Auf Neuimkerjagd

  • Hallo zusammen,
    ich hätte da mal wieder ne Frage :wink: 
    In unserem Imkerverein sieht es aus wie bei den meisten anderen auch: 95% nette ältere Herren, und praktisch niemand unter 40. Wenn überhaupt Neueinsteiger, dann oft auch schon im Rentneralter. Wie denken uns die Köpfe heiß, wie sich das ändern lässt, und die "Riesenkonzepte" a la Liebig sind uns zwar bekannt, aber personell bei uns nicht machbar. Daher jetzt die Bitte bzw. Frage: schreibt doch bitte, was eurer Meining nach beim Neueinstieg hilfreich ist, was unbedingt vom Verein geboten werden muss, was eher abschreckt...
    Ich bin selbst Neueinsteiger und habe daher auch eigene Ideen und Ansichten, meine "Einstiegs-Karriere" ist jedoch eher untypisch 8) 
    Vielen Dank!
    Soni

  • Hallo Soni,


    eine gute Frage.


    Was eher abschreckt:


    Kommentare wie:


    - wir haben hier zu wenig Tracht
    - es gibt schon zu viele Völker hier


    Was attraktiv ist:


    - vereinseigene Geräte, Bücher, Videos, die ausgeliehen werden können.


    Das sind nur ganz schnelle Gedanken, die mir dazu einfallen.


    Gerade letze Woche hat mir wieder ein alter Imker gesagt, der mich am neuen Stand besuchte, daß man es merken würde, dass es schon wieder mehr Völker hier gäbe (lebe in einer Obstbaugegend) undes für so viele Imker fast nicht reichen würde. ( Es gibt ungefähr 10 Imker im Ort mit ca. 120 Völkern).


    Ich denke, das atrtraktivste ist, wenn genügen Imker da sind, die sich über Neueinsteiger freuen und nicht neidisch sind.


    Aber darüber wurde hier schon viel geschrieben.



    Gruß


    buchneria

  • Ich hab letztes Jahr zusammen mit meinem 8-jährigen Sohn mit der Imkerei begonnen. Für ihn ist es wichtig, dass viel Praxis an der frischen Luft gemacht wird. Er will anfassen, gucken, schmecken, Rauch machen und etwas Verantwortung tragen. Vor wenigen Tagen haben wir die Etiketten für die DIB-Gläser bekommen. Da stand auch sein Name drauf. Da wird er doch gleich 10 cm größer. Weiterhin ganz wichtig: die freundliche liebenswerte Aufnahme im Verein. Er wurde bei seinem ersten Unterrichtstag von einer Biene gestochen. Alle haben haben sich super um ihn gekümmert - richtig wie zu Hause bei Muttern. Und weil der Stich so weh tat und die Tränen flossen, hat er noch einen Ableger geschenkt bekommen. Wenn sich nichts gravierend ändert, wird er vielleicht mal ein richtig passionierter Imker. Im macht es riesig Spaß, er ist stolz auf sein Völkchen und er erzählt das natürlich gerne weiter.


    Für mich persönlich war eine Sache ganz entscheidend: Sobald man als totaler Anfänger in das Thema Imkerei einsteigt, brummt einem nach kurzer Zeit der Kopf. "Was ist denn nun ´ne Zarge. Die ist doch eigentlich der Rahmen. Was für eine Beute tun denn die Bienen da rein? Wo gehört denn jetzt das Magazin hin?" So etwa in der Richtung. Dann erzählen dir zehn Imker 15 verschiedene Techniken. Du bekommst den Eindruck, dass Imkerei total kompliziert ist. Und dann kommt einer, der sagt Dir nur und schreibt dies auch: "Imkern ist einfach"!!! Das ist die zentrale Info, die ein Anfänger bekommen muß. Kommt sie nicht, werden viele abgeschreckt.

  • Hallöchen,
    seit diesem Jahr bin ich auch ein sogenannter "Neuimker". Eigentlich bin ich weniger auf den Honig aus, ich bin an der Faszination Bienenvolk interessiert und möchte deswegen Bienen halten.


    Leider gibts hier in meiner Gegend (Uckermark) keinen guten Imkerverein und deswegen habe ich mir bisher alles über den Winter angelesen, was wohl so nötig sein wird.


    Von einem älteren Kollegen, der das Imkern aufgegeben hat, habe ich vor ein paar Tagen eine stark "renovierungsbedürftige" Hinterbehandlungsbeute im Normalmaß erhalten, in der sich ein Bienenvolk befindet. Er hat mir auch ein paar Tipps gegeben. Aber es handelt sich um ein Volk, was sich wohl mal als Schwarm in dieser Beute seines aufgegebenen Imkerstandes eingenistet hat. Jetzt hat es einen neuen Platz auf der Terasse meiner Gartenlaube bekommen.


    In den letzten Tagen habe ich auch schon Bienen beobachtet, die andere tote Bienen rausgeschleppt haben und es kamen auch Sammlerinnen mit Pollenhöschen zurückgeflogen, was mich darin bestätigt, daß das Volk weiselrichtig ist. Ist doch schon mal was.


    Als nächstes will ich nun bei richtig schönem warmen Wetter das Volk aus der Hinterbehandlungsbeute mit allen Rähmchen in eine Magazinbeute umsetzen. Ich hoffe, daß das alles klappt. Bin ja ein echter Autodidakt mit den Bienen. Vielleicht kann mir jemand ein paar Tipps für diese Aktion geben.


    Dafür bedanke ich mich und wünsche euch allen einen schönen Abend,


    Neuimker Berti. :P

  • Soni :
    Es sollten sich die "fortschrittlichsten" Kollegen um die Neuen kümmmern, und nicht die, die versuchen, ihren alten Hinterbehandlungskram an die Neuen zu verkaufen.
    (Ich bin da traumatisiert...)


    Jede Menge Bücher zum Ausleihen hilft sicherlich, aber in erster Linie Praxis.
    Wenn überall empfohlen wird, es solle jemand erst mal ein Jahr bei einem anderen Imker zugucken, geht das völlig an den Bedürfnissen der Anfänger vorbei.
    Die wollen eigene Bienen!
    Ihre eigenen Völker, wo sie reingucken wollen, wann ihnen danach ist und nicht, wenn es angebracht ist.
    Da darf dann gern mal jemand gucken kommen, aber man muß ihnen das Gefühl geben, jede Entscheidung liegt bei ihnen.
    Ich denke, das ist das Wichtigste.
    Und vor allem, kein "ich-habs-dir-ja-vorher-gesagt".
    Wir alle haben Fehler gemacht, die im nachhinein nicht hätten sein müssen...


    Man muß solche Leute da abholen, wo sie stehen, und nicht warten, daß sie auf einen zukommen.
    Die haben Angst, sich mit ihren Fragen zu blamieren.
    Diese Angst muß man ihnen nehmen.
    Selber Mißgeschicke erzählen, und sich sozusagen selbst vom Podest des Lehrers herunterholen.
    Solange jeder einem Anfänger erzählt, was der alles falsch macht, zum Beispiel viiiiieeeel zu oft reinzugucken, wird das nix.
    Das muß man anders verpacken.
    Ich hatte in meiner 1. Saison Angst vor der Rückkehr meines "Paten" aus dem Urlaub, weil ich ein paar Sachen gemacht hatte, die er gewiß nicht billigte, und bekam auch prompt mein Fett weg....(wie konnte ich den Drohnenrahmen schlüpfenlassen statt auszuschneiden? Ich wollte mal Drohnen beim Schlüpfen sehen :wink: ).
    Ich dachte nicht, daß ich alles besser wüßte, aber manche Sachen gingen mir schon damals gegen den Strich...


    Vor allem, sprecht die Frauen (und Kinder!) an!
    Die sind oft sehr interessiert, werden aber schon im Vorfeld abgewürgt.
    Als ich letztes Jahr beim lokalen IV erschien, wollte man mich zuerst in die Ehefrauen-Ecke schicken und fragte, ob mein Mann noch das Auto parkte.. :roll: 
    Es war sowas von unvorstellbar, daß eine Frau imkern könnte...
    Weitere Begegnungen habe ich uns dann allen erspart.


    Macht im Winter Anfängerlehrgänge, mit entsprechender Mitteilung an die Lokalpresse.
    Das hilft.
    Die freuen sich über alles, womit sie den Lokalteil vollkriegen, wenn es nicht 08/15 ist.
    Stellt euren Umweltschutz in Richuing Bestäubung und Wespen-und Hornissenumsiedlung/~Schutz heraus!
    Macht mit der Lokalzeitung Bienentage im Kindergarten und Schulen.
    Kümmert euch um Imker-AGs an weiterführenden Schulen.


    Alles hilft.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Soni,


    wir arbeiten jetzt seit zwei Jahren mit den Bienen und haben schon fast mehr Imker als Bienen gezüchtet.


    Als wir auf diversen Partys festgestellt haben, daß sich viele Leute für Bienen Interessieren, aber selbst nicht die Zeit oder den Mut haben, sich damit zu beschäftigen, haben wir angefangen Bienenpatenschaften zu vergeben. Unsere Paten bekommen einen Stock auf dem dann ihr Name steht und den sie jederzeit besuchen können - den Schutz bekommen sie von uns. Natürlich ist auch ein Kilo Honig dabei und außerdem können sich die Paten im paßwortgeschützzen Bereich unserer Homepage die neuesten Bilder ihres Stocks anschauen.
    Das Ganze ist zwar ein Riesenaufwand, der lange nicht durch die Patenbeiträge (30 EUR) gedeckt ist, aber das ist unser Beitrag zum Umweltschutz.


    Wenn dann ein Pate selber mit der Imkerei beginnen will, ist es für uns eine Ehre, ihm den ersten Kunstschwarm mit auf den Weg zu geben. Auch können unsere Imkerableger unsere Geräte mitbenutzen, solange es im Rahmen bleibt.


    Wenn Du noch mehr Fragen hast, maile uns bitte persönlich, am besten über unsere Homepage.


    Viele Grüße,
    Effendi

  • Hallo,


    Was ich außerdem für hilfreich halte: Neugierige gerne mit gucken lassen, auch mal mit anfassen lassen.
    Selber gut informiert sein, wo es einen Schnupperkurstag gibt, wo es einen guten Vortrag über Bienen gibt etc. um es weitersagen zu können.
    Den eigenen Verein zum Laufen bringen, z.B. gute Referenten einladen, Filme vorführen etc. . Die Kosten lassen sich überschaubar halten, wenn man sich mit den Nachbarvereinen zusammentut.


    Viele Grüße
    wunderbiene

  • Hallo Effendi,
    meine Hochachtung zu deiner Homepage und deinem Engagement für den Imkernachwuchs.
    Sehe ich es so richtig, dass du die Nachwuchswerbung in Eigenregie, ohne die Unterstützung eines Imkervereins (IV Germering?) betreibst.
    Wie viele von deinen Bienenpaten sind schon- oder werden voraussichtlich- aktive Imker?


    Mit freundlichen Grüßen


    Martin

  • Servus Martin,


    letzes Jahr haben wir drei Neuimker dazubekommen, einer davon hat noch Probleme mit der Koordination Studium-Standplatz, aber das wird schon noch.


    Das mit der Nachwuchsarbeit machen wir alleine - allerdings empfehlen wir wärmstens den Starnberger Imkerverein, der hat sehr gute Vorträge und inzwischen auch eine etwas verjüngte Altersstruktur.
    Wir beide, Effendine und ich, sind Naturwissenschaftler insofern macht uns die Nachwuchsarbeit recht viel Spaß, demnächst wollen wir an die Schulen in der Umgebung herantreten und denen Bienen anbieten.


    Ganz nebenbei: Die Paten sind für uns ja auch eine Hilfe! Zum Schleudern haben wir immer genug Hilfe, das ist manchmal ganz praktisch. Letztes mal war es besonders lustig - da war die Kindertanzgruppe von den Burschen dabei. Komplett mit selbstgebastelten Schleiern, die über (viel zu große) Feuerwehrhelme grzogen wurden - ein Heidenspaß!
    Wichtig ist nur, daß die rechtliche Seite mit den Eltern abgeklärt ist - die müssen erst so eine Art "Kinderverzichtserklärung" unterschreiben, bevor die Kleinen zu den Bienen dürfen. Bisher gab es weder Stiche noch sonstwelche Probleme - mal sehen, wie lange das noch so bleibt.


    Viele Grüße und Frohe Osern,
    Effendi

  • Hallo Effendi,
    was ihr betreibt ist praktisch eine private Imkerschule, wahrscheinlich auch mit Modellcharakter für viele andere engagierte Imker und Vereine. Den Imkerverein Starnberg wird es sicherlich auch gut tun, wenn er über diesen Weg zu gut ausgebildeten jungen Imkerinnen und Imker kommt.
    Ich hoffe eure Arbeit findet auch entsprechende Anerkennung und Unterstützung durch den Starnberger Imkerverein.


    freundliche Grüße


    Martin