Betrachtungen und Erörterungen zum Wesen des BIEN

  • Epirrhema


    Müsset im Naturbetrachten
    Immer eins wie alles achten;
    Nichts ist drinnen, nichts ist draußen:
    Denn was innen, das ist außen.
    So ergreifet ohne Säumnis
    Heilig öffentlich Geheimnis.


    Freuet euch des wahren Scheins.
    Euch des ernsten Spieles
    Kein Lebendiges ist ein Eins,
    Immer ists eine Vieles.


    Johann Wolfgang von Goethe

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Verehrte Teilnehmer am „Imkerforum“, liebe Leser und laut oder leise erörternde Mitarbeiter!


    Für mich ist der Versuch, mich betrachtend oder tätig einem „Wesen“ zu nähern, nicht eine Angelegenheit, die mir so ohne weiteres leicht fällt. Noch schwieriger oder heikler ist es, das dabei Erlebte, Empfundene dazustellen – im Gespräch geht das meist noch etwas leichter (je nach dem, wie bereit der Gegenüber ist, aufzunehmen), schriftlich, insbesondere für mir ja weitestgehend nicht persönlich bekannte Menschen, ist mir das viel schwerer.


    Ich bin da sicher auch empfindlich, weil meine Versuche tastend und balancierend sind. Ich muß mich dafür öffnen und werde dadurch auch schutzloser und verletzlicher. Es ist ja nicht so, daß ich abgehoben oder abgeklärt bin oder gar ein Eingeweihter wäre. So erlebe ich das und dadurch können Fragen, die polemisch gestellt wirken oder klingen (der Ton macht die Musik) verletzender wirken, als sie vielleicht gemeint waren. Der verbale Schlagabtausch ist heute so selbstverständlich; jeden Tag im Radio oder auch im TV kann man ja miterleben, wie Leute buchstäblich „verarscht“ werden; je mehr, desto größer der Lacherfolg. (Mir ist dabei manchmal die Frage, wer dabei mehr entwürdigt wird, der Moderator, das Opfer, die Zuhörer oder Zuschauer?)


    Polemisieren (und Ironie) hat aber häufig auch etwas wie Selbstschutz; man kompensiert dabei nicht selten das eigene (unbewußte) Unbehagen an irgendwas einem Unklaren – die Verletzung beim anderen tritt aber doch ein.


    Ich wünsche mir Fragen, auch Kritik, durch die wir an dem Bild, das ich versuche zu entwickeln, arbeiten können. Ich weiß ja auch noch nicht, was dabei herauskommen wird, auch wenn ich vielleicht eine Idee, ein Ziel vor Augen und eine Biographie als Hintergrund habe.


    Die Welt besteht ja nicht entweder aus Materie oder aus Geist.


    Und die Richtlinien zur Demeter-Bienenhaltung sind ja nicht etwas so Abgehobenes, daß sie in dieser Welt von normalen Imkern nicht zu praktizieren wäre.


    Welche Fragen können denn durch diese Richtlinien aufgeworfen werden, die sonst vielleicht gar nicht da wären?


    Ich wünsche mir eine anregende, konstruktive Diskussion, auch Einzelfragen, praktisch und theoretisch.
    Wie weit ich dem, was ich hier versuche, selbst standhalten kann, weiß ich überhaupt nicht – aber ich werde hoffentlich auch dabei lernen.


    Ich freue mich auf Eure Mitarbeit


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Ich habe hier meinen Beitrag von letzter Woche etwas überarbeitet und stelle die folgende Betrachtung deshalb hier noch einmal an den Anfang


    Eine erste Beobachtung ist, daß sich ein Bienenschwarm in einer Art in die Welt hineinverhält, wie kaum ein anderes Wesen – er hängt.


    Das ist ein völlig anderes Verhältnis zur Schwere, als wir das bei den meisten anderen Lebewesen, insbesondere bei uns selbst erleben können.
    Das Verhältnis der meisten (Land-)Lebewesen auf der Erde ist dadurch gekennzeichnet, daß sie auf der Erde lasten.


    Normalerweise hängt sich ein Bienenschwarm, wenn möglich, frei auf, indem relativ wenige Bienen sich irgendwo ansetzen und sich die restlichen an diese dranhängen.
    Das Idealbild des Imkers: Apfelbaum einige Meter vor dem Bienenstand, Leitast waagrecht in etwa 150 cm Höhe, wenige Nebenäste oder Fruchtspieße.
    Ein Schwarm von gut 2 Kg Gewicht hat ungefähr 15.000 Bienen; von diesen sitzen oft nur wenige hundert direkt am Ast und der Schwarm hängt an diesen Bienen dran.


    Man könnte dabei den Eindruck haben, daß die Bienen die Berührung der festen physischen materiellen Welt meiden.


    Da der Bienenschwarm nicht fähig ist, sich eine eigene stabile physische Hülle zu bauen, ist er mindestens unter unseren Klimaverhältnissen darauf angewiesen, eine Höhle aufzusuchen. Dies gilt für die Wabenwerkbauenden Honigbienenarten Apis mellifera und Apis cerana.
    In der Höhle oder dem Kasten wiederholt sich das oben geschilderte Verhalten – der eingezogene Schwarm hängt sich darin auf, wenn möglich, frei unter der Oberfläche.


    In der Folge schafft und kontrolliert der Bienenschwarm einen „Wärmeraum“. Die Einzelbienen in der Wärme des Schwarms schwitzen Bienenwachs, der Schwarm nimmt das in sich auf und baut daraus nach und nach das Wabenwerk.


    Die Bienen beginnen an die Oberfläche, unter der sie hängen, einen „Wachswulst“ aufzutragen. In diesen werden dann von zwei Seiten die Zellen hineinplastiziert. Die ersten Zellen sind sogenannte „Heftzellen“, die häufig nur einen halben Querschnitt aufweisen. Immer weiter wird am Wabenrand ein Wachswulst angetragen und im weiteren dann mit dem bekannten Sechseckverbund ausplastiziert. (Was an dieser Form schon im Anfangsstadium, wo das Wachs so gut wie keine Masse hat, die Schwerkraft bewirken soll, ist mir derzeit nicht nachvollziehbar.)


    Hängt der Schwarm idealerweise frei in der Höhlung unter deren Oberfläche, bauen die Bienen zuerst nur an einer Zentralwabe.*
    Hat diese eine gewisse Größe erreicht, die etwa einem mittelgroßen Handteller entspricht, werden parallel zu ihr auf beiden Seiten neue Wachswülste aufgetragen und schließlich zu Zellen und zu Waben ausgezogen. Auch die mittlere Wabe wird weitergebaut.
    Haben die beiden neuen Waben wieder etwa die Handtellergröße erreicht, werden erneut parallel außen zwei neue Waben begonnen.
    Wenn die so errichteten 4. und 5. Waben die genannte Größe erreicht haben, werden wieder zwei neue Waben begonnen; dabei werden die schon begonnenen weiter in die Tiefe und Breite des Raumes fortgebaut.
    Auch die 6. und 7. Wabe werden von einem Schwarm häufig noch begonnen, seltener 8. und 9., dies folgt oft erst später in der Volksentwicklung.
    Der Wabenbau aus dem neu eingezogenen Schwarm heraus stockt vorerst häufig am etwa 10. bis 14. Tag nach dem Einzug in die neue Höhle und wird erst später weitergeführt.
    Etwa in den ersten 10 Tagen baut der Schwarm nur Arbeiterbau, dann kann auch Drohnenbau gefertigt werden. Dieser wird häufig schalenförmig um das untere Ende der Waben gebaut.


    Im übrigen stockt der Wabenbau, wenn der Schwarm den Raum, den er beherrschen kann, durchgestaltet hat, wenn der Futterstrom abreißt, wenn hohe Bienenverluste eintreten, bei Vergiftungen, wenn die Witterung kalt wird und andere Störungen mehr und zuletzt natürlich wenn begrenzter Raum durchgestaltet ist.


    In idealer und ungestörter Entwicklung strukturieren die Waben ein nach oben etwas geschlossenes halbkugelförmiges Lumen; ein klassisches Bild dabei ist die „Herzwabe“.


    Mehr und mehr sitzen und arbeiten die Bienen dann nur noch auf dem Wabenwerk und immer weniger direkt auf den Wandungen der Höhle – und wenn doch, dann wird alles mit Propolis fein überzogen.


    Das Wabenwerk ist eine eigene Substanz, die physischen Charakter angenommen hat und dem Bienenvolk Halt und Zentrum in der Welt bietet. Im weiteren Verlauf werden die Waben durchzogen von den inneren Lebensvorgängen des Bienenstocks. Dadurch „altern“ das Wabenwerk; der ursprünglich „lichtweiße“ Wabenbau bekommt Farbe und immer mehr Festigkeit, wird immer „irdischer“ und man kann dann die Verfassung und im Weiteren die Biographie des Bienenstocks daran ablesen (sofern mindestens die Waben im Brutraum in ihrer Ordnung nicht verändert werden.


    Die Honigbienen sind in der Insektenwelt insofern einzigartig, daß sie in der Lage sind, einen Wärmeraum entgegen den Verhältnissen des Umkreises zu schaffen und fortdauernd zu kontrollieren; außerdem schaffen sie aus einer körpereigenen Substanz einen physischen Bau, der Zentrum und Grundlage für ihre Lebensprozesse und Lebensäußerungen bildet.


    Dadurch sind die Honigbienen fähig, die „Zeiten“ überdauernd in der Welt zu leben, ohne ihre Aktivitäten und Lebensäußerungen vollständig aufzugeben, wie z.B. die Todesstarre Überwinterung der jungen Hornissen-, Wespen- oder Hummelköniginnen, oder das im Winter vollständig aus der Erscheinung verschwinden der Ameisen. Andere Insekten verschwinden immer wieder in der Folge ihrer verschiedenen Entwicklungsstadien und der Jahreszeiten aus der Erscheinung (z.B. Eistadien, Puppenruhe etc.)


    Wenn ich die Völker der Honigbienen als Organismus auffasse, dann ist dieser Organismus immer in der Erscheinung und tätig.


    Diese Fähigkeit hängt meines Erachtens unmittelbar mit der Fähigkeit zusammen, aus eigener physischer Substanz einen Halt, eine Art Innenskelett zu schaffen.


    *Bruder Adam hat in einem seiner Werke eine These entwickelt, wie es zu Kaltbau bzw. zu Warmbau kommt, wenn den Völkern keine Baurichtung vorgegeben wird: Er beschreibt (meiner Erinnerung nach anhand von Beobachtungen in liegenden Röhrenbeuten), daß starke Völker eher im Kaltbau bauen; starke Völker hängen sich eher in die Mitte des Hohlraums frei auf, schwächere Völker suchen die „Anlehnung“ an die Stirnwand der Beute und errichten in der Folge Warmbau.




    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Hallo erstmal,


    Michael Weiler schrieb:

    Der verbale Schlagabtausch ist heute so selbstverständlich; jeden Tag im Radio oder auch im TV kann man ja miterleben, wie Leute buchstäblich „verarscht“ werden; je mehr, desto größer der Lacherfolg. (Mir ist dabei manchmal die Frage, wer dabei mehr entwürdigt wird, der Moderator, das Opfer, die Zuhörer oder Zuschauer?)


    Polemisieren (und Ironie) hat aber häufig auch etwas wie Selbstschutz; man kompensiert dabei nicht selten das eigene (unbewußte) Unbehagen an irgendwas einem Unklaren – die Verletzung beim anderen tritt aber doch ein.


    Volle Zustimmung!


    Michael Weiler schrieb:


    Und die Richtlinien zur Demeter-Bienenhaltung sind ja nicht etwas so Abgehobenes, daß sie in dieser Welt von normalen Imkern nicht zu praktizieren wäre.


    Sicherlich ist Demeter-Bienenhaltung machbar und auch sinnvoll, weil sie das Imkern MIT dem Volk und dessen Schwarmtrieb darstellt und nicht ein Arbeiten dagegen. Wer es so möchte, warum nicht! Das kann ich imkerlich nachvollziehen und ist für mich nur das Zuendedenken einer Idee. Was mich daran stört ist der Versuch diese sinnvolle Betriebsweise mit einer anthroposophischen Philosophie begründen zu wollen. Dazu hab' ich einfach keinen Draht. Zum Beispiel:


    Michael Weiler schrieb:


    Man könnte dabei den Eindruck haben, daß die Bienen die Berührung der festen physischen materiellen Welt meiden.


    Was würden denn Bienen ohne Kontakt zu dieser Welt tun? Verhungern! Das ist wohl wirklich eine recht transzendentale Sichtweise unserer Schöpfung! Schade ist darüber hinaus, dass die wesengemässe Bienenhaltung durch solch ein wirres Zeug diskreditiert wird.


    Feinsinniges Beobachten des Bien hat Gerstung, Adam und Co. zu bahnbrechenden Erkenntnissen verholfen. Nicht eine "menschliche Weisheit" sprich Anthroposophie.


    Noch ein Beispiel:

    Michael Weiler schrieb:


    Immer weiter wird am Wabenrand ein Wachswulst angetragen und im weiteren dann mit dem bekannten Sechseckverbund ausplastiziert. (Was an dieser Form schon im Anfangsstadium, wo das Wachs so gut wie keine Masse hat, die Schwerkraft bewirken soll, ist mir derzeit nicht nachvollziehbar.)


    Ähem, wenn Masse, dann wirkt auch die Schwerkraft, egal ob Milligramm oder Tonnen schwer. Die Schwerkraft wirkt nicht nur auf schwere Dinge auch wenn sie so heisst. Oder warum fällt ein Drohn auf den Boden wenn er seine Pflicht erfüllt hat? Wiegt doch auch nur ein paar zehntel Gramm.


    Warum schreibe ich das alles? Nicht um Ihnen auf den Senkel zu gehen, was aber wahrscheinlich dennoch passiert ist. Nein, ich möchte die Diskussion um eine wesensgemäße Bienenhaltung entmystfizieren und "auf die Erde zurück holen", dahin wo der Bien lebt, und gestatten Sie mir auch etwas Weltanschauung, wo der Bien von seinem Schöpfer hingesetzt wurde. Es gibt genügend praktische, greifbare und sichtbare Dinge die eine Bienenhaltung, wie sie in den Demeter-Richtlinien stehen rechtfertigen.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Moin Michael Weiler,


    Zitat

    Bruder Adam hat in einem seiner Werke eine These entwickelt, wie es zu Kaltbau bzw. zu Warmbau kommt ...


    Entweder zittierst Du falsch, Deine Erinnerung hat Dir einen Streich gespielt, Bruder Adam hat abgeschrieben oder einfach das selbe nochmal entdeckt:
    Schon vor 1900 kann man bei Gerstung: Der Bien und seine Zucht, §17 Die Bedeutung der Bienenwohnung für den Bien ... lesen, daß starke Völker im Kaltbau bauen während schwache ihre erste Wabe in Nähe der Stirnwand und weitgehend parallel zu ihr ansetzen.


    Tschuldigung Lothar, da war er wieder, der Naturbeobachter Gerstung.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry und Michael !



    Zitat

    Bruder Adam hat in einem seiner Werke eine These entwickelt, wie es zu Kaltbau bzw. zu Warmbau kommt ...

    Was ist denn mit den Völkern, die "Schrägbau" anlegen ? :wink: Sind die dann mittelstark ? Also nach meiner Info und Erfahrung in einem Fall baut ein Schwarm ohne jegliche Bauvorgabe entlang des Erdmagnetfelds, also in Nord-Süd-Richtung. Meßt es mal aus, wenn ihr eine Gelegenheit habt. Es stellt sich ja generell die Frage, wie Bienen ihre Bautätigkeit koordinieren. Die Baubienen im Inneren der Schwarmtraube können das Flugloch nicht sehen, ggf. aber wohl das Magnetfeld spüren, wenn sie ein entsprechendes Sinnesorgan haben. Ich weiß zwar nicht, welches das bei Bienen ist, aber ich weiß zumindest, daß es bei anderen Tieren, z.B. Haien, nachgewiesen wurde. Wir Menschen haben aber leider keins. :-?


    lg
    Stefan

  • Moin StefanK,


    Zitat

    Was ist denn mit den Völkern, die "Schrägbau" anlegen ?


    Die sind nicht mittelstark, die sind nur verwirrt, weil sich paar von denen stark fühlen und die andern stark an der Stärke zweifeln. :wink:


    Aber eigentlich ist auch alles Kaltbau was nicht Warmbau ist. Also immer wenn man durch das Flugloch in die Wabengassen sehen kann. Und das geht auch noch, wenn's schräg ist. Warmbau ist eher seltener. Wahrscheinlich fühlen sich die meisten Völker eben doch stark. :lol: Richtig schwer wird aber die Einteilung, wenn der Raum in dem die Bienen wohnen ein gewundener hohler Baum mit mehreren Astlöchern ist oder wenn die Bienen die Waben in Kurven bauen. In Körben kann man das sehr schön sehen. Die Geschichte mit dem Magnetfeld der Erde stimmt aber sicher nicht, denn Körbe werden auch dann nicht mit Warmbau ausgebaut, wenn sie rechtwinklig zu einem Kaltbaukorb stehen. Raumgeometrie und Volkstärke geben die Richtung vor. Oder auch kleine Ansätze, wie Holzspäne, Leisten oder Reste alter Waben.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry !


    Da tun sich aber doch einige Zweifel auf. Also erstens ist dann eigentlich alles Kaltbau, denn wenn stehen Naturbauwaben schon mal ganz exakt parallel zur Vorderwand ? Was die Körbe angeht: Woher hast du diese umfangreichen Informationen ? hast du auch bedacht, daß die Korbimker i.d.R. Leitwachsstreifen setzen ? Ich habe auch schon mal einen Korb gesehen (bei Bretschko: Naturgemäße Bienenzucht) der hatte Waben im Warm- und Kaltbau. Das widerspricht dann unser beider Argumentation. :P Niemand weiß aber, ob der Korb vielleicht noch Wabenreste hatte, als der neue Schwarm baute. Ich glaube dir auch, daß es zu unregelmäßigem Wabenbau kommt, wenn eine Baumhöhle so gar nicht der deutschen Normbaumhöhle :wink: entspricht. Ist der Raum aber ohne Winkel und Nieschen, stehen alle Waben nahezu parallel. Bei meinem Volk waren es 13, glaube ich. Die Info mit dem Magnetfeld habe ich übrigens aus dem Bienenmuseum in Weimar.
    Gleichwohl bleibt das Problem, wie die Bienen des Schwarms ihre Bautätigkeit koordinieren. Irgendjemand muß ja mal sagen, so und nicht anders wirds gemacht. Bei Hochwaben hat die Baurichtung eh keine ersichtliche Bedeutung aber man muß sich einigen. :wink:

  • Hallo Henry,
    ich habe doch nirgends etwas gegen Herrn Gerstung geschrieben...
    Wenn er nur mal auf die Idee gekommen wäre, im Honigraum das gleiche Maß einzusetzen wie im Brutraum, dann wären wir mit unserer Imkerei hundert Jahre weiter!
    Zum Naturbau: Bienen bauen nicht in "Plattenbauweise", so wie wir es ihnen aufzwingen mit geraden Waben und Mitelwänden.
    Frei bauend ist das Wabenwerk eher gewendelt.
    Auch gibt es manchmal eine Wabe, die als Schutz und eine Art Fussmatte quer vorm Fluglochinnern gebaut wird.
    Bei Warmbau -Trogbeuten übernimmt oft die erste Wabe diese Aufgabe.
    Zu den Korbvölkern: In Stülpern muss (!) man den Bienen Längsbau
    (Kaltbau) errichten lassen, weil sonst beim zum Bearbeiten notwendigen
    Umdrehen (stülpen) der Wabenbau nicht hält. Warmbau würde da nachgeben. Aber das kennen wir vom Magazin her ja auch. Eine Kippkontrolle bei Querbau ist nicht möglich, da die Waben nach unten
    klappen und die Bienen zerquetschen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Henry,
    ich habe doch nirgends etwas gegen Herrn Gerstung geschrieben...
    Wenn er nur mal auf die Idee gekommen wäre, im Honigraum das gleiche Maß einzusetzen wie im Brutraum, dann wären wir mit unserer Imkerei hundert Jahre weiter!
    Zum Naturbau: Bienen bauen nicht in "Plattenbauweise", so wie wir es ihnen aufzwingen mit geraden Waben und Mitelwänden.
    Frei bauend ist das Wabenwerk eher gewendelt.
    Auch gibt es manchmal eine Wabe, die als Schutz und eine Art Fussmatte quer vorm Fluglochinnern gebaut wird.
    Bei Warmbau -Trogbeuten übernimmt oft die erste Wabe diese Aufgabe.
    Zu den Korbvölkern: In Stülpern muss (!) man den Bienen Längsbau
    (Kaltbau) errichten lassen, weil sonst beim zum Bearbeiten notwendigen
    Umdrehen (stülpen) der Wabenbau nicht hält. Warmbau würde da nachgeben. Aber das kennen wir vom Magazin her ja auch. Eine Kippkontrolle bei Querbau ist nicht möglich, da die Waben nach unten
    klappen und die Bienen zerquetschen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Henry,
    ich habe doch nirgends etwas gegen Herrn Gerstung geschrieben...
    Wenn er nur mal auf die Idee gekommen wäre, im Honigraum das gleiche Maß einzusetzen wie im Brutraum, dann wären wir mit unserer Imkerei hundert Jahre weiter!
    Zum Naturbau: Bienen bauen nicht in "Plattenbauweise", so wie wir es ihnen aufzwingen mit geraden Waben und Mitelwänden.
    Frei bauend ist das Wabenwerk eher gewendelt.
    Auch gibt es manchmal eine Wabe, die als Schutz und eine Art Fussmatte quer vorm Fluglochinnern gebaut wird.
    Bei Warmbau -Trogbeuten übernimmt oft die erste Wabe diese Aufgabe.
    Zu den Korbvölkern: In Stülpern muss (!) man den Bienen Längsbau
    (Kaltbau) errichten lassen, weil sonst beim zum Bearbeiten notwendigen
    Umdrehen (stülpen) der Wabenbau nicht hält. Warmbau würde da nachgeben. Aber das kennen wir vom Magazin her ja auch. Eine Kippkontrolle bei Querbau ist nicht möglich, da die Waben nach unten
    klappen und die Bienen zerquetschen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Lieber Reiner Schwarz,


    ich verstehe meine Betrachtungen hier nicht als Rechtfertigung der Demeter-Bienenhaltung - die Richtlinien sind auch älter als meine diesbezüglichen Versuche. Meine Auffassung dazu habe ich ja eben an einer anderen Stelle nebenan geäußert, womit ich Ihnen zustimmen möchte.


    Ich vermute allerdings, daß ich ohne die Anregungen aus der Anthroposophie und ohne meine Praxis und Auseinandersetzung mit Demeter-Bienenhaltung nicht daran arbeiten würde.


    Ein Wesen auf der Erde sucht sich meines Erachtens immer eine eigene Position, um sich seiner Organisation gemäß auszuleben. Ein Tier selbst kann da ja auch ziemlich wenig dran ändern; lediglich wenn es in Kultur genommen wird, sind Änderungen beobachtbar (ob die immer "gesund" sind, lasse ich dahingestellt; auch die nicht endgültig und schlüssig beantwortete Frage nach der Herkunft der sogenannten "Haustiere").


    Was die Wirkung der Schwerkraft auf die Ausgestaltung der Masse betrifft, kann ich nach wie vor nicht erkennen, aus welchem Grund die Masse der Wabe in Sechseckvolumen nach unten ausgezogen werden sollte. Liegt das in der Wabe begründet, oder in den Bienen, die sie plastizieren?


    @ Henry: Ich habe die Stelle bei Bruder Adam gelesen. Meiner Erinnerung nach in einem der Reiseberichte über die Beobachtungen in Nordafrika.


    Frohes Schaffen


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Sorry Lothar, war mein Fehler, auf Gerstung hatte Harry rumgehackt nicht Du. Tschuldigung. :cry:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen.
    Lieber Herr Weiler,
    am diesem Zitat erkenne ich wieder mal, warum es mir so schwer fällt, die Anthroposophen und Esoteriker zu verstehen: Wir gebrauchen zwar die gleichen Worte, doch in einem völlig anderen Sinn!
    Für mich sind Naturgesetze dadurch gekennzeichnet, dass die ganze belebte und unbelebte Natur ihr unterworfen ist. z. B. Massenanziehungskraft. Kein Papst und kein Guru kann sie ausser Kraft setzen.
    Auch wenn ich also vieles an Ihren Ausführungen erst übersetzen muss, ich finde sie sehr informativ.


    MfG
    Peter

    Vernunft verwirrt Dogmatiker! (Prof. Dr. H. Lesch)
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    Start 2004 mit Eifel-Carnika; 5 Völker in Lagerbeuten nach Bremer und Golz; fast Öko-Betriebsweise.