Entwicklung eines Schwarms

  • Hallo zusammen,


    da ich - in meinem noch kurzen Imkerleben - bisher noch keinen Schwarm gefangen habe, fehlen mir entsprechende Erfahrungen. Aber dafür gibt es ja glücklicherweise dieses Forum hier :wink:
     
    Da ein befreundeter Imker mehrere Schwärme im Jahr bekommt, werde ich vermutlich im Laufe des Jahres von ihm einen solchen überlassen bekommen. Um entsprechende Anschaffungen zu planen nun folgende Frage(n):
    Wie schnell entwickelt sich solch ein Schwarm? Reicht eine Zarge für das Jahr aus oder muss ich mit einer 2. Zarge oder gar mit einem Honigraum (inkl. Königinnengitter) rechnen? Bringt ein Schwarm im ersten Jahr überhaupt Honig?


    Viele Grüße
    Erich

  • Moin Erich,


    "ein Schwarm im Mai, ein Fuder Heu ..." usw. Wahrscheinlich kennst Du den Spruch und Wahrheit liegt tatsächlich in ihm.


    Ein Schwarm sollte auf jeden Fall zwei Zargen Mittelwände ausbauen müssen. Gerade als Anfänger braucht man ja Waben ohne Ende. Rechne also gleich mit einer kompletten Beute und wenn der Schwarm im Mai fällt, ein Vorschwarm ist und normale Größe hat, dann kannst Du den gleich auf zwei Zargen Mittelwände einschlagen. In der oberen Zarge wird er sehr schnell in der Mitte ein Brutnest anlegen und wenn dort die mitteleren 5 Waben bebrütet werden und die obere Zarge auf die Randwaben ausgebaut ist, was gewöhnlich weniger als eine Woche dauert, bekommt der Schwarm noch eine Zarge MW obendrauf und es wird dünnflüssig gefüttert. Das Futter erhält den Bautrieb, der nicht zusammenbrechen darf. Ist die Bautätigkeit erst einmal eingeschlafen, ist es sehr schwer bzw. unmöglich die wieder zu aktivieren. Also füttere kontinuierlich dünnflüssig weiter bis in den Winter.


    Ist der Schwarm kleiner, ein Nachschwarm oder fällt er später im Jahr, wird er wohl die dritte Zarge nicht schaffen. Dann bekommt er Futter eben auf die zwei Zargen. Und wenn es nur ein Schwärmchen ist, dann wird er auf nur eine Zarge eingeschlagen und bekommt, wenn deren Kern ausgebaut ist eine Zarge drüber oder drunter.


    Willst Du einen frühen Schwarm garnicht füttern, weil Du Honig ernten willst und ordentlich Tracht herrscht, dann laß' ihn eine Zarge oder auch zwei ausbauen und gib ihm dann über Gitter Leerwaben als HR oder gib ihm MW (als HR) und lege nach deren Ausbau für drei Wochen ein Gitter ein. Dann sind die HR-Waben am unteren Rand vielleicht schon bebrütet. Doch das muß nicht schlecht sein, wenn Du diese Zarge nach dem Schleudern als Winterfutterzarge einfütterst hat die Königin im Frühjahr einen leichteren Übergang.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,
    du musst ja "Riesenschwärme" haben, wenn du so einen gleich auf zwei Zargen setzen kannst. Bei meinen Schwärmen, auch bei den größten, tritt immer eine Stagnation, besser gesagt eine Schwächung ein, nachdem diese eine Zarge ausgebaut haben, da eben die Brut fehlt und es immerhin fast einen Monat dauert Tage dauert, bis wieder neue Bienen nachkommen, aber die alten Bienen sterben in dieser Zeit auch weg. Danach geht es aber auch wieder aufwärts und eine zweite Zarge ist in der Regel auch drin zum ausbauen.
    Falls der Schwarm A. Mai fällt ist sogar noch eine Zarge Waldhonig Ende Juni zu ernten, zumindestens meinen Erfahrungen nach.
    Viele alte Imker sind in unserer Region deshalb auch froh, wenn die Schwärme früh fallen. Ihre Devise, lieber fältt die Blütenhonigernte aus. Pech ist es eben, wenn die Schwärme kurz vor der Waldtracht kommen, dann fällt die Waldhonigernte aus.

  • honigmayerhofer schrieb:

    Hallo Henry,
    du musst ja "Riesenschwärme" haben, wenn du so einen gleich auf zwei Zargen setzen kannst.


    Hallo Franz,


    vielleicht solltest du mal die Vorschwärme fangen und nicht die Nachschwärme! :D Ich kann das auch nur bestätigen, zwei Zargen sollten für einen normalen Schwarm kein Problem sein. Wenn die Königin erst noch begattet werden muss, dann ist es natürlich etwas schwieriger, die bauen aber nach meiner Erfahrung auch nicht so zügig wie Vorschwärme.


    Vielleicht solltest Du die Schwärme in deiner kargen Landschaft mal etwas füttern, soll ja auch helfen :wink: Dann klappt es schon mit den zwei Zargen.
    Oder sprichst DU von Dadant ? Das wäre dann wirklich ein bischen viel !


    Grüsse 8)

    Bis die Tage, ich komm wieder, keine Frage !

  • Moin Franz-Xaver,


    Zitat

    du musst ja "Riesenschwärme" haben, wenn du so einen gleich auf zwei Zargen setzen kannst.


    Es ist Sommer, es ist warm, meine Beuten sind luftig und warmhaltig und ich will nicht immer stören müssen, wenn es eigentlich nichts zu tun gibt. (Schwarmkontrolle im Schwarm ist ja eigentlich nicht nötig, obwohl's letztes Jahr nötig gewesen wäre :wink: ) Ob bis unten durchgebaut ist sieht man von oben. (Entweder, man sieht noch das Bodengitter oder eben nicht.) Außerdem ärgert es mich immer wieder, daß es ganz egal ist, ob man einzargige eingeschlagene Schwärme durch Auf- oder Untersetzen mit MW erweitert. Es ist nach Murphy ohnehin immer falsch. :cry: Hat der Schwarm gleich zwei Zargen ist das jedenfalls nicht mehr mein Problem, dann baut der seinen Wintersitz gleich wie er es will und muß den nicht spätern nach dem Auf- oder Untersetzen nochmal korrigieren. Und sollte es ein Schwarm nicht schaffen, die äußeren Wabe beider Zargen auszubauen, dann ist mir das auch egal, dann geht er halt mit den paar halbfertigen Außen-MW in den Winter (als Anfänger hab ich doch eh nüschd anderes) und wenn ich im Frühjahr noch garnichts gemacht hab' hat der dann doch vielleicht schon weitergebaut. Und auch im Frühjahr würde ich ja auch bloß MW geben können.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:

    Auch im Frühjahr würde ich ja auch bloß MW geben können.



    Moin Henry,
    in der Imkerei ist sowieso alles falsch oder auch richtig, vielleicht auch sehr stark regional abhängin. Lt. Bienenlehrbücher wird ein Schwarm auf MW gesetzt, dazu rechnet man pro MW 300 g Bienen, d.h. bei deinen 2 zargigen Segberger dürfte ein Schwarm 6,6 kg haben - beachtlich.
    Ich fange aber nur Schwärme zwischen 2 und 3 kg, deshalb
    reicht eine Zarge. Das Füttern eines frühen Schwarms, im Gegensatz zu einem Kunstschwarm, unterlasse ich, denn die Schwarmbienen haben Vorräte dabei und falls es Tracht gibt, müssen sie sich selbst versorgen, was diese auch können, da Sammlerinen im Schwarm genügend dabei sind. Ausserdem will ich mir bei einer späteren Waldtracht den Honig durch Zuckerfütterung nicht verpanschen.

  • Lieber Erich S.,


    wenn Sie an einem Schwarm wirklich etwas erleben wollen, dann empfehle ich, ihn auf leere Rähmchen mit Anfangsstreifen zu setzen.


    Nur hier kann man erleben, was ein Schwarm wirklich kann und wie schön er das kann - es ist in der Regel ein Erlebnis voller Ästhetik. Die reinen lichtweißen Waben, die ein Schwarm baut, kann man mit Mittelwänden nämlich nie erleben.


    Je nach Wabenmaß genügen am Anfang 5 bis 8 leere Rähmchen. Der Raum sollte dann durch ein Schied oder eine Futtertasche begrenzt sein.


    Flüssig füttern mit wiederholten kleinen Gaben fördert den Ausbau bei kühlem oder trachtarmem Wetter - alternativ kandierten Honig oder Futterteig in der Futtertasche als Rückversicherung.


    Viel Erfolg


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Moin Franz-Xaver,


    vielleicht hast Du mich mißverstanden. Das mit den MWen im Frühjahr meint das Frühjahr nach der Überwinterung und das Füttern bezieht sich auf das Schwarmfüttern nachdem der eingeschlagen ist und bereits baut.


    Die Schwärme die ich fange sind sicher nicht größer als die Deinen und auch die Kunstschwärme sind ganz sicher nicht größer. Dennoch bleibe ich dabei, daß ein Naturschwarm im Mai locker 22 MW ausbauen kann und auch noch Honig aus dem Sommer bringen oder eben nochmal 11 MW ausbauen, wenn's gut läuft. Vielleicht auch deshalb, weil ich nach dem Einschlagen auf 22 MW lange nicht in die Kisten muß. Der Schwarm bleibt praktisch ungestört und wird nur dünn von oben gefüttert. Und selbst wenn ich eine dritte Zarge MW aufsetzte puhle ich nicht im BR rum.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder