Langer Weg zur Arbeit

  • Hallo,


    ich halte es nicht mehr aus, ich will jetzt ein Volk im Haus haben (am Haus geht nicht) und nicht nur welche weit weg im Garten.
    Nun ist der Abstand zwischen Flugloch an der Beute und der Stelle, wo ich sie aus dem Haus lassen kann, genau einen Meter lang. Ich hoffe, daß die Bienen ihren langen Weg zur Arbeit nicht beanstanden. Habt Ihr damit Erfahrungen?
    Technisch günstig wäre es, diesen Kanal von der Beute aus leicht ansteigend zu bauen. Ich hoffe, daß sie von diesem "erst runter, dann wieder rauf" nicht irritiert werden.


    Etwas unsicher, Thomas

  • Hallo Thomas,


    ich habe so was in einem Bienenmuseum in Österreich schon gesehen und es schien dort kein Problem zu sein...


    Also viel Spass

  • Moin Thomas,


    damit habe ich Erfahrung, weil meine Balkonbienen auch erst mit einem Kanal durch die Brüstung geleitet werden mußten und weil hier im Heimatkundemuseum ein Glas-Bienenstock mit Abflugrohr steht, den mein Kumpel gebaut und besiedelt hat.


    Wichtig ist, daß das Rohr oder der Kanal möglichst dunkel ist bis zur Abflugstelle. Ansonsten soll trotz Kanal die Ventilation gewährleistet sein. Wenn's im Rohr zieht ist das kein Problem. Aber der Beutenboden muß offen bleiben.


    Ich habe einen Elektrokanal seitlich aufgefräßt und auf das Flugbrett geschraubt. in den Kanal habe ich passend Hartfasserplatte mit der rauhen Seite zu den Bienen hin verlegt, damit die nicht rutschen. Als Deckel hatte ich Klarsichtacryl benutzt. (Doch die Bienen versuchten dann schon im Kanal abzufliegen und die die heimkommen denken wohl sie müssen nochmal anfliegen und starten mitten im Fußmarsch plötzlich neu. Ich habe dann den Kanal mit den Originadeckel über dem Acryl zugeschnappt und es funktioniert wunderbar. Die Bienen sterzeln natürlich am Anfang bis der Kanal riecht auf der ganzen Strecke, später aber nurnoch am Abflug. Dort hab ich einfach ein kleines Brett und zwei Windschotte an den Kanal geschraubt, weil der bei mir rechtwinklig zur Beute 1,5m vorm Balkon in der freien Luft endete. Später hab ich ihn gekürzt, weil anfliegende Honigsammler sich an diesem Kanalende nicht richtig orientieren können und beladen in 16m Höhe am Flugloch vorbei auf den tieferen Balkon oder ganz nach unten durch stürzten. Eine Krempe um das Rohrende etwa 10cm hoch hat das Problem beseitigt.


    Der verwendete Kanal hat etwa 6cm breite und ist 4cm hoch. Für ein Dreizargenvolk reichte das geradeso. Nektarübergaben im Kanal habe ich nie beobachtet. Die Bienen sind immer den ganzen Weg zu Fuß gegangen. Manche starteten jedoch gleich wenn sie das Licht am Ende sahen noch innerhalb des Tunnels. Ordnung, wie Rechtsverkehr oder so, trat nicht auf. Es blieb ein gut funktionierendes Durcheinander.


    Das Rohr im Heimatkundemuseum ist ein gestecktes graues 50er HT-Rohr und einfach in ein Loch der Glas-Zarge gesteckt. Da kann man halt nicht reinkucken.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Jungs,


    in Stuttgart im Zoologisch/Botanischen Garten "Wilhelma" gibt es ein Schaubienenvolk, das läuft bis zum Flugloch durch einen mehrere Meter langen Plexiglaskanal.
    Der betreuende Tierpfleger /Imker hat mir mal gesagt, es gäbe damit keine Probleme, und die Schaubeute ist schon seit fast 30 Jahren besetzt.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo,
    noch ein anderer Aspekt zum Thema Flugkanal:
    Ich unterhalte in jeder Saison 2 Schaukästen. Einer dieser Kästen steht in einem Tierpark und ist ständig öffentlich und unbeaufsichtigt zugänglich. Der andere Schaukasten steht bei mir zuhause und wird schon mal von Schulklassen und Kindergärten besucht oder bei Hoffesten eingesetzt.


    Beide Schaukästen sind mit einem (durchsichtigen) Flugkanal von ca. 80 cm Länge ausgerüstet. Dieser 'Fußweg' reicht offenbar aus, den Bienen eine große Entfernung zum Stock zu signalisieren:
    - Die Fluglochwachen bewachen nur die unmittelbare Umgebung des Flugloches.
    - An- und abfliegende Bienen verhalten sich ruhig.
    - Der Ausgang des Kanals wird nicht verteidigt, er liegt offenbar außerhalb der Alarmzone des Volkes.


    Mir ist in all den Jahren nicht bekannt geworden, dass jemand gestochen worden ist.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hi,
    ich habe mal ne Frage zur Plexiglasbeute, stört es die Bienen nicht, das in die Beute die ganze Zeit licht kommt? Werden die Scheiben nicht von innen verkittet?
    MfG jeffrey

  • Moin Jeffrey,


    ich kenne keine Beute in denen Bienen unter Licht dauerhaft gehalten werden können. Die Beobachtungsstöcke, die ich kenne, sind immer nur zeitweise nicht abgedeckt. Ansonsten sind sie dunkel.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,


    für die Neugierigen, die wissen wollen, was wurde:
    Am späten Abend des Freitag stand die Beute an ihrer neuen Stelle im Haus. Samstag 10:00 - keine Bewegung im Kanal, 12:00 desgleichen.
    Wollen sie einfach nicht? Also etwas Honig in den Kanal gegeben, ca. 20 cm vor der Beute. 14:00 kümmerten sich um diesen zwei Bienen, sonst Ruhe.
    Endlich, schon nach 16:00 - die ersten Bienen flogen sich ein. (Einschließlich einer großen "Versammlung" um den Honigklecks.)
    Am Sonntag trugen sie dann fleißig Pollen ein, also alles in Ordnung.


    Eines fällt auf, sie kommen etwa zwei Stunden später in Gang als im Garten. Es könnte daran liegen, daß sie innerhalb des Hauses durch den 1m langen Kanal von der Außenwelt kaum etwas mitkriegen. Auch der tägliche Temperaturgang ist auf dem Dachboden, auf dem sie stehen, dem draußen im Freien ein paar Stunden hinterher. Vielleicht werden sie Nachtschwärmer? :o


    Grüße, Thomas

  • Hallo,


    so ein langer Kanal zwischen Beute und Flugloch ist doch nicht ganz bienengerecht.
    Jetzt werden die Drohnen abgetrieben. Und wo bleiben die Kerle? Sie sammeln sich in dem langen Kanal und halten "Besprechungen" ab. Der Stau ist beachtlich, für die Arbeitsbienen bleibt kaum noch ein Durchgang.
    Es ist eben garnicht einfach, die Herren über solch einen langen Weg aus der Beute herauszubitten.


    Grüße, Thomas

  • Hallo Zusammen,
    ich bin stolz auf meine Bienen! :)
    Sie haben mich wieder mal mit einer Kommunikationsleistung überrascht, die ich ihnen nicht zugetraut hätte.
     
    Vorgeschichte: Einer meiner Schaukästen steht von Mai bis Oktober frei zugänglich in einem Wildpark. Dass es nicht zu Stichen kommt, ist dem Eingangskanal zu verdanken. Darüber habe ich hin und wieder berichtet.
    Jetzt, im neunten Jahr, wurde der Kanal erstmals zerstört und ich musste ihn reparieren. Das dauerte länger als geplant und die Bienen flogen sich auf das Flugloch direkt am Kasten ein.
     
    Jetzt habe ich den reparierten Kanal angebracht. Ich erwartete, dass die Bienen weiter zu dem nun verschlossenen Eingang fliegen und dann mehr und mehr - aber einzeln - der Duftspur aus dem Ausgang des Kanals folgen und sich damit neu orientieren.
     
    Auf den Fotos seht Ihr, was wirklich geschah: Sie haben tatsächlich eine Fächelstraße weg vom bekannten und immer noch duftenden Eingang gebildet. 80 cm zu Fuß auf der Aussenseite des Kanals in die entgegengesetzte Richtung, dann eine 180°-Wende und noch einmal 80 cm durch den Kanal zum Flugloch!
    Ist das nicht phantastisch? Wie das wohl "verabredet" wird? Jede Einzelbiene in der Kette hat ja nur ihre 5 cm im Überblick und sie muss sich darauf verlassen können, dass 45 cm weiter auch eine Biene steht, die genau das Richtige tut.
     


     
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Rudi,
     
    es ist wirklich eindrucksvoll, dass die Bienen mit ihrer individuellen Intelligenz offenbar in einer größeren, kollektiven Intelligenz eingebettet sind. Der "materielle" Teil der Welt ist offenbar nur ein Hilfsmittel, aber nicht das Wesentliche.
     
    Das erinnert mich an ein Rilkegedicht, namens: Der Spaziergang. Darin kommen die Zeilen vor:
     
    "Ein Zeichen ists, erwidernd unserm Zeichen.
    Wir aber spüren nur den Gegenwind."
     
    Gruß,
     
    Markus

  • ...dass die Bienen ...in einer größeren, kollektiven Intelligenz eingebettet sind. Der "materielle" Teil der Welt ist offenbar nur ein Hilfsmittel, aber nicht das Wesentliche.


    Ist schon erstaunlich, daß immer wieder die Esoterik zur Hilfe herangezogen wird...:roll:
    Für mich ist es viel wahrscheinlicher, daß es ein Signal (wir haben es noch nicht erkannt...) gibt, daß da lautet: "Mir nach!"

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Pheromonspur?
    Auf die Art und Weise markieren Ameisen auch ihren Weg. Und wenn 10 Bienen schon da lang gelaufen sind wird diese Spur stärker und dadurch lukrativer.

    Alle Angaben ohne Gew(a)ehr ;) / Gruß Chris