Der PseudoScorpion

  • Hallo,


    Herr Schiffer hat zumindest schon herausgefunden, daß AS tötlich für die Chelifer cancroides ist, sie aber eine Form von Oxalsäure vertragen (sie soll Danys Oxalsäure heißen, ob die für Bienen zugelassen ist weiß ich aber nicht) gut vertragen.
    Interessant an dem Vortrag war, dass sich vor den Varroen in Deutschland (wohl) keiner für Symbiosen bei den Bienen interessiert hat, und nachdem die Varroen dann da waren haben alle Chemie in ihre Beuten gespritzt ohne vorher zu schauen, ob die Bienen auch so klar kamen. (Da ich da gerade in die Schule kam kann ich dass natürlich nicht nachvollziehen/bestätigen o.ä., ich habe mich bis vor ein paar Wochen noch garnicht mit dem Thema beschäftigt)
    Vom Prinzip scheint der Ellingsenius Indicus einen ähnlichen Lebensraum zu haben, zumindest frißt er Varroen. Wenn wir den importieren bekommen wir aber bestimmt noch mehr Probleme.


    LG,


    Katarina

    Die besten 10 Jahre einer Frau sind zwischen 39 und 59.

  • Dieser Pseudscorpion Ellingsenius Indicus verträgt sich auch nicht mit allen Bienen sondern nur bei der asiatischen Art "A. cerana". Zumindest in den Beuten von den Bienen wurde er gefunden. Möglicherweise würde er in einem Carnica oder Buckfastvolk als Feind bekämpft werden. Das meine ich auch damit, wenn ich sage, dass man evtl. nicht einfach so eine Bücherscorpionpopulation in einer Beute ansiedeln kann, weil diese evtl. als potenzielle Feinde von den Bienen erkannt werden. Wirkliche Symbiose würde dort stattfinden, wo Biene und Pseudosycorpion richtig kooperieren und sich nicht der Eine vor dem Anderen verstecken muss und genau sowas scheint wohl beim Ellingsenius Indicus zu passieren. Auch nutzt dieser Bienenzellen als Wohnstätte. Genau so eine Art müsste man hier in Europa aufstöbern und nicht einfach Chelifer cancroides in eine Beute sperren und hoffen, dass er sich organisiert mit den Bienen. Letztlich bin ich aber gespannt auf die Ergebnisse des Herrn Schiffer, vielleicht muss ich mich ja dann revidieren.

  • Sind halt wie Putzerfische. Symbiose. Ich finde man sollte genau das in moeglichst groesserem Umfang versuchen:Ellingsenius inidcus oder vielleicht auch - fulleri in Bienenstoecken zu beobachten und compatible Gruppen, also wo sich eine Symbiose einstellt zu vermehren.


    Die Einschleppung weiterer fremder Arten hat das Potenzial, vielleicht sogar die Wahrscheinlichkeit fuer weitere Probleme, d.h. Stoerungen der natuerlichen Gleichgewichte. Man sehe sich mal an, wie die Australier immer wieder neue Probleme bekamen, wenn sie versuchten eingeschleppte Arten durch Aussetzung von anderen Arten zu bekaempfen.


    Da jedoch keiner mehr hofft, die Varroa noch irgendwie komplett aus Europa zu entfernen muss man davon ausgehen, dass das natuerliche Gleichgewicht bereits grundlegend und unumkehrbar gestoert IST. Der nachfolgende Zuzug eines Fressfeindes der neuen Art ist also jedenfalls eher als "natuerlich" zu bezeichnen, als die Einschleppung der Art selber. Die Folgen werden wieder Folgen haben. U.s.w. die Natur ist nie statisch gewesen sondern immer im Fluss.


    Ich wuerde allerdings davor warnen, daran zu grosse Erwartungen zu knuepfen. Die Anwesenheit eines Fressfeindes kann nicht das natuerliche Gleichgewicht in der Heimat der eingeschleppten Art ersetzen. Es fehlen Viren, Microorganismen, die ganze Balance eines vielfaeltigen mikrobiellen Oekosystems das eben Asien zu Asien und Europa zu Europa macht.


    Dennoch hochinteressant zu sehen, wie es sich so erklaert, dass Imker moeglicherweise durch die Bekaempfungsmassnahmen gegen die Varroa genau die natuerlichen Feinde, die die Varroa vielleicht haetten in Schach halten koennen, ausgerottet haben.


    Meine Hochachtung fuer die hollaendischen Kollegen, die diese Geschichte publik machen, wo keine milliardenschweren Konzerninteressen dahinterstehen.


    Ich wuensche viel Erfolg!
    Joe

  • Ich habe gerade mit Herr Schiffer telefoniert. Seine Forschungen waren sehr tiefgründig. Ich bin gespannt auf die weiteren Veröffentlichungen auf seiner Seite.

  • Hallo Traeumer und Joe,


    Joe, alles ganz meiner Meinung!


    Traeumer, toll, du hängst dich ja richtig rein. Dann hast du ja auch feststellen können, daß er nicht nur einfach etwas herumprobiert hat sondern alles etwas ernster verfolgt hat.
    Ich bin wirklich kurz davor die Dissertation zu erwerben. Zumindest habe ich Herrn Schiffer schon denn Drohnenrahmen meines Zickenvolkes versprochen. Er war ganz angetan von meinen wehrhaften Stecherbienen und würde damit gerne seine Völker bereichern.


    Nurnoch 2x schlafen, dann geht die Seite (theoretisch) online.


    LG,


    Katarina

    Die besten 10 Jahre einer Frau sind zwischen 39 und 59.

  • Hey,


    weiß jemand schon etwas Genaueres über die Ergebnisse vom bee-nature-project?
    Ist eine Symbiose mit dem Bücherskorpions nun wirklich ein realistische Lösung des Varroaproblems?
    Hat schon jemand die Forschungsarbeiten von Torben Schiffer gekauft?


    Gruß Michi

  • Ich kann es nicht nachvollziehen. Selbst wenn so ein Skorpion heruntergefallene Milben frißt, oder sogar dann, wenn er sie den Bienen vom Leibe reißen würde (was er nicht tut?), wird das keinen Effekt auf die Varroapopulation haben. Eine Population ist ausschließlich über eine Art Geburtenkontrolle bei den Milben zu regulieren. Das heißt, die Vermehrung muß gestört werden. Das bereitet uns bei der Varroa natürlich Schwierigkeiten, weil die Vermehrung ja in geschlosssenen Zellen stattfindet. Es wäre noch eine Möglichkeit, die jungen, gerade geschlüpften Varroen noch vor ihrer Vermehrung zu erwischen. Die gehen aber erstmal mit den Jungbienen. Dort werden sie aber von den Skorpionen nicht erfasst.


    Fazit: Nette Idee, wird aber nicht helfen. Für eine nachhaltige, stabile Lebensgemeinschaft zwischen Biene und Milbe muß eine Geburtenkontrolle der Milben erfolgen. Das ist eigentlich ganz allgemein so in der Populationsbiologie und daher kein Spezialfall. Die Cerana macht das durch mehrmalige Brutpausen im Jahr, sprich: Schwärmen.

  • Also ich glaub schon, das eine Bekämpfung ausschließlich außerhalb der Brutzellen auch den Erfolg bringen kann.
    Nehmen wir mal an der Bücherskorpion frisst die Milbe vom Körper der Biene weg und es findet sich ein biologisches Gleichgewicht zwischen Milbe und Skorpion, dann würden sich die Zahl der Milben, die an den Bienen hängen vermindern, somit gebe es auch weniger Milben, die für Nachwuchs sorgen. Zudem, wenn jeder es so machen würde, würde der Varroadruck abbnehmen und die Varroa wäre leichter zu kontrollieren.

  • weiß jemand schon etwas Genaueres über die Ergebnisse vom bee-nature-project?


    Wenn Du mal die Preisliste für die angebotene Wunderwaffe angeschaut hast, wird Dir der eigentliche Sinn der Homepage sicher klar.


    Eine Population ist ausschließlich über eine Art Geburtenkontrolle bei den Milben zu regulieren.


    Das ist Unsinn und beispielsweise auch einer der meist nicht verstandenen Punkte in der Biologie der Biene.


    Da hilft auch nicht, die Cerana als Beispiel zu zitieren, denn die Cerana macht viel mehr als nur

    mehrmalige Brutpausen im Jahr, sprich: Schwärmen.


    Schwärmen und Brutpausen alleine reichen NICHT!


    Symbionten jeglicher Art werden von alleine zurückkehren, wenn man aufhört, Gifte in die Völker zu geben.



    André

    Der wahre Meister tut nichts, doch er lässt nichts ungetan. (Laotse)

  • Eine typische André-Nebelkerze. :roll:


    Seid wann verstehst Du was Bienenbiologie? Ich dachte Du beschränkst Dich auf die Nekropsie von Bienenvölkern. :wink:


    PS: Kleine Gemeinheiten erhalten die Liebe.

  • Kann ich bestätigen. Ich habe 18:49 Min. zugesehen.
    Dann Marions Beitrag gelesen und, ich bitte um Entschuldigung, nicht geglaubt. Die Probe bestätigte dann die Richtigkeit von Marions Feststellung.
    Was Lehrt uns dies? Der russische Herr Präsident hat recht: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Äh, youtube.


    Wolfgang, der Heidjer

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)