Warum reißen meine Zander-Holzzargen ein?

  • Liebe Imkerfreunde,


    bei meiner ersten kurzen Frühjahrskontrolle ging es allen Völkern gut! Nur die Zandermagazine haben den Winter und das bisherige Frühjahr nicht so gut überstanden.
    Meine Beuten sind zwei Jahre alt. Ich habe sie damals teils nach Dr. Liebigs Bauplänen aus Weymouthkiefer selbst gebaut und teils gekauft ( Kiefer oder Fichte). Von beiden Zargensorten sind einige an den Seiten in Längsrichtung teilweise stark eingerissen. Dadurch liegen die Zargen nicht mehr plan aufeinander, so dass die Bienen zwischen den Zargen mitunter durchschlüpfen. Das scheint mir für die Bienen nicht gesund zu sein!
    Muss das repariert werden? Welche Tipps habt ihr dazu? Wie kann ich solche Schäden vorbeugen?


    Vielen Dank im voraus und ein gutes Bienenjahr wünscht
    Andreas

  • Hallo Andrea,


    klemme dir doch mal so ein Ding unterden Arm und frage einen Schreiner.
    Die kennen sich mit Holz aus.
    Dass du sie reparieren mußt, ist wohl klar, aber wie das geht, kann der dir vielleicht auch sagen.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Moin Andreas,


    Liebigs Einfachbeute ist vor Allem einfach und das bedeutet, daß in der Zarge das Holz liegend verarbeitet wird. Billige Bretter halt, zum Kasten geschraubt und geklebt. Holz nimmt quer zur Faser bis zu 20% zwischen 0 und 100% Holzfeuchte zu. In der Länge jedoch nur max. 3%. Deshalb sind fast alle anderen Beuten mit stehendem Holz gebaut. Wenn die Holzfeuchte schwankt (und nat. nie 0% oder 100% erreicht) dann kann man immer noch von 10% Zuwachs ausgehen. Aus 23cm Zargenhöhe werden also schnell mal 25cm mit allen Folgen für den BeeSpace zwischen den Zargen. Da Holz aber auch nicht gleichmäßig schwindet und quillt (gerade um Astlöcher) müssen sich Vollholzzargen stark verziehen.


    Liebig empfiehlt inzwischen auch gespundetes Holz gegeneinander verleimt. Genau aus dem Grund des Verziehens. Nacharbeit ist dennoch nach dem ersten Winter und dem ersten Sommer fast immer nötig.


    Michaels Tischlerempfehlung macht also durchaus Sinn.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    Liebig Einfach-Beuten haben ihren Namen, weil sie einfach gebaut sind und nicht, weil billiges Holz verwendet wird.
    Obwohl der Eine oder Andere dies sicher so handhabt. :D


    Beim Holz unterscheidet man drei Schwindmaße.
    In der Längs, Radial- und Tangentialrichtung, wobei diese sich ganz grob wie 1:10:20 verhalten.
    Am Beispiel eines Rundholzes: die Länge (eh klar), der Durchmesser und der Umfang.
    Die Werte sind aber bei den einzelnen Holzarten verschieden.
    Die kleinsten Schwindmaße gibt es in der Länge 0,3-0,5%, 8) und sind in der Tischlerei zu vernachlässigen.
    Für Radial und Tangential einige Zahlen in Prozent:


    Fichte: 3,6 / 7,8
    Kiefer: 4,0 / 7,8
    Lärche: 3,3 / 7,8
    Weymouth: 2,3 / 6,0


    Buche: 6,8 / 11,5
    Als Vergleich: Die Buche ist aber bekannt dafür, dass sie sehr "arbeitet".


    Jetzt kommt es aber drauf an, wie feucht das Rohmaterial ist.
    Diese Schwindmaße gelten nämlich bei einer Reduzierung vom Fasersättigungszustand ( ca. 25-30% Feuchte) auf etwa 12%.
    Frisch geschnittenes Holz hat so 30-50%. (manche auch mehr)


    Eine Brett aus Fichte mit liegenden Jahresringen mit z.B. 229 mm Breite schrumpft oder wächst also zwischen 27% und 12% tatsächlich ca. 18 mm.
    Aber auch mit stehenden Jahresringen bleiben noch immer 8 mm Unterschied.


    Aber wer baut schon Beuten aus solchem Holz.


    Ich geh mal davon aus, dass zumindest im Freien abgelagertes Holz beim Beutenbau verwendet wird. Hier kann man von einer Holzfeuchte von 12-16% ausgehen.
    Das ist aber die selbe Feuchtigkeit, die Beuten haben, die das ganze Jahr im Freien stehen.
    Wenn diese mit solchem Holz gebaut werden, gibts nur minimal falsche Maße.
    Aus Erfahrung 8) , mit 1-2 mm Toleranz komm ich aus, kommen die Bienen aus, damit kann jeder leben.


    Außerdem sollten die Zargenwände nicht aus einem Brett, sonder aus 5-6 cm breiten Leisten zusammengesetzt sein, da gibts kein Verziehen und keine Risse, die Äste spielen keine Rolle mehr und liegende und stehende Jahresringe sind gut verteilt.


    Hoffe das war jetzt nicht zu lang.


    lg
    alfred

  • Hallo Andreas,
    ich möchte bekräftigen, was Alfred sagte: Die Bretter dürfen nicht aus einem Stück sein, sondern müssen aus mehreren Leisten verleimt werden. Gerade bei warmem, trockenem Wetter mit reichlichem Nektareintrag und/oder starker Bruttätigkeit entstehen massive Feuchteunterschiede im Inneren und an der Aussenseite der Beute. Das Holz reagiert auf der Innenseite mit Feuchtigkeitsaufnahme. Es quillt. Und auf der Aussenseite trocknet es. Es schwindet. Die auftretenden Kräfte kann ein 20cm breites, an den Enden verschraubt und verleimtes Brett nicht aufnehmen und reißt. No chance!


    Da durch die Risse räubernde Bienen eindringen können oder auch das Wandern erschwert wird, möchte ich dir raten Abhilfe zu schaffen. Eine Idee, wie Du deine Beuten dauerhaft reparieren kannst habe ich leider nicht.


    Viele Grüße
    Stefan Kahlert

  • hmpf, also ich hab jetzt genau das gleiche Problem mit den Zargen. Ist denn hier kein Holzfachmann? Was haltet ihr von Holzkitt? Zusammenpressen werden sich die Zargen wohl nicht lassen.

    ___________
    Ich bin nicht die Signatur,
    ich putze hier nur.

  • Nicht verzweifeln, Ihr liebt doch Holz :wink:


    es gibt Parkettritzen-Fugenmasse auf Acrylbasis. Die bleibt dauerelastisch und fängt normalerweise das Schwinden und Quellen von Parkettfußböden an Schwellen und Rändern ab. Diese Masse gibt es in Kartuschen und in fast allen gängigen Holzfarben. Damit kann man auch mal ein Astloch wieder einkleben.


    Auf Zweikomponentenbasis gibt es von UHU einen Kitt mit dem man sogar Scharniere in Schranktüren aus Spanplatte wieder einkleben kann. Das Zeug ist für alle ausgebrochenen Ecken und Kanten, Löcher und Spalten geignet, aber es ist nicht so flexibel wie die Parkettmasse. Man kann damit aber Zargenbretter an den Kanten ausgleichen, was mit Klebendem Zeug ja nicht geht. (Es sei denn man wolle die Zargen miteinander verkleben :lol: )


    Holzkitt auf Lackbasis ist für Beuten ungeeignet. Der wird knochenhart und spröde und fällt irgendwann einfach raus.


    In Holzkaltleim eingerührte Holz-Schleifstäube sind die billige und sehr gute Alternative. Der Brei läßt sich gut einarbeiten und klebt auch in dünnen Schichten. Flexibel und fest mit dem umgebenden Holz verbunden ist er auch. Und wenn man auf die Schleifstaubfarbe achtet, dann fällt das nicht mal auf.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo @all,


    ne Möglichkeit wäre evtl. bei der Verwendung von unverleimten ganzen Zargenbrettern auf der Innenseite einige Schlitze einfräsen?!?!


    ciao bernie

    Imkeranfänger, Start April 2006,
    Standort: Kongo Bavaria * 4 Völker auf Eigenbau Dadant mod. * Brutraumzargen bestehen sich aus 2 einzelne, verschraubte Halbzargen * Zargeneckverbindung
    --> "Verdeckt Nut - Feder" verschraubt und genagelt* Wandstärke: 22mm Fichte