Stecher im April

  • Liebe Imker,


    ich bin ja gewiß nicht ängstlich und ich kann mich auch gut vermummen, wenn's denn sein muß. Aber jetzt bin ich etwas ratlos und kann nur sagen "Wehret den Anfängen!"


    Im letzten Sommer habe ich einige Ableger gemacht und machen müssen, wegen des Schwarmdrucks. Einer davon (Volk 8 ) kam erst nicht richtig aus dem Knick und der hat auch Cerr schon gestochen, beim auf die Kletterzarge setzen. Später ging es dann wieder. Jetzt im Frühjahr bin ich mehrfach bei den Bienen stehend angeflogen worden und mußte die bekloppte Stechbiene jedesmal erschlagen, weil selbst gemächliche Flucht bis zum Tor, also gut 40m weit, sie nicht hat abdrehen lassen.


    Gestern also überall Kletterzargen weg und oben grob durchgeschaut und bei vielen schon Futterwaben raus und Baurahmen rein. Ich mußte also auch bei Nr. 8 eine obere Zarge abheben, eine untere wegsetzten, die Kletterzarge entnehmen, Bausperre reinlegen und die oberen Räume wieder aufsetzen. Das war das Mindeste. Die obere Zarge habe ich garnicht erst geöffnet. Und dennoch war es die Katastrophe. In Erwartung einiger Aggressivität hatte ich einen Rundumsichtschleier und Handschuhe an. Bereits auf den Rauch durch's Flugloch und unter den Boden, kamen dem Smoker Bienen entgegen und stachen in die Hand am Smoker und in den Balg. Ich habe dann die obere Zarge geknackt und reingeräuchert. Hunderte ja tausende Bienen kamen mir entgegen und setzten sich auf den Schleier, die Schultern, die Hose. Als die Zarge abgehoben war setzte ich sie auf eine leere Zarge, damit war die dort ertsmal wieder dicht.
    Auf der unteren Zarge verschwand jetzt der vollflächige Bienenteppich recht zügig. Aber nicht, wie man annehmen könnte, weil die sich in die Gassen zurückziehen würden, nein, weil die alle aufflogen. Ich habe dann mit dem griffbereiten Zerstäuber die Luft befeuchtet. Völlig wirkungslos. Die Hand am Zerstäuber wurde angegriffen. Also nicht lang rumgemehrt und Zarge weg, Kletterzarge weg BauSperre rein und das Ganze zurückgesetzt.
    Unglücklicherweise waren aber auf den drei Kletterwaben ziehmlich Philippinen. ( :wink: ) Es war unmöglich die vor's Flugloch zu schlagen. Abschlagen konnte man die ja, nur kamen die nicht auf dem Boden an. Keine einzige. Alle waren kurz in der Luft und dann auf mir. Ich bin dann noch etwa 1 Stunde in der Montur rumgerannt und hab mich abgekehrt. (Also nicht wirklich gerannt, sondern gemächlich gelaufen) Dabei hat mich dann eine ganz oben zwischen die Beine erwischt. Eine mit Gespür für erogene Zonen. Beim Schleier ablegen habe ich mir noch etwa 20 Bienen auf's T-Shirt gestreift und die sind mir dann von der Schulter aus in die Klammotten gekrochen.


    Schade, daß niemand dabei war. Es muß toll ausgesehen haben, ich mit runtergelassener Hose in Zeitlupe ausziehend in der Abenddämmerung.


    Erstaunlicherweise hat mich beim Ausziehen keine mehr erwischt, obwohl sie im Ärmel und im Hosenbund, im Hals und in den Gummistiefeln waren.


    So nun endlich meine Frage: Was soll ich mit diesem durchaus starken Volke tun? (das ich als Ableger noch hätte auflösen sollen) Einerseits ist es mir um die vielen Bienen jetzt im Frühjahr schade, anderseits überhauptnicht. In die Wiese kehren scheidet bei mir am Haus aus. Das kann ich niemandem antun und die Bienen will ich auch nicht bei jeder Schwarmkontrolle wieder in den andern Völkern finden. Umweiseln wird mangels Weisel und vor allem wegen des Aussuchens der Alten schwierig. Das Volk sitzt auf (und verteidigt wehement) nagelneuen Wabenbau, um den es mir auch schade wäre.


    Irgendwelche Tipps?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Doch Sabi(e)ne,


    aber:
    - ich muß die im Transporter transportieren und da hab' ich doch Bißchen Schiß, wegen Unfall mit Beutenbruch und Bienenstich.
    - wenn ich die dort abkehre, dann gehen die mir die Bienen entweder gänzlich verloren oder ziehen bei den Nachbarvölkern ein an die ich noch ran muß und die (Scheiß-) Brut hab' ich dann ja auch noch in den Waben.


    Ich dachte an so eine Idee, wie Beute im Flugkreis verstellen und Stecher in eine Leere Beute am alten Platz oder zu einem bereits in Erwartung der Flugbienen erweiterten Volk von einem Außenstand zurückfliegen lassen. Dann hätte ich die unsanften aber ablebenden alten Flugbienen für den Raps und im verstellten Volk blieben erstmal weniger Bienen zurück. Dann könnte ich vielleicht dort die Alte finden und mäucheln. Und das wäre dann die einzige Aktion mit Vollkontakt. Weil, zumachen und wegstellen geht nachts und in das verstärkten Volk müßte ich in den nächsten 6 Lebenswochen der Stechbienen nicht unbedingt rein. Ich müßte das aber dann sehr bald machen, denn Rapshonig wird hart.


    Und in drei Wochen dürften dann die letzten Stecher im verstellten Volk schlüpfen und danach kann ich von dort mit vollen HR wegsetzten und an die Stelle ein abgeschleudertes Volk oder einen Ableger stellen.


    Was hält Du davon?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    So ein Volk hatte ich im letzten Frühling.
    Es war sehr früh schon sehr stark, hat sehr viel Wildbau gehabt und sonst auch Alles was eingesundes starkes Volk braucht, Brut, Bienen, Honig aber alles im Übermaß!
    Schon beim annähern war Terror.
    Mein Dicker, der nie Schleier oder Schutz anlegt wurde förmlich niedergemacht von den Damen und könnte mit dir im Duett singen.
    Er hat nach der Königin gesucht und gesiebt, wie ein Astrinaut verkleidet um sie zu morden aber trotz seiner Leiden und Wut nicht gefunden.
    Er setzte einfach noch eine Zarge 1,5 DN mit Mittelwänden auf und sie bauten sie aus und sie wurde bestiftet.
    Es war eine Pracht, aber man durfte nicht zu nahe kommen.
    Wenn wir eine dritte Zarge aufgesetzt hätten, würden sie die wohl auch noch ausgebaut haben.
    Ich habe das Volk dann an einen Züchter verschenkt der es als Pflegevolk haben wollte und der war begeistert.
    Die Königin war im zweiten Legejahr und wie ich dann erfahren habe legte
    sie sich tot.
    Das Volk zog sich eine Königin nach und der Kollege ist weiterhin begeistert, allerdings Stecher sind sie nicht mehr.


    Ich wünsche viele gesunde Bienen.


    Margret

  • Moin bisy,


    Zitat

    verschenkt ... als Pflegevolk


    Du liebe Güte, das Volk hier will bestimmt niemand öffnen um irgend etwas mit Zucht zu tun. Das ist kein normaler Stecher. Das ist ein Stecher mit Impertinenz. Die fliegen zielgerichtet aus den Wabengassen auf und immer mitten ins Gesicht. Du hast nacher hunderte rings um den Schleier sitzen und sie stellen auf dem Schleier ihren Stachel auf und fächeln. Sieht toll aus von innen. :o Und dann fliegen die auch nicht mehr vom Schleier ab. Die suchen und suchen bis sie eine Stelle zum stechen gefunden haben. Auch wenn man die einzelnen Stechbienen in die Luft abkehrt fliegen die einen sofort wieder an. Auch im Wassernebel des Zerstäubers. Auch im dichten Rauch. Meine Frau sagt ich hätte afrikanische Bienen. (Zum Glück, ihrem und meinem, war sie nicht mit draußen :lol: )


    Zucht würde ich in so einem Volk niemals machen wollen. Denn Zucht würde ich mit Handschuhen, Rauch und Zerstäuber niemals machen wollen.


    Reicht es eigentlich nur die Königin zu ermorden oder ist die Chance, daß "was Besseres selten nach kommt" und ihre Nachschaffungs-Tochter dann wieder ein so arger Stecher wird, höher als 50/50? Mir reichte es schon, wenn das Volk irgendwann normalvermummt bearbeitbar und dann umweiselbar wäre. Nur will ich den "Schoß aus dem das kroch" nicht noch fruchtbar halten oder gar vermehren. Deshalb muß ich was tun. Drohnen produzieren die ja sicher auch schon.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    Mir sagte der Züchterkollege dass dieses Volk sehr gut gepflegt hat und er zum ersten Mal seine Serien durchziehen konnte ohne dass ihn nette Kollegen um Material erleichtern wollten.
    Die haben seinen gesamten Zuchtstand kontrolliert!
    In der Hoffnung dass die Nachfolge-Königin genauso ist, war es für ihn enttäuschend in diesem Jahr ein friedliches aber auch übermäßig starkes Volk vorzufinden.
    Ich konnte ihm nicht mehr mit einem Stecher dienen und ich denke den Transport hierauf mit deinem Volk möchte auch keiner übernehmen?


    Ich wünsche viele gesunde Bienen.


    Margret

  • Hallo Henry,



    Ich hatte früher auch genug Bienen die nicht gerade sanft waren, jetzt ist das durch meine Carnicazucht um einiges bessere geworden.
    Auch bei guter Zucht gibt es Völker die aus der Reihe tanzen ich habe diese Jahr schon ein Volk auf 11 DN aufgelöst, die Königin abgedrückt und die Bienen auf andere Völker verteilt.
    Die Bienen waren zwar nicht so schlimm wie deine aber auch sehr lebhaft und nervös.
    Jetzt habe ich noch ein Volk was auch ähnlich ist aber sehr stark, das steht schon auf meiner Abschussliste, ich werde dieses Volk zur Königinnenzucht verwenden, sonst hab ich nur gute Völker die man ohne Schleier bearbeiten kann.
    In den zwei Völker sind belegstellenbegattet Königinnen diese scheinbar Fehlgepaar sind, das kommt bei der besten Zucht vor und ist normal.
    Das Beste ist einfach nicht davon nachziehen und auflösen oder vereinigen fertig, so hat man mit solchen Biestern kein ärger und weiß was man am Stand fliegen hat.
    Ich rate dir trenne dich von der Königin teile das Volk auf und geben Bienen und Brut anderen Völkern die eine Verstärkung gebrauchen können, die Bienen sind dann auch nicht mehr so wild, die Bienen von den Spendern sind eigentlich normal man merkt nix wildes oder das diese böse sind, ab und zu kommt mal eine an aber sonst hat das ganze gut funktioniert und ich sage es noch mal löse das Volk auf und der Ärger hat schnell ein Ende, einige gewisse Zeit gibt vielleicht noch Probleme aber ich denke das meistertest du schon.
    Noch Tipp besorge die Carnicamaterial was sanft ist, und kreuze es mit deinen und du hast wenig bis keine Assgeier. :D

  • Hallo Henry,


    versuche die "Alte" zu finden und mach sie nen Kopf kürzer.
    Nach 2 Stunden wird dein Volk nicht mehr zu erkennen sein, schon deutlich friedlicher.
    Wenn du sichergehen willst, daß sie keine eigene Brut nachziehen, brich nach neun Tagen alle Nachschaffungszellen und hänge eine Wabe mit jüngsten Maden ein.
    Das "Sieben" und Durchkucken zum Einfangen der Königin mußt du schon über dich ergehen lassen.
    Vorher unter jede Zarge ein Absperrgitter geben, dann weißt Du wenigstens, in welcher Zarge du suchen mußt.
    Und: Ich habe Stecher schon mit der Gießkanne behandelt, wenn es denn nicht anders ging. :wink:

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Moin Michael,


    vor einer Raussuchaktion am alten Standplatz und auf 22 noch nicht geknackten winterlich verkitteten Waben hab' ich Schiß. Ganz ehrlich. Schon das Einlegen eines Gitters wird der Horror. Auch wenn es nur Zarge runter, Gitter drauf, Zarge drauf ist. (Bitte Schungs, ich erzähle keinen Scheiß. Das Volk ist wirklich so stark, daß es in die Kletterzarge hing und wirklich so aggressiv wie beschrieben)


    Bringt es Entlastung, wenn man die Beute vorher verstellt? Und wenn ja, soll man dann verstellen und gleich aufmachen oder erst warten bis alles was Flügel hat abgeflogen ist? Und wie weit verstellt man sinnvollerweise?


    Findet man in einem narkotisierten Haufen Bienen eine Königin, wenn sie vielleicht nicht mehr die weiß gezeichnete, an die man sich als "handzahm" erinnern könnte, ist?


    Kann man narkotisierte Bienen sieben?


    Kann man dem Flugling am alten Standplatz schon jetzt einfach eine fremde Brutwabe mit jüngsten Maden und etwas schlüpfender Brut zum Nachschaffen geben?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,
    verstellen kann nützlich sein.
    Narkotisieren?
    Wie willste das denn bewerkstelligen?
    Mit CO² hält die Narkose so 3 Minuten an, da haste keine Changs.
    Also:
    Astronautenanzug und looooooos!



    PS: Vielleicht kannst Du dir ja bei der örtlichen Feuerwehr einen dieser aufblasbaren Dinger ausleihen, die die zur Chmeieunfallbekämpfung anziehen? :wink: 
    Okay, warn Scherz.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Henry,
    auch auf die Gefahr hin, als Killerbienenzüchter da zu stehen:


    Bitte zerlege das Volk nicht aus deiner ersten Wut heraus.
    Schlafe noch mal ein paar Nächte drüber und sieh' dir das Volk in 14 Tagen nochmal an!
    Am besten wenn die Sammlerinnen draußen sind und nicht erst am Abend.
    Es kann ja auch mal einen schlechten Tag gehabt haben!
    Stechbienen erschlagen setzt übrigens ebenfalls Alarmpheromone frei.
    Wenns dann immer noch nicht klappt hast Du immer noch nix verpaßt.
    Drohnen sind ja wohl noch nicht reif...


    Versteh' mich nicht falsch:
    Ein allzu aggressives Volk hat auch bei mir nix zu suchen,
    aber eine Entscheidung aus dem Bauch raus mit einer zerstochenen Hand und einer Schwellung im Schritt ist vielleicht nicht gaanz objektiv bzw vernünftig. :wink:



    Grüße


    Erwin

  • Hallo Henry,


    Ich habe meinen Imkervater gefragt und er meint dass die Königin die Bienen so verrückt macht, er sagt sie singt? Wohl ziemlich schlecht!!
    So bringt sie das Volk mit ihrem Übereifer und Gekeife zum Durchdrehen.
    Halt davon was du willst aber er meint wenn du sie raus nimmst (meuchelst) beruhigt sich das Volk wieder.
    Es hat ja Brut in jedem Stadium!
    Es könnte aber auch sein das zwei Königinnen da sind und die sich gegenseitig aufstacheln?
    Also ich habe auch manchmal Schwierigkeiten mit den Geschichten meines Imkervaters, nur meistens stimmen sie.


    Und beim suchen denk daran, nur die Harten.....


    Ich wünsche viele gesunde Bienen.


    Margret

  • Henry schrieb:

    Dabei hat mich dann eine ganz oben zwischen die Beine erwischt. Eine mit Gespür für erogene Zonen.
    Irgendwelche Tipps?


    Danke Henry,
    jetzt bin ich endlich aufgeklärt und weiß wie das Wort "Schwellkörper" in diesem Zusammenhang entstanden ist. :D:D:D:D:D


    Aber es könnte sein, dass sich das Volk nächstes Mal ganz anders verhält - ich würde das nochmals riskieren, nimm aber zur Vorsicht eine Gießkanne mit kaltem Wasser mit und wässere sie bei Bedarf ein.
    Eine alte Regel sagt, die größten Stecher sind die besten Honigvölker. Ich könnte an deiner Stelle nicht ruhig schlafen, wenn ich das nicht ausprobiert hätte. Mit dem Abdrücken machst du dir es zu leicht.


    Pass aber auf deine erogenen Zonen auf :lol::lol::lol::lol::lol: