alle Bienen weg

  • Hallo Imkerfreunde


    Wirklich alle Bienen weg ! :cry: 
    Ich war heute bei meinen Bienen, bei Sonnenschein und 10°, um zu schauen wie es aussieht. Leider war nichts zu sehen und nichts zu hören. Als ich die erste Beute öffnete, konnte ich keine Biene finden. Nicht lebend aber auch nicht Tot, die Beute sieht aus wie ausgefegt. Ich öffnete alle anderen Völker, überall das Gleiche. Von allen 8 Völkern, habe ich gerade einmal 10 Bienen gefunden. Nach 20 Jahren imkern ist mir so etwas noch nicht passiert.
    Vielleicht hat jemand eine Ahnung, um was es sich hier handeln könnte.
    MfG Jürgen

  • hummel schrieb:

    Hallo Imkerfreunde
    Wirklich alle Bienen weg ! :cry: 
    Ich war heute bei meinen Bienen... Von allen 8 Völkern, habe ich gerade einmal 10 Bienen gefunden.
    MfG Jürgen


    Tut mir leid für Dich, :oops:


    ich hatte das gleiche bei einem Volk, wobei ich davon ausgehe, dass die Bienen die Königin nicht mochten und sich bei den Nachbarn einbettelten.


    Hier gibt es aber noch einen Threat dazu unter Tips für Anfänger Tote Völker I + II. vielleicht findest da eine Antwort. Ist den noch Futter drin ?


    Grüsse :-?

    Bis die Tage, ich komm wieder, keine Frage !

  • Hallo Hummel,


    das ist keine schöne Nachricht, lass den Kopf aber nicht hängen. :( 
    Als erstes muss nach den Fehlern gesucht werden, es gibt unterschiedliche Möglichkeiten z.B. Varroa, die Völker haben nicht genug Winterbienen gebildet, waren im Herbst zu schwach also nicht genug Brut vorhanden, Pollenmagel.
    Eine Ferndiagnose ist aber immer schwierig.
    Wann hast du die Völker das letzte Mal geöffnet, mit was wurde behandelt, wann wurde behandelt, wann war die letzte Behandlung, wann hast du behandelt, wann wurde gefüttert, mit was wurde gefüttert, wie stark waren die Völker im Sommer/Herbst.

  • Hallo Jürgen


    Wie Michael schon erwähnt hat ist eine Ferndiagnose immer sehr schwierig. Als ich Dein Bericht las dachte ich sofort an eine Viruserkrankung.
    Viren verursachen kein typisches Krankheitsbild, zudem gibt es 18 verschiedene Bienenviren. Ein Virus kann nur im Labor festgestellt werden. Sie sind in den Völkern immer latent vorhanden und brechen erst aus wenn eine Stresssituation entsteht. Das könnte nach Deiner Beschreibung der Virus APV (Akutes Paralyse Virus) sein. Dieser Virus wird durch den Stressfaktor Varroa ausgelöst. Durch das Saugloch der Varroamilbe gelangt das APV in das Bienenblut. Die Brut und die erwachsenen Bienen können innert wenigen Tagen zu Grunde gehen. Entweder findet man keine Bienen mehr oder nur noch eine Handvoll davon und die Königin. Dieser Verlust kann man verhindern indem man eine gute Sommer- und eine gute Herbst-Varroabehandlung durchführt. Die Restentmilbung im Spätherbst vermag keine bestehende Viruskrankheit heilen.
    Andere Viren können durch die von Nosema apis zerstörte Darmwand in das Bienenblut gelangen. Es gibt eine aggressive Form von Nosema welche Völker im Winter innert wenigen Tagen dahinrafft.
    Viruserkrankungen verkürzen das Leben der Bienen oder bringen schnellen Tod.
    Soweit meine Überlegungen aus der Ferne. Ob du Deine Völker in Stress gebracht hast, das kannst Du nach 20 Jahren Bienenzucht sicher selber beurteilen.

  • Hoi Hummel
    Hab auch schon 50 % Verlust wenns ein Trost ist.Wohne am Bodensee an der Schweizer Grenze.Arbeite in der Schweiz und hab da erfahren,dass auch dort grösser Imkereien von 40 nur noch 4 Völker haben.
    Meine Überlebenden sind ausnahmslos Jungvölker und Fluglinge.
    Deswegen muss ich mir mal wieder mein Varroakonzept überlegen.
    Ich glaub wir werden dieses Frühjahr wieder mehr von Verlusten hören und zwar wie du, auch von erfahrenen Imkern.
    Varroa+Virus+Planzenschutz scheint zu viel für die armen Burschen.
    Nicht aufgeben und viel Glück

  • Hallo Jojobiene
    Du schreibst: "Varroa+Virus+Planzenschutz scheint zu viel für die armen Burschen"
    Ich bin der Meinung, du hast "zu viel behandeln/falsch behandeln" vergessen. Auf unserer Belegstelle hörte ich mal einem Vortrag eines Altimkers zu. Der behandelte mit 4 verschiedenen Mitteln, insgesamt 8 Behandlungen (4*Schwammtuch(40%/oben, 2*Schwammtuch(60%) unten,Perezin und selbst angemachte Oxalsäure mit Zucker.
    Dann kam der Hammer: Selbst angemachte Oxalsäure ist sch..., weil seine Völker es nicht überlebt haben.
    Kein Widerspruch, nur allgemeines Kopfnicken.
    Also weniger könnte doch auch mehr sein, oder? Jede Behandlung ist ein Sressfaktor zusätzlich.

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Guido Du schreibst der Imker nimmt 4*Schwammtuch (40%)/oben, 2*Schwammtuch(60%)/unten, die Anzahl Behandlungen in zwei Blöcken (Juli/August und September) wären zusammen mit der Restentmilbung ausreichend. Die Ameisensäurekonzentration ist aber zu schwach, so werden die Milben nur gekitzelt statt getötet, von oben 60%AS und von unten 85%AS wäre richtig, man sollte auch bei einer Behandlungsmethode bleiben. Ich verwende beim Magazin immer noch die altbekannte Krämerplatte. Nicht mal so und mal anders. Nur so kann man die notwendigen Erfahrungen sammeln und die Sicherheit gewinnen. Ich begreife immer mehr wieso einige Imker so gegen die AS sind. Jeder entwickelt seine persönliche Methode statt im wesentlichen die mehrfach getesteten empfohlenen Methoden, Ratschläge und Dosierungen der Bieneninstitute übernehmen. Über die Restentmilbung mit Perizin und zugleich auch noch Oxalsäure kann ich nur den Kopf schütteln. Wieviele % die selbstangemachte Oxalsäure hatte und wie viel davon der Imker pro Volk darüber schüttete kann jeder sich selber ausmalen.

  • Nicht entmutigen lassen, so traurig die Situation für euch und die Bienen ist.


    Hanspeter hat völlig recht! Die Empfehlungen der Institute können ein sehr guter Maßstab für eigenes Handeln sein: Weil erprobt!! Bei einem Vortrag von Dr. Otten (Bieneninstitut Mayen) konnte man an ausgewählten Beispielen erfahren, wie die Varroabehandlung bei Imkern mit großen Verlusten in den vergangenen Jahren durchgeführt worden sind. Dr. Otten konnte in jedem Einzelfall zeigen, wo der Knackpunkt gelegen hat. Oft sind die Fehler schon im Vorjahr gemacht worden und die Völker starteten mit hoher Milbenzahl ins neue Jahr. Hinzu kamen Behandlungen zu falsche Zeiten mit falschen Mitteln in falscher Dosierung.


    Otten betonte auch immer wieder, ein Konzept, dass bisher erfolgreich und für den Imker praktikabel war, muß man nicht unbedingt ändern.


    Soweit ich mich erinnern kann, hat er folgendes vorgeschlagen:


    a) Drohnenbrutschneiden
    b) Ablegerbildung mit verdeckelter Brut - Ableger nach Schlupf der Brut behandeln!
    c) nach der Honigernte im Juli mit der ersten Behandlung beginnen (AS)
    d) Winterbehandlung bei Brutfreiheit


    In jedem Abschnitt sollte der Milbenfall und der Behandlungserfolg kontrolliert werden.


    Es zeigt aber auch, wie wichtig die Zuchtbemühungen sind, eine varroatolerante Biene auf die Stände zu bekommen. Es haben sich ja viele Imker bereiterklärt mitzumachen. Was ist bisher daraus geworden?


    Viele Grüße
    Christoph

  • Ich habe eine Frage an die Perizinanwender:


    Vor 15 Jahren wurde in verschiedenen Fachzeitschriften folgendes geschrieben:
    Bei Perizin kommt es zur Überdosierung, wenn schwächere Völker mit der normalen Lösungsmenge von 50ml beträufelt werden. Folge: stark erhöhten Totenfall. Weiter steht das Perizin keineswegs von guter Bienenverträglichkeit sei, sondern eher als gerade noch bienenverträglich bezeichnet werde muss.
    Ist das heute auch noch so?


    Aus den Behandlungsvorschriften:
    Dosierung von Perizin
    Zweimalige Anwendung im Abstand von sieben Tagen. Immer alle Völker eines Standes behandeln. Die Dosierung ist genau einzuhalten. 50 ml für ein normal starkes Volk, das ist ein im Schweizerkasten und im Oberbehandlungskasten sechs und mehr Waben besetzendes Volk. Bei schwächeren Völkern mit 4-5 besetzten Waben wird die halbe Dosis, d.h. 25 ml Gebrauchslösung benötigt. Ableger, die weniger als vier Waben besetzen, erhalten 15 ml.

  • Hanspeter Itschner schrieb:

    Ich habe eine Frage an die Perizinanwender:
    Weiter steht das Perizin keineswegs von guter Bienenverträglichkeit sei, sondern eher als gerade noch bienenverträglich bezeichnet werde muss.
    Ist das heute auch noch so?


    Hallo HP,
    Du kannst ja mal die 10 toten Bienen im Gitterboden fragen :wink: aber das bekommt man mit Armeisensäre auch hin.


    Ich glaube nicht, dass dies weiter untersucht wurde.
    Bei der Dosierung, kommt es wohl auch noch darauf an, ob das Volk locker oder in der Wintertraube sitzt. Da muss man dann wohl seinem Gefühl vertrauen. Für die Bienen sicherlich besser als garkeine Behandlung und für den Honig muss das jeder selber wissen.
    Grüsse 8) 
    Wer ein Stück Würfelzucker im Bodensee nachweisen kann, der kann auch Perizin im Honig von einem Imker der noch nie damit behandelt hat nachweisen ! Alles eine Sache der Konzentration.

    Bis die Tage, ich komm wieder, keine Frage !

  • Moin Hans-Peter,


    ich kann als noch bekennender Perizinierer sagen, daß es nur zu Überdosierungen kommen kann, wenn man wirklich pauschal 50ml in jede Kiste kippt. (Würde aber bei anderer Träufelmedizin auch so sein) Das Dosiersystem ist sehr sinnvoll und funktioniert sehr gut. Es kommt nicht zum Nachlaufen während des Träufelns. Man wird auch die Bienen in den Wabengassen und nicht die leeren Gassen behandeln und da muß man ohnehin schauen wo die wirklich sitzen und dann schätzt man die Bienenmenge automatisch mit ein. Also sieht man mit der Taschenlampe nach und hebt meistens die obere Zarge ab. Wenn dann zu wenige Bienen zu sehen sind, wird gleich weniger Lösung hochgedrückt.


    Der Totenfall ist bei warmer (und jetzt auch noch honighaltiger) Lösung erfreulich gering, manchmal tritt garkeiner auf, vielleicht weil die Sterbenden noch abfliegen. Der Totenfall ist jedenfalls deutlich geringer als bei den Schwammtuchveranstaltungen im Sommer. Doch da werden auch wesentlich mehr Bienen behandelt. Prozentual wird es wohl ungefähr das selbe sein.


    Vor 15 Jahren hatte ich noch kein Perizin zur Verfügung. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Vielen Dank für die Antworten bezüglich der Perizinanwendung.


    @ Henry
    Eigentlich gilt deine Bemerkung, die richtigen Hilfsmittel zu verwenden und die Menge (oder bei anderen Mitteln die Dauer der Behandlung) für alle Varroabekämpfungsmittel, aber insbesondere solche die sich schlecht abbauen. Ob wohl alle so sorgfältig und umsichtig wie Du behandeln. Wenn ich mich an die Klartangeschichten erinnere, welche rumgeboten wurden, so denke ich das mancher auch vom Perizin mehr reinschüttet als die Bienen dies vertragen, besonders dort wo Perizin günstig oder sogar gratis abgegeben wird. Auch die Rückstände sind dann entsprechend grösser. Dort wo die Bienenvölker im Sommer/Herbst unzureichend gegen Varroa behandelt wurden, wird manches angeschlagene Volk durch ein Zuviel vom Perizin zusätzlich geschwächt. Da kann man jetzt raten welches Mittel beim geschilderten Beispiel von Guido zu Bienentotenfall geführt hast. Ich bin zwar kein Hellseher, aber ich vermute da als Grund die Summe von verschiedenen Fehlern. Wie sagt man so schön: zu Tode behandelt.
    Die von mir gefundenen Bemerkungen zu Perizin findest Du in der schweizerischen Bienenzeitung Nr.11/90 und im deutschen Imkerjournal Nr. 1/91 Seite 27.