Thymolanwendung

  • Hallo @ alle,


    ich möchte in diesem Jahr die Varroabekämpfung u.a. mit Thymol durchführen.
    Dazu habe ich mir sagen lassen, daß Anfang Mai 1 Rähmchen mit abgesperrten Oberteil eingehängt wird, in dem sich ca. 15 g Salzkristalle befinden.
    In den Monaten Mai - Juli verflüchtigen sich die Thymolkristalle und töten die Varroamilben.
    Wer hat damit schon Erfahrung gesammelt ???

  • Hallo Glas Konrad,


    erwarte Deinen Beitrag mit großen Interesse.
    Sicherlich haben auch noch andere Imker Erfahrung mit Thymol gemacht.
    Ich bin für jede Mitteilung dankbar.

  • Hallo Drohne


    Hier ist der versrochene Beitrag mit einverständnis
    von Herrn Xaver Willibald.


    mfg Glas Konrad


    Xaver Willibald Arzbach
    Alpenbadstr. 16
    83646 Arzbach
    Tel. 08042/8409



    Meine Erfahrung mit Thymol.


    Ich bin seit 25 Jahren Imker und habe seit längerer Zeit 30 Bienenvölker.
    Das Thymol habe ich vor 7 Jahren durch eine Imkerin aus Baden- Würtenberg kennengelernt.
    Der Erfinder von Thymol für die Varroabekämpfung ist ein Imkermeister aus Mühlheim-Stetten Kreis Tuttlingen.
    Seit 1998 behandle ich jetzt meine Völker gegen die Varroa mit Thymol, nachdem ich mit anderen Mitteln große Völkerverluste erlitten habe. Seitdem habe ich starke ,gesunde und vitale Völker ohne Verluste. Auch wurde, die ganzen Jahre, kein einziger Fall von Nosema oder Kalkbrut festgestellt
    Thymol ist jetzt auch offiziell für die Varroabekämpfung zugelassen. Von der EU ist es sogar für die biologische Völkerführung zugelassen.
    Thymol ist ein Heilmittel für Mensch und Tier und wird aus der Pflanze Thymian gewonnen, die als kleiner Strauch im Mittelmeerraum wächst..
    Thymol wirkt über den Geruch. Die Varroa wird in ihrem biologischen und sozialen Verhalten durch Störung des Geruchsinns so verwirrt, dass sie sich nicht mehr fortpflanzen und auch keine Nahrung mehr aufnehmen kann. Den Bienen macht der Geruch nichts aus, sie halten sich gerne in der Nähe der Geruchsquelle auf.
    Das Thymol kommt mit einem speziellen Rähmchen in das Bienenvolk. Das Rähmchen hat oben einen kleinen Trog in dem das Thymol eingefüllt wird. Unterhalb befindet sich die Drohnenwabe. Drohnenbrut wird von der Varroa bevorzugt, da sie eine um 3 Tage längere Brutzeit hat und sich darin eine Generation Varroa mehr entwickeln kann. Die Drohnenbrut liegt unmittelbar unter der Geruchsquelle und wird damit besonders intensiv behandelt.
    Thymol wirkt auch in die Brutzelle, was von den wenigsten Mitteln erreicht wird. Dadurch ist die Behandlung auch während der Brutzeit voll gewährleistet.
    Vom Erfinder wird empfohlen das Thymol am 1. Mai und am 1. August aufzufüllen, da das die Zeit der größten Varroavermehrung ist. Aber die Kritiker behaupten dann immer, daß man das Thymol im Honig riecht
    Ich habe im ersten Jahr auch so behandelt, konnte aber überhaupt keinen fremden Geruch im Honig feststellen.
    Heute habe ich das Thymol, nur wegen der Kritiker, von August (nach Entnahme des Honigs ) bis Ende April im Volk ( im Mai beginnt Honig Zeit ). Wenn im April der Varroabefall fast auf 0 ist, kann sich die Varroa in 3-4 Monaten nicht so vermehren, dass das Bienenvolk geschädigt wird. Vorausgesetzt man hat keinen Nachbar, der durch falsche Behandlung Varroazucht betreibt.
    Wenn zur Honig Zeit kein Thymol im Volk ist , kann auch der Honig nicht nach Thymol riechen. Thymolgeruch ,der sich in den Waben festgesetzt hat, verflüchtet sich in kürzester Zeit.
    Übrigens im Süden Europas, dort wo der Thymian wächst und von den Bienen wegen Blütenstaub und Nektar angeflogen wird , ist Thymol ein normaler Bestandteil im Honig.





    Genaueres zur Behandlung:


    Die Behandlung mit Thymol kostet ca. 2,00 € / Volk und Jahr.
    Die ganze Arbeit ist, das Rähmchen nach dem Abschleudern mit 12gr. Thymol ( = ein gestrichen voller Kaffee-Meßlöffel) aufzufüllen.
    Während des Auffütterns geht das Volk noch einmal stark in Brut. Durch die Wärme verdampft das Thymol gut und somit ist eine gute Varroabekämpfung und gesunde Winterbienen die Folge Das Rähmchen, das zugleich der Baurahmen ist, hänge ich bei einer Zarge (Kaltbau ) als 2. Rähmchen von der Seite aus ein. Normalerweise überwintere ich aber auf 2 Zargen (Zander ).Da hänge ich das Rähmchen oben in der Mitte ein. Der Erfinder schreibt dass bei 2 Zargen oben je ein Rähmchen links und rechts eingehängt werden muß. Vor 2 Jahren habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass mein Bienenstand, im Oktober einen Nachbarstand mit 15 Völkern ausräuberte, als dieser wegen der Varroa zusammenbrach. ( Perizinimker ,Völker waren bis dahin noch nicht behandelt ).Ich habe dabei die ganze Varroa übernommen. Ich musste damals feststellen dass zwar alle Völker durch den Winter kamen, aber im Frühjahr bedeutend schwächer waren. Das Thymol verdampft in den äußeren Waben langsamer, weil es dort am kältesten ist und fällt dann durch die Wabengassen nach unten und durch den Gitterboden ins Freie. Jetzt hänge ich 1 Thymolrähmchen oben in die Mitte Das Thymolrähmchen hängt so an der Wintertraube und das Thymol verdampft dadurch besser und erreicht auch die Varroa besser.
    Ca. Mitte – Ende Oktober wird die verdampfte Thymolmenge noch einmal auf ca. 12 gr. ergänzt .und das reicht dann bis März. Bei Kälte verdampft Thymol ganz langsam.
    Ca. Anfang März wird wieder auf ca. 12 gr. ergänzt. Wenn zur Honigzeit im Mai dann noch ein Rest von Thymol vorhanden ist, kann dieses entnommen werden.
    Die Schlitze ( 3,5 mm ) in der Verdunstungskammer des Rähmchens soll man mit einen Pinsel mit Vaseline ( Melkfett ) einschmieren da sie von den Bienen gerne verkittet werden.


    Im Warmbau wird das Thymolrähmchen immer hinten eingehängt (vorletzte Wabe ) da die Dämpfe dann über das ganze Brutnest hinwegziehen ,bevor sie zum Flugloch hinausgefächelt werden.



    Ich hoffe ,dass ich Ihnen mit dieser Information geholfen habe und wünsche Ihnen viel Erfolg.



    Mit freundlichen Grüßen


    Xaver Willibald

  • Hallo GLAS
    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht.
    Weitere Info unter:
    http://www.apis.admin.ch/de/bi…rueckstaende/frakno_d.pdf
    Frage: Wo kann man die Thymolrähmchen kaufen, oder besser: wie kann man sie selbst basteln?


    Beste Grüße
    Peter

    Vernunft verwirrt Dogmatiker! (Prof. Dr. H. Lesch)
    ----------------------------------
    Start 2004 mit Eifel-Carnika; 5 Völker in Lagerbeuten nach Bremer und Golz; fast Öko-Betriebsweise.

  • Wirklich interessant dieser Beitrag.
    Wie ist die Darreichungsform von Thymol?
    Kristallin, flüssig oder in Pulverform?
    Mit den Thymoltropfen aus der Apotheke wird man allerdings nicht mit 2,00 €/Volk und Jahr hinkommen!


    Gruß Peter

  • Hallo Glas Konrad,


    herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Beitrag zur Thymolbehandlung. (Dank auch an Herrn X.W.).
    Ich werde mir nun Gedanken machen, welche Strategie gegen die
    Varroa anzuwenden ist.

  • Hallo Peter56 und Wuz


    Frage: Wo kann man die Thymolrähmchen kaufen, oder besser: wie kann man sie selbst basteln?


    Ruft den Xaver an , der kann euch die ganzen Infos wo man das
    Thymol günstig kaufen kann geben,und die Bauanleitung für die
    Thymolrähmchen zusenden.


    mfg


    Glas Konrad

  • Hallo ich möchte meine Informationen zum Thymol noch ergänzen.


    Das Thymol wird in kristalliner Form verwendet (wie Zucker). Es ist erhältlich bei Imkereibedarf Markus Graf, Arzbacher Str., 83646 Bad Tölz, Tel. 08041/5364


    Ein Musterrähmchen zum Nachbauen kann beim Erfinder Franz Knobelspies, Donaustr. 18, 78570 Mühlheim- Stetten, Tel. 07463/7307 bezogen werden.


    Ich habe die besten Erfahrungen mit dieser Methode gemacht und kann Sie jedem wirklich nur empfehlen.


    mfg
    Xaver Willibald

  • Hallo Xaver,


    ich habe fein kristallines Thymol auch mal probiert, damals in eine filtertüte für Filterkaffee eingeschweißt.
    Auffallend war der strenge Geruch.
    Und da das Thymol während der kompletten Erntezeit auf den Völkern verbleiben sollte, war mir dies zu riskant.
    Hast du deinen Honig mal auf Thymol untersuchen lassen?
    Wenn ja, gab es Rückstände?

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,


    1. ich behandle meine Bienen das ganze Jahr, jedoch NICHT während der Zeit, wo Honig eingetragen wird.


    2. Es gibt inzwischen eine Studie aus der Schweiz, die die Rückstände von Thymol im Honig untersucht hat. Peter56 hat den Link in seiner Antwort.
    Der ist wirklich interessant.


    Viele Grüße
    Xaver

  • Der Erfinder ist Tod !!!!
    Auch ich habe mich für die Thymolanwendung mit dem Rhämchen iteressiert und versucht mit den "Erfinder" Franz Knobelspies Kontakt aufzunehme. Seine Angehörigen haben mir mitgeteilt, dass Herr Knobelspies verstorben ist.
    mir ist es gelungen von einem Imker noch ein paar Rähmchen zu bekommen. Wenn jemand Interesse hat könnte ich fotos der Rähmchen zur Verfügung stellen.
    Ich behandle gerade meine Ableger mit diesen Verfahren und werde die Wirkung genau beobachten.


    Übrigens Danke an alle die ihr wissen hier zusammengefast haben :-)

  • Auch ich habe mich für die Thymolanwendung mit dem Rhämchen iteressiert und versucht mit den "Erfinder" Franz Knobelspies Kontakt aufzunehme. Seine Angehörigen haben mir mitgeteilt, dass Herr Knobelspies verstorben ist.

  • Ich kenne die Rähmchen nicht aus der Praxis, sehr wohl aber von einem Imker, der sie immer ziemlich lange in der Beute lässt. Thymol ist eine wunderbar wirksame Substanz, um der Milbe zu Leibe zu rücken - viel zu gut, um durch einen Dauerkontakt via Thymolrähmchen Resistenzen zu produzieren. Da wäre ich hinsichtlich Dosierung in Menge und Zeit echt zurückhaltend. Und wahrscheinlich ist die Ursache für die Gerüchte über angeblich nach Thymol riechenden Honig durch Api Life Var in der Praxis eher bei den Langzeitanwendern zu finden..

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter