Lederhandschuhe abgewöhnen

  • Hallo zusammen,


    Es ist oft davon zu lesen, das sich Jungimker ... und natürlich auch Jungimkerinnen ... sich aus guten Gründen recht schnell die Lederhandschuhe abgewöhnen sollen. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass meine Bienen es besonders auf die Lederhandschuhe absehen und dadurch erst richtig wild werden können, obwohl ich sie noch "gar nicht angefasst habe." Ich könnte auf alles verzichten (Schleier, Jacke, Windel) aber einfach nicht auf die Lederhandschuhe !!!


    Habe schon probiert, meine Hände mit verdünnten Nelkenöl einzureiben,
    ... war aber keine so gute Idee ... kennt ihr vielleicht andere Hausmittelchen ?


    Gruß


    Badener

  • Hallo, Badener,


    (auch so einer von der periodisch nachts arbeitenden Zunft?)


    das mit dem Nelkenöl hab' ich nach Henrys detaillierter Anweisung auch probiert. Es hat mich nicht restlos überzeugt, weil es sie nicht wirklich am Stechen hindert und man beim Bearbeiten der Völker so geruchsblind wird.


    Am besten hilft bei mir: 3-4 kräftige Rauchstöße durch den Gitterboden und danach mindestens 5 Minuten warten; dann erst öffnen. Da sticht zumindest bei mir kaum noch eine Biene. Bei den Buckis geht's auch ohne Rauch, zumindest bis zum Hochsommer. Das liegt ganz bestimmt an den Dadantbeuten! :wink::lol:


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Badener
    Das kommt mit der Zeit von alleine. Meine Erfahrung ist, je ruhiger man bei der Arbeit am Volk wird, desto weniger angriffslustig sind sie. Als erstes ließ ich die Handschuhe weg, wenn ich bei den ersten Völkern merkte, dass sie auf den Waben blieben und nicht aufflogen. Man(n) wird sicherer, und ich denke, dass merken auch die Bienen. Dann fiel der Schleier, und es ist eine herrliche Sache, jetzt an den Völkern zu arbeiten. Vorraussetzung ist aber natürlich, dass man weiß, was man wann tun kann! Wenn ich mir unsicher bin, habe ich auch heute noch den Anzug an, und wenn ich am Wanderplatz am arbeiten bin, geht es auch nicht ohne Anzug.
    Johannes : Seit ich in Mayen bei Dr. Otten sah, dass es ohne Rauch und Stecherei am Bienenstand geht, ist es mein Ziel, auch so zu arbeiten. Wird ein weiter Weg werden, da es natürlich eine gute Zuchtarbeit sein muß, die als Vorraussetzung da sein muß. Der Rauchboy war an, wurde aber nicht benutzt.

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Guido schrieb:


    Johannes : Seit ich in Mayen bei Dr. Otten sah, dass es ohne Rauch und Stecherei am Bienenstand geht, ist es mein Ziel, auch so zu arbeiten. Wird ein weiter Weg werden, da es natürlich eine gute Zuchtarbeit sein muß, die als Vorraussetzung da sein muß. Der Rauchboy war an, wurde aber nicht benutzt.


    Moin !


    Erstaunlich was für Bienen es noch gibt, ich arbeite auch nur mit Nelkenöl und verdünntem Nelkenöl in einem Zerstäuber. Wieso braucht man bei der Arbeit mit den Bienen Rauch ? Den braucht man doch nur beim Honigernten und beim Abfegen. Kann man eure Völker nicht auch so begutachten ?


    In dem Zusammenhang mit den Lederhandschuhen, bei Bienen stehen auch Lederarmbänder und Schweizfuss-Turnschuhe und natürlich die Wollpullover ganz hoch im Kurs ! Und so ausgerüstet am Besten vorher noch mal durch ein Brenneselfeld laufen und Tage nehmen, an denen es nach Gewitter aussieht. Dann schlägt die Reuhmakur an. Aber bitte nicht zuviel Kaffee vorher trinken, nicht das Ihr da zusammenklapt!


    Grüsse


    :wink:

    Bis die Tage, ich komm wieder, keine Frage !

  • Hallo Badener und Guido,


    ja, ja, Dr. Otten und seine Predigten, ... und er hat Recht! Es ist so viel angenehmer, ohne 'Rüstung' an den Völkern zu arbeiten, und das Aha-Erlebnis der Besucher ist immer wieder goldig, ABER ... das geht auch nur mit den absolut friedlichen Bienen, wie z. B. Mayen sie hat.


    Das Mayener Bienenmaterial ist Spitzenklasse! Ich habe die auf dem Lehrbienenstand im Sommer 10 x am Tag ohne Rauch aufgemacht und für die Besucher Waben gezogen - alles im ärmellosen Sommerkleid. So habe ich auch schon Bienen abgefegt für einen Anbrüter - ok, mit Rauch, und bei trockenem Gewitter fast über uns noch die Kiste aufgemacht und Drohnen abgesammelt.


    Solche Aktionen würde ich mit den Bienen unserer Vereinskollegen nicht machen! JedeR ImkerIn muss für sich entscheiden, ob er/sie etwas Geld in friedliche Bienen investiert oder lieber jedesmal in Rüstung an die Bienen geht.


    Viele Grüße


    Hedy

  • Moin Johannes, Moin Badener,


    Johannes schrieb:

    Es hat mich nicht restlos überzeugt, weil es sie nicht wirklich am Stechen hindert und man beim Bearbeiten der Völker so geruchsblind wird.


    Dann hast Du zuviel genommen oder Nelkenblütenöl. Das wird gern verwechselt, riecht aber anders und wirkt auch nicht wie's Nelkenöl. Nelkenöl hat überhauptkeinen Blütengeruch. Du müstes das doch auch als lokal wirkendes Narkotikum kriegen. Die Duftöle sind nicht gut geignet. Ich hab's probiert.


    Naße Hände und vor allem auch das Abspülen der Hände vorm Bearbeiten des nächsten Volkes helfen auch.


    Autosuggestion hilft allerdings am Besten. "Ich werde gestochen. Es wird brennen. Aber ich werde nicht erschrecken, denn ich weiß ja, ich werde gestochen und es wird brennen ..." Wenn Du mit der Einstellung an die Bienen gehst und, weil Du weißt, daß ein Bienenstich genau so ist wie er eben ist, wirst Du nicht nach Angstschweiß stinken, nicht aufgeregt atmen wie ein Stier und keine ängstlichen fahrigen Bewegungen machen, wenn eine Bienen auf Deiner Hand rumkrabbelt und nicht aus Angst zu zaghaft zufassen, wenn eine Wabe bienenbesetzt ist bis zum Rand. Wenn Du gestochen wurdest, was Du ja sowieso erwartet hast :wink: , wirst Du in aller Ruhe und noch während die Biene an Dir angenagelt ist, Deinen Arbeitsschritt beenden und dann die Biene (bemitleiden :cry: und) samt Stachel entfernen. Vielleicht den Stich aussaugen, Dir die Hände abspülen und dann in aller Ruhe weitermachen. Wenn Du Dich immer auf Stiche einstellst und sie als normal (aber zu vermeiden) akzeptierst, wirst Du deutlich weniger gestochen. Und irgendwann wird aus "Ich werde gestochen" ein "Vielleicht werde ich gestochen" und dann ist es Dir plötzlich völlig egal. Wenn die Angst kommt, ruf Dir einfach die letzten Stiche in Erinnerung, vielleicht einen ins Genick, der Dir tagelang einen angenehm warmen und entspannten Rücken beschert hat. Na, so schlimm waren die doch nun wirklich nicht. :wink: Ihr könnt natürlich auch an Brennesseln üben. Es geht um die neudeutsch "Coolnes". Greift doch mal in die Brennesseln ohne die Miene zu verziehen. Wer das kann, hat auch keine Angst vor Stichen und der wird auch weniger gestochen und muß auch keine Angst mehr vor Stichen haben.


    Ich war früher auch Vermummer, aber spätestens seit ich Michaels Kurze-Hosen-T-Shirt-und-Waben-in-der-Hand-Bild gesehen habe ... :lol:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry
    Guter Beitrag, schlechter Vergleich!
    1. Ich esse sogar Brennnesseln, es kommt nur darauf an, wie man sie zum Essen zubereitet.
    Ich wälze mich sogar in Brennnesseln, es kommt nur darauf an, wie ich sie hinlege.
    Hat alles nichts genützt, denn wenn eine Biene hinter der Brille sitzt, ist es mit der Ruhe aus.
    2. Michael in Aktion ist so ne Sache. Er schützt sich erst, wenn sich die Bienen eingestochen haben (Meine Bienen). Aber wer solches Bienenmaterial wie Michael hat, braucht auch nur kurze Hosen.

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Moin Guido,


    Zitat

    Ich esse sogar Brennnesseln, es kommt nur darauf an, wie man sie zum Essen zubereitet. Ich wälze mich sogar in Brennnesseln, es kommt nur darauf an, wie ich sie hinlege.

    Leg' sie so hin, daß es garantiert brennt, dann weißt Du was ich mit dem Training meine. :wink: Erwarte den Schmerz, verstehe ihn, fühle ihn und kontrolliere ihn und Deine Reaktion darauf, damit er Dich nicht kontrolliert! Das geht und das gibt Sicherheit.
     

    Zitat

    wenn eine Biene hinter der Brille sitzt, ist es mit der Ruhe aus.

    Das verstehe ich voll und ganz und deshalb fühle ich mich nicht schlecht mit Schleier :lol: aber trotzdem ohne Handschuhe! Eine Biene im Haar ist genauso nervig, eine Fliege vorm Gesicht oder eine Wespe allerdings auch.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Badener,
    lass Deine Lederhandschuhe einfach weg.
    Überleg mal, wieviel alte Stacheln da noch drin stecken, die die Alarmbereitschaft der Bienen durch Duftreste erst heraufbeschwören.
    Die erste Zeit wirst Du sicherlich noch unsicher hantieren, aber mit der Zeit bekommst Du mehr Gefühl (das Wort kommt ja von fühlen).
    Wenn Nelkenöl nicht wirkt, im Fachhandel gibt es "Salvolat" zum sprühen.
    Ein Spritzer in die Luft und einer auf jede Hand, wirken Wunder.
    Und noch ein Tipp, klingt komisch, ist aber so: vorher keine Bananen essen! Die riechen auch nach Alarmpheromon .
    Ok, Schleier liegt bei mir griffbereit, wegen Brille und dunkler Haare, aber ohne Rauch geht´s auch.
    Hallo Hedy, "Deine" Völker sind aber doch recht friedlich :wink: .
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.