Mikroskop und Honigsortenbestimmung ?

  • Hallo Bienenfreunde,


    zwei Honigernten hab ich schon hinter mir, die Schule geht dem Ende zu und nun kann ich mich wieder den Bienen widmen.
    Zunächst mal freut man sich riesig, wenn die Ernte was Süßes abwirft.
    Die Ernte geht an Freunde, Nachbarn usw. in kleinen Mengen weg. Das nennen die Abnehmer alle "Blütenhonig"; soweit so gut.


    Wie kann ich als Imker den Honigtyp genau bestimmen, gibts dazu ein "Messgerät" ? Mit einem Mikroskop müßte so etwas doch machbar sein und wo könnte man sich da schlau machen?
    Natürlich kenn ich den cremigen Blütenhonig und einen Waldhonig auseinander, aber ich möchte eigentlich nur wissen, wie man den Honig genau definiert. Es kommt ja wieder dem Verbraucher zugute.
    Vielleicht hat jemand schon Erfahrung in solchen Dingen?


    Grüße Franz

  • Hallo Franz,


    Du kannst den Honig an den Pollen klassifizieren, sofern Du für ein weiteres Hobby viel Zeit hast.
    Dazu brauchst Du: Ein anständiges Mikroskop, eine Zentrifuge, eine Heizplatte und etwas Laborzeugs. Du fertigst Dir von Pflanzenpollen Referenzproben, die Du nacher mit den im Honig vorkommenden Pollen vergleichst. Damit kannst Du ganz präzise den Blütenhonig bestimmen. Allerdings verlangt es sehr viel Übung über das 2-dimensionale Mikroskopbild die unterschiedlich liegenden 3-dimensionalen Pollen zu bestimmen. Und da liegt der Haken. Ein sehr interessantes Thema, wenn man sich reinsteigern kann. Wenn Du nicht genug Zeit übrig hast, lasse es am besten bleiben, denn es verlangt schon wahnsinnig viel Übung die Pollen sicher bestimmen zu können. Die Bieneninstitute - zumindest Hohenheim bieten entsprechende Kurse an.


    Gruß


    Mic

  • Hallo Mic,


    vielen Dank für den Beitrag. Ich dachte, es wäre einfacher.
    Da ich den Zeitaufwand nur erahnen kann, werde ich doch die
    Finger weglassen. Aber ein interessantes Thema wäre es schon.


    Schöne Grüße
    Franz

  • Hallo
    Das würde mich auch interessieren mal den Pollen unter der Lupe zusehen. Reicht es wenn ich den Honig verdünne und ihn auf den Objektträger streiche oder muß ich da mehr beachten. Frage wegen der Zentrifuge?



    Jörg

  • Hallo Jörg,


    prinzipiell soll man auch einen Honigtropfen untersuchen können. Allerdings müsstest Du mehrere Proben untersuchen, um auf eine verlässliche Aussage zu kommen. Besser geht es mit einer Konzentration der Pollen. Die 'amtliche' Methode ist wie folgt:
    10 g Honig werden in ein Zentrifugenglas eingewogen und in 20 ml destilliertem Wasser gelöst. Dann für 10 Min. bei 2500-3000 U/min zentrifugiert. Abgiesen oder Absaugen des Überstandes. Nochmals Verdünnung mit 20 ml Wasser, und 5-7 Min. bei gleicher Geschwindigkeit in die Zentrifuge, um die Zuckerkonzentration im Sediment zu verringern (längere Aufbewahrungszeit der Präperate). Wasser abgiessen/absaugen, Sediment mit ca. 1 cm Kantenlänge auf den Objektträger aufbringen und bei 40° auf einer Wärmeplatte trocknen.
    Als Referenzvergleich wäschst Du Pollen aus Staubgefässen bekannter Planzen mit Diethylether aus, abgiessen, abdunsten, Pollen mit einer 20%igen Fructoselösung aufnehmen und auf Objektträger aufbringen, mit 40°C Wärmeplatte trocknen und mit Glyceringelatine eindecken.


    Viel Erfolg!

  • Hallo und Danke
    für diese ausfürliche Beschreibung scheinst es schonmal gemacht zuhaben :D .Weil ich keine Zentrifuge habe werd ich es mal mit einem Tropfen probieren. Zum Vergleich nehm ich Bilder aus den Büchern die ich habe.


    meld mich dann wieder vielleicht sogar mit Bildern wenn ich meine Digikam irgendwie da drann bekomme.


    schönen Sonntag noch hier sinds grad -5 °C


    Jörg

  • Hallo Alpenpower,


    die meisten Institute bieten sowas auch an. Natürlich gegen Geld.
    Man wird sich wundern, wie viele verschiedene Pollen man da findet, an die kein Mensch gedacht hätte.
    Übrigens:
    Daher sind wir Imker in Europa ja auch strikt dagegen, Honig ultrafiltriert auf den Markt bringen zu dürfen.
    Denn ohne Pollen als "Leitbild" kann kein Mensch mehr nachvollziehen, woher der Honig kommt.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Hedy,


    bevor ich hier zum Mikroskopie-Experten ernannt werde: Ich bin es (leider) nicht. Ich hatte an der Institut für Bienenkunde/Hohenheim bei Dr. Dr. Horn einen Kurs belegt und den mit der Erkenntnis verlassen, dass dieses Gebiet zwar wahnsinning interessant ist, aber nicht nebenher auszuüben geht und viel Zeit verlangt. Deshalb habe ich das etwas zurückgestellt, aber mich juckt es immer wieder in den Fingern damit anzufangen (und nach diesem Thread besonders).


    An das Mikroskop werden keine furchtbaren Anforderungen gestellt, aber ich meine es sollte wenigstens einen Feintrieb haben. Da Du von den dreidimensionalen Pollen immer nur die fokussierte Schicht scharf siehst, bist Du dauernd am justieren.


    Aber ich habe hier noch ein Dokument aus Weihenstefan gefunden, das Dir und den anderen Interessierten sicherlich gefallen wird:


    http://www.weihenstephan.org/~fsrklauhenk/pollen/pollen.pdf