Honighäuschen Renovierung

  • Mein gutes altes Honighäuschen war ja in die Jahre gekommen, Baujahr 1890 eben aus den frühen Tagen des Rheintourismus. Renovierung war angesagt, insofern kam ein Wasserrohrbruch aufgrund der großen Kälte nicht ganz so tragisch. Ich war eh schon dabei, alles auszuräumen.


    Aber das, was ich so erlebe... mittlerweile ist aus dem Renovieren ein Sanieren geworden und ich könnte Abhandlungen schreiben über "Putz in seiner Eigenschaft als tragendes Element am Bau" oder "Frei schwebende Mauern ohne Verbund und ihr Potential als tragendes Element"


    Eigentlich, gaaaaaaaaaaanz eigentlich sollte lediglich ein neuer Fußboden verlegt werden und ein Teil der Decke erneuert werden. Mittlerweile wurden tragende Elemente gerettet, das Dach erhielt eine neue Stützkonstruktion, alle Wände sind innen wie außen neu verputzt, ein komplettes Ameisennest wurde samt verrotteten Balken entfernt, die Stützbalken ersetzt, Elektrik und Wasser neu verlegt, Estrich neu gegossen, Fliesen gelegt und und und. Einen kleinen Traum habe ich mir auch erfüllt und einen begehbaren Königinnenbrutschrank/Honigauftauraum eingerichtet. Nach außen hin mit einem Iso-Fenster und zusätzlicher Isolierung versehen, lassen sich für Besucher später auf die Fensterscheibe auch Filme und Dias projizieren.


    Eigentlich wollte ich ja nur renovieren und bis Ostern wird natürlich alles fertig sein. Abreißen und Neubau wäre einfacher (und billiger) gewesen, aber auch hier legt der bürokratisierte Naturschutz wieder ein Zeugnis seiner arbeitsplatzvernichtenden Möglichkeiten ab. Abriß wäre endgültig gewesen, ein selbst originalgetreuer Nachbau nicht erlaubt. Nur Reparaturen zum Erhalt sind möglich. Ein Schwachsinn sondergleichen.


    Von daher kann ich nur lachen, wenn ich sowas wie "Super-Horst" lese. Hatten wir alles schon mehrfach. Kann sich noch jemand an einen gewisses "Es muß ein Ruck durch Deutschland gehen" erinnern? Und was kam? Nix!!!


    Auch jetzt wird als nächstes bestimmt wieder eine Kommission mit n paar Unterausschüssen eingesetzt. dann nicken alle weise, jaja, alles richtig und nichts passiert.


    Gruß, Klaus

  • Hallo Klaus,
    hast Du etwa vorher das wichtigste statische Element eines Bienenhauses
    entfernt ?
    Das sind die Bienenkästen selbst.
    Die Häuser wurden nicht für die Bienenkästen gebaut,
    sondern drumherum.
    Aber auf diese Erkenntnisse bist Du bei der Renovierung sicherlich selbst
    gestossen.
    Viele satirische Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,


    das Honighäuschen war niemals ein Bienenhaus, meine Bienenvölker stehen auf der dem Honighäuschen gegenüberliegenden anderen Straßenseite im Garten; d.h. wenn die Wanderer nicht gerade mit Tunnelblick vorbeirasen, schauen sie links auf die Bienen und rechts auf das Honighäuschen.


    Meine Haussanierung förderte aber Erstaunliches zutage; so führten die im Gebälk des Hauses heimischen Ameisen sowie der Siebenschläfer und ich eine eingehende Diskussion über die künftige Nutzung des Häuschens. Die Argumentation der Ameisen, anhand der zernagten Balken könnten sie mühelos beweisen, daß sie dortselbst schon siedelten, bevor meine Großeltern das Licht der Welt erblickten, zog irgendwie nicht. Ich habe ihnen mitsamt der maroden Balkengemengelage ein Ausweichquartier im Wald angeboten. Mit dem Siebenschläfer, der sich ebenfalls auf Gewohnheitsrecht berief, konnte ich mich dahingehend einigen, daß ich im Gebälk eine Lücke ließ, damit er auch künftig im Dach überwintern kann. Beibringen muß ich ihm allerdings noch, daß die Buchrücken alter Imkerliteratur nicht wirklich die Basis einer gesunden Ernährung bilden.


    Auch architektonisch hat das Honighäuschen einiges zu bieten. So führte ein Erweiterungsanbau dieser Perle des frühen Rheintourismus zu einem Mix aus verwendeten Baustoffen von Fachwerk mit eingelassenen Ziegeln oder Lehmfächern im Altbau zu Kalksandsteinen im Anbau unter Umgehung sämtlicher Grundsätze der Statik, denn Gottvertrauen ist alles! Hat ja auch 110 Jahre gehalten. Hier angebaut, dort erweitert und geflickt... wird schon halten! Der Dachdecker weigerte sich, daß alte Dach abzunehmen, mit der Begründun, auch das Dach hätte vermutlich "festigende" Funktion und er könne nicht garantieren, daß die Wände dann stehenbleiben.


    Aber Ostern werd' ich fertig! :lol:



    Gruß, Klaus

  • ...mich an die Empfehlung eines Maurermeisters,
    erst dann das Gerüst zu entfernen,
    wenn die Tapeten festgetrocknet sind.
    Viele Grüße
    Lothar

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