Perizin, Kusche, Honig und Milben

  • Liebe Imker,


    Imkermeister Kusche hat über Versuche berichtet, wonach Perizinlösung mit Honig angereichert, ein vielfaches der Wirkstoffkonzentration in die Hämolymphe bringt und weil die Bienen die Lösung aktiv aufnehmen, wesentlich weniger Rückstände im Stock (Rähmchen, Wabenbau ect.) verbleiben.


    Ich habe das bei der am 18.12.2004 durchgeführten allgemeinen Perizinierung (bzw. Perizination) meiner Völker berücksichtigt. Dabei ist aufgefallen, daß schon ein Eßlöffel Honig pro 500ml Lösung (wie bei Grogg, vorher Honig in Wasser lösen, dann auf das Perizin schütten) die Wärmehaltigkeit der Lösung wesentlich erhöht. Das ist zwar subjektiv aber eben spürbar. (Dennoch habe ich die Perizinflasche zwischen den Behandlung in einem Eimer mit warmem Wasser stehen, sonst ist sie beim letzten Volk auch eiskalt)


    Noch kann ich nicht genau sagen womit es zusammenhängt, aber nach 24 Stunden war ich entsetzt und die Windel braun. Ich habe nur einige Völker und vor allem die Ableger mit Windeln versehen, um den Erfolg der Perizination zu verifizieren. Alle (100%) hatten soviele Milben, daß ich nicht zählen wollte. Und das nach 24 Stunden! Jetzt frage ich mich natürlich, woran das liegen kann.


    Erstmal müssen soviel Milben da gewesen sein, keine Frage. Trotz 2 * Schwammtuch und sehr wenig Fall im Sommer. War der sofortige Fall nach Perizin ohne Honig früher auch so dramatisch, nur hab' ich erst nach einer Woche kontrolliert und war deshalb gelassener? Hatte früher irgendetwas (auch im Winter) während der Woche meine ( :wink: ) Varroas von der Windel geklaut oder geweht? Waren das jetzt vielleicht alle Milben und es kommen keine mehr nach, weil "Perizin in Honig" schneller und härter wirkt? Ich bin deutlich gespannt und vielleicht hat auch noch jemand Perizinanwendungserfahrung aus diesem Jahr.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    wenn bei dir jetzt so viele Milben gefallen sind das du sie nicht zählen kannst, ist bei deiner Sommer/Herbstbehandlung mit hoher Wahrscheinlichkeit was schief gelaufen oder die Behandlung hat nicht richtig gewirkt.
    Ich weiß ja dass du mit 3 Zargen arbeitest, es kann gut möglich sein das die Dosierung zu gering ist und die Wirkung nicht ausreicht und genug abfällt.
    Wenn so viele Milben jetzt fallen ist das kein gutes Zeichen da ist ehrlich gesagt was total schief gelaufen, die Völker habe mit Sicherheit etwas Schaden genommen.
    Als ich meine Sommerbehandlung ende Juli nach dem Abschleudern durchgeführt habe fielen am Anfang zum Teil bist zu 300 Milben pro Volk, nicht alle Völker hatte so einen hohen Abfall.
    Ich behandel nur von oben, mit einer Menge von 22 ml bei einen Volk auf einer Zarge, das sind 11 DN Waben.
    Zwar kommt es bei zu warmem Wetter zu leichten Verätzungen aber die Völker gingen nach der Behandlung kräftig wieder in Brut und der Ausfall wurde somit ausgeglichen.
    Diese Schädigungen kann man nicht verhindern, dosiert man zu gering fällt nichts mehr, oder man muss mit anderen Mittel behandel die ich aber ablehne.
    Zwei Behandlungen sind für Schwammtuch zu wenig, schreib doch mal auf mit welcher Dosierung du behandelst.
    An deiner Stelle würde ich noch mal die Aufschreibungen nachschauen.

  • Moin Michael2, Liebe Imker,


    es sah auf den ersten Blick schlimmer aus als es wirklich war. Es sind nämlich keine weiteren Milben dazugekommen. Es könnte also wirklich sein, daß Honigperizin oder Perizinhonig schneller und noch umwerfender wirkt als Perizin in Wasser. So sieht es zumindest aus.


    Zwischen Weihnachten und Neujahr werde ich den nat. Milbenfall auszählen und dann über Weiteres entscheiden.


    Michael2 : Schwammtuch wende ich an, wenn die Honigräume runter sind und die Einfütterei los geht. Da sitzen die Völker noch auf zwei Brutraumzargen. Die Kletterzargen kommen erst drunter wenn die Futterzargen runter kommen. Die sollen doch nicht unten wild bauen, wenn das Futter denen zu dünne ist.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,
    gestern haben wir unsere 4 Völker mit dem von Dir beschriebenen Honig-Perizin-Mix behandelt. Davor war sehr wenig Milbenfall (ca. 1-3 pro Woche). Heute waren jetzt zwischen 30 und 70 Milben pro Volk unten. Also schon ganz gut, aber nicht furchtbar schrecklich viel, finde ich...
    Grüßle
    Soni

  • Soni schrieb:

    Heute waren jetzt zwischen 30 und 70 Milben pro Volk unten. Also schon ganz gut, aber nicht furchtbar schrecklich viel, finde ich...
    Grüßle
    Soni


    Hallo Soni,
    deine Aussage kann man nicht so stehen lassen. Nicht viel? Jede Milbe, die jetzt nicht von den brutlosen Völkern geholt wird, ist eine zuviel. Denn da wundern sich dann die Imker, vor oder bei der Auffütterung im Herbst, wenn man vor leeren Kästen steht und suchen nach allmöglichen Todesursachen, wie Gifte, Viruserkrankungen usw.
    Kurz eine Verdeutlichung meiner Theorie, wobei ein Ausgangswert von 50 Milben bei 5 - 10.000 Winterbienen nur jede 200.ste Biene hat eine kleine Varroa am Körper, anzunehmen wäre. Man kann davon ausgehen, das Bienenvölker bei länger werdenden Tageslicht, wie jetzt in dieser Jahreszeit bald wieder ein kleines Brutnest unterhalten und dann die Varroa schon wieder mit der Vermehrung beginnen kann.


    Monat Milbenanzahl im Volk


    Januar 50


    Februar 100


    März 200


    April 400


    Mai 800


    Juni 1600


    Juli 3200


    August 6400


    Kann oder wird den Tod des Volkes bedeuten, wenn man brücksichtigt, dass die Völker in der heutigen Zeit schon bei 5000 Varroen nicht mehr lebensfähig sind.

  • Moin Soni,


    also da hab' ich wohl übertrieben oder ich bin halt viel zu faul zum Zählen. Jedenfalls zähle ich nicht während einer Behandlung, wenn es so aussieht als würden es mehr als 30. Wenn welche fallen funktioniert die Behandlung, was hinterher noch fällt ist entscheidend für den Erfolg.


    Ich habe heute die neuen sauberen Windeln unter alle Völker geschoben und werde Silvester sehen ob irgendwo noch mehr als 3 Milben drauf sind. Sind es deutlich mehr, kriegen diese Völker nochmal Perizin. Wenn es aber ebensogut wie schnell gewirkt hat ist das nicht zu erwarten.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:


    Ich habe heute die neuen sauberen Windeln unter alle Völker geschoben und werde Silvester sehen ob irgendwo noch mehr als 3 Milben drauf sind. Sind es deutlich mehr, kriegen diese Völker nochmal Perizin. Wenn es aber ebensogut wie schnell gewirkt hat ist das nicht zu erwarten.


    Hallo Henry,
    hast du dir schon Gedanken über die Rückstände in deinem Honig oder deinem Wachs gemacht, wenn du das Perizin, wie der Pfarrer in der Kirche das Weihwasser verwendest? Soweit ich weiß, wirkt Perizin immer noch sehr gut, sodass mit Sicherheit eine zweimalige Behandlung als unsachgemäß anzusehen wäre.


    Steht nicht auf der Verpackung:
    Dosierung:
    Eimalige Anwendung in der brutfreien Zeit, dabei immer alle Völker eines Standes behandeln. Die Dosierung ist genau einzuhalten. 50 ml für ein normal starkes Volk Bei schwächeren Völkern mit 4-5 besetzten Waben wird die halbe Dosis, d.h. 25 ml Gebrauchslösung benötigt. Ableger, die weniger als vier Waben besetzen, erhalten 15 ml. Bei Wirtschaftsvölkern darf Perizin nicht im Frühjahr, nicht während und nicht unmittelbar nach der Tracht angewendet werden. Von behandelten Schwärmen und Kunstschwärmen darf in der laufenden Saison kein Honig für den menschlichen Verzehr gewonnen werden.
    Nicht bei Temperaturen unter +5°C behandeln.


    [/u]

  • Hallo Herr Mayerhoffer,


    Schön das sie wider da sind!


    Perizin-Rückstände im Wachs ist doch kein Problem mehr!
    Die Firma Bayer in zusammenarbeit mit Dr. Wallner haben das Problem doch gelöst!
    Können sie Nachlesen, sie wissen ja wo!


    Grüße
    Nachträglich schöne Feiertage


    ERic

  • Schön, dass Sie sich freuen, mich wieder zu hören.
    Ich möchte nicht zynisch sein, aber Mayerhofer können sie immer noch nicht schreiben. :lol:
    Ich wäre aber erfreut zu wissen, wenn Sie mich aufklären würde, wie das Rückstandsproblem gelöst werden konnte. Bitte aber keine Visionen, sondern konkrete Zahlen. Habe ich da was verpasst?
    Bisher konnte ich nur einmal einen Fortschritt in dieser Richtung erkennen und das war im jahr 2001 als der Rückstandswert von Cuamaphos im Wachs bzw. im Honig von 10 ppa auf 100 ppa erhöht wurden. Somit waren alle Honige im Grenzbereich, das konnte man doch als Fortschritt bezeichnen. :evil:

  • Hallo Xaver,


    auf was Kollege Eric anspricht, ist folgendes:
    Herr Dr. Wallner, Hohenheim, hat wohl einen Weg gefunden, mittels geeigneter Filtertechniken das belastete Wachs wieder reinzuwaschen.
    Die Idee dazu hatte er schon vor längerer Zeit, allerdings war es großtechnisch bis dato völlig unrentabel. aber es funktioniert.
    Er hat letztes Jahr schon darüber Referate gehalten.
    Inwieweit Bayer damit involviert ist, weiß ich nicht, ist mir auch schnurzegal.
    Scheinbar soll Hohenheim so weit sein, sein Wachs auch verkaufen zu können.
    Ich kann dazu aber nicht mehr sagen, ich habe mich selbst kaum damit befasst.
    So clever die Idee scheint, es ist natürlich nur die zweitbeste aller Möglichkeiten.
    Sowas wie der "Gelbe Sack":
    Zuerst wird sehr viel Müll produziert, der dann für noch mehr Geld gesammelt und getrennt wird, um danach für richtig viel Geld vernichtet zu werden.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,
    ich habe das gelesen, aber für einen schlechten Scherz gehalten. Stell dir vor, in eurem Krankenhaus werden Patienten ohne Diagnose mit zweifelhaften Medikameten vorsorglich behandelt, weil Sie dann ohnhin an die Dialyse angeschlossen werden können.
    Mein Vergleich ist genau passend auf die derzeitige (meist ohne Diagnose) und oft vorsorglich , auf die zukünftige, da doch auswaschbar, ohne Gewissensbisse angewandte Medikamteneinbringung.


    Für mich ein gefährlicher Weg. Naturrein sollte ein Honigerzeugung sind und nicht auch noch recyclebar werden.


    Mein Gott, wo soll dieser Weg, betrachtet man die GVO und Genmanipulation noch hinführen?

  • Hallo,


    zubedenken muss einen geben das die Gefahr besteht das die Bienen diese Honig-Perizinlösung in den Waben einlagern könnten, hat man schon stark kontaminierte Waben.
    Gelangt so ein Ihnhalt in den Honig sage ich nur herzlichen Glückwunsch.
    Ich kenne auch Imker diese Form der Behandlung machen ist selbst wende schon 4 Jahr kein Perizin mehr an.

  • Moin Michael2,


    Zitat

    zubedenken muss einen geben das die Gefahr besteht das die Bienen diese Honig-Perizinlösung in den Waben einlagern könnten

    Glaubst Du wirklich, daß die Bienen im Winter, obwohl sie in den nächsten Wochen noch deutlich mehr als 10 kg Futter verbrüten werden, jetzt von den 50ml Perizinlösung mit einem Löffel Honig pro 500ml irgendwas einlagern? Und denkst Du, daß die das im Sommer in den Honigraum umlagern?


    Das Perizin-Rückstands-Problem ist schlimm genug (und das ist mir durchaus bewußt) aber es wird nicht ernster genommen und sachlicher behandelt, wenn solche Dinge, wie eingelagertes Perizin in Honigwaben die Runde machen.


    @Franz-Xaver: Ich halte mich an die Anwendungsempfehlung und die schreibt zwei Behandlungen im Abstand von 7 Tagen vor. Ich behandle aber nur die Völker nach erst 14 Tagen nochmal, die nochimmer Milbenfall oberhalb 0.5 Milben pro Tag haben. Sicher ist es auch kein diagnoseloses Reingeschütte. Nur hast Du Völker, die nach einer Sommerbehandlung mit AS jetzt schon freiwillig weniger als 0.5 Milben fallen lassen? Ich habe solche Völker nicht und deshalb muß ich auch nicht vorm Perizinieren nachzählen. Kein behandeltes Volk hatte sowenig Milben auf der Windel, daß mir die Entmilbung als unnötig und überflüssig Leid getan hätte. Auch aus bereits im Sommer (noch ohne Bau) behandelten Schwärmen, fallen ordentlich Milben, wenn auch weniger als aus anderen Völkern. (Und mach Dir keine Sorgen, ich komm schon irgendwann beim Oxamaten an und das ist dann auch Bißchen Dein Verdienst :lol: Und das ist absolut ernst gemeint.)

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:

    Glaubst Du wirklich, daß die Bienen im Winter, obwohl sie in den nächsten Wochen noch deutlich mehr als 10 kg Futter verbrüten werden, jetzt von den 50ml Perizinlösung mit einem Löffel Honig pro 500ml irgendwas einlagern? Und denkst Du, daß die das im Sommer in den Honigraum umlagern?


    Das Perizin-Rückstands-Problem ist schlimm genug (und das ist mir durchaus bewußt) aber es wird nicht ernster genommen und sachlicher behandelt, wenn solche Dinge, wie eingelagertes Perizin in Honigwaben die Runde machen.


    @Franz-Xaver:. (Und mach Dir keine Sorgen, ich komm schon irgendwann beim Oxamaten an und das ist dann auch Bißchen Dein Verdienst :lol: Und das ist absolut ernst gemeint.)


    Hallo Henry,
    es ist bewiesen, dass die Bienen, wenn man diese mit Perizin beträufelt, diese Giftstoffe durch das "Hineinkriechen" in leere Zellen kontaminieren. Deshalb halte ich dies Wachswäsche und ich lass mich auch davon nicht abbringen, für einen ganz, ganz gefährlichen Weg. Es gibt nicht nur Imker mit Verstand, sondern es gibt wirklich hirnlose, denen die Bienenhaltung verboten gehört. Ich habe das Beispiel schon öfters angeführt und möchte es wieder mal briingen. Ein Imker in unserer Nähe ist auch zugleich Obstbaumfachmann, dieser verkauft vielen Imkern Bretter mit Obstbaumgiften, die damit eingestichen sind zum Einlegen nach dem Flugbrett. Wenn die Bienen dann darüberlaufen, werden noch einer Zeit die Varroas abgetötet, er behandelt immer so. Auf meinen Einwand, dass mir das gefährlich für den Verbraucher erscheint, entgegnete er, auf den Genuß seiner Äpfel sei auch noch keiner gestorben, warum dann beim Honigverzehr,. Er macht übrigens mit den alten imkern gute Geschäfte und wirken soll es wirklich, sonst hätten viele ihre Bienen nicht mehr.
    Deshalb halte ich die "Wachswäsche" einen Freibrief für gewissenlose Imker um noch mehr Gifte in Völker zu bringen, aber dann heben wir eben den Grenzwert wieder an.