Bauerneuerung bei Naturbau

  • Hallo,


    ich habe im letzten Jahr gute Erfahrungen mit Naturbau im Honigraum gemacht. Ich habe als Honigraum gedrahtete Rähmchen und in der Mitte eine ausgebaute Wabe aufgesetzt. Die Rahmen sind alle sehr schön ausgebaut worden und beim Schleudern gab es keinen Bruch. Jetzt frage ich mich, wie ich mit dem Naturbau weitermachen soll. Die Zellen im Honigraum sind alle sehr groß. Eigentlich hatte ich vor, die „alten“ Honigräume im Frühjahr als Bruträume unterzusetzen und auf diese Weise jedes Jahr eine Zarge komplette Bauerneuerung zu erreichen. Jetzt mache ich mir aber Gedanken, ob die Waben dann komplett mit Drohnenbrut belegt werden. Oder passen die Bienen die Zellgröße durch abtragen an?


    Wie machen andere das mit dem Naturbau und der Bauerneuerung? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungsberichte.


    Noch eine andere Frage. Ich habe immer wieder gehört, dass die Bienen Zellen abschroten und neu bauen. Verwenden die Bienen dann das abgeschrotete Wachs wieder oder müssen sie komplett neu ausschwitzen?

    Gruß Thomas (Hatte mal vier Jahre lang Bienen. Dann aufgrund einer Bienengiftallergie aufgehört.)

  • Hallo, Thomas,


    ich habe (noch) keine Erfahrungen damit, aber eine Rotation von Zargen mit Naturbau aus dem Honigraum in den Brutraum dürfte wegen der Zellengröße nicht klappen. Die haben ihren Honigspeicher großzellig als Honigspeicher gebaut, da wollen sie nicht drin brüten. Die "bienengemäßeste" Form der Bauerneuerung bei Naturbaubetriebsweise dürfte eine Totalbauerneuerung z. B. alle 3 Jahre sein, wie sie bei Ries praktisch beschrieben ist.


    Vielleicht meldet sich hier aber mal wieder ein Demeterimker, die haben beim Naturbau richtig Kenne...


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes,


    die Frage ist wirklich, was passieren würde. Die Zellen (die meisten) sind ja auch für die Drohnenbrut zu groß. Die totale Bauerneuerung nach Ries ist mir eigentlich zu aufwändig.

    Gruß Thomas (Hatte mal vier Jahre lang Bienen. Dann aufgrund einer Bienengiftallergie aufgehört.)

  • Hallo zusammen,


    Thomas.Reimelt schrieb:

    Jetzt frage ich mich, wie ich mit dem Naturbau weitermachen soll. Die Zellen im Honigraum sind alle sehr groß. Eigentlich hatte ich vor, die „alten“ Honigräume im Frühjahr als Bruträume unterzusetzen und auf diese Weise jedes Jahr eine Zarge komplette Bauerneuerung zu erreichen. Jetzt mache ich mir aber Gedanken, ob die Waben dann komplett mit Drohnenbrut belegt werden. Oder passen die Bienen die Zellgröße durch abtragen an?


    Noch eine andere Frage. Ich habe immer wieder gehört, dass die Bienen Zellen abschroten und neu bauen. Verwenden die Bienen dann das abgeschrotete Wachs wieder oder müssen sie komplett neu ausschwitzen?


    Ich finde auch, dass dies zwei sehr interessante Fragen sind. Ist denn kein Imker hier, der dazu seine Erfahrungen beisteuern kann?? :( :o


    Viele Grüße
    Erich

  • Hallo,


    warum sollte sich die Bauerneuerung bei Naturbau unterscheiden? Klar, wenn es so läuft wie bei Thomas.Reimelt gehts nicht. Dann lass die Waben halt im Honigraum. Es ist klar dass Waben im Honigspeicherbereich mit größeren Zellen gebaut werden als im Brutraum. Das ist halt mal so bei den Bienens. Deshalb wäre es für dich eher günstig den umgekehrten Weg zu gehen.


    Kann es sein, dass diese Waben erst relativ spät im Bienenjahr gebaut wurden? Ich hatte diese Erscheinung mal, als ich beim Auffüttern noch Waben im Naturbau bauen liess, die hatten echt Monsterzellen. Bebrütet wurden diese Zellen nicht. Ansonsten gib doch einen Anfangsstreifen, das ist dann eine Art Größenreferenz für die Bautruppe. Desweiteren kann ich nur zu unterschiedlichen Rähmchenformaten für Brut- und Honigraum raten :schnell-wegduck-weil-OT:, wo wie auch Johannes es meines Wissens betreibt.


    Abgeschrottetes Wachs ist für die Bienen "Müll" und wird nicht recycelt.

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    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo Reiner,


    ich würde gerne die zargenweise Rotation (sprich: im Spätsommer Honigraum freigeben, Volk nach oben ziehen lassen, unterste (dann brutfreie) Zarge später komplett entfernen und einschmelzen) praktizieren, um eine Wabenhygiene einzuhalten und damit Krankheiten vorzubeugen. Dies geht aber nur, wenn die (übrigens im Frühjahr gebauten) Honigrähmchen im folgenden Jahr (als 2. Zarge) vom Volk auch zum Brüten verwendet werden.
    Wenn Du (oder jemand anderes) nun sagst: "Kannst'e vergessen, dort wird keine Brut abgelegt", dann wäre das Chaos vorprogrammiert.


    Und Du meinst, dass ein Anfangsstreifen - den ich tatsächlich verwende - ausreicht, dass alle/viele Zellen im kleineren Format gebaut werden??


    Viele Grüße
    Erich

  • Hallo Erich,


    diesen zargenweisen Austausch habe ich noch nie gemacht und werde ich auch nicht machen. Ich halte ihn für nicht notwendig. Naturbau ist im einteiligen Brutraum wesentlich einfacher zu managen als im zweiräumigen. Siehe auch bei "Naturbau-Papst Friedmann". Und wenn HR-Rähmchen nur für HR verwendet werden, ist es schnurz welche Größe die Zellen dort haben.


    Im geteilten Brutraum habe ich selber keine Erfahrungen mit komplettem Naturbau.

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  • Rähmchenweise erneuerung des Naturwabenbaus im Brutraum genauso wie die erneuerung des Naturbaus im Honigraum sind Bienenwiedrig.
    Deshalb kommt man auf Ausagen wie "Nach der Kirschblüte bauen die Bienen nur noch Drohnenbau"!

  • Moin Eric,


    Eric Zeissloff schrieb:

    Rähmchenweise erneuerung des Naturwabenbaus im Brutraum genauso wie die erneuerung des Naturbaus im Honigraum sind Bienenwiedrig.
    Deshalb kommt man auf Ausagen wie "Nach der Kirschblüte bauen die Bienen nur noch Drohnenbau"!


    Kannst Du das bitte etwas erläutern.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Johannes Haller schrieb:

    Die haben ihren Honigspeicher großzellig als Honigspeicher gebaut, da wollen sie nicht drin brüten.


    Hallo Johannes, hallo zusammen,
    das verstehe ich nicht. Warum wollen die Bienen Ihren Honigspeicher nicht bebrüten?
    Der Honigspeicher wäre doch nach dem Verzehr des Honigs im Winter der Brutraum im Frühjahr. Gibt es einen Bereich im Wabenbau, der einzig der Honigspeicherung dient?
    (Die Frage ist nicht rhetorisch gemeint.)


    Meines Erachtens haben die Bienen keinen Bauplan für das Ganze. Ist es nicht eher so, dass der Wabenbau unter natürlichen Bedingungen (d. h. Schwarm in Höhle) grundsätzlich nach unten erweitert wird und zwar überwiegend mit Arbeiterinnenbrut. Irgendwelche Steuermechanismen, die mir nicht bekannt sind, sorgen dann dafür, dass randlich und zu bestimmten Zeiten im Jahr mehr Drohnenbrut angelegt wird.
    Was passiert jetzt aber, wenn man das System durcheinander bringt? Wenn man oben Raum zum Bauen gibt, der eigentlich bereits bebaut sein müsste oder einzelne Waben im Brutraum fehlen, wo sonst eigentlich bereits Waben wären?
    Die einzelnen Bautrupps haben wohl nicht den Blick für das Ganze und bauen dann irgend etwas, was da eigentlich nicht hinpasst.
    Nur so eine Idee.


    Gruß Andreas

  • Hallo, Andreas,


    Zitat

    Meines Erachtens haben die Bienen keinen Bauplan für das Ganze.

    Ist das nicht eine etwas gewagte Vermutung...? Lies' mal die TBH-Erfahrungen von Dennis Murrell, da gehen Dir die Augen über - Moment, der Link ist umgezogen....


    ...da ist er: http://bwrangler.madpage.com/bee/sbro.htm


    Die ganze TBH-Homepage - nicht nur der hier verlinkte Teil - ist absolut lesenswert.


    Wie Reiner Schwarz schon geschrieben hat, wird im Naturbau oben zunächst ein Streifen größerzellig gebaut - vermutlich, weil der später nur noch als Speicher dienen wird. Weniger Wachs und damit weniger Energieaufwand für mehr gespeicherte Honigmenge auf gleicher Wabenfläche... Bei mir haben sie die 5,1-mm-Anfangsstreifen auf 5,4 mm Zelldurchmesser vergrößert und auf einigen Waben gleich unterhalb des Streifens noch großzelliger gebaut. Besonders im fluglochfernen Teil (im Warmbau wie bei der TBH auf den hinteren Waben) scheinen große Zellen dann zu dominieren. Der Brutnestkern wird hingegen eher kleinzelliger als der Brutnestdurchschnitt gebaut; nach Dennis' Erfahrungen liegt er wohl im vorderen unteren Teil des Brutnestes und wird saisonal besonders im Sommer zur Brut genutzt.


    Hat man das Brutnest auf 2 Zargen verteilt und betreibt eine Zargenrotation, wird die von den Bienen angelegte Zellgrößenordnung des gesamten Baus mißachtet. Rotation von unten nach oben werden sie wohl kompensieren können, aber bei Rotation von oben nach unten würden Honigspeicherzellen, die teilweise über Drohnenzellgröße liegen, auf einmal am Ort des Brutnestes liegen. Und wenn die Zarge von solchen Zellen dominiert wird, wäre das für das Volk eine Katastrophe.


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Andreas,


    Johannes hat das super zusammengefasst.


    Zitat

    Die einzelnen Bautrupps haben wohl nicht den Blick für das Ganze und bauen dann irgend etwas, was da eigentlich nicht hinpasst.


    Dazu nur soviel:
    "Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile"
    "Der Bien machts"


    Sehe das Bienenvolk immer als Ganzes. Es ist ein sozialer Verbund der gemeinsam am Übeleben arbeitet. Da muss der Blick fürs Ganze vorhanden sein, auch wenn für uns Menschen die Kommunikation nicht transpaent ist. Nur so ist Vieles im Volk erklärbar, auch das Schwarmverhalten etc.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo zusammen,
    wenn man bedenkt, das bei einem Naturschwarm der mitgebrachte
    Vorrat auch mal aus der Honigblase raus muss, weil ein Teil ja auf Sammelflug geht, die Bienen ja nicht nur für den Eigenbedarf mitgenommen haben, neuer Nektar schon reinkommt,
    mach es durchaus Sinn, das die ersten Zellen, die gebaut werden,
    reine Vorratszellen sind, die größer sind.
    Zumal die Königin erst wieder mit dem Legen beginnen muss, und da auch eine zeitlang auf Brutzellen verzichtet werden kann.
    Bei ausreichend Platz werden diese auch nicht mit ins Brutnest einbezogen, dann könnten sie aber noch umgebaut werden.


    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.