Wärmebehandlung

  • Hallo,


    ich bin gerade dabei mir eine Vorrichtung zur Wärmebehandlung zu basteln, benötige aber noch genauere technische Angaben um den Regler richtig programmieren zu können
    Frage:
    1. Wie hoch muß die Behandlungstemperatur sein ?
    2. Wie lange muß die Behandlungsdauer sein?
    3. Vertragen Bienen einen Umluftventilator, um eine gleichmässigere Temperaturverteilung zu erreichen?


    Gruß
    Hans Peter

  • Nun hab ich mal meine Konstruktion an einem Bienenvolk ausprobiert. Meine Wärmebehandlung sieht folgend aus: Unten eine Heizplatte mit 3x 50 Watt Heizleistung oben die SPS-Steuerung mit 3 Umluftventilatoren. Geregelt wird die Heizplatte mit der SPS-Steuerung über Einschalttakte, soll heißen je näher man der gewünschte Temperatur kommt, umso länger werden die Heizungspausen. Bei Erreichen der Temperatur wird die Heizung komplett abgeschaltet. Kontrolliert wird die Temperatur über 2 Stk. PT100 Temperaturfühlern. Ein Fühler wird zwischen den Wabengasse platziert der 2. Fühler unter den Umluftventilatoren oberhalb der Rähmchen. Meine Zieltemperatur war 42°C bei einer Einwirkdauer von 3 Stunden.
    Befallsdruck des behandelten Volkes (ein Kunstschwarm der im Juli erstellt wurde) waren 8 Milben in 14 Tagen. Nach Installation meiner Anlage und Positionierung zeigte der Fühler zwischen den Wabengasse 36,7°C der oberhalb der Rahmen 25,9°C an. Nach Starten des Behandlungsprogrammes erreichte ich innerhalb von 25 Minuten beim Fühler oberhalb der Rähmchen die gewünschten 42 °C. Der Fühler in den Wabengassen hielt sich satte 3 Stunden auf 39,2°C um dann innerhalb weiterer 15 Minuten die 42 °C zu erreichen. Das Brummen und Heulen der Bienen wurde auch immer lauter. Meine Regelung hielt die Temperatur nun 40 Minuten konstant. Nach dieser Zeit begann die Temperaturen am Fühler zu steigen, obwohl die Heizplatten ausgeschalten waren. Als ich die Temperatur von 43 ,5°C an den Fühlern erreichte, machte ich einen Notstop. Ich machte die zugedeckten Lüftungsgittern wieder auf, doch die Bienen wollten eigentlich nur mehr aus Ihrer Beute raus. Sie verhinderten durch Ihr Gedränge am Lüftungsgitter das Eindringen von Frischluft. Also machte ich das Flugloch auf und die Bienen rannen wie Wasser aus der Beute. Am nächsten Morgen hatte ich zahlreiche große Bienenbärte an der Beute haften und der Fühler zwischen den Waben zeigte noch respektable 38,9°C an und dies nach 9 Stunden Auskühlzeit bei 14°C Außentemperatur


    Fazit: - sehr lange Aufheizzeit von 3 1/2 Stunden
    - Aussagekräftig ist eigenlich nur der Fühler zwischen den Waben
    - Das Heulen der Bienen ist nichts für schwache Nerven.
    - Kühlung der Beute nach der Behandlung wurde von mir nicht eingeplant wird aber jetzt nachträglich mittels steuerbaren Zuluftventilator eingebaut.
    - Maximal ein Volk pro Nacht mit dieser Methode behandelbar


    Wirkungsgrad
    - gezählte 147 Stk. tote Milben auf der Heizplatte
    - Königin hat überlebt


    Aufgeworfene Fragen:
    Wärmespeicherkapazität des Honigs ?
    Woher kommt der Temperaturanstieg nach 40 minütiger konstanter Regelung ?
    Wie hoch ist die Temperatur beim Verbrausen eines Volkes?


    Gruß
    Hans Peter

  • Interessanter Bericht!
    Was denkst du wird die Brut für Temperaturen abbekommen haben? Reicht das für eine Wirkung auf die Varroen in der Brut?
    Wie bienenverträglich es ist bleibt offen. Die Wärme ist den Tieren weniger angenehm als eine richtig dossierte AS Behandlung, sonst würden sie nicht über längere Zeit ausziehen.
    Gruß
    Simon

  • Hallo,


    Zitat

    Aufgeworfene Fragen:
    Wärmespeicherkapazität des Honigs ?
    Woher kommt der Temperaturanstieg nach 40 minütiger konstanter Regelung ?
    Wie hoch ist die Temperatur beim Verbrausen eines Volkes?


    Wärmespeicherkapazität des Honigs und des WACHSES: sehr hoch! :evil:


    Der Temperaturanstieg kommt davon, daß die eingesperrten Bienen kein Wasser mehr haben, um die Brut auf 36°C runterzukühlen, und Panik bekommen.
    Beginn des Verbrausens sozusagen. :evil:


    Verbrausen beginnt bei 42°C, steht in jedem Imkerbuch. :evil:


    Dermaßen brutal in ein so diffiziles Regelsystem einzugreifen, finde ich....*ohne Worte*.


    Warum sind die Bienen so bemüht, die Temperatur in der Brut auf 36,0+-0,5°C zu halten?
    Weil Abweichungen von mehr als 0,5°C gravierende Auswirkungen haben.


    Bist du tatsächlich der Meinung, daß 6°C mehr als normal, bzw. nach einer Nacht, wo die Bienen kein Wasser holen konnten, immer noch 38,5=2,5°C über normal, ein bienenschonendes Verfahren darstellen???


    Bei deinem "Notstopp" hätte SOFORT Wasser eingesprüht werden müssen!
    Und in solchen Mengen, daß innerhalb von einer Stunde wieder 36°C erreichbar waren...
    Wie sollten die Bienen ohne Wasser die Temperatur senken?:evil: 
    Die Brut vor die Tür tragen?


    Der Gerinnungspunkt von Eiweiß fängt in der Gegend um 42,5 °C an, deswegen überlebt man als Mensch solch ein Fieber in dieser Höhe kaum.
    Meistens mit schweren Gehirnschäden, weil unser Gehirn einfach nicht vom Kreislauf abgekoppelt werden kann.


    Hoffentlich bewahrt dein Bericht wenigstens andere vor solchen Experimenten!
    Es wird sehr interessant sein, in spätestens drei Wochen deinen Bericht über die Folgeschäden zu lesen...*Kopf-vor-Wand*
    Ausgeräumte Brut wirst du wahrscheinlich in den nächsten Tagen vor dem Flugloch finden...


    Bitte macht euch doch mal VORHER ein bißchen über Bio-Chemie schlau! :evil:


    Ausnahmsweise stimme ich mal mit Henry bezüglich Tierversuchen überein.... :cry::cry::cry:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo zusammen,
    habe ich schon gemacht.
    Zwar lange her, aber nach Brutende Volk abgefegt in einen Drahtkäfig,
    diesen in eine größere Holzkiste gestellt, Deckel drauf, und mit zwei Föhnen auf etwa 40 0 C erwärmt.
    Recht gute Wirkung, aber...
    ... die Stromrechnung hat mich umgehauen :cry: ,
    ... der Zeitpunkt ist zu spät, da heute der Varroadruck viel größer ist,
    ... man erwischt nicht alle Bienen ( die Wabe mit Königin habe ich nicht abgefegt, die Flugbienen fehlten auch)
    ... dannach zeigten sich die Bienen eine Weile desorientiert, man hätte sie auf dem Stand verstellen können, da sie sich neu einflogen.
    ... sehr zeitaufwendig, erst abfegen, dann erwärmen, dann zurückgeben,
    ... von Varroa geschädigte Bienen werden dadurch auch nicht wieder gesund,
    ... Gefahr der Überhitzung, da das verwendete Thermometer zu ungenau war (bei Erreichen der 40 0 C sofort Föhne ausgestellt, allerdings halten die Bienen lange Zeit eine Temperatur um 35 0 C ).
    Mein Ergebnis:
    Kommt nicht mehr für mich in Frage. Zu aufwendig. Es gibt mittlerweile besseres auf dem Markt (seinerzeit nur AS in Form der Illertisser Milbenplatte, Perizin, FolbexVA, ). Zu teuer (Strom). Bienenfreundlich?
    Soweit mein Erfahrungsbericht.
    Die Idee stammt nicht von mir. Ich habe damals das Verfahren von einem Imkerkollegen übernommen und nachgemacht.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Bumblebee
    Ich glaube nicht, daß ich 40°C in den verdeckelten Brutwaben erreicht habe. Leider mußte ich meinen Versuch, da er außer Kontrolle geriet, abbrechen.
    sabi(e)ne
    Ich gebe Dir Recht, daß dies sicher ein Tierversuch war. Leider sind meine Daten, die ich in den Zeitschriften und diversen Artikeln gefunden habe, recht dürftig. Die Temperaturangaben reichten von 40 - 48 °C und von einer gesteuerten Kühlung war nirgends die Rede. Ich persönlich habe auch mit Verlusten <5% an Bienen gerechnet, dies ist noch nicht eingetreten. Ich habe aber meine Konstruktion an Leerwaben getestet und dort sind die Überhitzungseffekte nicht aufgetreten und die Beute wurde in 50 Minuten über die Lüftungsgittern auf 36°C abgekühlt. Mit der Verstopfung des Lüftungsgitter durch flüchtende Bienen habe ich nicht gerechnet. Die Hyperthermie funktioniert leider einmal nach dem Prinzip, daß das größere Insekt die höhere Temperatur länger aushält und die erreichten 43,5°C beziehen sich auf die Umgebungstemperatur und nicht auf die Körpertemperatur der Bienen. Die Beurteilung des Erfolges dieser Methode wird die Frühjahrsentwicklung zeigen.
    Auch wenn das, was ich jetzt schreibe schrecklich ist, in Österreich sind Insekten vom Tierschutzgesetz ausgenommen. Theoretisch kann in Österreich jeder Insekten quälen ohne bestraft zu werden. Es schützt mich aber auch vor der Strafe für den jährlichen zigtausendfachen Drohnenmord, den ich durch das Ausschneiden und Einfrieren der Drohnenwaben begehe. Aus Fehlern lernt man und die aktive Kühlung ist schon in der Planung und Programmierung und falls ich damit erfolgreich bin, laß ich auch die Drohnen leben 8-).
    Lothar
    die Stromkosten sind bei meiner Methode nicht hoch, da ich ja nur 170W Anschlußleistung habe, mit 2 Föhns wird eine Heizungsregelung schwierig. Meine ersten Versuchen mit Vollgas (150W) die Leerwaben auf 42°C zu heizen führte zu einem Überschwingen der Temperatur auf 46°C. Dein Prinzip killt ja nur die aufsitzenden Varroen, die beim Bienenrodeo runtergefallen sind (wie meine 147 toten Varroen). Ich möchte aber auch die Milben in der verdeckelten Brut erreichen.


    Gruß
    Hans Peter


    PS: Für kreative Vorschläge bin ich dankbar.

  • Hallo H.P.,
    warum verwendest du keine Ameisensäure? Damit erreichst du die Parasiten auch in der Brut. Ich denke diese Methode ist verträglicher wie dein Mega-Hyperthermiedings. Vielleicht entwickelst du einen neuen u. funktionierenden Klapperatismus um damit Bienen zu behandeln, dann finde ich es eine gute €-Quelle.
    Hat jemand schonmal ein Bienenvolk bestrahlt? So ungefähr mit 1,5 Gray? :-? 
    Gruß
    Simon

  • Hallo Bumblebee,


    meine restlichen Völker wurde schon mit Ameisensäure behandelt und bekommen Ende November auch die Restentmilbung mit Bienenwohl.
    Ich will eigentlich mit der Wärmebehandlung eine Zwischenbehandlung nach der Frühjahrstracht erreichen um den Varroendruck schon im Juni zu senken und da gibt es derzeit keine legalen Behandlungsmitteln.


    Gruß
    Hans Peter