Bienen schütteln bei Schwarmkontrolle

  • Hallo,


    ich habe jetzt unterschiedliche Auffassungen darüber gehört und gelesen, ob man bei der Schwarmkontrolle die Bienen von den Waben schütteln soll (um die Zellen nicht zu übersehen) oder nicht. Ich habe es zuletzt nicht gemacht, und schon dabei waren die sonst absolut handzahmen Bienen (wohl wegen des in der Nähe blühenden Rapses) ziemlich genervt. Wenn ich mir da vorstelle, 12 Waben leerschütteln zu müssen... :(


    Wie macht Ihr das?


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Johannnes,
    die Bienen sind weniger das Problem, sind es nicht die 12 Waben?
    Du musst Handgelenke und Unterarme wie ein Berserker haben, dass du von Dadantwaben Bienen schütteln kannst. Wäre da abkehren nicht gelenkschonender? Wie reagieren die abgeschüttelten Bienen? Ziehen die nicht gleich wieder auf die nächste(n) Waben und werden wieder beleidigt? Bei geteiltem Brutraum werden die Bienen sicher nicht so oft von den Waben gekickt. Die unteren Bienen (Wächterbienen) im ersten Brutraum sind immer unruhiger. Bei Zander ziehen sich die abgeschüttelten Bienen aus dem zweiten Raum in den ersten zurück. Bei Dadant sind die Wächterinnen auf jeder Wabe dabei und werden immer wieder aufgemischt. Bei Dadant würde ich nicht schütteln. Bruder Adam hatte sich bei Dadant schon was dabei gedacht: Durch die unhandliche Wabengröße werden die Imker immer dazu genötigt nach einer absolut schwarmträgen Biene zu suchen. Vielleicht passt das auch zur Dadant-Betriebsweise: Waben brauchen nicht abgeschüttelt werden, da das Volk erst kurz vor dem Schlupf der jungen Königin schwärmt und solche Zellen sind auch auf besetzter Wabe zu sehen. Mit dieser Biene braucht man auch den Brutraum nicht kippen.
    Gruß
    SH

  • Mann, Simon,


    Du schwitzt die Liebig-Orthodoxie ja aus jeder Pore (oder jedem Posting)... Ich muß zugeben, daß mich Dein "Einfach-imkern"-Fundamentalismus fast schon piesackt :wink: , wäre da nicht die Kompetenz in vielen Deiner Beiträge, vor der ich, Buckfast hin oder her, den Hut ziehen muß. Immerhin bin ich waschechter Anfänger...


    However, ich weiß nicht, wie viele Dadantwaben Du schon in der Hand hattest. Voll bebrütet sind die erstaunlich leicht. Das schaffe selbst ich, obwohl ich Handgelenke und Unterarme nicht wie ein Berserker, sondern eher wie ein Besenstiel habe.


    Trotzdem würde mich interessieren, ob Du schüttelst oder nicht, wenn Du nach 100 kippkontrollierten supersanften Immelieb-Riesenvölkern im Raps trotz Bildung von Sammelbrutablegern gegen jede Erwartung beim 101. Volk doch eine Schwarmzelle siehst... :P


    (Im Ernst, es interessiert mich wirklich.)


    Viele Grüße nach BW,


    Johannes

  • Hallo Johannes!
    Schön, wenn es noch eine Orthodoxie in der Bienenhaltung gibt, in meinem Sinne nicht nach Person oder Kult, sondern in geradliniger Verehrung der Sache. Wobei Liebig meilenweit von einer orthodoxen Bienenhaltung entfernt ist, denn jedes Jahr gibts was Neues. Wenn man in die imkerliche Landschaft und in die Imkerpresse schaut, ist die ultraorthodoxe Bienenhaltung noch Staatsreligion. Und vieles Neue entpuppt sich als wahrer Fundamentalismus!
    Wie du ja weißt, bin ich Zanderimker und auch ich muss Bienen schütteln (dieses Jahr vielleicht nicht mehr). Der erste Brutraum ist wirklich das Unangenehmste. Dazu stelle ich alle aufgesetzten Zargen auf die Stirnseite. Ich entnehme aus dem ersten Brutraum eine Randwabe und stelle sie vor die Beute. In den gewonnenen Raum schüttele ich die Bienen nun von der Wabe, sie fallen auf den Gitterboden. Die Bienen ziehen recht flott wieder auf die Waben, deshalb sollte man unten möglichst schnell sein. Danach setze ich den zweiten Raum auf; oft zieht ein Teil der Bienen freiwillig von den Waben nach unten. Mit etwas Rauch kann man das unterstützen. Im zweiten Raum wird es etwas schwerer, da die Randwaben manchmal Honig enthalten. Wenn der zweite Raum vor Bienen nur so quillt, schüttele ich dort auch alle Waben! Ich brauche ca. 8-10 Minuten pro Volk, um alle Waben durchzuschütteln und Zellen zu brechen. Das geht mit einem Dadantvolk sicher schneller.
    Dafür ist die Kippkontrolle eine gute Methode: Wer sie beherrscht, sieht innerhalb von 10-20 Sekunden was im Staate läuft. Außerdem kann man beim Kippen so viel über ein Bienenvolk lernen und verstehen. Nicht nur zur Schwarmkontrolle auch zur Prävention taugt sie. Man kann die Brutausdehnung sehr gut abschätzen und kann die zu schröpfende Wabe von unten ausmachen. Auch kann man die Schwarmstimmung, da man auf die Brutflächen und den Baurahmen sieht, graduell beurteilen.
    Wie läuft die Schwarmkontrolle in der "Dadant-Praxis"? Da gibt es sicher auch Kniffs und Tricks wie man die Schwarmstimmung ohne Wabenziehen herausbekommt. Ich denke mit einem Blick unter das Absperrgitter dürfte man doch auch eine Menge sehen. Vorausgesetzt die Brut sitzt oben. Kann man den Brutraum auch ankippen? Ist das eine Möglichkeit?


    Jetzt bin ich aber schon etwas "off topic", es ging ja ums schüttttteln.
    Ich arbeite auch mit Jugendlichen an Völkern und denen kann ich keine Dadantwaben zumuten. Die würden in Zukunft einen Bogen um die Imkerei machen, wenn sie ein verhonigtes Dadantbrutnest abschütteln müssten.
    Gruß
    SH

  • Hallo, Simon,


    danke für Deine differenzierte Antwort. Nicht nur die praktische Schüttelanleitung finde ich sehr hilfreich. (Hatte ja schon Sorge, Du hättest mir den letzten Beitrag krummgenommen...).


    Zur Schwarmkontrolle bei Dadant kann ich nur aus meiner spärlichen Erfahrung berichten. Ich erweitere den BR ja schrittweise mit Mittelwänden; ist die jüngste einigermaßen ausgebaut, kommt die nächste ans Brutnest. Im letzten Jahr konnte man das Einsetzen des Schwarmtriebs zuverlässig am (nicht mehr vorhandenen) Baufortschritt auf der letzten Mittelwand erkennen. Das gilt allerdings für Carnica, die Buckfastbienen hatten im letzten Jahr keine Schwarmstimmung. Dieses Jahr (jetzt in der Nähe des Rapses) gibt es zumindest bei einer zweijährigen Königin gepflegte Zellen. Daher auch meine Frage. Wobei ich keinen Ehrgeiz daran setze, keine Wabe ziehen zu müssen. Aber das ist sicher Geschmackssache.


    Ein verhonigtes Brutnest hatte ich bisher noch nicht. Derzeit werden bei mir 11-12 Dadantwaben praktisch restlos bebrütet; das Gewicht ist also wirklich nicht das Problem. Ich würde auch vermuten, daß das Brutnest zumindest in diesen Breiten eher außerhalb der Schwarmzeit verhonigt (was man aber wohl verhindern kann), also das Schütteln von Futterwaben entfällt. (Das würde meine Arme in der Tat überfordern.) Wenn wir denn überhaupt eine nennenswerte Spättracht haben. Letztes Jahr hatten wir ausnahmsweise eine Buchen-Waldtracht, aber die setzte schon im Mai ein.


    Viele Grüße, Johannes

  • Du schreibst bei deinen Völkern sind 11 bis 12 Dadantwaben bebrütet.
    Also das schafft keine Königin.
    Ist eine Dadantwabe voll bebrütet sind das ca. 8000 Brutzellen.
    Bei 8 bebrüteten Waben sind das ca. 64 Tausend Brutzellen. Die Königin hat 21 Tage Zeit diese zu bestiften, dann muß sie wieder von vorne beginnen. Das macht 3047 Eier pro Tag. Ich denke das ist schon eine sehr gute Königin die das über längere Zeit durchhält.
    Bei einer angenommenen Lebensdauer von 42 Tagen könnte so ein Volk theoretisch auf ca. 120 000 Bienen Volksstärke anwachsen. Das müsste doch reichen, oder ??


    Gruß
    Alfons

  • hallo,
    mal eine Frage zum "Schütteln". Wie verträgt die Brut solche Behandlung?
    Als gelernter Hinterbehandlungsimker erscheint mir ein Abschütteln von Brutwaben nicht nur für den Inker risikobehaftet.
    Grüße ralf_2

  • Wie sich das Wabenschütteln auf die Brut auswirkt, kann ich nicht sagen. Ich habe noch keinen negativen Effekt bemerkt. Die Larven könnten etwas im Futtersaft rutschen. Ich glaube die Auswirkung einer Wanderung ist größer.
    Gruß
    SH

  • Hallo Freunde,


    habe gestern - trotz Kälte - Schwarmkontrolle machen müssen. Bei mir ein echtes Schwarmjahr. Die Völker im Raps sind die reinste Katastrophe. An abschütteln ist nicht zu denken, die sind dann nicht mehr zu halten. Ein Volk auf dem Heimatstand dagegen absolut friedlich. Königin gesucht - dann alle Waben (Zander) der Reihe nach kurz abgeschüttelt und alle Weiselzellen gebrochen.


    Liebig macht ja darauf aufmerksam, dass bei Schwarmtriebigkeit der Sammeleifer nicht gestört ist, nur die Bautätigkeit eingeschränkt ist. Wir werden sehen! :o


    Jedenfalls setzt die Schüttelorgie handzahme Bienen voraus. Dann funktioniert es aber.


    Viele Grüße
    Christoph

  • Moin Imkers,


    ich schüttele nicht (obwohl ich vielleicht sollte :wink: )

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    solange du dich nicht vor den Bienen schüttelst, geht es ja noch. Die Gefahr eine gepflegte Zelle zu übersehen, ist doch recht groß. Dabei geht es nicht um die Zellen, die an den Rähmchenleisten oder auf den Waben erscheinen, sondern besonders um diejenigen, die an den Seiten halb krumm zwischen Seitenteilen und Waben angelegt sind.


    Wie geht es eigentlich deinem Monstervolk? Neue Königin in Eilage und alles ausgestanden? Bei dem würde ich übrigens nicht schütteln!


    Viele Grüße
    Christoph

  • Ja,
    ich oute mich als Schüttler,
    aber nicht vors Flugloch, sondern in den Kasten,
    also wenn die Wabe fast drin ist.
    Die sind so verwirrt, daß sie fast nicht auffliegen.
    Die paar die noch dran hängen, stören nicht beim Suchen.


    MfG


    Erwin