Jungvolksanierung über Absperrgitter

  • Hallo zusammen,


    habe gerade in einem anderen Thread gelesen, daß einer (S. Hummel) ein paar schwache Völker zur Sanierung über ASGitter vorbereitet.


    Ich möchte das auch mal ausprobieren, habe aber vorher eine praktische Frage:


    Was passiert mit den Flugbienen ?
    Stellt ihr die Völker dazu außerhalb des Flugradius, um die Flugbienen des (schwachen) Volkes nicht zu verlieren oder nehmt ihr den Flugbienenverlust in Kauf ?
    Das Verstellen wäre für mich etwas aufwändig.


    Grüße


    buchneria

  • Moin buchneria,


    nach Dr. Liebig (ich habe vorgestern seinen Vortrag live gehört und schwinge noch :lol: ) sind schwache Völker vor allem bienenschwach. Es können also garnicht so viele Bienen verloren gehen. Liebig setzt schwache Völker einfach über Absperrgitter und ohne weiteres Flugloch auf ein überstarkes Nachbarvolk. Dadurch gleichen sich die Bienendichten in den beiden Brutnestern aus und die paar Flugbienen des Schächlings betteln sich irgendwo (bestenfalls beim Nachbarvolk selbst) ein. Nach vier Wochen, es stehen drei Zargen übereinander, sind alle Zargen stark bebrütet. Jetzt kommt der ehemalige Schwächling auf's Bodenbrett und bekommt sofort den HR und der Starke kommt daneben und erhält ebenfalls den HR. Der Schwache bekommt jetzt die Flugbienen, denn er hat weniger Brut und der Starke büßt die Flugbienen ein und wird deshalb nicht so schnell schwarmtriebig. Bei ihm schlüpen aber auch ungleich mehr Bienen.


    Es ist eigentlich ein verstärken mit Saugling und Flugling :wink: und dient dem Ausgleich der Völker und nicht der Rettung von Mickerlingen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Buchneria,
    die Methode der Sanierung über Absperrgitter hat sich aus der Doppelvolkbetriebsweise entwickelt. Um doppelt so viel Honig zu bekommen taugt diese Betriebsweise nicht. Die Doppelvölker sind extrem umständlich zu handhaben. Bei uns am Bienenstand des BV´s mussten zwei kräftige Imker Liebig´s Bienen übereinander hiefen. Aber an der Betriebsweise kann man einiges am Verhalten der Bienen lernen und die Bienenmathematik kann damit neu definiert werden: 1+0,1=2. Ein Volk + ein schwaches Volk = entwickeln sich zu zwei Völkern.
    So hat es zumindest Herr Liebig beschrieben. Auch die Tatsache, dass sich zwei Königinnen vertragen finde ich erstaunlich. Ich hatte im Winter 2003/4 sogar ein Doppelvolk überwintert, auch habe ich aus Platzgründen mit Doppelablegern experimentiert.
    Aber zurück zur Sanierung: Wie Henry beschrieben hat, muss man zur Sanierung nicht mal aus dem Flugradius gehen. Ob ein Mickerlingen (500-1000 Bienen) oder ein Schwächling (2000-3000 Bienen) spielt keine Rolle. Daraus wird ein vollwertiges Volk. Bisher habe ich mit diesen sanierten Völkern noch keine Blütenhonig geerntet, aber mit der Kombination des Fluglings am Stand könnte das sogar auch noch möglich sein. Zur Waldtracht gibt es auf jeden Fall ein Volk, dessen Entwicklung immer noch nach oben geht.
    Diese Methode wird auch ganz kurz in der aktuellen ADIZ 3/05 vorgestellt und ist wesentlich brauchbarer als die Monatsanweisung.
    Die Überschrift der Monatsbetrachtung setzt noch auf Hoffnung: "Hoffen auf eine glückliche Auswinterung". Schwache Völker werden auch dort saniert, entweder mit der Schwefelschnitte oder durch Vereinigung. Die Hoffnung für meine Bienen habe ich dann ganz aufgegeben da man laut Dr. Schulz (ADIZ S.6) "Brütende Völker gut verpackt warm halten" sollte.


    Gruß
    Simon

  • Zitat

    Die Hoffnung für meine Bienen habe ich dann ganz aufgegeben da man laut Dr. Schulz (ADIZ S.6) "Brütende Völker gut verpackt warm halten" sollte.


    sehe ich genau so!
    ...jetzt ist die Zeit ,wo die Völker ihre Brut stark ausweiten und wenn es jetzt kalt wird, muß die Brut erwärmt werden. Und je kälter die Völker sitzen, desto schwieriger (mit den entsprechenden Verlusten an Bienen und auch Brut).


    Im Winter hatte ich die Böden meiner Magazine offen, jetzt habe ich sie geschlossen und auch die offenen Fluglöscher, nach Entfernung des Mäusegitters, eng gemacht.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Die Zargentürme sehen imposant aus, wenn man "Doppelvölker" im März bildet. Da wird so mancher Nachbarimker nachdenklich warum denn jetzt schon der Honigraum drauf ist...


    Die Völker müssen noch vor der Schwarmzeit getrennt werden. Das hat aber noch Zeit...die nächsten drei Wochen schlüpfen noch keine großen Brutflächen. Für die Sanierung ist momentan noch Zeit genug, man hätte die Völker sicher erst in einer oder zwei Wochen übereinander stellen können. Den freiwerdenden Deckel und Boden lasse ich am Stand und lege sie auf die Dritte Zarge


    @ G.Wustmann
    Ich lege keine 40 Schubladen in meine Völker damit sie warm gehalten werden. Meine Völker sollen atmen und nicht schwitzen. Momentan sind einige meiner Völker (auf 800m) noch eingeschneit. Mit dem offenem Boden tauen die sich selber frei. Und der Schnee kommt dort sicher nochmal zurück.
    Übrigens hat sich, laut Untersuchungen Hohenheim, eine Beutenheizung nicht auf die Brutentwicklung ausgewirkt. Warum also warmhalten? Zur Beruhigung des Imkers?


    Gruß
    Simon

  • Hallo,


    wenn ich schwache Völker habe oder Mini Plus Völkchen dann setzte ich diese einem anderen Volk über Folie auf (kein Absperrgitter) die Zargen habe eigene Fluglöcher, damit kann man die Völker in der Entwicklung stark beschleunigen.
    Hier Bild von Mini Plus Völkchen.

  • Moin heinerbach


    heinerbach schrieb:

    Besteht da zu keiner Zeit eine Gefahr für die Königinen,egal ob oberhalb oder unter dem Absperrgitter?


    ganz sicher ist die Gefahr für die König deutlich größer, wenn sie beim endgültigen Abfegen und Aufteilen des Mickerlings zwischen Daumen und Zeigefinger gerät. :wink: Wird nur abgefegt, dann lassen die Einbettelvölker die Königin auch am Flugloch "absterben" :cry: Und wenn Du garnüschd tust, dann wird womöglich das ganze Mini-Volk krank und geschwefelt oder ausgeräubert oder kommt nicht aus dem Knick und wird später im Jahr, allerdings dann nach der mißglückten Ernte aufgeteilt und dann überlebt sie wieder nicht. 8)


    Also: Versuch macht kluch!


    Und nicht vergessen, es geht nicht um Völkerrettung - Es geht ums Ausgleichen oder Gleichmachen. Genau wie das Bruder Adam mit Bruttransfer macht. Und es soll nicht mehr sondern weniger Arbeit machen. Aufgesetzt wird gleich bei der ersten Durchsicht und getrennt wird beim Aufsetzen des HR auf beide Völker. Es ist kein zusätzlicher Eingriff. Wenn Ausgleichen nicht lohnt, weil es nur um die frühe Frühtracht geht, dann kehrt auch Liebig die Waben vor's Flugloch des Vorgängers und gibt die Brut dem nächst schwächeren Nachbarn. Er macht ja immer massenhaft Jungvölker und wintert auch nur prasselfette Völker ein.


    Für Spättrachtgegenden oder Gegenden mit Wandermöglichkeit ist die Gleichmacherei aber auf alle Fälle und auch bei 5000-Bienen Völkern sinnvoll.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder