Wildeshauser Betriebsweise?

  • Hallöli,


    kennt jemand von euch die "Wildeshauser Betriebsweise" als biologischen Weg zur Varroabekämpfung?
    Hab das Heftchen heute auf den Flohmarkt gekauft, mindestens 11 Jahre alt, weil vierstellige PLZ der Druckerei.
    Das Prinzip ähnelt dem der Bannwabe, nur ohne die Königin tatsächlich in ihrer Legetätigkeit einzuschränken, über einen Königinnenableger, dem rein offene Brutwaben mitgegeben werden, weil in denen ja keine Varroen drinsitzen können.


    Der Casus Knacktus für mich ist: was ist mit den Varroen AUF den Bienen in diesem Königinableger???
    Sind das so wenige, daß man sie getrost vernachlässigen kann?


    Grundsätzlich finde ich das Konzept bestechend einfach, aber aber ich kann doch nicht davon ausgehen, daß dieser Ableger varroafrei ist, bloß weil ich in meiner offenen Brutwabe keine habe???


    Ich hoffe, jemand hier kennt das Prinzip...
    Sollte sich jemand interessieren, bin ich gern bereit, zur PRIVATEN Nutzung und unter Berücksichtigung des Copyrights Kopien zu verschicken.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine


    Nach dem Prinzip arbeite ich seit ein paar Jahren mit bestem Ergebnis. Nehme die Königin mit allen offenen Brutwaben heraus und bedampfe den Königinnen Ableger einmal mit Oxalsäure. Der Erfolg liegt bestimmt über 90%, die restlichen % gebe ich den Milben die bereits unter Maden im Futtersaft sitzen. Es sollte ja bekannt sein, dass das Varroa Weibchen ca. 2 Tage vor dem verdeckeln in die Zelle kriecht und im Futtersaft wartet bis dieselbe verschlossen ist und die Made den Saft verzehrt hat.


    Jetzt schneide ich aus einer Wabe mit Mittelwand am oberen Rand ein Stück heraus und befestige in dem Loch ein Stück Wabe mit frisch gelegten Eiern. Ein Reißnagel auf den Rahmen damit man ihn leicht wieder findet und nach 8 Tagen nachsehen wie viel Weiselzellen nachgezogen wurden. Eine stehen lassen, Wabe zurück und fertigt.


    Das verbleibende Volk zieht eine neue Königin nach und wird mit Oxalsäure bedampft, bevor die ersten Zellen verdeckelt werden. Auch hierbei werden fast alle Milben im alten Volk abgefangen.


    Weiterer Vorteil ist, dass dieses Volk einen höheren Honigertrag hat, da 3 Wochen keine Brut gefüttert wird. Wer will schon jedes Jahr seine Völker verdoppeln? Sobald ich sehe, dass die neue Königin gut in Eiablage ist wird das Volk wieder mit dem Ableger Vereinigt, wobei ich natürlich die alte Dame entferne.


    Sollte die Begattung der neuen Königin fehlgeschlagen sein, wird die alte Königin einfach wieder zurück gegeben.
    Achtung, bei der Vereinigung immer ein Zeitungsblatt dazwischen legen. Die Bienen haben da erst mal was zum Lesen, und können sich anschließend durch fressen. :wink:


    Es macht zwar etwas mehr Arbeit, aber es lohnt sich immer. Ich bin nicht mehr so jung dass ich die Schwärme aus den Bäumen holen kann. :cry:


    Wenn das Augenlicht nicht schon nachlässt und man mehr als eine Weiselzelle stehen lässt, fällt bei dieser Betriebsweise kein Schwarm.


    Gruß Günter

  • Hallo, Günter,


    das System kommt ohne jede chemische Bekämpfung aus.
    Allerdings eher für Frühtrachtgegenden geeignet, Beginn Anfang Juni.


    Ich versuch es mal ganz einfach zu beschreiben:


    Schritt1: die Kö wird mit 1 Wabe offener Brut und 3 gekennzeichneten Leerwaben in den Honigraum verbracht. Das macht die folgenden Schritte einfacher, weil dann nach einer Woche nur noch dort offene Brut ist.


    Schritt2: Zwei von den Waben im Honigraum mit Kö (plus Bienen von 4 Waben) ergeben den Kö-Ableger; die beiden anderen Waben mit Brut bleiben drin.


    Schritt3: Aus dem Ableger eine Wabe mit möglichst viel verdeckelter Brut, aber auch Stiften und jüngsten Maden ins Hauptvolk; die gekennzeichnete kommt raus und wird vernichtet.
    Auf der oder der Wabe mit der Kö von vor zwei Wochen müssen sich Weiselzellen befinden, wenn ja, ausbrechen; wenn nein, Brutraum aufmachen und dort nach Nachschaffungszellen suchen.
    Dieser Fall würde aber nur extrem selten eintreten, schreibt der Autor....


    Schritt4: Die gekennzeichnete Wabe von letzter Woche kommt raus und wird vernichtet.
    Dafür werden zwei Waben ohne Bienen mit möglichst viel offener Brut zugehängt.
    Gleichzeitig gibt man dem Volk eine schlupfreife Weiselzelle oder eine unbegattete Kö unter Zuckerteigverschluß.
    Hat man keine, muß im nächsten Schritt der Ableger wieder mit dem Hauptvolk vereinigt werden.
    Ziel dieses Schrittes: innerhalb der nächsten vier Tage sind im Hauptvolk alle Bienen inkl. Drohnen geschlüpft, ergo werden die beiden Waben mit offener Brut der Hauptanziehungspunkt für die nun alle freien Varroen werden.


    Schritt5: Die beiden gekennzeichneten Waben werden entnommen und vernichtet. Die junge Kö kann nun ein relativ unbelastetes Volk aufbauen.
    Der Autor schätzt den Varroenentzug auf ca.90%.


    Er bietet auch noch Arbeitsanleitungen für Völker in Schwarmstimmung, abgeschwärmte Völker und Schwärme an.


    Was mir daran gefällt:
    Es ist chemiefrei.
    Es ist einfach und relativ unaufwendig.
    Die Königin kann weiterlegen und wird in keiner Weise eingeschränkt.
    Kein kompletter Brutausfall über drei oder vier Wochen wie beim "echten" Bannwabenverfahren.
    Keine zusätzlichen Kosten für Behandlungsmittel oder Spezialvorrichtungen.


    Was mir nicht gefällt:
    Ich kann nix in den Honigraum umhängen, weil ich dort Halbzargen habe (das ist aber zweitrangig).
    Ich bringe das Brutnest durcheinander und stresse meine Bienen.
    Was ist mit Re-Invasion im Herbst?


    Ich bitte um Meinungen dazu...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine


    Die von dir beschriebene Betriebsweise ist mir nicht bekannt. Ich fahre mit meiner Methode ganz gut und habe keine Bedenken wegen Oxalsäure Rückständen im Honig.


    Falls du mal für ein Jahr den Versuch machen willst lasse uns das Ergebnisse wissen.
    Ich bin da etwas skeptisch, ob die Sache arbeitet kann man nur feststellen, nachdem das eine oder andere Volk abgetötet und die restlichen Milben ausgewaschen wurden.


    Ich bin der Meinung, die Varroa merkt sehr schnell, dass im Hauptvolk keine Maden mehr zu finden sind und wandern mit den Bienen noch oben zur umgesetzten Königin.


    Auch wenn keine offene Brut mehr im Volk vorhanden ist sollte man besser die Milben mit Oxaldampf vernichten als darauf zu warten, dass sie sich nach dem einhängen einer „Fangwabe“ dorthin ziehen. Die Erfahrung mit den Drohnenwaben beweist dies, damit werden zwischen 50% - 60% der Varroa abgefangen. Es hilft viel, aber für eine vollständige Sanierung ist das zu wenig. Ohne eine zusätzliche Winterbehandlung kommt man auch hier nicht aus.


    Solltest du den Versuch starten ist es vielleicht angebracht das Volk auf einen anderen Stand zu bringen. Ich würde es nicht riskieren, dass bei einem Fehlschlag die anderen Völker zusätzlich belastet werden.


    Gruß Günter