imkern ohne varroabehandlung

  • hallo zusammen,
    immer wieder mal lese oder höre ich von imkern, die komplett ohne varroabehandlung ihre bienen führen.
    nur hab ich noch nirgends was konkretes darüber gelesen, immer ists nur raunen und munkeln. keiner der darüber redet, kennt tatsächlich einen imker der so wirtschaftet. auch hab ich noch nirgends was gelesen, was ein derart wirtschaftender imker selbst über seine betriebsweise schreibt oder sagt.
    gibts eine methode, die sich vom arbeitsaufwand her einigermaßen in grenzen hält, bienen komplett ohne varroabehandlung zu halten und damit auch akzeptable honigerträge zu erzielen?
    kennt jemand einen derart wirtschaftenden imker, den man mal zu einem gespräch über seine methode besuchen könnte?
    oder ists nur eine auf die imkerei adaptierte form von "nessie" oder "bigfoot"`?
    gruß
    gerhard

  • Hallo Gerhard,
    ich habe im vorigen Jahr solch einen Imker kennengelernt. Er war Gast in einer Imkerversammlung unseres Vereins und hat einen Vortrag über seine Betriebsweise gehalten. Er wohnt in Sachsen, hat, wenn ich mich richtig erinnere 120 Völker und seit 5 Jahren nicht behandelt.
    Wir haben noch ein Merkblatt von ihm bekommen, auf dem er seine Betriebsweise grob zusammengefasst hat:


    Weg von der chemischem Keule, zurück zur Natur!
    Die hohen Bienenverluste im Bienenjahr 2002/2003 haben uns gezeigt, dass die Bienenhaltung in der Sackgasse steckt. Um aus einer Sackgasse wieder herauszukommen hilft mitunter der Rückwärtsgang. Es wird viel über Versuche, eine varroaresistente Biene zu züchten, geschrieben und über angebliche Erfolge berichtet (Primorskibiene}. Das können wir uns alles sparen, denn ich wage zu behaupten: Unsere Biene ist resistent gegen die Varroa, nur der Imker verhindert es.
    Gegen die starke Vermehrung der Varroamilbe nutze ich die Schwarmphase. Die heilige Kuh des
    schwarmfreien Imkern habe ich schon lange geschlachtet und habe so die Varroamilbe und auch alle Brutkrankheiten im Griff. In einem Bienenvolk, in dem durchgehend Brut vorhanden ist, haben die Varroa und alle Brutkrankheiten die optimalsten Bedingungen. Die Ansicht, dass Schwärme Honig kosten, gehört in das Reich der Fabel. Nach wenigen Tagen hat das Volk durch die schlüpfenden Bienen die alte Stärke. Durch die ausbleibende Brutpflege können die Bienen mehr Nektar sammeln und die Lebensdauer der Bienen wird verlängert. Das Wichtigste, die Varroa hat keine Möglichkeit sich zu vermehren.
    Wenn die Bienenvölker in Schwarmstimmung sind, nehme ich den Schwarm vorweg. Der günstigste Termin ist Ende Mai, Anfang Juni. Ich bilde mit der Weisel Feglinge von 1,5 bis 2kg auf eine Zarge mit Mittelwänden (9 Waben Zander) und stelle die Kunstschwärme außerhalb des Flugkreises der Ausgangvölker auf. Von den Völkern, die zu schwach sind, um Feglinge zu bilden oder wenn andere Gründe vorliegen, drücke ich die Weisel ab. Auf dem Stand darf kein weiselrichtiges Volk verbleiben. Alle Völker müssen zum gleichen Zeitpunkt die brutfreie Phase haben. Werden die Feglinge mit jungen Weiseln gebildet und den Ausgangsvölkern die alte Weisem gelassen, fehlt die wichtige brutfreie Phase.
    Die Bienen, die aus den Stiften schlüpfen, welche von der Weisel im Juni gestiftet werden, kommen für jede Tracht außer der Heide zu spät. Sie bilden nur die Bienenbärte.
    Dafür brauchen die Völker im Juli optimale Bedingungen. Imker, die im Juli ihren Bienen keine Tracht anbieten, haben im Frühjahr schwache oder keine Völker. Im Juli legt man den Grundstein für das folgende Bienenjahr.
    Haben die Kunstschwärme eine gute Tracht, so bauen sie zwei Zargen Mittelwände aus und bringen einen guten Ertrag an Honig und sind im folgenden Jahr immer die Spitzenvölker. Ist die Weisel verbraucht wird nach dem Drohnenabtrieb umgeweiselt.
    Vier Wochen nach der Feglingsbildung kontrolliere ich die Völker, von denen ich die Feglinge entnommen habe auf Weiselrichtigkeit. Ist ein Volk weisellos, setze ich eine Weisel zu. Schwache Völker werden aufgelöst. Weitere Eingriffe in das Brutnest nehme ich nicht vor. Das Umsetzen von Tracht zu Tracht und die Entname von verdeckelten Honigwaben sind die einzigen Arbeiten die ich bis zur Einfütterung durchführe. Jeder Eingriff in das Bienenvolk belastet es. Eine Kuh, die jede Woche operiert wird, gibt auch keine Milch.
    Die Betriebsweise bringt eine Arbeitsspitze, doch die liegt noch vor der ersten Schleuderung. Bei guter Organisation kann eine Person 150 Völker in einer Woche bearbeiten. Haben die Bienen immer genügend Tracht, so räubern sie nicht und die Gefahr der Reinvasion ist nicht gegeben. Eine Behandlung mit chemischen Mitteln kann unterbleiben. Ist keine Tracht vorhanden und im Flugkreis brechen Völker an der Varroa zusammen, ist eine Behandlung notwendig. Doch eine Spätherbst- oder Winterbehandlung ist erfolglos, wenn die Völker geschädigt sind. Dann brechen sie spätestens nach den Reinigungsflug zusammen.


    Liebe Grüße aus Sachsen
    Gabi

  • wird wohl bevorzugt beliefert? Heft 3 schlummert bei uns noch auf irgendeinem Postamt.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo, Gabi,


    ich glaube, daß die Aussage dieses Imkers

    Zitat

    Unsere Biene ist resistent gegen die Varroa, nur der Imker verhindert es

    so zu einfach gefaßt ist. John Kefuss würde vielleicht sagen, "auch aus unserer Biene kann man eine varroaresistente Biene züchten". Das paßt schon eher. Damit man mit einer Betriebsweise, wie Du sie oben beschreibst, ohne Behandlung auskommt, wird man sich auf zunächst sehr hohe Völkerverluste einstellen müssen, ehe sich aus den überlebenden Völkern eine ausreichende Varroaresistenz herausschält. Das wage ich anhand der mir bekannten Erfahrungen nichtbehandelnder Imker einfach einmal zu behaupten. Andernfalls müßte man z. B. an der Fischermühle, wo die Vermehrung nur über Schwärme, ja, sogar eine Selektion auf einen kräftigen Schwarmtrieb erfolgt, schon lange nicht mehr behandeln.


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes,


    hat man an der Fischermühle überhaupt Überlebensversuche gemacht? Wenn ja. mit der nötigen Konsequenz, sprich Laufzeit (daran mangelds meistens). Viele Imker wollen nah zwei Jahren das fertige Produkt/Ergebnis. Geht halt hier nicht, das weisst du ja selber. Vielleicht müssten die an der Fischermühle schon lang nicht mehr behandlen, und habens nur nicht herausgefunden, weil nicht versucht?!

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Gabi schrieb:

    Vier Wochen nach der Feglingsbildung kontrolliere ich die Völker, von denen ich die Feglinge entnommen habe auf Weiselrichtigkeit. Ist ein Volk weisellos, setze ich eine Weisel zu.


    Hallo Gabi,
    was soll denn in nur 4 Wochen – wovon höchstens 1-2 Wochen brutfreie Zeit ist – mit den Varroen passiert sein?
    Der Fegling dürfte maximal 10 % der Milben als „Reiter“ mitgenommen haben, womit er sich „Gesundgeschrumpft“ hat, aber 90 % sind noch in der verdeckelten Brut und auf dem Restvolk.
    In der kurzen weisellosen Zeit schlüpfen nicht nur Bienen nach sondern auch Unmengen Varroen. Bei einer Schwarmvorwegnahme hast Du mindestens eine bald schlupfreife Weiselzelle im Restvolk, so dass im günstigsten Fall 8 Tage nach der Feglingsbildung wieder eine legende Königin im Volk ist. Nach weiteren 9 Tagen werden die ersten Maden der neuen Brut verdeckelt und alle Milben stürzen sich auf sie.
    Wenn das ganze Erfolg haben soll, müssen die Schwarmzellen ALLE gebrochen werden und die daraufhin entstehenden Nachschaffungszellen ebenfalls. Für eine deutliche Wirkung ist ein nochmaliges Nachschaffen durch künstlich eingebrachte Maden mit nochmaligem Zellenbrechen unumgänglich. Dieser Umstand muss sein, damit in der langen weisellosen Zeit keine Arbeiterinnen das Regiment übernehmen und Drohnenbrütig werden.
    Nun waren die Völker mindestens 5-6 Wochen Brutfrei und eine neue Weisel kann zugesetzt oder gezogen werden. Das hat aber meiner Meinung nach nichts mit Varroaresistenz oder Toleranz zu tun, sondern mit „Betriebsweise“ und Varroabekämpfung – wenn auch ohne Chemie (inkl. AS und OS)
    Das ganze lässt sich noch durch eine Fangwabe verfeinern, ist aber ein „alter Hut“.


    Viele Grüße --- Harry ---

  • Hallo, Reiner,


    schön, endlich wieder von Dir zu lesen!


    Zitat

    hat man an der Fischermühle überhaupt Überlebensversuche gemacht?


    Die Frage ist berechtigt; ich weiß es nicht. Vermutlich aber nein. Allerdings haben sie dort, soweit ich gehört habe, mit dem Versuch, allein mit OS-Verdampfung auszukommen, hohe Verluste gehabt. Insofern ist die von Gabi berichtete These, daß man mit einer Schwarmbetriebsweise problemlos ohne Behandlung auskommt, sicher zu plakativ; das wollte ich sagen.


    Die Frage, wie lange ein Bestand im Bond-Versuch braucht, um eine stabile VR zu zeigen, war in dem anderen Thread zu VR-Zucht schon diskutiert worden. Ich hatte nach den Erfahrungen von Erickson und einem anderen deutschen Imker die These vertreten, daß das innerhalb sehr weniger Jahre geschieht. Mich würde interessieren, was Du gehört hast. Hatte Kefuss eigentlich in Neuenstein-Aua was dazu gesagt? Was ist mit den anderen?


    Viele Grüße, Johannes

  • Johannes Haller schrieb:
    Zitat

    hat man an der Fischermühle überhaupt Überlebensversuche gemacht?


    Die Frage ist berechtigt; ich weiß es nicht. Vermutlich aber nein. Allerdings haben sie dort, soweit ich gehört habe, mit dem Versuch, allein mit OS-Verdampfung auszukommen, hohe Verluste gehabt.


    Viele Grüße, Johannes


    Hallo Johannes,
    hast du da einen LINK, für diese Behauptung.

  • Hallöli,


    reiner
    Harry


    Schön, endlich mal wieder von euch zu lesen! :D


    Ich möchte aber nochmal auf die Methode dieses sächsischen Imkers zurückkommen.
    Wenn ich das richtig verstanden habe, macht er bis Ende Mai außer Honigräume aufsetzen nix? :o
    Wäre bei uns nicht durchführbar; zu Carni-Zeiten fiel der früheste Schwarm mal beim Nachbarn am 21.4.......
    Und auch bei den Buckis muß ich gucken, wenn auch nicht unbedingt was machen.
    Vom Standpunkt der Bienen gesehen, ist nun mal eine massive Frühtracht der beste Zeitpunkt, sich zu vermehren.
    Ich denke, Ende Mai, Anfang Juni ist die größte Varroavermehrung schon fast gelaufen, ich müßte sowas also spätestens Ende April/Anf. Mai machen, unter anderem eben, weil hier die Schwarmstimmung so früh einsetzt.
    Eine "natürliche" Brutpause dauert im günstigsten Fall (Schwarm) maximal 8 Tage, im ungünstigsten (Kö-Verlust) 3 Wochen.
    Wenn ich jetzt das ganze mit Fangwaben und Zellenbrechen auf 4-5 Wochen verlängere, was passiert dann tatsächlich in der Zeit mit den Varroen und den Bienen?
    Vorausgesetzt, ich erwische mit den Fangwaben genug, stellt sich immer noch die Frage, sind meine dann doch ziemlich "alten" BIenen in der Lage, die Maden einer neuen Königin vernünftig aufzuziehen?
    Außerdem fehlen mir dann bei 1000 Eiern am Tag zwischen 28- und 35.000 Bienen...


    Ich kann es nicht genau begründen, aber irgendwas sträubt sich bei mir dagegen...


    Und vorher Kunstschwärme zu machen, erscheint mir mitten in der Haupttracht nicht sinnvoll; ich schwäche meine Ertragsvölker massiv, und bis die Schwärme aufsatzreif sind, ist hier schon fast alles vorbei.


    Da ist mir die Wildeshauser Betriebsweise sympathischer, der Königinnenableger kann sich da halbwegs in Ruhe aufbauen, das Hauptvolk hat eine 3wöchige Brutpause, sammelt in der Zeit gut weiter und verliert über die Fangwaben trotzdem Varroen.
    Und ich denke, daß ich durch diesen "kleinen" Königinnenableger erheblich weniger Varroen mitnehme als wenn ich einen 2 kg Kunschschwarm mache.


    Denke ich da irgendwo völlig falsch?
    Bitte kommentieren :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Reiner,
    reicht die mit Überlebensversuchen hier in Deutschland gemachte Erfahrung schon dazu aus, die Anzahl von Generationenfolgen (ungefähr) zu benennen, nach denen man mit Varroafestigkeit rechnen kann?
    Falls ja, würde mich diese Zahl sehr interessieren.
    Schon mal Danke und viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo, Xare,


    Zitat

    hast du da einen LINK, für diese Behauptung


    Nein; es handelte sich um eine mündliche Mitteilung. Ich habe noch mal alle mir dazu bekannten Links durchforstet und leider nichts schriftliches gefunden. Ggf. kannst Du dich sicher an die Fischermühle wenden, ich denke, die werden dazu gern Auskunft geben.


    Viele Grüße, Johannes

  • sabi(e)ne schrieb:


    sind meine dann doch ziemlich "alten" BIenen in der Lage, die Maden einer neuen Königin vernünftig aufzuziehen?
    Außerdem fehlen mir dann bei 1000 Eiern am Tag zwischen 28- und 35.000 Bienen...


    Hallo Sabine,


    Dir fehlen keine Bienen, da Du täglich 1000 – 2000 dazu bekommst, diese schlüpfen im Lauf der nächsten Wochen. Diese dann rund 30 – 50.000 Bienen sind alle langlebig, da sie keine Brut pflegen müssen. Die Sammelleistung ist jedenfalls stärker als bei einem weiselrichtigen Volk. Die zuletzt schlüpfenden Bienen sind jung, unverbraucht und werden sich dank der vorher eingelagerten Vorräte an Pollen und Honig mit Feuereifer auf die Pflege der jungen Königinnenmaden stürzen. Dann allerdings kommt ein Einbruch in der Volksstärke, da durch die weisellose Zeit keine Brut vorhanden ist. Das wiederum kommt den neuen Königinnen zugute, da so das Volk schneller mit den eigenen Töchtern aufgebaut wird. Die neue Volksharmonie wird also früher wieder hergestellt sein. Nach der Frühtracht und der Honigernte sind die meisten Völker eh von Bienen überladen. Ich hab mal gelesen, das manche Imker ?!? die Bienen bei der Ernte in einen Bach fegen, da sie für das Bienenfleisch keine Verwendung haben. :evil:
    Da ist es schon besser diese Bienen erst gar nicht zu erzeugen.


    Aber wie gesagt, mit nur einem Eingriff ist die Brutpause viel zu kurz um überhaupt eine Wirkung zu zeigen und mehrere Eingriffe sind ab einer höheren Völkerzahl arbeitsmäßig wohl nicht zu vertreten, zumal es sich dabei nur um eine bestimmte Betriebsweise und Varroabekämpfung handelt und nicht um Varroatoleranz oder Varroaresistenz.


    Viele Grüße --- Harry ----