Königinnenzucht

  • Hallo Erwin,


    es ist nicht nur "das-nicht-gestochen-werden". :wink: 
    Allerdings muß man da etwas weiter ausholen.
    Zum Besiedeln von EWK und MWK, wie man sie zur Königinnenzucht benötigt, werden Jungbienen von Völkern abgefegt und durch einen Drohnensiebkasten gesiebt.
    Das Ganze geht mit etwas Raucheinsatz relativ problemlos.
    Jetzt hast Du eine Kiste voller Jungbienen, die sollen auf sagen wir mal 35 MWK oder so aufgeteilt werden.
    Also hat man -früher-die Wasserspritze genommen, die Mädels ordentlich eingesprüht und begonnen, schöpflöffelweise die Bienen umzusiedeln. Gab immer ein fürchterliches Chaos, und während die Hälfte der Bienen schon am Ersaufen war, ist dir die andere Hälfte um die Lampe gekreist.
    In dieses Chaos hat man dann die unbegattete Königin zulaufen lassen und hat gehofft, die Bienen haben genug mit sich selbst zu kämpfen, um die "Neue" nicht gleich abzustechen.
    Wenn man die oben angesprochene Kiste aber mit einem Plexiglasdeckel versieht und für ca. 30s Kohlendioxid einleitet, fallen alle Bienen auf den Boden zurück, werden betäubt und können geschöpft werden. Die Königin wird nicht betäubt und kommt gleich mit ins EWK oder MWK.Der durchsichtige Deckel dient nur zur Beobachtung, denn allzu viel CO² ist nun nicht gerade gesund.
    Durch die Narkose, die nur wenige Minuten anhält, haben die Jungbienen jegliche Orientierung und auch Erinnerung verloren. Sie fangen sofort an, sich in der neuen Behausung einzurichten und pflegen die Königin, als ob sie schon immer dagewesen wäre.
    In Kellerhaft kommen sie aber trotzdem, damit sie sich zu einer neuen Einheit zusammen finden können.
    Kohlendioxisnarkosen sind natürlich nicht unsere Erfindung, sie wird ja z.B. bei der künstlichen Besamung schon lange angewandt.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • also das haut doch die Miez vom Boom!
    EWK besiedeln geht heutzutage auch ganz ohne Stress für Imker und Bienen. Das gelesene grenzt ja schon an Tierquälerei.
    Ich verwende ein "Besiedelungsgerät" aus DDR-Zeiten( ich glaube 8,50 M hat es mal gekostet). Es besteht aus einem rechteckigen Trichter und mehreren Adaptern, die auf die Unterseite der EWK aufgesteckt werden, und bei bedarf mit einem Absperrgitter versehen werden können, um Drohnen fernzuhalten.
    Die Königin sitzt unter Zuckerteigverschluß in einem Beweislungskäfig schon im EWK (ich bereite so immer bis zu vier Stück vor), während ich dann im Brutraum eines starken Volkes die dortige Königin suche. Ist diese gefunden, werden Brutwabenbienen (möglichst Jungbienen) in den Trichter gefegt, welcher jetzt mit Hilfe des o.g. Adapters auf eine EWK gesteckt wurde, gefegt. Leichte (!!) Rauchunterstützung sowie Abdunkelunung des zu füllenden EWK mittels Verpackungskissen bewirken, daß die Bienchen relativ im Nu im EWK ankommen, so kann ich den Trichter auf das nächste EWK stecken. Die Bienen kommen auch nicht auf den Gedanken, aus dem EWK wieder zu fliehen, wenn man den Schieber einsetzt, im Gegenteil, ansitzende Bienen kann man getrost wieder in den Trichter kehren - alles geht ruhig und stressfrei - so fülle ich in einer Stunde 10...12 EWK - das reicht auch für meine kleine Imkerei.
    Immer dran denken:; Die Biene fliegt ins Licht und läuft ins Dunkel. Mit Ausnutzung dieser Erkenntnis und guten Nerven kann man schwierigen Aufgaben noch Spaß an der Sache abgewinnen.
    meint ralf_2

  • Hallo Ralf2,


    Deine Meinung in Ehren, aber es ist deine, und ich habe meine!


    Beruflich befasse ich mich zufälligerweise mit Narkosen und Schmerzausschaltung.
    Und es ist nun mal einfacher, Streß und Schmerzen unter Betäubung zu ertragen als ohne.
    Und wenn du dies nicht kapierst, ist das dein Problem, ich habe ja nicht gesagt, Du sollst es nachmachen.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Moin Ralf Nr. 2,


    bitte urteile nicht, wenn Du's noch nicht erlebt hast. Die CO2-Methode ist so ziemlich das Schonendste was es gibt. Du mußt immer die ganze Geschichte sehen und nicht nur von 4-EWK's oder 10 pro Stunde ausgehen.


    Es geht schon los, daß man waben- und weisellosen Bienen einen Transport ersparen kann. Man kann die EWK-Bienen direkt am Stand in die Kiste kehren und sollte man sich verschätzt haben einfach noch weitere Waben abkehren. Die Bienen halten sich in Narkose auch nicht fest. Deshalb kann man sie sehr gut und verletzungsfrei dosieren. Sie fliegen nicht auf, auch die älteren unter ihnen nicht. Und man kann sich auch den Streß mit der Abkehrerei komplett sparen und vorher ein Spendervolk mit Schröpfbrut verstärken bis zum geht nicht mehr und dieses Volk, das nachschaffen darf, als Ganzes narkotisieren. Dann stößt man die ganze Beute kurz auf und stellt sie auf einen neuen Boden. Im alten Boden liegen die Bienen. Auf diese Weise füllt man (fast zärtlich) sehr viele EWK's und hat Bienen die willig eine Jungfer annehmen. Nicht benötigte Bienen bleiben im Boden, das Volk kommt wieder drauf und nächste Woche ist die nächste Generation geschlüpft. Und das alles ohne Wanderung und ohne in Völker eingreifen zu müssen, um Bienen zu besorgen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Micha


    Und wo bekommt man so eine CO² Ladung, wenn man nicht grade eine OP-Schwester sein eigen nennt ?


    Geht auch ein Feuerlöscher ? :wink:


    Grüsse

    Bis die Tage, ich komm wieder, keine Frage !

  • Moin Berni,


    CO2 gibt's mit Druckminderer beim Partyservice oder Kneiper für die Bierzapfe. In den Flaschen ist genug drin. Kann man sich problemlos auf einen Pistolengriff mit Sprührohr adaptieren, wie Pressluft.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Berni,


    Henry sagts.
    So ne CO2- Pulle langt für Jahre.
    Alternativ kann man sich auch 30 Kisten Cola kaufen und so lange schütteln, bis die Kohlensäure raus ist und die dann in Ballons sammeln. :wink::wink:

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Michael schrieb:

    Hallo Berni,
    Alternativ kann man sich auch 30 Kisten Cola kaufen und so lange schütteln, bis die Kohlensäure raus ist und die dann in Ballons sammeln. :wink::wink:


    Danke, wichtiger Hinweis, werde gleich mal meinen Sadaboy auseinanderbauen. Da wird ja wohl auch so eine Flasche drin sein !


    Grüsse :wink:

    Bis die Tage, ich komm wieder, keine Frage !

  • Also liebe Leute,
    wenn die Zukunft der Imkerei darin besteht, seine Bienen zuerst fast zu ertränken und dann noch beinahe zu Ersticken, dann will ich damit nun gar nichts zu tun haben.
    Tut mir leid, aber ich halte diese Vorgehensweise weder für bienengemäß, noch einer imkerlich handwerklichen Praxis angemessen. Fehlt blos noch, daß jemand auf die Idee kommt, sowas als ökologisch zu halten, weil die Bienen das CO2 aufgenommen haben, das jetzt den Treibhauseffekt nicht mehr erzeugen kann.
    Übrigens, transportieren brauch ich die Biene nicht, da ich das alles im Bienenhaus mache (nicht so gern im Bienenwagen, das ist's enger - geht aber auch). Stress gibt es bei keinem der Beteiligten, jedenfalls nicht so, daß man selbigen narkotisch ausschalten müßte. Bin halt auch kein Arzt, sondern nur Imker.
    Warum gibt es denn die Lachgastableten nicht mehr, wenn narkotisierte Bienen so gut zu handhaben sind? Ich habe diese vor Jahrzehnten mal probiert. Mein Fazit: die Nachteile haben überwogen - nie wieder!
    Grüße ralf_2

  • Moin Ralf Nr 2,


    also ich versuche das nochmal ganz ruhig:
    Nach der (mittel-)alten Literatur wird die Jungbienenmasse durch Besprühen am Auffliegen gehindert und die Königin am schnellen Rumrennen (und Auffliegen natürlich auch). Wie Michael das schon richtig sagt, Bienen und neue Königin sind naß und tuen sich nichts, weil sie mit sich selbst genug und massive Probleme haben.


    Wenn die Jungbienen, noch außerhalb der EWKs in der Abkehrkiste hochlaufen und umherfliegen, wird diese Kiste erneut aufgestoßen und besprüht und weil die Kiste in aller Regel einen geschlossenen Boden hat, liegen die letzten Bienen nach mehrfachem Runtergestoße in der Wasserlache.


    Die Bienen müssen auch irgendwie Transportiert werden. Entweder man kehrt sie ab und transportiert sie ohne Königin und Wabenbau, also als Klumpen zu der EWK-Befüllstelle oder man transportiert anschließend alle EWKs ehe man sie aufstellt. Altbienen fliegen sonst in ihren Stock zurück, auch nach Kellerhaft. Wieviel Bienen soll man aber in so ein EWK packen, wenn man nicht genau weiß wieviele dann doch noch abfliegen?


    Und genau hier hilft CO2. Die Bienen werden betäubt und fliegen nicht auf. Sie klammern sich weder aneinander noch an der Kiste fest. Sie vergessen ihre Herkunft, örtlich, wie familieär und sie nehmen eine junge Königin dankbar an. Die erste Biene die erwacht, bildet den Hofstaat, die zweite versträrkt den usw. Es gibt keine Verluste und die Königin wird weder naß gemacht noch unnötig befingert.


    Sagte ich schon, daß EWKs-Befüllen bedeutet, manchmal 50 oder mehr Kästchen pro Tag zu besetzten? Und das mehrfach pro Saison.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo ralf2,


    Man kann mit wenig Worten viel Blödsinn schreiben, dass nehme ich auch für mich in Anspruch.
    Du magst ja seit Jahrzehnten in deinem Häuschen sitzen und deine Bienen, mit für deine Verhältnisse passenden auch noch DDR-Mitteln in deine zehn EWKs bekommen.
    Es sei dir auch zugestanden dass du das ganz fantastisch kannst.
    Leider aber kannst du nicht beurteilen wie es ist wenn man die mehrfache Menge in einem kurzen Zeitraum möglichst schonend für die Bienen, man schrieb kein Wort vom Imker, bewältigen muss?
    Das dies möglich ist habe ich im letzten Jahr bei einem befreundeten dänischen Imker gesehen, der mit Hilfe meines Mannes an einem Vormittag ohne bedeutenden Bienenverlust und Stiche über 150 EWKs gefüllt hat, nur mit der Hilfe von CO2.
    Von den eingesetzten Königinnen ist nicht eine abgestochen worden.
    Ich habe selten so viel Ruhe bei einer Accordarbeit gesehen.
    An der schon stark abgenutzten Parole um die Erderwärmung und der Schuld von CO2 daran, hängen sich oftmals Menschen, denen jedwede Ahnung von dieser Materie fehlt.
    Machst du dir auch solche Gedanken wenn du deinen Smoker anzündest, denn sicherlich ist dir bekannt das du mit jedem Rauchstoß auch Kohlendioxid = CO2 über die Bienen verteilst?
    Abschließend möchte ich an dieser Stelle nur erwähnen das bei dem Kohlendioxydausstoß der noch vor wenigen Jahren in deiner Gegend Standard war, es mich verwundert wie da Bienenhaltung überhaupt möglich gewesen ist, oder habt ihr die Bienen hin und her getragen, wann hatten die denn ihre wachen Momente?
    Ich möchte das nicht noch mehr ausschmücken.
    Und nun pass mal auf, dass die Katze nicht wieder auf den Baum klettert.


    Ich wünsche viele gesunde Bienen


    Margret

  • bisy schrieb:

    Hallo ralf2,
    ...Leider aber kannst du nicht beurteilen wie es ist wenn man die mehrfache Menge in einem kurzen Zeitraum möglichst schonend für die Bienen, man schrieb kein Wort vom Imker, bewältigen muss?
    Margret


    Liebste Margret,


    meiner Meinung nach, ist diese Methode nicht nur bei grossen Mengen einsetzenbar. Auch für den Hobbyimker der mit der Zucht beginnen will, ist dies eine Alternative. Meine Nachfrage hat auch ergeben, dass die benötigten Hilfsmittel für jeden Normaloimker leicht zu beschaffen sind (selbst im Osten :wink:).


    Grüsse :oops:

    Bis die Tage, ich komm wieder, keine Frage !