Varroa-Resistenzzucht

  • Mir scheint es wird schon wieder eine Sau durchs Dorf getrieben (Skorpion). Hoffentlich erfüllt sie noch einen Zweck, bevor sie in den Brühtrog läuft.


    Es ist schon merkwürdig, dass einem Wesen, dessen genetische Grundlagen sich über 30 oder 40 oder ? Mio. Jahre bewährten, nicht zugetraut wird, eigene Szenarien gegen die VM zu entwickeln.
    Ich glaube bei Th.Ko. oder P.J. las ich mal die sinngemäße Formulierung, Varroaresistenz sei „ein balanciertes Gleichgewicht“.
    Nach 20? Jahren Pleiten Pech und Pannen bei der Zucht gegen die Varroa, unsere wissenschaftlichen Einrichtungen diesmal an der Spitze, vergleiche ich das mit Seiltänzern. Beschreibe einer, wie die es schaffen nicht runter zu fallen. Welches Glied, welcher Muskel oder welches Organ mögen da zuständig sein? Auch wenn das einer beschrieben könnte, was wäre erreicht durchs bloße Herausfinden und Nachmachen des beschriebenen. Ein Windstoß und …


    Gruß!


    Manne

  • Manne


    Man kann sicher damit rechnen, daß unsere Bienen einen Weg gegen die Varroamilbe finden werden, doch wollen die Imker darauf sicher nicht warten. Man müßte "nur" die Bienen sich selbst überlassen, mit der logischen Konsequenz, daß der größte Teil der Bienenvölker abstirbt und der resistente Bienenrest nicht mehr dem hohen Reinfektionsdruck ausgesetzt ist. Jede Behandlung der Völker gegen die Varroamilbe verzögert eigentlich nur die Suche nach den resistenten Bienenvölker, da ja die natürliche Selektion wegfällt. Es stellt sich für mich nur die Frage, wie hoch das Risiko für die Natur (durch Ausfall der Bestäubungsleistung) ist, und ob man dies im voraus eigentlich abschätzen kann. Wer traut sich schon so eine radikale Maßnahme durchzusetzten, welche die Existenz aller Imker gefährdet. Und sicher wird dann der Stockkäfer durch Bienenimporte Europa sofort verseuchen.


    Gruß
    Hans Peter


    PS: 20 Jahre sind in der Evolutionsgeschichte der Biene nichts

  • @ Hans Peter


    Du bringst es auf den Punkt.


    Lokale Bienenpopulationen mit daran angepasste Milbenpopulationen besitzen mit hoher Wahrscheinlichkeit Voraussetzungen für die Selektion von Völkern und natürlich auch VM, die beide fähig sind, das angesprochene balancierte Gleichgewicht zu finden und zu halten.
    Gutes Ausgangsmaterial zeigt sich in Verlustjahren.
    Einzelaufstellung der Völker wäre dabei wichtig.
    So, wie man das Laufen und Radfahren nicht im engen Straßenverkehr lernt, erscheint mir zunächst eine kleine Anzahl Versuchsvölker geeigneter. Der Versuchsstand sollte außerdem einen Abstand von rd. 2 km zum nächsten Bienenstand haben, um eine gegenseitige Gefährdung nahezu auszuschließen. Diese Annahme steht im Einklang mit folgender Veröffentlichung des Instituts Hohenheim:
     
    http://www.uni-hohenheim.de/bienenkunde/varroabiologie.htm
    Varroa-Populationsdynamik und Reinvasion


    Eine flächendeckende Lösung des Problems wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zeitgleich geben.


    Unter den geschilderten Voraussetzungen wären die Bestäubung und der Bestand der Imkereien sehr wahrscheinlich nicht gefährdeter, als sie es jetzt ohnehin sind.


    Je eher die Anzahl der Resistenzzuchterfolge größer würde und sich die Erfolge stabilisieren, würde vermutlich die Bereitschaft sinken, sich auf waghalsige Bienenimporte einzulassen. Wer garantiert uns, dass der Käfer der letzte Schädlingsimport wird/ist?


    Natürlich sind 20 Jahre in der Evolution nichts. Mir kommen da aber Zweifel, ob wir überhaupt noch eine Evolution zulassen, die zur Erhaltung notwendig ist.


    Alles, worüber ich hier nachdenke, wird bestimmt niemand machen. Wir werden das Behandlungsgebot getreu befolgen. Solche Imker gibt es ja gar nicht.


    Gruß!


    Manne

  • Hallo, Manne,


    Zitat

    Solche Imker gibt es ja gar nicht.


    Ist das ironisch gemeint oder glaubst Du das wirklich? Ich könnte Dir spontan 3 deutsche und 2 weitere europäische Imker nennen, die erfolgreich behandlungslos imkern. Basiszüchter, Buckfastzüchter, kleinzellig, nicht kleinzellig, es ist alles dabei. Mit "erfolgreich" meine ich, daß sie stabile Völkerbestände haben, wirtschaftliche Honigernten einfahren und mehrere Jahre weder Drohnenbrut geschnitten noch mit irgend welchen organischen oder synthetischen Varroaziden gearbeitet haben. Traurigerweise muß man auch noch den Geheimniskrämer spielen und die Namen hinterm Berg halten, weil es sie sonst Kopf und Kragen kosten würde. Was wäre erreicht, wenn wir so weit wären, daß diese Leute ohne Angst an die Öffentlichkeit könnten und vorbehaltlos über ihre Erfahrungen im Positiven wie im Negativen berichten könnten! Aber der Weg ist wohl noch weit.


    Viele Grüße, Johannes


    _____________
    2004: 1 x Liebigdispenser kurz, 1 x Liebigdispenser lang, 1 x Varrox 2g/Volk

  • Hallo Johannes,


    da alle Imker die VM gewissenhaft bekämpfen, können wir das Thema doch wenigstens hypothetisch besprechen. Ich glaube, dass sich unter dieser Voraussetzung auch Erfahrungen, die man natürlich nur hypothetisch gemacht hat, austauschen lassen.
    Vermutlich habe ich von den selben Imkern gehört. Es sind tolle Sachen. Nur scheinen es nicht richtige Bienen zu sein, die sie halten und die Erfahrungen hätten natürlich andere machen müssen, die, die richtige Bienen halten.


    Gruß!


    Manne

  • Hallo Johannes,


    die Gemeinsamkeit besteht in allen Fällen in einer festgestellten Varroaresistenz (Der Imker tut nichts gegen die Varroa. Anders gesagt, sein Tun besteht aus dem Unterlassen sämtlicher imkerlicher Szenarien gegen die V). Dieser Feststellung gebührt durch den Umstand, dass es sich genetisch um sehr unterschiedliches Ausgangsmaterial handelt besondere Aufmerksamkeit. Also kann die Veranlagung, Resistenzmechanismen zu entwickeln, wahrscheinlich allgemein vorhanden sein. Wichtig ist zunächst, dass die Resistenzmechanismen überhaupt aktiviert werden. Welche das sind ist sekundär. Das können die Forschungseinrichtungen anschließend in Ruhe klären.
    Bemerkenswert ist dabei, dass diese Zucht-/Auslese-Erfolge sämtlich nichts mit Reinzucht zu tun haben. Zwei Züchter nutzen sogar ausschließlich die Standbegattung. Es wurde auch nicht nach einzelnen Kriterien ausgelesen, der Bien als Organismus ist Gegenstand der Arbeit und des Urteils. Diese Bienen zeichnen sich bisher durch Vitalität aus, und damit auch durch Widerstandsfihigkeit gegenüber den üblichen Bienenkrankheiten.


    Als Ausgangsmaterial sind mir bei den europäischen Imkern die Elgon (Buckfast), die Primorski, eine Mellifera sowie eine Mellifera-Kreuzung bekannt. Hinsichtlich der Resistenz bei der Elgon wird es demnächst noch einmal interessant werden, wenn die Varroa auf dem schwedischen Festland die Völker ihres Züchters, Erik Österlund, erreichen wird.


    Die kleinen Zellen scheinen keine so zentrale Stellung im Resistenzmechanismus einzunehmen, wie es ursprünglich angenommen wurde. Mir ist ein Fall bekannt, wo standbegattete Elgon-Nachzuchten auf kleinen Zellen den Winter nicht überstanden, die Geschwistervölker auf den üblichen größeren Zellen hingegen doch. Mit dieser Darstellung will ich aber keinesfalls die Richtigkeit der Überlegungen hinsichtlich bienengerechter Zellgrößen und Wabenabstände infrage stellen. Vielleicht spielten die sämtlich jungen kleinzelligen Waben dabei eine negative Rolle. Zur Bedeutung des Wabenalters hat dieser Imker von der üblichen imkerlichen Meinung abweichende Erfahrungen gemacht. Zu diesem Thema gibt es auch Hohenheimer Veröffentlichungen aber nur auf die Varroa bezogen, die seinen Erfahrungen nicht grundsätzlich entgegenstehen:
     http://www.uni-hohenheim.de/bienenkunde/jahresbericht.htm 
    (Jahresbericht 2003, Betriebsweise-Versuche mit Jungvölkern)
     
    Und 2004 soll noch eine Buckfastimkertagung gewesen sein, auf der drei Imker über ihre Resistenzzuchterfahrungen gesprochen haben. Darüber sind meine Informationen aber zu kontrovers.


    Tja, Johannes und liebe Mitleser, nun geht der Ball an Euch!


    Gruß!


    Manne

  • Hallo, Manne,


    Zitat

    Als Ausgangsmaterial sind mir bei den europäischen Imkern die Elgon (Buckfast), die Primorski, eine Mellifera sowie eine Mellifera-Kreuzung bekannt.


    Meines Wissens sind darüber hinaus noch zwei Nicht-Elgon-Buckfaststämme im Rennen.


    Zitat

    Bemerkenswert ist dabei, dass diese Zucht-/Auslese-Erfolge sämtlich nichts mit Reinzucht zu tun haben.


    Ich denke, das stimmt zumindest in Bezug auf die VR-Zucht bei den Buckfastzüchtern nicht. Da wurde bisher schon klassische Buckfast-Kreuzungs- und Kombinationszucht betrieben, mit erstaunlichen Ergebnissen. Versteh' das nicht falsch, ich will demgegenüber keinesfalls die Basiszucht-Erfolge von Kefuss und anderen herabsetzen, die sind ja mindestens genauso beeindruckend. Und die Buckfastler haben sich ja mit der Idee der Pool-Belegstelle von diesen Erfolgen inspirieren lassen... Ich bin gespannt, was dabei herumkommt.


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes,


    den Königinnen und den Drohnen, die zur Pool-Begattung aufgestellt werden, ist ohnehin Vitalität zu unterstellen. So, wie ich das nun sehe, kommt da bestes mit bestem zusammen. In dieser Vielfalt könnte das die allerbeste Standbegattung niemals leisten. Und das Ergebnis, ich will es mal salopp sagen, muss geduldig abgewartet werden. Wo Bien und „Milb“ sich auf friedliche Koexistenz einigen konnten, ist wiederum an vitalen Völkern zu erkennen. Die anderen haben sich selber umgebracht.
    Aber wenn die überlebenden Völker ein Varroatoleranzzucht-Kriterium des DIB nicht erfüllen, was dann? Überleben sie trotzdem?


    Gruß!


    Manne

  • Hallo Manne und Johannes !


    Wieso kostet es denn den Nichtbehandlern Kopf und Kragen, wenn sie bekannt werden ? Ist es, weil sie die behördlich vorgeschriebene Behandlung unterlassen ? Oder meint ihr wegen der anderen Imker, die die Reinvasion fürchten ?
    Das von Manne vorgeschlagene Experiment wurd doch nicht nur von Privatleuten sondern auch schon von einem deutschen Bieneninstitut gemacht (Unije). Das Ergebnis war zwar nicht berauschend, wie ihr wißt, aber es gab eins. Wißt ihr vielleicht was aus der überlebenden Königin geworden ist ?
    Manne : Verrätst du mir, wer so eine Basiszucht mit der Melifera gemacht hat ? Wo ich mich doch schon so lange für die Melifera interessiere.


    Gruß
    Stefan

  • Siehe Bienenseuchenverordnung: wenn ein Imker die Varroabehandlung nicht jährlich durchführt kann der Amtveterinär die Behandlung mit dem Mittel seiner Wahl durchführen lassen!


    Der Versuch auf Unije: Siegervolk von John Kefus (Toulouse, Frankreich), leider keine Carnica!
    Die Insel wurde nach diesem Ergebnis als reine Carnica Versuchsinsel ausgewiesen!
    Was nicht sein darf, kann auch nicht sein!
    Die Institute haben gesprochen, Basta!

  • Hallo nochmal !


    Hat also John Kefus diese Königin wieder ? Na ja, die Deutschen sind und bleiben Schlafmützen :evil: 
    Manne : Ich habe mir gerade deinen obigen Link nach Hohenheim angesehen. Das ist ja der Stand von 2002. Gibt es von diesem Experiment auf Gotland aktuelle Ergebnisse oder wurde es auch abgebrochen, nur weil alle Carnis tot waren ?


    Gruß
    Stefan