Befallsdruck im Spätsommer 2004

  • Hallo,
    stellt Ihr das auch so fest:
    Bei mir sind in 2004 nach Kurz- und Langzeitbehandlung mit AS nur ein Fünftel der Milben der vergangenen Jahre gefallen.
    Meine Befallszahlen waren zwar in den letzten Jahren schon immer leicht rückläufig, aber einen solch krassen Sprung habe ich noch nie erlebt.
    Kann jemand mögliche Gründe nennen?


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    Viele der schreibenden Forumsmitglieder haben ja schon ihre Hoffnung bekundet, dass unsere Bienen eines Tages varroafest werden.
    Ich gehe ausdrücklich nicht davon aus, dass der von mir oben beschriebene Effekt schon etwas mit verbesserter Varroafestigkeit zu tun hat.
    Aber:
    Wie kriegen wir 'Dauerbehandler' eigentlich zu gegebener Zeit mit, dass wir unserem Ziel 'Varroafestigkeit' näher gekommen sind und dass wir unsere Maßnahmen umstellen können?
    Habt ihr Strategien?


    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Rudi,


    der Unterschied im Befall liegt daran wie die Völker geführt sind, wenn diese stark waren im Jahr so sind auch viele Milben in den Völkern, starke Völker haben meist auch viele Milben, durch die hohe Vermehrung vermehrt sich auch die Varroa, macht man viele Ableger so verteilt man die Milben auf viele Völker und der Befall ist gering, daher fallen wenige Milben.
    Auch wichtig ist die Drohnenbrutentnahmen, ich habe ein Volk im ganzen Jahr immer mit Drohnenwaben von anderen Völkern versorgt um genug gute Drohnen in großer Zahl am Stand zu haben.
    Dieses Volk musste ich mehrmals mit AS 60 % behandeln weil auf den Bienen einige Milben zusehen waren, mein geschätzter Milbenwert für dieses Volk lag bei ca. 1000 Milben in etwa,
    das Volk ist zurzeit sehr Stark und hatte keine Schädigung erleiden müssen, ich habe dieses Volk aber schon ende Juli behandelt so das die Varroa keine große Chance hatte sich noch weiter zuvermehren und das Volk daran zugrunde geht.
    Wartet man mit der Behandlung zulange geht man ein hohes Risiko ein und schädigt seine Völker, wenn keine Tracht mehr zuerwarten ist sollte mit der Behandlung sofort begonnen werden (wenn es die Temperaturen zulassen).
    Gestern hat mich ein Imkerkollege angerufen und fragte ob ich ihm nicht zwei Völker verkaufen könnte, er sagte mir er hat zwei Altvölker durch die Varroa verloren, wenn man so was hört fragt man sich was die Leute eigentlich mit ihren Bienen machen, der Kollege ist schon sehr alt und hat bestimmt schon 40 Jahre Bienen.
    Von meiner Sicht gesehen hat er einfach zu spät behandelt und die Milbenbelastung war für die Völker zu hoch.
    Letzte Woche habe ich einen großen Teil meiner Völker mit Milchsäure behandelt, die meisten Völker hat so gut wie keine Brut mehr und eine Behandlung mit Milchsäure kann erfolgreich eingesetzt werden, dadurch erwischt man den Rest der Milben, der Abfall lag von 1 bis 100 Milben.
    Völker mit dem höheren Wert haben länger gebrütet und eine neue Königin erhalten weil die erste Königin nicht meiner Erwartung entsprach, ich habe aber auch noch Völker die noch Brut aufweisen, da ist eine Behandlung bedingt möglich und nicht wirksam genug.
    Wenn die Völker um diese Zeit keine Brut mehr haben sollte bei günstigen Wetter eine Behandlung durchgeführt werden, so eine Behandlung ziehe ich lieber vor als wenn ich die Völker bei kälteren Wetter stören muss und da ist eine Behandlung immer mit dem Risiko verbunden das ein Teil der Bienen verkühlt.


    Jetzt zu deiner Frage mit der Varroafestigkeit, von meiner Sicht, werden wir so schnell keine Bienen haben die diese Eigenschaft hat und aufweißt, die Varroa ist in Deutschland schon einige Jahr, daraus hätte sich bis jetzt schon eine Bienen bilden müssen die diese Eigenschaft hat, was leider nicht der Fall ist, eine Züchtung auf diesen Gebiet ändert das ganze eines Tages vielleicht, aber nicht von heute auf morgen.
    Man bedenke wie lange wir gebraucht haben eine stabile Landbienen zuschafen die nicht gleich jeden zu tote sticht, zwar habe ich diese Zeit nicht erlebt, aber diese Auslese hat mehre jahrzehnte gedauert so wird es auch mit eine Varroafesten Bienen dauern, ich selbst weiß es nicht.

  • Moin Rudi,


    ich beobachte das selbe. Sehr wenige Milben in allen Völkern. Keine Milben dieses Jahr in der Drohnenbrut. (Schneiden war aus dieser Sicht sinnlos) Zwei Schwammtuchbehandlungen nötig, keine drei.


    Alle Völker sind dieses Jahr ausgesprochen früh in Brut gegangen und bereits zur Weidenblüte waren viele Jungbienen vorhanden. Der Massenwechsel zum Sommervolk mit Abgang der Winterbienen erfolgte sehr früh. Vielleicht sind dadurch auch Milben mitsamt den Altbienen abgegangen ohne sich vermehren zu können. Auf alle Fälle war sehr früh, bei noch kalten Nächten, Bewegung in den Völkern und die Weide hat Nektar geliefert der eingelagert also aufbereitet werden mußte. Vielleicht sind durch diesen Schwung einige weitere Milben durch's Gitter in die noch winterliche Kälte gefallen. Auf alle Fälle gibt es dieses Jahr ungewöhnlich viele Schwärme und die starten ja ohnehin behandelt oder wenigstens brutlos.


    Ich gebe zu das klingt alles nicht sehr stichhaltig, aber ansonsten fehlen mir auch die Erklärungen. :lol:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,


    Der Befall meiner Völker war eher gering, nur hatte ich einen Ausreißer dazwischen mit hohem Befall samt geschädigten Bienen. Zum Heulen! Nach der Behandlung, inzwischen behandle ich mit gekühlter AS (das wirkt viel besser), sieht das Volk wieder ordentlich aus. Ich behalte es verschärft im Auge.
    Auch der Brutableger, den ich mit Brutwaben aus diesem Volk gebildet habe, hatte mehr Milben, als die anderen Ableger.
    Im November 2003 hatte ich 10 Tage die Schublade drin zur Diagnose. Da war noch alles in Ordnung.


    Ich denke an eine Reinvasion im Frühjahr. Aber was mich stutzig macht: da müßte ein Volk, das so gnadenlos vermilbt war, daß es auszieht, den, wenn auch äußerst milden, Winter überlebt haben. :roll:


    Viele Grüße
    wunderbiene

  • Hallo Forum,


    Das Bieneninstitut Celle hat für Niedersachsen bereits im Juli eine Vorwarnung wegen erheblichen Varroabefall einzelner Völker in diesem Jahr herausgegeben: http://www.bieneninstitut.de/P…rnung%20Sommer%202004.pdf.
    Ich habe meine Völker ab Juli mit Ameisensäure (Schwammtuch) behandelt. Während auf dem einen Bienenstand, auf dem nur Ableger stehen, bei der 2. und 3. Behandlung kaum noch Varroamilben gefallen sind, konnte ich bei dem anderen Stand, in dem Altvölker und Ableger aufgestellt sind noch einen relativ starken Varroafall feststellen. Vielleicht kam es an dem einen Stand zu starker Reinvasion aus einzelnen stärker befallenen Völkern?
    Aus meiner Sicht würde ich den Befall mit Varroa teilweise höher als in den letzten Jahren einschätzen.
    Gruß Andreas

  • Hallo an Alle, die geantwortet haben:

    michael2 schrieb:

    ... der Unterschied im Befall liegt daran wie die Völker geführt sind,wenn diese stark waren im Jahr so sind auch viele Milben in den Völkern, ...


    Die einfachen Antworten fallen leider aus. Unterschiede der von Dir geschilderten Art kenne ich seit Jahren und ich hätte sie hier nicht besonders erwähnt.
    Meine Völker sind in 2004 so stark wie immer, und trotzdem haben sie nur ein Fünftel des gewohnten Befalls. Das ist die besondere Erscheinung dieses Jahres!
    Und dieses 5:1-Verhältnis zeigt sich unabhängig vom Stand und unabhängig von Jung- oder Altvolk!


    Henry schrieb:

    Alle Völker sind dieses Jahr ausgesprochen früh in Brut gegangen ... Der
    Massenwechsel zum Sommervolk mit Abgang der Winterbienen erfolgte sehr früh. ... Auf alle Fälle gibt es dieses Jahr ungewöhnlich viele Schwärme und die starten ja ohnehin behandelt oder wenigstens brutlos.


    Interessant, dass Du ähnliches beobachtest wie ich und dabei einen deutlich anderen Verlauf des Bienenjahres schilderst. Grob gezeichnet sah das bei uns so aus:
    - Früher Brutschluss im letzten Herbst.
    - Verzögerter Brutbeginn im Winter.
    - Starker Bruteinschlag um den 10. Februar.
    - Anschließend Wetterrückschlag und erneut Brutschluss (Zwangsläufig auch bei Varroa!).
    - Zu Beginn der Weide war nur offene Brut in den völkern.
    - Ab Weide: Guter Nektarfluss und bis in den August hinein ständig große Brutflächen - eigentlich ideal für Varroa.
    - Sanierung über Schwärme spielt bei mir keine Rolle. Weniger als 10 % der Völker sind geschwärmt und ich habe - beruflich bedingt - nur einen davon fangen können.
    - Ich bilde aber intensiv Jungvölker. Und diese behandle ich erst im Spätsommer.
    - Drohnen schneide ich seit 3 Jahren nicht mehr, und trotzdem werden die Varroen weniger.

    Henry schrieb:

    Ich gebe zu das klingt alles nicht sehr stichhaltig, aber ansonsten fehlen mir auch die Erklärungen.


    So ungeduldig bin ich nicht, dass ich jetzt schon Erklärungen erwarte. Ansatzpunkte zum Nachdenken und Hinterfragen reichen völlig fürs Erste. :-)


    Wunderbiene schrieb:

    Der Befall meiner Völker war eher gering, nur hatte ich einen Ausreißer dazwischen mit hohem Befall samt geschädigten Bienen. ... Ich denke an eine Reinvasion im Frühjahr.


    Ausgeschlossen ist das nicht. Eine näher liegende Erklärung wäre aber die ungleichmäßige Wirkung Deiner Behandlung in 2003.
    Bei Ameisensäure und auch bei Thymol ist es ja nicht ungewöhnlich, dass die gleiche Behandlung bei einem Volk bestens wirkt und beim Nachbarvolk unerklärlicherweise nur ungenügend.
    Und die Kontrolle des natürlichen Milbenfalls im November ist ja leider weniger aussagekräftig, als wir uns das alle mal gewünscht haben.


    Andreas schrieb:

    Das Bieneninstitut Celle hat für Niedersachsen bereits im Juli eine
    Vorwarnung wegen erheblichen Varroabefall einzelner Völker in diesem Jahr herausgegeben. ... Aus meiner Sicht würde ich den Befall mit Varroa teilweise höher als in den letzten Jahren einschätzen.


    Erst mal Danke für den Link.
    So wie Du das schilderst, kenne ich es aus den vergangenen Jahren. Ich hatte auch nicht erwartet, dass das von mir geschilderte Phänomen flächendeckend auftritt.
    Hier bei uns gibt es aber etliche Imkerkollegen mit ähnlichen Beobachtungen. Aber leider auch schon wieder einige Stände mit Verlusten...


    Wer weiß, vielleicht stehe ich ja im nächsten Jahr auch wieder vor einem enormen Anstieg des Befallsdruckes.
    Ich werde es auf alle Fälle weiter genau beobachten.


    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo,
    kennt ihr das Räuber-Beute Modell?
    Auch Lotka- Volterra Gleichung genannt.
    Das sind zwei einfache Gleichungen, die z.B ein Wirt-Parasit- Verhältnis darstellen.
    Die sagen zyklische Schwankungen im Befall voraus.
    Es spielen sicherlich auch noch andere Faktoren rein.
    Dennoch...
    Ich glaube, daß Rudi eben in einem "Tal" ist.
    Das kann lokal unterschiedlich sein.
    Rudi, das muß dich nicht beunruhigen,
    das wird schon wieder!
     :-?



    Grüße
    und gute Überwinterung



    Erwin

  • Hallo Forum,

    Zitat

    Das sind zwei einfache Gleichungen, die z.B ein Wirt-Parasit- Verhältnis darstellen.
    Die sagen zyklische Schwankungen im Befall voraus.
    Es spielen sicherlich auch noch andere Faktoren rein.
    Dennoch...


    Dies erklärt fast das ganze Geschehen.
    Ein Fall aus meinem Umkreis sei noch geschildert.
    Das Bieneninstitut Mayen befragt regelmässig per Mail mehrere Hundert Imker nach dem Befallsgrad ihrer Völker.
    Danach ergab sich für 2004 im Durchschnitt eine deutliche Abnahme des Befallsgrades im Vergleich zu 2003!
    Allerdings:
    Nicht bei mir!
    Ich habe eine deutliche Zunahme des Befallsdruckes in 2004 bemerkt, und zwar durchweg bei allen Völkern.Ich habe dies frühzeitig bemerkt, entsprechend reagiert und kann damit leben, aber ich wollte damit nur sagen, es besteht leider kein Grund, sich gemütlich zurück zu ziehen und die Beine hoch zu legen.


    In diesem Sinne ...

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Moin Erwin, Moin Michael,


    das Räuber-Beute-Modell hilft uns hier nicht, weil wir nicht zulassen, daß die Beute, nämlich die Anzahl Bienenvölker, so stark abnimmt, daß ein Ernährung- oder Fortpflanzungsproblem der Milben daraus würde. Das Räuber-Beute-Modell funktioniert nur in relativ unbeeinflußten Ökosystemen und bei echten Räuber- und Beutetieren. Wir haben es aber mit einem Parasiten zu tun, der nicht einmal in einem Gleichgewichtsverhältnis zu seinem Wirt lebt. (Tun wir nichts, sterben die jetzigen Bienen wohl vollständig aus und erst dann der Parasit, der sich bis zu seinem Ende ungezügelt vermehrt. Auch mehrfachinfizierte Brutzellen bringen gesunde Milben hervor, auch wenn die Brut sehr stark geschädigt wird und nicht lebensfähig ist. Wenn die Völker zusammenbrechen erfolgt sogar eine für die Milbe besonders günstige Infektion über Invasion in andere, vielleicht noch milbenfreie Völker)
     
    Ich geb' Euch einen einfachen Beweis. Wendet das Räuber-Beute-Modell mal auf Kopfläuse oder Zecken an. Es funktioniert selbst dann nicht, wenn wir mal davon ausgehen, daß Rehe gegen Zecken nicht behandelt werden. Weil das Leben für Zecken nicht schwerer wird, wenn sie zu tausenden auf einem Reh sitzen. Es gibt keine Kunkurenz.


    Oder ein anderes Beispiel, daß das Gleichgewichtsproblem noch weiter verdeutlicht: Meerschweine und Gras (Abgeschlossene überschaubare Fläche, keine anderen Faktoren. Meerschweine sterben nur durch Hunger, Gras wird gefressen) Was wird passieren: Meerschweine vermehren sich solange bis das Gras mit dem Nachwachsen nicht nach kommt. Dann verhungern alle Meerschweine gleichzeitig. Im Gegensatz zu den Bienen hat das Gras Wurzeln und wird wohl wieder austreiben :wink:


    Es sind also ausschließlich die "anderen Faktoren", die die Schwankung der Milbenzahl verursachen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,
    was heißt hier: nicht zulassen, daß die Beute so stark abnimmt?
    Der Winter 2002/03 war gekennzeichnet von hohen Bienenverlusten.
    Ob wirs zulassen wollten oder nicht. Ob von der Varroa oder anderen Einflüssen.
    Die Bienendichte hat abgenommen, also auch die Vermehrungsmöglichkeit für die Varroen.


    Das ist trotzdem das Modell, nur eben mit anderen Startbedingungen.
    Du kannst sogar eine "Bekämpfungsrate" (also z.b jedes Jahr 95% der Räuber) definieren, und es werden Schwankungen rauskommen...


    Ich möchte betonen:bin weit davon entfernt, zu behaupten daß dieses Modell alles berücksichtigt, geschweige denn daß es eine echte Abbildung der Realität ist. Es ist nur ein sehr sehr einfaches Modell.
    Also bitte jetzt keine 1000€ für eine Wette (z.B Vorhersage der Winterverluste 04/05 ):wink: .


    Michael , Rudi, ich hab' euch schon verstanden :D



    Grüße,
    und gute Überwinterung


    Erwin

  • Moin Erwin,


    keine Wette. :lol:


    Aber die Bienendichte draußen hat keinen Einfluß auf die Vermehrung der Milbe in einem befallenen Volk. Es ist scheißegal, ob der Nachbar (noch) Bienen hat und ob es überhaupt noch irgendwo in Deutschland Bienen gibt. Die Milbenentwicklung in einem Volk ist davon nicht abhängig. Auch ohne erneute Invasion entwickelt sich die Milbenpopulation von einer einzigen Milbe ausgehend, weil die Milben sich gegenseitig nicht schaden. Und wenn es da doch noch andere milbenverseuchte Völker gibt, dann wirkt sich das durch Invasion eher verschlechternd auf das beobachtete Volk aus. Je weniger Völker insgesamt desto mehr Milben pro Volk. (was sicher zu noch weniger Völkern führen würde usw.)


    Es gibt eben gerade kein Gleichgewicht, doch nur dafür taugt die Modellrechnung mit Beute und Räuber. Ein guter Parasit bringt seinen Wirt nicht um. (Ein guter Räuber vertilgt nicht alle Beutetiere) Die Milbe ist aber kein guter Parasit.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Zusammen,
    das Räuber-Beute Prinzip kann seine Wirkung nicht voll entfalten. Immerhin wird es dadurch empfindlich gestört, dass es in seinem Umfeld noch einen Jäger und einen Pfleger gibt - idealerweise ist das die gleiche Person. :-)
    Seine Eingriffe oder auch Nicht-Eingriffe (nicht nur die Bekämpfungsmassnahmen, sondern die komplette Völkerführung) wirken massiv und überlagern die eher feinen und langfristig angelegten Regel-Mechanismen des Modells.


    Es gibt natürlich dieses Auf und Ab der Befallskurve, keine Frage. Oft konnte ich auf meinem Stand Gründe dafür benennen, warum diese Kurve im einen Jahr stieg und im anderen fiel.
    Der deutliche und erst einmal nicht erklärbare Ausschlag in diesem Jahr verblüfft mich aber immer noch: Schließlich hatte ich in diesem Jahr (im Sommer andauernd ausgedehnte Brutflächen, keine Brutpausen) eher mit dem gegenteiligen Effekt gerechnet.


    Bis auf Henry seid Ihr Euch ja einig, dass auch ein sehr deutlicher Rückgang im Befallsdruck nicht besonders bemerkenswert ist. Michael hat es so ausgedrückt:

    Zitat

    ... aber ich wollte damit nur sagen, es besteht leider kein Grund, sich gemütlich zurück zu ziehen und die Beine hoch zu legen.


    Ich möchte aber schon gerne besser verstehen, was da wie wirkt, um über dieses Verstehen zu lernen. In diesem Jahr habe ich z.B. spontan auf die Kurzzeitbehandlung der Jungvölker völlig verzichtet.


    Auf Dauer möchte ich auch den Moment nicht verpassen, zu dem wir - wenn auch nur vorübergehend - die eine oder andere Behandlung sein lassen oder betriebstechnisch ersetzen können.
    Ich behandle schließlich nicht gerne, sondern nur weil ich von der Sache her muss.


    Und es würde mich auch brennend interessieren, ob man diese Behauptung aufstellen kann: Der Befallsdruck dieses Jahres ist (auch!) deshalb so niedrig, weil es im Umfeld die Verluste 2002/2003 gegeben hat.


    Michael schrieb:

    Nicht bei mir!Ich habe eine deutliche Zunahme des Befallsdruckes in 2004 bemerkt, und zwar durchweg bei allen Völkern.


    Daraus kann man ja auch lernen: Kannst Du besondere Gründe nennen, die bei Dir in diesem Jahr gewirkt haben? Oder stehst Du ähnlich fragend wie ich vor Deinen Völkern? :-)


    Wenn es vorerst keine Antwort gibt, kann ich damit auch leben. Nächstes Jahr werde ich vielleicht ja wieder etwas schlauer... :-)


    Viele Grüße,
    Rudi