Warum herkömmliche Beuten verwenden?

  • Moin Imkers,


    ich möchte gerne wissen, warum wir Imker es uns so schwer machen.


    Ich finde die Top Bar Hives sehr interessant: keine Rähmchen mehr basteln, keine komplizierten Bienenkästen konstruieren. Das ist doch auch wirtschaftlich: wenn ich hunderte Euro investieren muß, um Kästen und Rähmchen zu kaufen, dann rentiert sich die Imkerei weniger schnell, als wenn ich selber Kisten und Oberträger basteln muß. Auch ließe sich Scheibenhonig bestimmt besser verkaufen. Den kann man im Supermarkt bestimmt nicht kaufen.


    Und für die Biene ist so eine Top Bar Hive bestimmt auch besser: weniger Störung (es werden nur einzelne Träger abgenommen, das Licht scheint nicht in die ganze Beute), der Rauminhalt ist kleiner = besser regulierbar.
    Diese Kästen können auch schneller erneuert werden, die Kästen müssen nicht hundert Jahre genutzt werden, um sich zu rentieren. Die Bienen haben sauberere Wohnungen.


    Es gibt weniger zerquetschte Bienen, weil die Seiten- und Unterträger sie nicht stoßen. Ich brauche auch nicht doppelt soviele Rähmchen, sondern ich schneide die Wabe ab, lasse einen Streifen stehen, so daß die Bienen wieder einen roten Faden haben und gut ist.


    Ich brauche auch keine Schleuder, sondern baue eine Presse - vielleicht sogar aus einem alten Wagenheber. Anstatt Schleuder- dann Presshonig.
    Anstatt die schweren Kisten mit Rähmchen, Honig und den Waben, transportiere ich nur die Waben.


    Warum machen wir uns das so schwer? Warum kaufen wir alles, was uns da so angeboten wird? Warum arbeiten große Imkereien nicht mit Top Bar Hives? Die sind doch viel schneller durchgearbeitet, als herkömmliche Beuten. Und viel weniger Honig gewinnt man durch sie auch nicht. (mir fehlen hier Erfahrungswerte). Anstatt einer großen Ernte werden die hinteren Waben eben häufiger weggenommen. Bedeutet auch Verteilung der Arbeitslast.


    Die Top Bar Hives finde ich innovativer als die Einraumbeute der Mellifera e.V., die ja im Prinzip das Rad neu erfunden haben. Immer noch Rähmchen. Der Rauminhalt ist groß, anstatt einen teilbaren Raum hat man eben einen Raum. Naturwabenbau statt Mittelwände, OK. Aber richtig überzeugend einfach ist diese Betriebsweise nicht.


    Warum schwer, wenn es doch einfacher geht? Das frage ich euch, liebe Imker.


    Bis denn,


    Bernhard Heuvel

  • Hallo Bernhard,


    ich könnte jetzt "googlen", aber ich frage dich lieber, was ist "Top Bar Hive "?
    Danke für deine Ausführungen.


    Gruß Peter

  • Moin Bernhard,


    frag' Dich das mal selber!


    Ganz im Ernst, niemand hat etwas dagegen, daß Du in TopBar-Hives imkerst und auch nicht, daß Du versuchst Scheibenhonig am Stück zu verkaufen. Du darfst Dir Deine Beuten auch gerne selber nageln und Deinen Honig mit dem Wagenheber auspressen. Vielleicht kannst Du auch die ganzen Nebenprobleme lösen, die in anderen Gegenden nicht auftreten, wie unverträglicher Waldhonig, steinhart werdender Rapshonig, Zuckerfutter im Winter, Bauruhe von Juli bis April, Lagerung von Wabenhonig, Anpassung der Raumgröße im Winter, Wanderungen in Volltrachten und Bestäubungseinsätze, Einhalten der Eiweißfreiheit im Honig und und und.


    Wenn Du dann immernoch der Meinung bist, es wäre wirtschaftlicher einen ganzen Betrieb auf so einer Mode aufzubauen, dann hast Du uns alle an die Wand gespielt und wir werden es Dir nachmachen. :lol:


    Einige TopBar-Hives aufzustellen, für exotische Bienenprodukte und zur eigenen Freude an der Beobachtung - OK. Aber bitte denkt bis über die nächsten zwei Winter und auch daran, daß es ein Tierversuch ist.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Zitat

    Einige TopBar-Hives aufzustellen, für exotische Bienenprodukte und zur eigenen Freude an der Beobachtung - OK. Aber bitte denkt bis über die nächsten zwei Winter und auch daran, daß es ein Tierversuch ist


    Naja, als Tierversuch würde ich das nicht bezeichnen wollen.


    Aber TopBar-Hives gehen natürlich in der Entwicklung zurück in eine Zeit, als der Stabilbau sich langsam zum Mobilbau entwickelte.
    Die oben aufgezählten Vorteile der TopBar-Hives sehe ich nicht. Eher die Nachteile, die Henry aufgeführt hat. Aber bitte, jeder nach seiner Fasson, so wie heute wieder mit Körben gearbeitet wird, warum nicht auch mit TopBar-Hives?
    Ich allerdings bleibe beim heutigen Mobilbau mit Rähmchen. Der ist zwar Materialintensiver aber auch rationeller. Und Wabenhonig mache ich mit Ross rounds, das funktioniert gut.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Moin G. Wustmann,


    Zitat

    Naja, als Tierversuch würde ich das nicht bezeichnen wollen.


    Wie nennt man das, wenn jemand ausprobiert, ob eine Tier eine Überwinterung unter bestimmten Bedingungen, also z.B. in einer bestimmten Beute überlebt?


    Wie nennt man das, wenn jemand versucht Bienen auf Raps- oder Waldhonig zu überwintern, obwohl er seit Freudenstein weiß, wareum man das nicht tut?


    Und wie nennt man's, wenn jemand mit einer Betriebsweise auf Völker einwirkt, die immer auch den Wabenbau nimmt, wenn Honig entnommen wird und sehen will, ob und wie das geht?


    Man nennt das Tierversuch. Oder?
    (Oder vielleicht sogar unnötigen Tierversuch?)


    PS: Der Beitrag klingt wieder viel härter als gemeint. Ich will nur mal daran erinnert haben, daß ich Bienen mag und als beeindruckende Lebewesen sehe und ihnen solche Tests ersparen will, wenn's denn irgendwie geht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Peter,


    probier's mal hier:
    http://wind.prohosting.com/tbhguy/b.htm


    Wenn du dort weiter klickst, findest du Bilder, Bauzeichnungen, Betriebsanleitung usw.,
    leider alles auf "amerikanisch".

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Hallo Henry,


    Wie nennt man es, wenn man Bienen zwingt,:
    - auf Mittelwänden zu bauen,
    - in Beuten mit sehr schlechter Lüftung zu leben,
    - mit Zucker zu überwintern,
    - regelmäßig Bauerneuerung durchzuführen?


    Jede Tierhaltung kann man so als Tierversuch abstempeln.
    Die Haltung in TBH's kann jedenfalls für sich verbuchen, mit erprobteren, weil älteren Methoden, zu arbeiten.


    Grüße, Thomas

  • Moin Thomas,


    Thomas Hädrich schrieb:

    Die Haltung in TBH's kann jedenfalls für sich verbuchen, mit erprobteren, weil älteren Methoden, zu arbeiten.


    Ja, aber eben nicht hier! Hier hat man früher wegen der Kälte die Beuten und Körbe sogar eingegraben. Weil etwas älter ist, das nun gleich als erfolgreicher hinzustellen oder als tiergerechter kann's ja wohl nicht sein. Kein Mensch käme auf die Idee (zum Test) Wunden mal wie früher wieder auszubrennen, obwohl das früher und insgesamt länger auch ganz gut fuktioniert hat. Oder?


    Mag sein, daß ich heute auch etwas dünnhäutig bin, weil ich gerade erfahren habe, daß der Imker der letzten Dienstag zwei randvolle auf eine Zarge eingeengte Völker von mir gekauft hat, diese hat verbrausen lassen. Und das nicht beim Transport oder weil er aufgehalten wurde, sondern weil er die vorgestern Abend zugestopft aber die Windeln drunter gelassen hat. Gestern früh als er weg wollte, war alles schon zu spät. Sowas sind keine einfachen Fehler. Sowas ist Unwissen und mangelde Achtung vor den Bienen. Wenn man sich nicht auskennt muß man halt fragen. Und wenn man nicht fragt und seine Erkenntnisse gerne selbst gewinnen möchte und Bienen dabei drauf gehen ohne daß das einer höheren Sache dient, dann sind das für mich eben unnütze Tierversuche die den Massenhaften Tod wirbelloser, aber eben Lebewesen zur Folge haben. Scheißegal ob das nun meine Völker waren, die ich gerade durch den Winter gebracht hatte. :evil: Ich bin halt Bienenretter. :cry: Und rette auch fremde Bienen. (Frauen, besonders eigen natürlich aber auch)

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, Bernhard,


    ich denke auch, als Beobachtungsbeute ist das eine prima Sache, aber in Mitteleuropa auf TBHs eine Imkerei aufzubauen, halte ich für illusorisch.


    Die Top Bar Hive in ihrer modernen Form kommt, soweit ich mich erinnere, aus Afrika, wo man in Entwicklungsprojekten nach einem Weg gesucht hat, total armen Menschen eine Möglichkeit zu eröffnen, sich ein wirtschaftliches Standbein zu schaffen. Die Vorteile:


    1. Im Gegensatz zur traditionellen Bienenhaltung, bei denen z. B. aus hohlen längs aufgehängten Baumstämmen der Honig geplündert wurde und die Völker dabei z. T. draufgingen, können die Völker im TBH-Mobilbau planmäßig bearbeitet und geführt werden.


    2. Dazu braucht es aber mit einer TBH kaum Investitionen, und das ist entscheidend. Keine teuren Rähmchen, Mittelwände, Absperrgitter, Zargen, Einlöttrafos, Schleudern, Ambrosiasirupe und was sonst noch, sondern nur eine einfache wannenförmige Kiste (selbstbaugeeignet) und ein paar Latten.
    Der Honig kann in der Wabe vermarktet werden, ggf. wird gepreßt.


    (3. Nur nebenbei ist interessant, daß z. B. im Arabukoprojekt in Kenia die Leute, die früher aus Existenznot den Wald gerodet haben, jetzt von einem intakten Wald und dessen Erhaltung profitieren.)


    Der Unterschied, der die Sache letztlich nicht übertragbar macht, ist der: es gibt keinen Winter und damit auch kein Überwinterungsproblem. Es wird nicht eingefüttert, sondern die Bienen leben von der nicht geernteten Honigreserve. Die Ernte erfolgt - soweit ich weiß - eher kontinuierlich und nicht in 1 oder 2 Blöcken nach den Haupttrachten.


    In Amerika sind, glaube ich, die kenianischen TBHs im Rahmen der Kleinzellendiskussion erst "importiert" und inzwischen viel nachgebaut und modifiziert worden. Es ging Leuten wie Dennis Murrell, Barry Birkey und vielen anderen darum, das Bauverhalten der Bienen und die Waben- und Brutneststruktur zu studieren. Bis auf einige wenige Ausnahmen imkert niemand dort im großen Stil, also berufsmäßig mit TBHs. Überwintert wird in den TBHs auf Honig. In den Gegenden, aus denen ich Erfahrungsberichte kenne, gibt es keine ballaststoffreiche Honigtautracht, auch der Honig zur Überwinterung ist Blütenhonig. Wie soll das hier in Mitteleuropa funktionieren?



    Henry : Deinen Rundumschlag kann ich nicht in allen Punkten nachvollziehen.

    Zitat

    Wanderungen

    mit TBH werden zumindest in den USA regelmäßig praktiziert,

    Zitat

    Bestäubungseinsätze

    fährt mindestens ein Imker dort mit 200 Völkern in TBHs und verdient damit sein Brot.

    Zitat

    Anpassung der Raumgröße

    ist bei der TBH Routine (Trennschied).


    Darüber hinaus ist nicht jeder Tierversuch tierfeindlich. Mancher Routineeingriff (Rausschneiden der Drohnenbrut) ist aus der Sicht des Volkes sicher um vieles brutaler als die Führung eines Testvolkes in einer Naturbau-Testbeute mit mobilen Waben. Und bei manchem Tierversuch scheinen sich die Tiere wohler zu fühlen als die versuchslosen Wirtschaftstiere nebenan (komm mal bei meinem Stabilbaukasten vorbei!).


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Henry,


    ich glaube, wir zwei Bienenretter haben uns da mißverstanden.

    Henry schrieb:

    Weil etwas älter ist, das nun gleich als erfolgreicher hinzustellen oder als tiergerechter kann's ja wohl nicht sein.


    Das Ältere wurde nicht automatisch als das Erfolgreichere hingestellt. Es hat nur den Vorteil, daß man es genauer einschätzen kann oder können sollte. Neuere Ideen können das nicht von sich behaupten, sie müssen sich erst noch bewähren.


    Grüße, Thomas


    P.S.: Die verbrausten Völker tun mir leid.
    Es ist traurig mit anzusehen, wie manch Tierhalter in selbstherrlicher Überschätzung zu wissen glaubt, was richtig ist, oder einfach nur achtlos ist.

  • Thomas Hädrich schrieb:

    Es ist traurig mit anzusehen, wie manch Tierhalter in selbstherrlicher Überschätzung zu wissen glaubt, was richtig ist, oder einfach nur achtlos ist.

    So ist es Thomas,


    und leider bin ich zu sehr Weichei, als daß mich sowas dann kalt ließe. Und wenn ich dann noch Beiträge lesen muß, wie den ersten hier, und ich innerlich damit rechne, daß irgendwer da draußen jetzt allen erfahreneren Imkern beweisen muß, daß TopBar-Hives hier eben doch gehen und dabei wieder Bienen draufgehen oder gequält werden und das letztendlich nur aus Geiz oder Unbelehrbarkeit oder mangelndem Weitblick, dann explodier ich schon mal. Doch so richtig schuldig fühl' ich mich jetzt nicht. Wer mit seinen Beiträgen derartig provozieren will, wird so ein Echo auch erwartet haben (oder er beweist schon wieder mangelnde Weitsicht)


    Bienenhaltung hat viel mit innerer Einstellung und mit solchen Dingen wie Erhaltung der Schöpfung und Nachhaltigkeit und Naturverbundenheit zu tun. Bienenhaltung spielt sich im Kopf ab. Man muß lernen einzuschätzen, was (seinen) Bienen nützen oder schaden könnte und immer und weit vorausdenken. Gerade deshalb setzten sich tiefgreifende Neuerungen gerade in der Imkerei ja so langsam durch, weil die Imker eben keine Experimente mit (ihren) Bienen machen wollen. Und ich bin ein Imker. (Oder versuche es wenigstens zu sein. :wink: )

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Alle, Moin ganz besonders Henry,


    ich wollte mit meinen Beitrag nicht provozieren, sondern einfach mal hören, was Ihr alle von dieser Idee haltet. Aus dem Alter bin ich dann ja doch schon raus.


    Ich bin nicht der Meinung, daß alles was teuer ist, auch gut ist. Ich bin nicht geizig - kein Wachskrümelsammler. Aber ich kann rechnen. Und ich kann beobachten. Und wenn ich meine, daß die Top Bar Hive gegenüber gewöhnlichen Betriebsweisen ihre Vorteile hat, dann lasse ich mich gerne über die Nachteile aufklären. Das war eher Zweck meines Beitrags.


    Ich bin kein Freund von Überzucht, chemischer Behandlung und dramatischen Techniken. Ich bin deswegen Imker, weil ich möglichst naturverbunden sein möchte. Wenn ich dann Imker mit Gasmasken sehe, Imker mit Spritzen, Imker mit solarbetriebenen Temperaturfühlmessanlagen und automatische Klimaanlage in Ihren Stöcken, dann fühle ich mich "etwas" befremded. Die Betriebsweise in stapelbaren Kisten, die auf Autoreifen stehen und mit einer wunderschönen Plane abgedeckt ist, passt sich auch nicht gerade ideal in die Landschaft ein (das musst auch Du zugeben, Henry).


    Aber ich will nicht alles verteufeln.


    Doch um mal auf die angeblichen Nachteile einzugehen. Kälter als Magazinbeuten kann es in TBH auch nicht sein. Die Dicke der Wände und des Deckels sind wohl dieselben. TBH gibt es auch in Kanada.


    Mit einer TBH ist es auch möglich, zuzufüttern mit Zucker. Genauso wie mit Magazinbeuten. Da kommt ein Futtereimer oben drauf oder der hintere Teil der Beute wird mit Futterteig versehen. Also wie üblich. Da gibt es kaum Unterschiede in den Möglichkeiten.


    Die Lagerung ist ein Problem? Warum? Erstens fällt nicht so viel Honig auf einmal an, und zweitens lässt sich Preßhonig wahrscheinlich genauso lagern wie geschleuderter Honig. Ich sehe da keinen Unterschied. Der Transport ist sehr viel einfacher - die Ernte insgesamt. Ja. Aber die Lagerung?


    Wanderungen sind kein Problem, auch große Imkereien in Nordamerika setzen TBH auf Wanderungen ein.


    Eiweißfreiheit, hmm. Lässt sich gepresster Honig nicht filtern? Ich persönlich fände es toll, wenn der Honig nicht mehr klar ist. Der ganze Pollen, Wachsteilchen usw - das bereichert doch den Geschmack und den Nährwert.


    Das der Mobilbau mit Rähmchen gerade eben nicht rationeller ist, das versuche ich herauszufinden. Es ist kein Geiz, wenn ich rational denke. Die meisten von uns müssen für ihr Geld arbeiten, und auch die Bienen müssen arbeiten, um das investierte Geld wieder reinzubekommen. Wenn ich weniger Investitionskosten habe, müssen die Bienen auch weniger Honig ernten.


    Noch einen persönlichen Beitrag an Henry: ich möchte nicht provozieren und schon garnicht irgendwas beweisen.
    Ich finde die Weise, mit der wir hier in Deutschland mit den Bienen umgehen "nicht toll". Erinnert mich an Massenhaltung, Industrialisierung der Tierhaltung. Henry, es erinnert mich einfach zu sehr an die Käfighaltung bei Hühnern. Die Hühner haben alles was sie brauchen in so einem Käfig (wird behauptet).
    Die Bienen haben auch alles was sie brauchen. Nur haben sie keine Königin, die sie für länger als ein Jahr behalten dürfen, sie dürfen nicht schwärmen, sie dürfen nicht die Zellen bauen, die sie wollen (Mittelwände) und und und. Das finde ich ist ein Tierversuch. Wenn es andere Möglichkeiten gibt, Bienen zu halten und diese auch einen vergleichbar nutzvoll für den Menschen ist - warum nicht?


    Alles zu verteufeln, weil es neu ist - das ist nicht weitsichtig. Und wer weiß, vielleicht stirbt ein Volk bei meinem Experiment. Aber was ist mit der Gesamtheit der Honigbiene, wenn nicht endlich die Überzüchtung aufhört?
    Was ist, wenn die Honigbiene schwächer und schwächer wird durch unsere Betriebsweise? Was ist, wenn sie ohne uns nicht mehr überlebensfähig sind? Können wir das verantworten?


    Ich finde, Industrie hat nichts verloren in der Landwirtschaft.
    Rationelles Arbeiten, ja. Massen produzieren, ja. Aber es gibt natürliche Grenzen, die wir schon lange überschritten haben.


    Ich möchte nicht alles verteufeln, wie gesagt. Wir Imker sind als Nutzer der Natur schon eher verbunden mit dem was draußen sprießt und gedeiht, als manch andere. Aber gerade da liegt unsere Verantwortung. Denn wir sind diejenigen, die beobachten können und dementsprechend handeln.


    Soweit mein Standpunkt. Ich hoffe nicht, mit einem Radius von Null, sondern weitsichtiger.


    Viele Grüße an alle, wäre schön, wenn sich Stabilbau- und TBH-Imker melden würden und auch öffentlich ihre Meinung sagen. Über ihre Erfahrungen berichten.


    Bernhard Heuvel

  • Moin Bernhard,


    wenn Dein erster Beitrag nur die Frage nach den Nachteilen der TBH war dann hätte er in etwa so lauten sollen: "Was sind die Nachteile von TBH?" :lol: Dann hätte es wohl auch eine sachliche Diskussion gegeben.


    Tatsächlich stand da aber sowas wie, warum sind wir (also ich und alle anderen, aus Sicht des Schreibers) so blöd und kaufen allen teuren Mist, wo's mit TBH doch so einfach und viel viel besser sein kann. Und genau da liegt die provozierende Unterstellung. Ich, der ich einer der anderen (im "wir") bin, kaufe nämlich nicht jeden teuren Mist und bin auch nicht der Meinung, daß das was ich hier betreibe unwirtschaftlich, bienenschädlich und fremdgesteuert ist.


    Und nun etwas zu Weitsicht: Füttern kann man in jeder Beute. Einen Klumpen Zuckerteig bekommt man in jeden Korb oder auch in jeden Schuhkarton. Das Problem ist nicht das Rein sondern das Raus! Wie nehme ich ein Zuviel an Futter vor Beginn der Tracht aus einem (oder einer :wink: ) TBH raus und lasse die Brut und die Leerwaben drin? Und wie kriege ich den Rapshonig und eventuell den Waldhonig möglichst restlos raus? Die Betriebsweise in TBHs sieht füttern nicht vor und auch keine Überwinterung auf Zucker. Wenn Du das ausprobieren willst wünsche ich um der Bienen willen sehr viel Erfolg.


    Wie erweitere ich denn im Frühjahr? Es gibt ja keine leeren intakten Waben außerhalb der Kisten. Im März wird aber noch nicht gebaut. Es ist schließlich alles Naturbau. Die Bauzeit beginnt in Kirsche und Raps, also ist Rapshonig im neuen Bau. Also Tschüß Schwärme.


    Wie lagert man Scheibenhonig mit Rapshonig drin?


    Wie preßt man kandierten Honig?


    Ehe Du ganz bewußt Bienenvölker bei einer Überwinterung riskiertst, die Dir nichts aber auch garnichts zu Leide getan haben, versuch doch mal, ob es weh tut, wenn Du Dir einen Hammer aus einem Meter Höhe auf die Große Zehe fallen läßt. Richtig, bei diesem Experiment würdest Du dann selbst was riskieren nur so für die eigene Erkenntnis und es würden nicht nur einfach Bienen eingehen. Wenn du Dir 'ne zerkloppte Zehe schmerzmäßig vorstellen kannst und das Experiment dann lieber läßt, dann versuche Dir nur ansatzweise vorzustellen, was ein Bienenvolk während es im Winter auf knochenhartem Rapshonig eingeht, so mitmachen muß. Vielleicht wirst Du ja dann doch weit- und einsichtig.


    Ansonsten kannst Du hier im Forum oft und gerne lesen wie viele Anfänger danach fragen worin man so alles überwintern kann und wie. Wieviel der Versuchsvölker dann doch eingegangen sind schreiben die Frager dann nicht mehr. Aber alle Leser leben damit, daß da draußen solche Versuche laufen, obwohl sie nicht nötig sind. Und wenn dann irgendwo ein EWK überwintert wurde, werden das wieder zig andere ausprobieren.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,


    da ist man provozierend und weiß es garnicht. Tschuldige Henry, das wollte ich nicht. Es ist schwer eine sachliche Frage zu stellen, frei von Zweideutigkeit. Jeder liest eben etwas anderes aus Geschriebenem.


    Um wieder zum Thema zurück zu kommen: den Zucker bekäme man auch wieder raus. Du nimmst die Waben einfach raus - fertig. Die Träger der Waben sind ja im Prinzip im Mobilbau. Da unterscheidet sich doch nichts von der herkömmlichen Version. Die wesentlichen Unterschiede sind doch: keine gestapelten Kisten und keine seitlichen und unteren Rahmen. Keine Drahtung. Ansonsten ist doch alles gleich. OK, kein Absperrgitter - aber das ist ja kein Nachteil. Anstatt dessen wird eine volle gedeckelte Wabe als Absperrung genommen. Angeblich soll die Königin nicht um diese Wabe herumarbeiten.


    Reinhängen von ausgebauten Waben ist doch wohl nicht zwingend notwendig. Schließlich bauen die Bienen soviel aus, wie sie benötigen. Gibt man ihnen ausgebaute Waben, dann gibt es natürlich einen Schub. Sie entwicklen sich toll - aber eben nicht der Jahreszeit angepasst. Warum gibt es denn immer wieder Notfütterungen? Die Völker sind zu groß, künstlich angetrieben. Auf Leistung getrimmt.


    Im wilden Bienenstock gibt es doch auch keinen Imker, der diesen ausgebaute Waben oder Mittelwände zugibt.


    Du hältst immer noch daran fest, daß Scheibenhonig gewonnen wird. Ich kann diesen Scheibenhonig auspressen. Wie bekommst Du denn deinen kandierten Honig aus den Waben? Für Dich als Imker sollte es doch kein Problem sein Honig aus Waben zu bekommen? (DAS war jetzt provokativ gemeint - aber immer noch freundlich, ok :D ) Nur weil ein Stückchen Holz drumrum ist, wird doch das Ernten nicht leichter (im Gegenteil).
    [Schleudern ja, aber warum unbedingt schleudern?]


    Gerade weil wir beide, Henry, uns um das Wohl der Bienen sorgen, sollten wir immer überdenken, ob es für die Bienen und uns nicht einen eleganteren Weg gibt. Nur weil wir "es" immer so gemacht haben, müssen wir es nicht weiter so machen. Sonst gäbe es heute noch Sklaverei, Diktatoren und Frauen hätte keine Rechte in Europa.


    Vor nicht allzu langer Zeit haben Imker in Körben und anderen Gefäßen geimkert - auch hier in Europa.


    Die genannten Top Bar Hives (grobe Übersetzung: Oberträgerbeuten, da nur oben Hölzer aufliegen, an denen die Bienen die Waben heften) stammen laut einer Internetquelle ursprünglich aus Griechenland. Zumindest sind dort die ältesten TBH gefunden worden.


    Die modernen Magazine haben sich vielleicht sogar aus den TBH entwickelt. So gesehen wäre es ein Rückschritt, wieder TBH zu benutzen.
    Aber es macht mir auch mehr Spaß, Brot aus einem Steinofen zu ziehen, als aus einem Backautomat. Und: es schmeckt phantastisch.


    Gesunde Bienen und immer Spaß beim Imkern, egal welche Betriebweise,
    wünscht


    Bernhard