Wiegen im März

  • Liebe Imkers,


    ich war erstaunt beim gestrigen Wiegen. Schon am WE war mir ein Volk, das ich erst spät umgeweiselt hatte und das vorher Probleme mit Buckelbrut und Weisellosigkeit hatte, sehr leicht vorgekommen.


    Die Völker waren alle auf 39,5 bis 40kg Anfang September eingefüttert, manche wurden danach noch 2kg schwerer. Fast alle Völker liegen jetzt um die 34kg auch die die Ende September 42kg hatten. Einige mit bekannten Problemem im Vorjahr und späte Ableger liegen um die 32kg. Haben wohl länger Brut gehabt oder durchgebrütet oder konnten im September nicht so wie manche ander dazusammeln.


    Das eine hatte 26kg und deshalb hab ich nachgesehen. Ich kann jetzt sagen, daß diese 26kg das absolute Minimum bei zwei überwinterten BR-Zargen und einer mit drei Waben ausgestatten Kletterzarge ist. Ich habe in den Zargen jeweils die Zentralwabe gezogen und auf der oben war nur sehr wenig offenen Brut in ganz frühen Stadien. Alle Zellen ringsum waren geputzt und ich nehme an, die haben ihre Brut selbst wieder ausgefressen. Die untere Zentralwabe hatte oben Pollen und war ansonsten trocken. Das Volk war sehr stark und besetzte die obere Zarge dicht und die darunter noch zu mehr als 2/3. Nur der unterste Rand der Waben war unbesetzt. Das Volk hatte auf der Zentralwabe oben noch etwa eine Daumenbreite offenes Futter. (Mehr hab ich nicht drin rum gesucht) Von oben war kein gedeckeltes Futter mehr zu sehen. Pollen wurde eingeflogen und war auch in den Waben zu finden. Es gab noch keinen Hungertotenfall in den Waben und auch erst wenige Bienen steckten (noch lebend) in den Zellen.


    Ich denke es war allerallerhöchste Zeit etwas zu tun. Deshalb habe ich den Boden geleert und die Kletterzarge entnommen (um später nicht wieder stören zu müssen und den Totenfall kontrollieren zu können) und die Futterzarge aufgesetzt. (Ich überlege wirklich, ob ich die nicht einfach in Zukunft gleich über Winter drauf lasse, nach dem Einfüttern) 4kg Zucker aufgelößt und weil ich Sorge hatte die könnten das Futter nicht annehmen noch 500g Rapshonig aufgelöst und warm ins Futterzargengitter gegossen.


    Nach 10 Minuten war die Futterzarge dicht besetzt wie beim sommerlichen Einfüttern und man konnte die Rüsselei sehen. Hoffentlich war das noch Rettung in letzter Not und nicht schon zu spät. Ich drück' denen die Daumen, daß die das dieses Jahr mal packen, auch weil die mich nicht gestochen haben :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,
    bei Deiner Schilderung kam mir der Gedanke, das Volk hat Durst.
    Besser, es fehlt ihm Wasser, um seine Vorräte zu verflüssigen.
    Als Ursache meine ich, die von Dir verwendeten und oft gelobten Kletterzargen zu erkennen.
    Diese mögen für eine ruhige und sichere Überwinterung recht brauchbar sein. Wenn aber, wie beschrieben, ein Volk oben sitzt, verliert es leicht
    den Kontakt zur Aussenwelt. Das habe ich schon erlebt, wenn man die
    untere Zarge bei einem oben sitzenden Volk wegnimmt, das dann die Lebenskräfte neu entfacht wurden.
    Aber mit Deiner Maßnahme, untere Zarge weg, flüssig füttern machst Du genau das richtige.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.