Varroa-Resistenzzucht

  • Hallo Pedro,


    insoweit es sich als zweckmäßig und möglich erweist, wurde es in Europa getan (Monticola, Primorski, ...?). Das Problem ist nur, dass damit in Verbindung stehende Bemühungen in Deutschland ausschließlich auf privaten Schultern ruhen und die Erfolge berufsmäßig kritisiert werden. Wer keine Blockflöte ist, wird halt beargwöhnt.


    Gruß!


    Manne

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Der apis cerena, die Varroa selbst in Schach halten kann, der ist es hier bei uns offensichltich zu kalt.


    Schlaue Forscher hatten vor etliche Jahren Bienen nach Deutschland gebracht und offensichtlich nicht genau hingeguckt, was da noch so im Rucksack der Bienen war.


    Schlaue Forscher haben wir sicherlich immer noch. Aber Forschung ohne Geld ist wie Schwimmen ohne Wasser.


    Was da bisher gelaufen ist, ist nichts als Selbsthilfe von mutigen Imkern, die einfach neue Wege gegangen sind und zwar in einem Tempo, dass die Fachwelt gar nicht hinterherkommt und der Gesetzgeber auch nicht.


    In der Entwicklungshilfe heißt ein Motto: Hilfe zur Selbsthilfe
    Bei den Imkern heißt es: hilf dir selber, sonst hilft dir keiner.



    H. Watzl

  • Manne schrieb:

    Hallo Watzl,


    und es macht Spaß, etwas auszuprobieren, in der Gewissheit, dass viele Wege nach Rom führen. Warum sind so viele unserer Zeitgenossen nur so träge?
    Gruß!
    Manne


    Hallo Manne,
    es gibt hier in Bayern unumstößliche Gesetze. Zwei will ich dir davon aufzeigen.


    1. Die CSU wird in Bayern immer regieren, immer und in alle Ewigkeit, kann kommen was will. Es gibt nichts an Affären, was daran rütteln könnte. Wir hatten schon genug Beispiele.


    2. Solange es Imker gibt, wird es hier den LVBI geben, immer und in alle Ewigkeit, kann kommen was will. Es gibt nichts an Affären, was daran rütteln könnte. Wir hatten schon genug Beispiele.


    Man findet sich eben als "Andersdenkender" damit ab. Ich brauche weder zur Wahl gehen, da ich ohnehin nichts ändern kann, ebenso brauche ich nicht gegen den LVBI ankämpfen, da ich auch hier nichts ändern kann.


    Wenn man mich jetzt auch als träge bezeichnet, kann ich denjenigen im Gegenzug als Träumer bezeichnen.


    Der glücklichste Imker ist der, der sich intensiv mit den Bienen beschäftigt und den die Politik kalt lässt.


    Unsere Partner als umweltbewusste Imker, wenn schon Politik sein muss sollten die Umweltverbände und nicht die Imkerverbände sein.

  • Hallo FX,


    was wäre unsere Welt ohne Träumer? Es gibt viele davon, jeder auf seine Weise. Sonst wäre sie unerträglich, diese Welt, mit ihren Parteien, Verbänden, ...


    Gruß!


    Manne

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Hallo an Alle,
    im letzten Frühjahr habe ich einen Vortrag von Paul Jungels gehört. In diesem Vortrag ging es natürlich auch um Resistenzzucht und Jungels sagte irgendwann sinngemäß:

    Zitat

    Überall dort, wo wir heute varroafeste Bienen kennen, herrscht züchterische Anarchie.

    (Als Beispiele nannte er Primorski und die afrikanisierten Bienen in Südamerika.)


    Das ist eine bemerkenswerte Aussage für einen Imker und Züchter, der einen großen Teil seiner Arbeit genau diesem Thema widmet und dessen Leistungen zu Recht allgemein anerkannt werden - auch von seinen Gegnern.


    Und mit Jungels müßte man sicher nicht streiten, wenn man darauf hinweist, dass die Vermehrung im Primorski-Gebiet nur aus der Sicht des Züchters 'Anarchie' ist.
    Zur Anarchie wird sie nur deshalb, weil des Züchters liebstes Steckenpferd fehlt: Die 'kontrollierte Paarung'.


    Aus der Sicht der Bienen verläuft ihre Vermehrung vielmehr wohlgeordnet: Der Bien will nach überstandener Auslese seine erblichen Eigenschaften möglichst breit streuen und alle Bienen wollen und müssen möglichst viele der Eigenschaften in sich aufnehmen, die sich im Genpool ihrer regionalen Population als erfolgreich erwiesen haben.
    Genau diese einfache Strategie hat im Primorski-Gebiet zum bekannten Erfolg in einem überschaubaren Zeitraum geführt.
    Hochkomplizierte und spezialisierte Auswahlverfahren waren gar nicht nötig.


    Mir gefällt an diesem Gedanken, dass der 'einfache Imker' dadurch aus seiner Zuschauerrolle heraustreten kann. Er muss sich nicht mehr auf das Diskutieren der extremen Positionen beschränken und kann selbst seinen Teil zu dem Prozess beitragen, jeder nach dem Stand seines Wissens und seinen Fertigkeiten.
    Scharf auslesen, über Ableger gezielt vermehren und regional begatten lassen (also Standbegattung) kann ja wirklich jeder (lernen).


    Wir müssen nicht alle zu Wissenschaftlern werden. Und genauso wenig muss jeder ein 'Überlebenstester' sein.
    Obwohl der Überlebenstest ein schneller Weg zu lokalen Teilerfolgen sein kann: Es ist sicher überzogen, wenn er als einzig mögliche Form der Auslese propagiert wird.
    Beim Verbessern der Sammelleistung unserer Bienen (ein ähnlich komplexes Zuchtziel) wird ja auch nicht dazu aufgefordert, für die Auslese der vermehrungswürdigen Völker auf das Füttern zu verzichten. :-)


    Primorski zeigt uns, dass es neben den diskutierten Extremen auch noch einen einfachen, wenig spektakulären, aber auf lange Sicht erfolgreichen Weg gibt.
    Sicher: Dadurch kommen wir Morgen noch nicht zu varroafesten Bienen. Aber sind denn die 'wissenschaftlich Orientierten' und die 'Überlebenstester' schneller?
    Und selbst wenn sie lokale Teilerfolge haben: Ohne Verankerung im Erbgut der Region sind diese Erfolge erstmal nur schön, und immer hochgradig gefährdet...


    Viele Grüße,
    Rudi


    Nachsatz:
    Mir gefällt das eingangs geschilderte Beispiel:
    Paul Jungels hängt mit Herz am Thema, engagiert sich, setzt seine ganze Person ein, erregt sich auch schon mal für seine Überzeugungen:
    - Und trotzdem findet er Zeit, sich neben sich selbst zu stellen und einen kritischen Blick auf das eigene Tun zu werfen.
    - Und er ist auch noch souverän genug, den (selbst-)kritischen Gedanken offen auszusprechen.


    Uns Allen würde ein wenig mehr von dieser Haltung gut tun. Gerade auch hier im Forum.
    'Nix für Ungut' (...so sagt man es hier bei uns),
    Rudi

  • Hallo Rudi!


    Zitat

    Der Bien will nach überstandener Auslese seine erblichen Eigenschaften möglichst breit streuen und alle Bienen wollen und müssen möglichst viele der Eigenschaften in sich aufnehmen, die sich im Genpool ihrer regionalen Population als erfolgreich erwiesen haben.
    Genau diese einfache Strategie hat im Primorski-Gebiet zum bekannten Erfolg in einem überschaubaren Zeitraum geführt.


    ...

    Zitat

    Primorski zeigt uns, dass es neben den diskutierten Extremen auch noch einen einfachen, wenig spektakulären, aber auf lange Sicht erfolgreichen Weg gibt.


    Du hast nähere Informationen darüber, wie der Anpassungprozess, insbesondere hinsichtlich der imkerlichen Unterstützung im Primorski-Gebiet verlief. Daraus, so nehme ich an, kannst Du den auf lange Sicht erfolgreichen sanften Weg ableiten.


    Gruß!


    Manne

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Hallo Manne,

    Manne schrieb:

    Du hast nähere Informationen darüber, wie der Anpassungprozess, insbesondere hinsichtlich der imkerlichen Unterstützung im Primorski-Gebiet verlief.


    Nein, ich habe kein Spezialwissen. Ich habe auch nur die Informationen, die allgemein zugänglich sind und die man sich so im Laufe der Zeit anlesen bzw. anhören kann.


    Nach meinem Wissensstand ist die Entwicklung so verlaufen:
    ----------------------------------------------------------
    - Im Primorski-Gebiet war ursprünglich nur die indische Biene heimisch.
    - Erst nach 1900 wurden europäische Bienen in dieses Gebiet eingeführt - natürlich von Imkern.
    [quote=Bericht vom Apimondia-Seminar zur Varroatose in Bukarest, 1979, S.55]Von der Entdeckung des Parasiten im Jahre 1904 bis Ende des zweiten Weltkrieges war von einer 'Krankheit' nicht die Rede.[/quote]
    - Nach dem 2. Weltkrieg gab es zunehmend Fernwanderungen aus dem europäischen Teil der Sowjetunion in den asiatischen Teil. Ziel war die monatelange Nektartracht in Sibirien.
    [quote=Bericht vom Apimondia-Seminar zur Varroatose in Bukarest, 1979, S.60]Die Varroatose wurde in der UdSSR ... 1964 zum ersten Mal in einem Bienenstand der Stadt Iman, Gebiet Primorije, an der Grenze zu China festgestellt. ... Von hier aus verbreitete sich die Varroatose sehr schnell auf Bienenstände der anderen Rayons des Bezirkes Primorije.[/quote]
    - Mitte der siebziger Jahre müssen auch im Primorski-Gebiet viele Völker gestorben sein:
    [quote=Bericht vom Apimondia-Seminar zur Varroatose in Bukarest, 1979, S.93]...dass mit Auftreten der Varroatose die Bienensterblichkeit stark anstieg. ... In der Veterinärforschungsstation in Primorje wurde festgestellt, dass hoher Totenfall vor Allem in Bienenständen eintritt, in denen es auch andere Krankheiten gibt. ... Kommen im Volk 20 Milben auf 100 Bienen, wird das Volk stark geschwächt, wohingegen es bei 50 Milben auf 100 Bienen eingeht.[/quote]
    - Aber schon 1981 gibt es eine etwas andere Stimme (...aber noch sehr vorsichtig!):
    [quote=Bericht vom Apimondia-Symposium zur Varroatose in Oberursel, 1981, S.199 und 205]Ich bin der Meinung, dass diese Frage (nach der Gefährlichkeit von Varroa, rm) nicht so leicht angefasst werden kann, denn wir wissen alle, dass sich die Bienen durch die Einwirkung der Milbe verändern. ... Im Laufe von 3-4 Jahren werden die befallenen Völker eingehen. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden zur Verhinderung der starken Einwirkungen auf den Wirt.
    ...
    Die Völker, die keine Hilfe erhalten, gehen ein, unabhängig vom Klima. ... Es gibt bestimmte Orte, wo alle Völker befallen sind, aber die Bienenzucht nicht zerstört wird. Wenn man hilft, können Schäden verhindert werden.[/quote]
    - In den 90er-Jahren hat die westliche Bienenwissenschaft die varroafeste Primorski-Biene präsentiert.


    --------------------
    Die 'imkerliche Unterstützung' hat sich offenbar nicht wesentlich von der hier bei uns geübten Praxis unterschieden: Mehr oder weniger erfolgreiche Varroa-Reduzierung mit Hilfe von Chemie und Vermehrung der 'besten' Völker - wobei die besten Völker im Extremfall die überlebenden Völker waren.


    In keinem der obengenannten Berichte und auch in keiner anderen mir bekannten Quelle wird von irgendwelchen Züchtungsprogrammen im Sinne von Varroafestigkeit gesprochen - auch nicht von den russischen Teilnehmern.
    Es geht immer nur um chemische oder technische Massnahmen zur Tötung von Varroa.


    Demnach hat sich im Primorski-Gebiet im Laufe von max. 40 Jahren unter ähnlichen Bedingungen wie bei uns eine varroafeste Population entwickelt.


    Falls jemand Informationen und Erkenntnisse hat, die diesem Schluss widersprechen, den bitte ich eindringlich um Wortmeldung. Ich will diesen Gedanken nicht weiterverfolgen, wenn er falsch ist.


    Wie kompliziert (oder auch 'radikal') wir die Auslese der geeigneten Völker und die Paarungskontrolle gestalten, ist m.E. eher Nebensache. Die persönlichen Möglichkeiten und Vorlieben spielen hier wohl eine größere Rolle als die sachlichen Notwendigkeiten. Und das ist auch gut so! :-)
    Primorski sagt mir auf jeden Fall: Scharfe Auslese und Standbegattung genügen.
    Und meine Region befindet sich im Augenblick im Jahre 27 nach Varroa.


    Ach ja: Die Kolchos-Imkereien im Primorski-Gebiet haben ihre Völker oft nach Tausenden gezählt. Das war natürlich ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei der Selektion.


    Näherungsweise übersetzt auf unsere Verhältnisse heisst das: Besser 20 von 100 Imkern, die unser Ziel zu 70 % erreichen, als 2 von 100 Imkern, die unser Ziel zu 100 % erreichen.
    Beim Fussball gilt: 'Wichtig is aufm Platz.' Und in der Imkerei gilt: 'Wichtig is in der Fläche.'


    Viele Grüße,
    Rudi



    -----------------------
    Nachsatz:
    Der oben zitierte Apimondia-Bericht von 1979 ist aus vielen Gründen höchst interessant zu lesen.
    Könnt Ihr Euch z.B. noch erinnern, wieviele 'Erfinder' des Drohnenbrutschneidens wir hier in Deutschland feiern durften?
    Was haltet ihr von dem hier:
    [quote=Bericht vom Apimondia-Seminar zur Varroatose in Bukarest, 1979, S.70]Sehr verbreitet ist die physische Zerstörungsmethode der Milben durch Verwendung von Baurähmchen und Zerstörung der Drohnenbrut. Dieses setzt die Zahl der Milben beträchtlich herab (Saltschenko,1971; Smirnow,1974; Laritschew,1978). Wird die Brut nicht entfernt, dann ist die Wirkung nur von kurzer Dauer, da sich der Befall 2-3 Wochen auf dem anfänglichen Niveau erhält, um sich danach intensiv zu verbreiten (Scherebkin,1978).[/quote]
    Der war doch gut, oder?
    Auch Wärmebehandlung, Jungvolkbildung und Kunstschwarm sind im Bericht von 1979 schon als in der UdSSR angewandte technische Massnahmen beschrieben.


    Rudi

  • Hallo, Rudi,


    auf die entscheidende Frage fehlt noch die Antwort: Ab wann, wie und wie effektiv wurde im Primorskigebiet gegen die Milbe behandelt?


    Mein Kenntnisstand (für den ich aktuell keine zitierbare Quelle parat habe) ist der, daß die VR im Primorskigebiet eben durch die dortige Nichtbehandlung entstanden ist. Weil zu der Zeit ja noch gar keine geeigneten Behandlungsmethoden bekannt waren. 1964 wurde die Milbe dort erstmals beobachtet. Man würde also erwarten, daß sie innerhalb von 10 Jahren die typischen deletären Auswirkungen auf die dortige Imkerei gehabt haben dürfte. In der Tat ist in dem von Dir zitierten Bericht von einer stark angestiegenen Bienensterblichkeit die Rede. Also war die Behandlung - wenn es denn überhaupt eine gab - offenbar nicht wirksam.


    Dann - und das ist das entscheidende - ist der Überlebensversuch aber schon nach 2-3 Jahren de facto gelaufen, danach sind die varroasensiblen Völker schon draußen. Das Erreichen einer Varroaresistenz per Überlebensversuch ist ja keine Sache von Jahrzehnten. Die großen Verluste sind im 1. und 2. Jahr, danach stabilisiert sich der Bestand rapide. Schau' Dir die Erfahrungen von Erickson an, der schreibt ganz konkret, daß der dortige Bestand innerhalb von 2 Jahren stabil war. Erreicht hat er das aus einem Nullachtfuffzehn-Lokalbienenbestand (ohne wesentliche AHB-Genetik!) Schau' auf die Basiszucht-Erfahrungsberichte der letzjährigen Buckfastzüchtertagung. Ich meine jetzt noch nicht einmal Kefuss, sondern die deutschen Erfahrungen. Da geht es nicht um ein langes, tiefes Tal mit jahrelangen, hohen Völkerverlusten. Auch hier sind die Bestände - bei konsequentem Verfolgen von Überleben ohne Behandlung als Hauptselektionskriterium - innerhalb kürzester Zeit stabil gewesen. (Manne, laß' mal Deine Kontakte spielen und korrigiere mich, wenn ich irre).


    Wenn man diesen entscheidenden Punkt mit einbezieht, dreht sich der Blick auf Primorski nämlich völlig um: Dann stimmt es nämlich nicht, daß man dort unter laufender Behandlung in vielen Jahrzehnten eine VR erreicht hätte, wie Du es interpretierst. Vielmehr kann man sich fragen, warum sich die früh erreichte VR trotz später erfolgender Behandlung so gut gehalten hat. Das kann entweder daran liegen, daß der unfreiwillige Überlebenstest hocheffektiv gewirkt hat und man die VR auch durch eine in späteren Jahren erfolgende Behandlung nicht mehr verwässern konnte, oder daran, daß die Behandlung noch nicht so effektiv war, um die erreichte VR wieder zu "versauen". Oder beides.


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes,


    Deine Interpretation deckt sich mit den Erfahrungen des uns bekannten "Extremisten".

    Zitat

    Vielmehr kann man sich fragen, warum sich die früh erreichte VR trotz später erfolgender Behandlung so gut gehalten hat. Das kann entweder daran liegen, daß der unfreiwillige Überlebenstest hocheffektiv gewirkt hat und man die VR auch durch eine in späteren Jahren erfolgende Behandlung nicht mehr verwässern konnte, oder daran, daß die Behandlung noch nicht so effektiv war, um die erreichte VR wieder zu "versauen". Oder beides.


    Wer zu der Zeit imkerte, als die VM nach Deutschland kam, kann sich noch gut daran erinnern, wie hilflos die Bienen sowie die Imker diesem Wesen ausgeliefert waren. Das begann damit, dass empfohlen wurde, die VM mit Lupen zu finden. Und als sie da war, war der Schreck so groß, dass man die Lupe vergaß oder sie lediglich zur näheren Betrachtung des Objektes benötigte.
    Schließlich kamen die ersten Behandlungsmittel, die aber nicht halfen.
    Wohlgemerkt geschah das alles lange nachdem die VM im fernen Osten Geschmack an AM gefunden hatte. Auch meine ich mich zu erinnern, dass bei uns die Frühwarnzeit bis zum Feststellen der VM ein Jahr oder zwei Jahre betrug. Mit ziemlicher Sicherheit wäre anzunehmen gewesen, dass wirksame Behandlungsmittel, sollte es sie zu der Zeit bereits gegeben haben, im Umlauf gebracht worden wären. Hierbei darf ich auch in Erinnerung rufen, dass wesentliche Behandlungsverfahren durch die Imkerschaft erarbeitet wurden.
    Was ich damit sagen will ist, dass ich mich Deiner Meinung anschließe, dass mit größter Wahrscheinlichkeit im fernen Osten damals nicht wirksam oder gar nicht gegen die VM behandelt wurde.
    Die dort nach rund 10 Jahren aufgetretenen Völkerverluste können vielseitige Ursachen haben. Denken wir im Zusammenhang mit der Varroose an unsere inzwischen gemachten Erfahrungen mit Viren, an die Berichte über nosema-anfällige Bienen, an die Rolle des Stresskomplexes und der "unberechenbaren Imker" bei der Reglementierung des Biens. Warum sollen deartige und/oder ähnliche Einflüsse in anderen Regionen nicht vorkommen?


    Hallo Rudi,


    Zitat

    Primorski zeigt uns, dass es neben den diskutierten Extremen auch noch einen einfachen, wenig spektakulären, aber auf lange Sicht erfolgreichen Weg gibt.
    Sicher: Dadurch kommen wir Morgen noch nicht zu varroafesten Bienen. Aber sind denn die 'wissenschaftlich Orientierten' und die 'Überlebenstester' schneller?
    Und selbst wenn sie lokale Teilerfolge haben: Ohne Verankerung im Erbgut der Region sind diese Erfolge erstmal nur schön, und immer hochgradig gefährdet...


    Darauf, ob der Erfolg einer jeden Strategie irgendwann einmal durch einen "Härtetest" zu prüfen ist, um zu wissen, ob man Hilfsmittel nicht mehr braucht, will ich nicht eingehen.


    Für eine flächendeckende Lösung der Aufgabe geht es auch nicht darum, ob der eine oder der andere schneller ist, sondern darum, dass möglichst viele Imker sich auf der Grundlage regional angepasster Bienen an der Auslese vitaler Bienen in einem „züchterischen Chaos“ beteiligen. Darin stimmen wir überein.
    Ja, so schnell leiden die „Varroose-Philosophen“ unter einem gemeinsamen Problem. Sie sind noch zu einsam bei ihrem Tun.
    Ich bin aber ganz vorsichtig optimistisch. Das passive Interesse an diesem Themenkreis ist erkennbar. Schöner wäre es natürlich, wenn sich viele weitere Stimmen an der Diskussion beteiligten.


    Gruß!


    Manne


    Ergänzung:
    Weil wir hier eigentlich schon über Basiszucht sprechen, erinnere ich mich an eine Übersetzung, die ausgezeichnet zu unserem Thema passt:
    http://www.imkerforum.de/viewtopic.php?t=1567&start=0

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Hallo Johannes und Manne,
    wie gut oder wie schlecht in den siebziger Jahren im Primorski-Gebiet behandelt wurde, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ebensowenig kann ich beurteilen, wie zweckmäßig unsere Extensivimker die Ameisensäure anwenden... :-)


    Aber seid versichert: Die Bienenwissenschaft in der Sowjetunion arbeitete damals auf einem hohen Niveau und die Erforschung von Varroa-Bekämpfungsmitteln hatte hohe Priorität. Viele der auch bei uns eingesetzten Substanzen sind erstmals in russischer Sprache veröffentlicht worden. Eurer Bild vom wilden, unorganisierten Osten ist hier fehl am Platze.
    Ich will zu diesem Aspekt keine neue Zitier-Orgie beginnen, ich muss hier ja nichts beweisen. Falls Ihr Gelegenheit habt, dann lest wirklich mal den von mir zitierten Apimondia-Bericht von 1979.


    Vielleicht habt ihr ja einmal Gelegenheit, mit einem 'Russlanddeutschen' zu sprechen, der dort als Imker gearbeitet hat. Dann fragt ihn, wann und wo er das Träufeln von Oxalsäure gelernt hat.


    Bitte nehmt es mir nicht übel: Meine Interpretation der Abläufe im Primorski-Gebiet scheint mir im Augenblick plausibler belegt zu sein und ich gedenke noch eine Weile dabei zu bleiben.


    --------------------------

    Johannes schrieb:

    Die großen Verluste sind im 1. und 2. Jahr, danach stabilisiert sich der Bestand rapide.


    Wenn das mal immer so und nicht anders funktionieren würde, dann müssten wir uns hier gar nicht so quälen und könnten uns was Nettes über Betriebsweisen erzählen. Dann wäre das Problem Varroa schon lange gegessen.
    Es gibt genügend Beispiele, in denen der Ablauf dem nicht entsprochen hat. Auch ein süddeutscher Bienenwissenschaftler kann nach 4 (?) Jahren Versuchsdauer 'noch nicht von einem Erfolg sprechen'.
    Und Unije scheint auch nicht ganz in dieses Schema zu passen. Obwohl da sogar schon vor-ausgelesene Abstammungen aufgestellt wurden...
    Woran liegt's? Falsche Betriebsweise? Falsche Biene? Falscher Imker? Falsche Nachbarschaft?
    Komplexe Probleme können selten einfach erklärt werden.


    -----------------------
    Ich muss ja auch gar nicht auf Eure Überlebensversuch-Linie einschwenken, um mich mit Euch verständigen zu können.
    Ihr habt ja meinen Segen, wenn Ihr das verantwortungsvoll gestaltet. :-)


    Meine grundsätzliche Einstellung zur Auslese von varroafesten Bienen habe ich schon an anderer Stelle im Forum beschrieben.
    Wichtig ist mir, dass wir zu einer varroafesten Landbiene kommen. Das ist für mich allerdings keine Biene, mit der man jeden imkerlichen Schwachsinn veranstalten kann - und sie stirbt doch nicht an Varroa.
    Meine varroafeste Biene darf sogar gerne noch ein wenig betriebstechnische Unterstützung verlangen und von mir aus auch in jedem 5. Jahr ein wenig Oxalsäure im Winter. Je weniger - je besser...


    Jeder Imker/Überlebenstester/Wissenschaftler, der nach seinen Möglichkeiten - bewusst oder unbewusst - zur Auslese dieser Biene beiträgt, der ist mir lieb und wert.

    Manne schrieb:

    Ja, so schnell leiden die "Varroose-Philosophen" unter einem gemeinsamen Problem. Sie sind noch zu einsam bei ihrem Tun. Ich bin aber ganz vorsichtig optimistisch.


    Deinem Optimismus schließe ich mich gerne an!


    Alles fließt! Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Rudi!


    Zitat

    Meine varroafeste Biene darf sogar gerne noch ein wenig betriebstechnische Unterstützung verlangen und von mir aus auch in jedem 5. Jahr ein wenig Oxalsäure im Winter. Je weniger - je besser...


    Lokale Bienenpopulationen und daran angepasste Milbenpopulationen besitzen mit hoher Wahrscheinlichkeit Voraussetzungen für die Selektion von Völkern und natürlich auch VM, die beide fähig sind, ein balanciertes Gleichgewicht miteinander zu finden und zu halten. Angenommen, das würde so stimmen, wäre es in diesem Fall sinnvoll, dem Bien im angesprochenen 5. Jahr zu helfen? Oder gibt es unter dem Aspekt der angenommenen Balance in Deinem Fall noch andere zweckmäßig erscheinende Möglichkeiten?


    Gruß!


    Manne

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Hallo Manne,

    Manne schrieb:

    ..., wäre es in diesem Fall sinnvoll, dem Bien im angesprochenen 5. Jahr zu helfen?


    Wenn ich ein Wissenschaftler/gewerbsmäßiger Züchter/Hobbyzüchter wäre, der das hehre Ziel der Varroaresistenz im Auge hat: Sicher nicht.
    Ich bin aber nur ein praktisch orientierter Imker...


    Manne schrieb:

    Oder gibt es unter dem Aspekt der angenommenen Balance in Deinem Fall noch andere zweckmäßig erscheinende Möglichkeiten?


    Konstruiertes Beispiel:
    Angenommen, die Varroafestigkeit meiner Bienen ist ausreichend, um mit den eigenen Varroen gut zurecht zu kommen.
    Weiter angenommen, die Festigkeit reicht noch nicht aus, auch erheblichen zusätzlichen Befallsdruck von außen zu beherrschen ('Reinvasion').
    Dann wäre es doch schön, diesen Zustand im November über den natürlichen Milbentotenfall zu entdecken und angemessen reagieren zu können.


    -----------------
    Worauf es mir ankommmt:
    Ich befürchte, dass wir zur Zeit das Ziel der Varroaresistenz mit typisch deutscher Gründlichkeit viel zu scharf formulieren:


    Brauchen wir denn wirklich die Biene, die trotz massiver imkerlicher Fehler oder trotz unnatürlich hohem Befallsdruck immer noch nicht an Varroa stirbt?


    Ich meine nein! Die praktische Imkerei ist schon mit weniger zufrieden.
    In diesem Sinne war das Zitat zu verstehen, auf das Du Dich bezogen hast.


    Viele Grüße,
    Rudi