Was tun Flubienen wenn kein Fluwetter ist?

  • hallo,


    ich hab mich gefragt, was Flugbienen so tun wenn kein Flugwetter ist, resp. während der Nacht. Ruhen die sich aus oder tun sie auch Arbeiten im Stock?


    Wie schaut es aus wenn es eine längere Schlechtwetterperiode von 7 Tagen oder noch länger gibt? Nur faulenzen oder doch was tun?



    Grüsse,


    Api

  • Die hängen nachgewiesenermaßen nur rum, wenn es genug Stockbienen gibt.
    Im spiegel-online war vor drei Wochen ein Bericht dazu.
    Mit Sendern im Nano-gramm-Bereich markiert wurde festgestellt, daß die einzelne Biene, egal ob Stock- oder Flugbiene, einfach nur 70% ihrer Zeit dumm rumhängt.... :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo zusammen,


    habe ich auch schon festgestellt. Da im 2ten Magazin noch 2 Rähmchen fehlen, kann ich gut hinein sehen. :o Sie hängen da so an der Magazinwand rum. Ich frage mich, ob ich sie nicht mit einer MW und einer LW (für Drohnenbau) an die Arbeit kriegen kann oder gar sollte. Da ich aber am 06.04. das 1te Magazin bereits mit 2 MW erweitert habe, besteht da nicht die Gefahr, dass ich zuviel von meinen Bienen erwarte?? Das Volk ist aber m. E. sehr stark.


    Gruß Zander

  • Moin Zander,


    erweitern mit MW jetzt, also zwischen Weide und Kirsche ist genau der richtige Zeitpunkt. Wenn die Völker sich so entwickeln, wie es ein reichliches Pollenagebot zuläßt, dann schlüpfen ab jetzt täglich etwa 1000 bis 2000 Bienen. Eine Wabengasse ist mit etwa 1000 Bienen schon gut besetzt. Je nach Magazingröße ist eine Zarge also innerhalb von 7 bis 10 Tagen randvoll Bienen. Deshalb erweitert man jetzt eher zu früh als zu spät. Berni hat geschrieben, daß, wenn sich der Imker fragt, ob er nun erweitern soll oder nicht, er eigentlich schon hätte erweitern müssen, denn jeder Tag überlegen bringt wieder 1000-2000 Bienen dazu.


    Der Bautrieb der Bienen erwacht übrigens (nach Gerstung) als Übersprung aus dem Pflegetrieb. Wenn also zum ersten Mal viel mehr Pflegebienen (auch Ammenbienen genannt) da sind als zu pflegende Larven (wobei eine Amme mehrere Larven pflegt), dann beginnt der Arbeiterbau (also MW-ausbau). Danach hat die Königin ja wieder Platz für mehr Eier bzw. dann Larven. Wird der Druck auch hier wieder stärker, weil die Entwicklung viele Junge Bienen schlüpfen läßt und das Wetter zB. Flugbienenverlust nicht zuläßt, geht der Drohnenbau los und dafür braucht man den bereits eingesetzten Baurahmen. Wenn der dann bestiftet ist und die Drohnenlarven Futtersaft abnehmen, fällt das Übersprungverhalten zurück auf Arbeiterbauniveau. Das funktioniert aber nur bis der Baurahmen verdeckelt ist. Dann fehlt ja wieder die Futtersaftabnahme und der Platz für Drohnenbau auch und das führt dann zur nächsten Stufe nämlich Schwarmtrieb und Weiselzellenbau, den es zu verhindern gilt. Deshalb brauchen die Völker in aufstrebender Entwicklung immer offene Drohnenbrut und freien Bauplatz als Puffer. MW bauen sie eine Triebstufe tiefer immer noch aus.


    Der Arbeiterbautrieb setzt relativ plötzlich, wetterunabhängig und deutlich ein. (Wenn allerdings kein Bauplatz da ist staut er sich sinnlos bis zum Schwarmtrieb auf) Starke oder binnen zweier Wochen stark gewordene Völker bauen 11 MW in einer Woche bei Tracht manchmal sogar in 4 oder drei Tagen aus. Jetzt um eine Zarge MW zu erweitern und für die Bienen die unbedingt schon Drohnebau aufführen wollen eine Baurrahmen ist also selbst bei noch kleinen Völkern mit schlüpfender Brut keine Überlastung.


    Begriffsbestimmung: Eine LW ist eine leere Arbeiterinnenzellenwabe, eine leeres Rähmchen zum Anlegen von Drohnenbau heißt "Baurahmen". Es gibt aber auch Drohnenwaben, die früher mal Baurahmen waren oder Drohnenmittelwände hatten. Die nimmt man allerdings zur Drohnenzucht, zur Schwarmvorbeuge oder als Varroafallen. Nicht mehr als Baurahmen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    "Danke"!!! Super ausführlich. Heute und morgen sollen es bei uns 15/16° werden. So kann in jedem Fall schnell das 2te Maganzin mit MW und Baurahmen (ich habe gelernt :wink: ) voll machen. Vielleicht noch eine Frage eines Jungimkers: Ist der Baurahmen beim 10er Magazin an der 3 oder 4 Stelle, vom Rand gesehen, richtig platziert? Danke!


    Gruß Zander

  • Moin Zander,


    Danke für das "Danke".


    Liebig setzt die Baurahmen auf 2 und 9 ein und hält vor der Entnahme der letzten Futterwaben folgende Reihenfolge vom Rand aus ein.
    1. Futterwabe (voll, verdeckelt),
    2. Baurahmen (leer),
    3. Brutnestrand mit Pollenwabe oder Leerwabe und dann
    4. Pollenwabe oder Brutwabe


    Nach 10 Tagen oder auch schon gleich macht er das auch auf der andern Brutnestseite auch. Die bauen anfangs ohnehin nicht beide Rahmen gleichzeitig aus. Sonst wär' man schon reichlich spät.


    Die Bienen können so ihr Brutnest im oberen BR harmonisch vergrößern und irgendwann auch den BauR voll integrieren. Wenn der HR aufgesetzt wird oder auch noch mit einem Zwischenschritt kommt die Futterwabe am Rand raus und die Pollenwabe, die das Brutnest abschließt kommt von 3 auf 1, also an den Rand. Dafür kommt eine MW oder LW auf 3. Ab jetzt ist der BauR voll ins Brutnest integriert und fängt auch ordentlich Varroen.


    Es gibt aber durchaus auch andere Konzepte. Man kann den BauR nämlich auch ganz brutal in die Brutnestmitte setzten, wenn er voll ausgebaut (und vielleicht auch schon bestiftet) wurde und an Pos. 2 einen leeren geben. So soll er mehr Milben fangen und die Königin schön in der Brutnestmitte halten.


    Oder man hält den oder BauR immer näher an der Brutnestmitte, also auf Pos. 3 und 8.


    Sinnvoll ist es auf jeden Fall die BauR recht zeitig und rücksichtslos zu schneiden, weil man am Bauverhalten im BauR erkennen kann, wies's mit dem Volk steht. Bauen die einspitzig ist alles OK. Bauen die mehrspitzig sollte man was Schwarmvorbeugendes tun, schröpfen oder deutlich erweitern und bauen die Näpfe und mehrere Zipfel dann beginnt der Schwarmtrieb. Das sieht man natürlich nur, wenn's auch was zu bauen gibt und so ein Rahmen ist manchmal innerhalb von zwei, drei Tagen komplett bis in die Ecken gebaut und bestiftet. Da muß dann der andere raus und geschnitten werden, auch wenn der vielleicht noch nicht ganz verdeckelt ist oder man schneidet oder entnimmt den frisch gebauten gleich noch vor dem Bestiften, wenn der andere noch sehr offen ist. Das Volk braucht immer Bauplatz, sonst kommt es auf dumme Gedanken und der Imker kann es dann nicht sehen. Weitgehend offene Drohnenbrut soll man allerdings nicht wegschneiden.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder