• Hallo,
    ich habe in der November Ausgabe des Bienenjournals von "Rundwaben" gelesen. Durch das tägliche Drehen des Brutraumes soll die Schwarmneigung unterbunden werden können. Sogar auf den Varroabefall soll dies eine positive Auswirkung haben.
    Wäre es nicht interessant dieser Theorie nachzugehen bzw. dieses System in größerem Rahmen zu diskutieren?


    Gruß
    Willi

  • Hallo zusammen,


    habe ich das richtig verstanden:
    die drehen täglich die Waben?
    Wie rum denn? horizontal, vertikal, gesamter Brutraum oder einzeln?


    Für die Praxis sehe ich keine Anwendung.
    Ich kann mir nicht vorstellen, daß sich einer die Arbeit macht.
    Ganz zu schweigen von der Unruhe, die da ins Volk reinkommt.
    Ich möchte meinen Völkern das nicht antun.


    Gruß,
    Erwin

  • Hallo,


    Nee, nee, die Waben sind rund und sozusagen auf einer Achse drehbar. Gedreht werden sie automatisch jeden Tag ein kleines Stück. Also die Wabe an sich bleibt senkrecht.
    Die Anti-Schwärmerei-Funktion erklärt sich so, daß eine Weiselzelle, die nicht nach unten hängt (da ja gedreht wurde), von den Bienen als Bocksmist angesehen, und wieder abgebaut wird.
    Faszinierend, daß es funktioniert, aber für mich nichts weiter als höchst interessanter Spielkram, da aufwendig und teuer.


    Viele Grüße
    wuderbiene

  • Hallo!


    Das Weiselzellen die nicht nach unten hängen abgebaut werden ist mir nicht klar. Ich habe da andere Erfahrungen gemacht. Mir ist in einem Begattungskästchen einmal eine Zelle hinuntergefallen und ist am Boden liegen geblieben. Ich dachte, dass sie sowieso kaputt ist (Erschütterung, hängt nicht schön,) und habe deshalb sofort eine andere schön eingehängt. Die am Boden liegende habe ich nicht herausgenommen, um nicht zuviel Unruhe zu stiften. Die am Boden liegende ist zuerst geschlüpft und die andere wurde ausgebissen. Ich habe diese Königin als sie zu legen begonnen hatte in einen Ableger eingeweiselt und sie hat ein schönes Volk bis zum Herbst aufgebaut.
    Gut, diese Erfahrungen stammen aus einem Begattungskästchen und nicht aus einem Vollvolk. Außerdem war sie schon verdeckelt als ich sie eingesetzt habe. Bei angeblasenen Zellen kann ich mir einen Abbau auch vorstellen.
    lg
    Andreas

  • Moin Andreas,


    Zitat

    Das Weiselzellen die nicht nach unten hängen abgebaut werden ist mir nicht klar.


    Weiselnäpfe, die nach oben zeigen werden nicht bestiftet und wieder abgetragen. Fertige verdeckelte Zellen haben den Teil der Entwicklung bereits hinter sich.


    Dennoch halte ich das mit den Rundwaben, die einmal am Tag um 180° gedreht werden für eine Vergewaltigung der Bienen. Das ist nichts anderes als eine Methode immer wieder angesetzte Zellen zu brechen. Die Ursache der Schwarmlust wird damit ja auch nicht bekämpft, vielleicht auch nichtmal erkannt. Ich werde wohl solche Rotationsversuche nicht machen. Lieber fange ich Schwärme oder muß sie ziehen lassen. Das halte ich eher aus als HighTech bei den Bienen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Forum,


    meines Wissens werden diese Dinger in etwas größerem Stil in Ungarn und Bulgarien benutzt.
    Ein Imkerfreund hat aus seinem letzten Studienurlaub ein kurzes Video und einen Bauplan mitgebracht.
    Man muß sich die Waben ungefähr wie runde Pizzableche vorstellen, die alle zusammen an einer Mittelachse drehbar befestigt sind.
    Einmal pro Tag dreht der Imker diesen Mechanismus mittels Zahnkranz und Kette um genau 180°.
    Sinn der Übung soll sein, dass die Bienen so ständig gezwungen sind, sich neu zu orientieren und ihr Brutnest ständig neu ordnen müssen.
    Dadurch würden angeblich die Varroen entweder die Orientierung verlieren oder von den Bienen eher ausgeräumt werden.
    Als angenehmer Nebeneffekt sei zu verzeichnen, dass die Bienen weniger Nachschaffungszellen anlegten.
    Mein Kumpel meinte aber, das sei nicht der Fall, es habe von wilden Schwärmen dort nur so gewimmelt.
     :wink:

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo,
    ich hatte eigentlich eher gedacht, dass die Rundwaben gerade für Profibetriebe, die sich keine Schwankungen im Honigertrag erlauben können, geeignet ist. Im Bienenjournal ist die Technik mit einer Photovoltaikzelle beschrieben, die den Drehmechanismus antreibt. Dadurch könnte die ganze Handarbeit in der Schwarmzeit eingespart werden. Die Problematik mit der Einstellung von fachlich vorgebildeten Saisonarbeitskräften hätte sich erledigt.
    Es wäre u.U. eine Möglichkeit einen unsicheren Parameter der Honigproduktion auszuschließen und dadurch die angestrebte Produktionsmenge sicherzustellen.

  • Moin Willi,


    ich denke mal, daß es nicht der richtige Ansatz sein kann, einfach brutalst die Entstehung von Schwarmzellen zu verhindern, um damit ein Entstehen und Ausziehen der Schwärme zu verhindern. Auch die andauernde Zapfenbrecherei ist nur die Notlösung und fast jeder weiß das. Sicher kommt man damit mit großen Völkern ein paar Tage weiter, aber der Sammeleifer ist doch derartig dahin, daß selbst keinere aufstrebende Völker mehr bringen und Schwärme sowieso. Schwarmverhinderung muß doch immer ins Triebleben der Völker passen kann nicht einfach 0815 gemacht werden. Schließlich richtet sich die Schwarmverhinderung nicht gegen die Schwärmerei sondern gegen die Schwarmstimmung.


    Wenn die Weisel deutlich weniger legt als in Aufschwungzeiten, kommen auch drei Wochen später weniger Jungbienen mit Futtersaftdruck ins Volk und deshalb kommen manche Imker mit solcher Zapfenbrecherei und unharmonischen Völkern über den Sommer. Cleverer ist es aber allemal diese Bienen bei straff legender Königin entstehen zu lassen und dann entweder als neue Jungvölker oder über Rückvereinigung zu nutzen. Auch Brutdistanzierung als hartes Schröpfen und allmähliches Rückvereinigen in der selben Kiste scheinen mir wesentlich sinnvoller.


    Wer kontrolliert eigentlich regelmäßig, ob die Drehdinger noch funktionieren? Und weshalb wollten wir in Brut- und Honigraum eigentlich das selbe Maß?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,
    mein Ansatz ist folgender: Als Außenstehender, der erst sein zweites Jahr mit Bienen hinter sich hat, beobachte ich bei der Imkerschaft eine große Vielfalt von Produktionsmethoden. Sie sind größtenteils recht kompliziert. Dies hat mich bewogen, nach den Prinzipien des „Einfach Imkern“ nach Dr. Liebig zu arbeiten.
    Ich weiß aber aus eigener beruflicher Erfahrung, dass erst wenn ein landwirtschaftliches Produktionsverfahren straff durchorganisiert ist und ein klares Herden- (in d. Fall Völker-) management besteht, eine Produktionsmenge realisiert werden kann, die positive Deckungsbeiträge erwirtschaftet. Mir fällt auf, dass deutsche Imker ihren Honig größtenteils selbst vermarkten - dies ermöglicht zwar einen guten Verkaufspreis, die Absatzmenge ist aber begrenzt und die Kosten für die Vermarktungsdienstleistung sind beträchtlich.
    Honig, der in großen Mengen angeboten wird - Auslands- wie Inlandshonig - ist in den Supermärkten recht günstig. Dies bedeutet also, dass zu niedrigen Preisen produziert werden müsste, dann aber auch durchaus große Mengen abgesetzt werden könnten.
    Nur dazu müssen Kosten minimiert werden!
    Ich glaube, dass in Deutschland enorme Reserven in der Honigproduktion stecken - die Nachfrageseite ist gesichert (hoher pro Kopf Verbrauch) und der Standortvorteil ist gegeben durch eine gesetzlich immer strenger werdende Dokumentationspflicht aller Beteiligten an der Lebensmittelherstellung. Wenn dann noch unter einem BIO Siegel produziert wird, sollte ein vernünftiger Verkaufspreis an den Großhandel erzielt werden können. Auch die Thematik Bestäubungsprämie ist sicher nicht zu vernachlässigen.
    Ich habe dieses Jahr 10 Völker gehabt - von diesen haben alle Weiselzellen gezogen - bei keinem kam ich mit Kippkontrolle zurecht - dies bedeutet für mich: Entweder die Genetik oder die Schwarmverhinderung muss verbessert werden.
    Das Rundwabensystem hätte natürlich den gravierenden Nachteil der unterschiedlichen Wabenmaße - die Drehkontrolle würde sich sicher leicht technisch lösen lassen.
    Wäre die Methodik der Rückvereinigung, Schwarmvorwegnahme bei Völkerzahlen jenseits der 1000er Grenze möglich?

  • Moin Willi,


    mindestens hier:

    Zitat

    Dies bedeutet also, dass zu niedrigen Preisen produziert werden müsste, dann aber auch durchaus große Mengen abgesetzt werden könnten.

    bist Du völlig auf dem Holzweg. Erstens sind nicht die niedrigen Produktions-Preise, also die Produktionskosten der Faktor um den es geht, sondern allein der Verkaufspreis ist im Markt relevant. Und Du wirst mir Recht geben, daß gerade die Imker, die mit ihrer Rente oder anderen Zuschüssen ihren Honig auf niedrigstes Preis-Niveau drücken auch und gerade desshalb diesen Honig nicht absetzen können. Honig ist ein Luxusartikel und dafür gelten andere, ganz andere Regeln als für Verbrauchs- und Lebensmittel. Und genau das ist es ja, was wir hier immer zu erklären versuchen. Als Beispiel gebe ich Dir eine ganz ähnlich Produktgruppe nämlich Backzutaten. Wirst Du mehr Orangeat oder Mandelsplitter verbrauchen, wenn's die zum halben Preis gibt? Und wirst Du weniger verbrauchen, wenn die teurer sind? Würdest Du Deine Ernährung auf Rosienen und Marzipan umstellen und damit ordentlich Umsatz machen, wenns billig wäre? Der Preis ist also nicht das Problem.


    Es gibt verschieden optimale Losgrößen in Produktionsmenge bzw. Völkerzahl und Du wirst kaum Imkereien finden die zwischen 60 und 200 Völkern haben, weil Du spätestens ab 60 Völkern Technik haben und Aufwand betreiben mußt, der sich frühestens ab 200 Völkern lohnt. So einfach wie Du Dir das zurechtrechnest ist es nicht.

    Zitat

    der Standortvorteil ist gegeben durch eine gesetzlich immer strenger werdende Dokumentationspflicht aller Beteiligten an der Lebensmittelherstellung

    Wo das ein Standortvorteil ist frag' ich mich, gerade wenn es um Produktionskostenvergleich geht. Du schreibst von Mengen, wegen des hohen Pro-Kopf-Verbrauches. Aber unser Imkerhonig ist eben gerade kein Massenprodukt! Der Honig der im Honigkuchen landet und aus China stammt oder aus Brasilien, der ist das Massenprodukt. Und selbst wenn wir die Gängelung durch BG, Steuer, Lebensmittelgesetz ect. nicht hätten, könnten wir nie zu den Kosten produzieren zu denen Großverbraucher Honig einkaufen können.
    Und ganz ehrlich, ich will das auch nicht.

    Zitat

    Wäre die Methodik der Rückvereinigung, Schwarmvorwegnahme bei Völkerzahlen jenseits der 1000er Grenze möglich?

    Fliegen bislang allen in klassischen Beuten arbeitenden Großimkern die Bienen davon? :lol:


    Hast Du's vielleicht überlesen? Schwarmstimmung ist das Problem. Gegen das Abschwärmen kannst Du der Königin den Flügel schneiden oder Absperrgitter ins Flugloch klemmen oder Zapfen brechen bis zum Umfallen oder wohl neuerdings eben die Waben auf den Kopf stellen. Die Schwärme wirst Du damit vielleicht verhindern, wirklich gute Erträge pro Volk aber eben auch. Das geht wirklich nicht 0815. Du mußt verstehen warum der Bien schwärmen will oder muß, damit Du diese Kraft, die die stärkste ist, für Dich und Deine Ziele lenken kannst. (Es muß ja nicht immer der Honigertrag im Vordergrund stehen, könnte ja auch Gelee-Royal oder Wabenbau oder Jungvölker sein)


    Natürlich bringt ein Volk, das nicht abschwärmen kann mehr, als eines, das Bienen, Futter und Königin als Schwärme einbüßt. Aber eben nicht annähernd soviel, wie ein Volk, das in kontinuierlicher Aufwärtsbewegung durch die Tracht geführt wird. Ich glaube ich hab' schon geschrieben, daß man Bienen in Deutschland eben nicht 0815 behandeln kann, Kesselwagen voll Importhonig schon. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo
    In Donaueschingen wurde das System vorgeführt und es hat sich auch schon ein Beutenhersteller betreffend einer allfällige Serienproduktion informiert. Weiter wurde auch gesagt, dass ein Institut im 2005 Versuche mit diesem System machen wird.
    Bis jetzt wurde aus meiner Sicht ein wesentlicher Punkt dieser Betriebsweise noch nicht abgehandelt.
    Das Fehlen oder Abfallen der Varoa.
    Hier könnte aus meiner Sicht der grosse Vorteil dieses Systems liegen.
    Als Nachteil sehe ich eher die Aufstellung der Beuten im Wanderwagen und damit wird ein Verfliegen der Bienen provoziert, welches dann nur noch eingeschränkt Aussagen über den Wert einer Königinn erlaubt.
    Also was meint Ihr zum Verschwinden der Varoa.
    Mit freundlichem Gruss
    Hugo

  • Hallo zusammen,
    ohne objektiv abgesicherte Erkenntnisse würd ich nicht in Euphorie ausbrechen. Wäre nicht der erste der behauptet das Ei des Kolumbus erfunden zu haben. Also locker bleiben.
    willi : In anbetracht das ein Erwerbsimker u.U. mit mehreren Dutzend Völker auf Wanderschaft geht, und diese nicht immer optimal aufstellen kann, halte ich die tägliche Drehung bzw. deren Antriebsart als Schwachstelle. Wenn das System einmal ausgefällt, und wegen der Entfernung zum Wanderplatz ist das nicht täglich zu kontrollieren, dann gehts aber richtig "rund". Besser hats da der Standimker (=Hobbyimker!?).


    Gruß
    Matthias