daher, noch strenger auf Schwarmträgheit auszulesen. Schwarmlust wird so zu einem k.o. Kriterium. Es sollte aslo nur von den Völkern nachgezogen werden, die keinerlei Schwarmneigung zeigen.


    tatsächlich ernst meint, hat er bei allen seinen Verdiensten was nicht verstanden!!!


    Der Schwarmtrieb, also der Trieb zur Vermehrung der Art, ist in der Biene so drin wie bei uns der Sexualtrieb.
    Schwärmen können die Bienen nur, wenn sie voll fit sind.
    Die Analogie zur menschlichen Sexualität führe bitte jeder selbst fort... :wink:


    Der Schwarmtrieb an sich zeigt mir doch, daß meine Völker absolut vital sind und optimale Bedingungen im Umfeld haben.
    Daß ich sie dann austricksen kann, ist eine andere Sache.


    Bei Völkern, die nicht wenigstens einmal Weiselzellen ansetzen, stimmt meist was nicht.


    Etwas so Elementares wie den Schwarmtrieb wegzuzüchten ist nicht gut möglich und für mich auch absolut nicht wünschenswert, ohne daß ich Schwarmimkerei betreiben will.


    Ich sag es nochmal: ab Brutbeginn im Winter ist das primäre Ziel des Volkes ein reproduktiver Schwarm!
    Sie können nicht anders, sie müssen!


    Klar ist das für uns unbequem und lästig, aber bei den Milchkühen hat auch noch niemand daran gedacht, das Trockenstehen wegzuzüchten, das ist genauso lästig..:roll:


    Man sollte sich doch irgendwo mit dem natürlichen Verhalten der Biene auseinandersetzen und nicht den Fokus nur auf einzelne Verhaltensweisen richten.
    Die Bienen gibts schon etliche Jahre länger als uns Menschen und sie sind hervorragend ohne uns ausgekommen...


    Wahrscheinlich würde eine bestimmte Gruppe Leute selbstreproduzierende und selbstreparierende fliegende Mini-Roboter zum Honigsammeln bevorzugen, die kann man dann leichter umprogrammieren!. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,
    der Zusammenhang zwischen Vitalität und Schwarmtrieb scheint nur aus der Sicht des Menschen zu stimmen. Ich habe genügend Völker gehabt, die nicht vital waren und trotzdem abschwärmten. Diese Völker hätten in der Natur sicher keine Chance zu überleben. Also beeinflusse ich doch mit dem Halten dieser Völker ihre "Natürlichkeit" negativ. Im übrigen können auch auf Schwarmträgheit selektierte Bienen schwärmen. Sie tun dies eben später. Hätte eine schwarmträge Biene, in unseren Breitengraden, mehr Überlebenschancen? Ich finde leider keine einfache Antwort auf die Überlegungen.
    Gruß
    SH

  • Hallo, bumblebee,


    für Schwärme gibt es ja auch noch andere Gründe als die Artvermehrung; Hungerschwärme, Schwärme wegen Überbevölkerung, etc.


    Für den optimalen Termin eines reproduktiven Schwarms gibt es nur ein sehr enges Zeitfenster, und der ganze Schwarmprozeß, der ja schon im Spätwinter beginnt, ist darauf abgestimmt.Und das ist immer ca. die Mitte der jeweiligen Haupttracht im Frühjahr.
    Dadurch erhält der Schwarm allerbeste Startchancen und das Muttervolk kann sich anschließend in aller Ruhe auf den Winter vorbereiten.


    Alle Schwärme, die wesentlich später kommen, sind nur Notlösungen.


    Zitat

    ch habe genügend Völker gehabt, die nicht vital waren und trotzdem abschwärmten. Diese Völker hätten in der Natur sicher keine Chance zu überleben.


    Das meinen wir Menschen....was sagen die Bienen dazu? :wink:


    Ich habe schon eine sehr schwarmträge Biene, noch träger möchte ich sie gar nicht haben.
    Die wesentlichen Züge wie Einstellen des Bauens und des Nektarsammelns, wie es die Carni immer wieder so schön vorführt, fehlen ihr völlig.
    Damit bin ich schon hochzufrieden ;-)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo,


    ich zweifle ebenso wie Simon am direkten Zusammenhang zwischen Schwarmtrieb und Vitalität, der ja besonders von den Demeterimkern immer wieder betont wird. Zumal Schwarmträgheit etwas sehr relatives ist. Manchen Bienenrassen müßte man dann die Vitalität fast völlig absprechen. Die Monticola beispielsweise schwärmt sehr selten, einige Kilometer weiter im Scutellata-Gebiet wird geschwärmt, was das Volk hergibt. Fehlt der Monticola also die Vitalität, und die Scutellata strotzt davon? Ich weiß nicht.


    M. E. geht es nicht um mehr oder weniger Vitalität, sondern um das Wechselspiel zwischen dem Ziel des Volkes, den reproduktiven Schwarm fallen zu lassen und den äußeren Bedingungen wie Klima, Trachtverlauf etc. Also um die Frage, ob die phänologische Uhr und die Reproduktionsuhr des Volkes synchron laufen oder nicht. So würden sich schwarmreiche und schwarmarme Jahre erklären lassen, aber auch die verschieden starke Schwarmneigung der verschiedenen Rassen, bei denen die Reproduktionsuhren halt langsamer laufen, und die bis zur Reproduktionsfrist ("Repro cut-off") noch keine Schwarmzellen begonnen haben. Und dann für dieses Jahr gar nicht mehr schwärmen.


    Diese Gedanken fußen auf Ideen von Walt Wright, von dessen Logik schon Sabi(e)nes Beitrag strotzt (nicht wahr? :wink: ), und die so anregend, wertvoll und spannend sind, daß sie hier dringend einmal gründlich diskutiert gehören. Obwohl sie aus (Grauen laß nach!!!)  :evil: Amerika :evil:  (!!! kreisch! schauder!!!)stammen.


    Für jeden, der English kann, gibt's den Text (einfacher als vom Autor persönlich) auch per mail, wenn die Quelle sich hier mal outen mag (Na, los...). Es liest sich wie eine moderne Fortsetzung von Gerstung. (Ist auch flotter geschrieben.)


    Viele Grüße, Johannes

  • Lieber Johannes,


    du hast vergessen dazuzuschreiben, daß es das nicht umsonst gibt, sondern $10 = 6,36Euro kostet.
    Ich habe mein Ehrenwort gegeben, daß ich das Manuskript NICHT kostenlos weitergebe, weder das englische Original noch die deutsche (autorisierte und noch sehr rohe) Fassung.
    Ich kann nur sagen, daß es sich absolut lohnt, so gut ist nicht mal Liebig im Thema :wink:


    Also, wer Interesse hat, PN an mich.
    Ansonsten machen wir einen Extra-Thread (nachdem nächsten WE) dazu auf.


    Nächsten Monat gibt es übrigens ein kostenloses up-date, über den establishment mode; wird auch in der Juli-Ausgabe einer amerikanischen Bienenzeitung stehen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)ne,


    auch ich bin nicht so ganz von dem beschriebenen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Schwarmlust und Vitalität überzeugt. Eine Hauptschwierigkeit besteht auch darin, genau zu bestimmen, was denn alles zur Vitalität gehört. Meine ersten Bienen, die ich vor etwa 30 Jahren von meinem Imkerpaten, der sich sehr um mich bemüht hat, bekommen hatte, waren sehr schwarmfreudig, aber mit den heute bei mir auf dem Stand fliegenden Bienen an Vitalität nicht zu vergleichen. Im vergangenen Jahr gab es keinen Schwarm, in diesem Jahr ist einer gefallen (aber nur weil ich nicht aufgepaßt habe). Mein "vitalstes" Volk hatte vor 10 Tagen Weiselzellen angesetzt und gespflegt. Habe alle ausgebrochen und zwei verdeckelte Brutwaben mit ansitzenden Bienen entnommen. Schon war der Spuk vorbei. Der Baurahmen ist plötzlich weiter ausgebaut und bei der jüngsten Kontrolle waren noch nicht einmal Spielnäpfchen angelegt worden. Was hat also das Volk dazu bewogen, den angeblich schon lange (Spätwinter) gehegten Wunsch zu schwärmen, wieder abzubrechen? Hat das Volk in der Vitalität Rückschritte gemacht? Vielleicht sehen wir manches vieles allzumenschlich?


    Viele Grüße
    Christoph

  • Hallo Zusammen,


    uns gefallen die Schwarmvermeidungsmethoden von Wolfgang Kusche recht gut - Ihr findet sie in den Monatsbetrachtungen bei Guido oder bei uns auf der Homepage.


    Neulich hat mir eine Imkerin erzählt, wie sie ihren Bienen die Schwarmneigung ausredet: Mit ein oder zwei Brutwaben und einer Futterwabe wird aus dem schwarmtriebigen Volk ein Ableger gebildet (natürlich müssen gepflegte oder verdeckelte Weiselzellen auf der Brutwabe sein) und das Volk verstellt (2 m reichen schon). Der Ableger kommt an die Stelle, wo vorher das Volk stand. So bekommt man einen Ableger mit vielen Flugbienen und ein Volk, in dem alle alten Bienen fehlen und damit der Schwarmtrieb zusammenbricht.
    Für die Geschichte mit dem Ausbrechen der Weiselzellen braucht man leider viel Zeit und Glück, daß man wirklich alle WZ erwischt - wir haben damit schlechte Erfahrungen gemacht.


    Viele Grüße,
    Effendi

  • Hallo zusammen,
    Verstellen von Völkern, ein schwarmstimmiges gegen eins ohne Schwarmstimmung, oder auch mal umgekehrt, das ist doch schon altbekannt. Auch die Variante mit Ableger.
    Da hat die Imkerkollegin von Effendi wirklich nichts Neues entdeckt.


    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Nee Lothar,


    das Verfahren unterscheidet sich schon ganz gewaltig vom Zwischenableger, weil man mit einem Ableger und einem Restvolk, so wie oben beschrieben nicht nur den Schwarmtrieb besiegt, sondern auch das ganze Volk und seine Kraft kaputt macht.


    Es dauert ewig, bis aus dem Volk ohne Flugbienen wieder ein starkes Sammelvolk wird und es gibt einen deutlichen Brutknick, weil ohnen Flugbienen auch kein Futter mehr durch's Flugloch kommt. Je nach Wetter paar Tage später, hält dann auch die Unterversorgung an und die Eilage hört auf. Der Ableger kriegt jetzt übermäßig viele Flugbienen und hat wenig Raum und ist weisellos. Ein Teil der Flugbienen "verpißt" sich also schon mal gleich zu irgendwelchen weiselrichtigen Nachbarn und ist damit erstens verloren und zweitens haben jetzt andere Völker diese Bienen zuviel. Bleiben viele Flugbienen im Ableger und der zieht viele Zellen nach, dann schwärmt der Ableger (und das ist kein Latein, das ist dieses Jahr bereits dreimal passiert. Ich habe das also ganz selbst erlebt. :wink: ) Gibt man dem mit schwarmtriebigen Flugbienen überladenen Ableger eine schlupfreife Zelle oder unbegattete Weisel mit, dann schwärmt er gleich oder sobald diese schlüpft, wenn unbemerkt noch weitere Zellen angesetzt wurden.


    Dann kann und muß man gleich Kunstschwärme bilden, aber auch die macht man nicht nur aus drei Jungbienen und tausenden Flugbienen!


    Erweitern, Schröpfen und Distanzieren vor Schwarmstimmung kann helfen und Zellenbrechen, (mehrfach) Zwischenbodenableger und knallhartes Entweiseln sind Schwarmverhinderungsmaßnahmen, die die Volksgröße und Kraft beisammenhalten. Ohne Kontrolle auf Schwarmzellen geht es nicht. Gerade bei schwarmträgen Bienen gibt es manchmal nur eine gepfleget Schwarmzelle, während zwischen den Bruträumen nur leere Näpfe sind. Entweder man kontrolliert oft oder man stößt tatsächlich jede Wabe ab. Übersehen wird man Zellen immer wieder. Die bestversteckteste die ich übersah, war eine in einem Abstandshalter. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, Henry,


    ganz meine Meinung!
    Bei mir hört der Raps auf und die Blaubeeren fangen an.
    Was soll ich dann mit einem zwar nicht mehr schwarmtriebigen Volk, aber ohne Flugbienen??? :o
    Und was soll der Ableger mit den vielen Flugbienen?
    Zum Bauen oder zur Brutpflege sind sie zu alt.


    Ich kann das beim besten Willen nicht für vernünftig halten.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen