Warum nicht Afrikanisierte Bienen?

  • Hallo zusammen,
    wie angekündigt, hier die provukante Frage, warum nicht
    afrikanisierte Bienen bei uns einführen?
    Was spricht dafür, was dagegen?
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,
    ich denke Du weist genau das afrikanisierte Bienen nicht genügend Winterdepot anlegen, sondern dann ehr versuchen durch wegfliegen neue Erntegründe aufzutun oder durch Räuberei andere bienenvölker zu killen. Nicht umsonst heißen sie meines Wissens Killerbienen.
    Irrtum nicht ausgeschlossen.
    Gesegneten Sonntag
    Helmuth

  • Hallo Helmuth, Halo zusammen,
    sicherlich weißt Du genau wie ich, das der Begriff "KILLERBIENE"
    eine Wortschöpfung eines, nennen wir es einmal reißerischen , Stiles des Journalismus ist, der bekannt ist für große Buchstaben.
    Unabstreitbar ist die geringere Reizschwelle und ausgeprägtere Verteitigungsmaßnahmen der afrikanisierten Bienen. (a.B.)
    Über die Winterfestigkeit der a.B. ist mir nichts genaueres bekannt. Sie hat meines Wissens ja noch nicht die Gebiete erreicht, wo es richtig strenge Winter gibt. Oder gibt es schon dementsprechende Versuche?
    Was ich weiß ist, das sie in einigen Gegenden der USA überwintert, aber mit großen Verlusten. Diese gleicht sie allerdings mit großer Fruchtbarkeit und schneller Vermehrung wieder aus.
    Was intertessant ist, ist ihre Widerstandsfähigkeit gegen Varroa
    (und Kleinen Beutenkäfer?), diese sollte man vielleicht durch Kombinationszucht einfügen. Sichere Paarungskontrollen haben wir ja.
    Krankheitsresistente oder -tolerante Rassen einkreuzen ist doch in der Tierzüchtung, zumindest in der wirtschaftlichen Tierzüchtung, sicherlich nichts ungewöhnliches.
    Das Für und Wider für eine solche Maßnahme auszudiskutieren, sollten wir hier tun. Deshalb meine Frage...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,


    man müßte mal in den Veröffentlichungen von Hohenheim nachsehen.
    Meines Wissens nach haben die vor Jahren in Mexiko und Südamerika an der a.B. geforscht.
    Dabei kam allerdings auch heraus, dass die Varroatoleranz [b]einzig und allein auf den ausgeprägten Schwarmtrieb [b] dieser lieben Tierchen zurück geht.
    Im Klartext:
    Wenns denen zu bunt wird, fliegen sie weg und lassen Brut samt Varroen zurück.
    Lustigerweise schwärmt unsere a.B. in diesem Falle als Komplettvolk und siedelt sich anderweitig neu an.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Liebe Imker,


    die Drohnen der a. B. sind stärker als die Drohnen unserer Rassen. Die Paarung erfolgt daher deutlich vermehrt mit a. Drohnen. (Schon bei den Neuseelandbienen ist das ansatzweise so, nur wirkt es da nicht so katastrophal)
    Zu den Drohen kommt eine weitere Eigenschaft der a. B.: die Königinn braucht nur 15 Tage bis zum Schlupf und diese Eigenschaft wird dominant vererbt.


    Und hier liegt das Problem. Stellt Euch nur mal vor, wie normale Basiszucht oder Vermehrung ablaufen soll, wenn bei Nachschaffung immer die Königinnen zuerst schlüpfen und ihre Schwestern anderer Väter abmurksen, deren Väter a. Drohnen sind. Es bleibt wieder eine a. B. übrig. Zuchtserien mit Umlarven und Verschulen bekommen andere Terminpläne, das wäre auszuhalten, aber Standbegattung führt schon mit nur einem a. Drohnen-Volk nur zu nochmehr a. Bienen. Und genau das ist das Problem der Amis. Die Völker weiseln um oder werden umgeweiselt und a. Drohnen begatten. Noch passiert nicht viel an oder in den Völkern nur produzieren sie auch a. Drohnen. Bei der nächsten Umweiselung kippt dann alles auf einmal. Die reine a. Königin schlüpft zuerst und es bleiben reine a. Bienen über.


    Da mögen sicher einige Züchter widersprechen, von wegen Zucht- und Kreuzugsplan. Aber bitte bezieht in die Überlegung die kürzere Entwicklungszeit der Königin und die höhere Aggressivität der Drohnen mit ein und plant einfach mal mit einer Begattungsquote von 90% a. Drohnen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, Henry,


    das hab ich aber ganz anders gehört!
    Daß die Gefahr durch die afrikanisierten Bienen in den letzten Jahren doch sehr abgenommen hätte, weil sie durch die ständige Einkreuzung der einheimischen Bienen (welche immer das jetzt auch sein mögen) doch wesentlich weniger aggressiv geworden seien.
    Man hat es mir so erklärt, daß durch die relativ hohe Population wilder Schwärme auch ein entsprechender Drohnendruck da sei, und es mittlerweile auch kaum noch genetisch reine a. Bienen gäbe.
    Die Mischung sei mit entsprechenden Schutzmaßnahmen durchaus gut zu bearbeiten, ziemlich krankheitsfest und brächte hervorragende Ernten.
    Das so schlechte Bild in der Öffentlichkeit rühre aus einzelnen Vorfällen her, die immer gigantisch von den Medien aufgebauscht würden,
    Es gäbe erheblich mehr Todesfälle in der Imkerei durch das ganze sonstige giftige Getier wie Klapperschlangen, Feuerameisen, Skorpione, aber da kümmere sich niemand mehr drum.


    Die Subjektivität dieses Berichtes vermag ich nicht einzuschätzen, aber anscheinend hat man sich vor Ort mit den a.Bienen arrangiert.
    Über kürzere Entwicklungsteit der Kö schrieb er nichts, muß ich mal nachfragen.


    Andererseits muß man berücksichtigen, daß die USA sehr viel dünner besiedelt sind als D; wenn da der nächste Nachbar auf dem Land 10 km weiter wohnt, dürfte es egal sein, was ich für Bienen halte.
    Ich kann mir nicht vorstellen, daß das hier machbar wäre.
    Die sowieso schon geringe Akzeptanz der Bienenhaltung würde sich noch weiter verschlechtern, sobald der erste Unfall stattgefunden hätte.
    Und wie immer würde nicht differenziert werden, sondern pauschal geschrien:DIE Bienen...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Sabi(e)ne,


    Zitat

    Die Mischung sei mit entsprechenden Schutzmaßnahmen durchaus gut zu bearbeiten


    in einem Räumpanzer fahr ich auch durch ein Minenfeld nur nenn' ich das dann nicht Spaziergang.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,
    man sollte bei Drohnen nicht von Agressivität sprechen, sondern von Vitalität. Wenn die Drohnen der a.B. schneller sind und sich dadurch bei der Paarung besser durchsetzen können, haben die anderen halt das Nachsehen.
    Übrigens braucht man auch bei a. B. keinen Panzeranzug.
    Ich habe mal gesehen, wie einer in Brasilien mit normaler Straßenkleidung so ein Volk behandelt hat. Er meinte nur, das es auf den richtigen Zeitpunkt ankommt, sie wären nicht immer agressiv.
    Aussserdem findet meist keine Auslese in Richtung Sanftmut statt, da diese Völker sehr extensiv gehalten werden. Und wenn man den Umgang mit ihnen in Berichten sieht, werden sie sehr ruppig behandelt.
    Das würden Carnis genauso quittieren. Es ist ja auch ein Unterschied, ob ich zehn Völker bearbeite oder tausend.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Also ich fahre vielleicht im Winter nach Afrika und die sagten mir doppelte Anzüge. Klebepapier um die Schuhe. Kein Loch usw. So möchte ich ehrlich gesagt hier nicht imkern. Außerdem ist dann der Standort nähe Garten usw. erledigt. Wir wollen die Leute aufmerksam machen das die Biene kein gefährliches Insekt ist. Und dann so etwas?


    Na ja


    Lieben Gruß


    Alexandra

  • Hallo, Alexandra,


    Lothar schlägt ja nicht vor, die afrikanisierten Bienen als Haustiere für jedermann einzuführen, sondern mit ihnen gezielt kreuzungs-/kombinationszüchterisch zu arbeiten. Das ist sicher nicht was für jeden...


    Grüße, Johannes

  • Hallo zusammen,
    das ist der Unterschied. Einfach A.B. einführen ist das eine, sicherlich auch der einfachste Weg. Das andere ist, diese unter kontrollierten Bedingungen auszulesen und durch Kombinationszucht in die vorhandene Bienenpopulation einzufügen. Das Thema sollte ja mehr dazu da sein, theorethisch die Vor- und Nachteile zu erörtern.
    Sicherlich wird es einmal soweit kommen, das man ernsthaft erwägt,
    z.B. beim Auftreten von Unwirksamkeit eines Behandlungsmittel durch
    Einkreuzen resistenter Bienen einen Vorteil zu erzielen.
    In anderen Bereichen der Tierzucht wird das sicherlich auch praktiziert.
    Oder ist man schon dabei?
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo,


    Wenn jemand anfängt gestreifte Mondkühe mit Schwarzbunten zu kreuzen, ist das das ganz persönliche Hobby dessen, der es tut. Da kann höchstens mal der Bulle den Zaun niedermachen und sich auch bei Nachbars Kühen verwirklichen. Das Ergebnis ist unter Kontrolle, sehr begrenzt und überschaubar.
    Unsere Bienen kommen aber weit rum, und wer mit wem ist nicht so genau zu sagen.
    Was ich damit sagen will: Experimente in diese Richtung nur unter Hochsicherheitsbedingungen (wenn Insel, dann Helgoland etc), sonst wird die wunderbiene obergrantig! :evil::evil::evil:


    Viele Grüße
    wunderbiene

  • Hallo Lothar,


    kannst Du dich vielleicht noch erinnern, wie die afrikanisierten Bienen überhaupt entstanden sind ???
    Genau:
    Da wollten ein paar Züchter unter kontrollierten Bedingungen Kreuzungsversuche machen.
    Natürlich nur dem Wohle der Allgemeinheit wegen!
    Oha !

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,
    ich denke schon, das ich die Geschichte der a.B. einigermaßen auf die Reihe kriege. Obwohl das weit vor meiner Zeit war :wink: .
    Die Kontrolle war ja soweit gesichert, das der Drohnenflug und der Abgang von Schwärmen durch Absperrgitter verhindert werden sollte.
    Aber irgendwer (Mitarbeiter oder Besucher) hat dann "die armen Tierchen" befreit. Die Folgen sind hinreichend bekannt.
    Dank der a.B. ist Brasilien zu den größten Honigimporteuren geworden.
    Bekannt ist sicherlich auch, das man in Mexico friedfertige a.B. ausliest.
    Vielleicht kann man von dort ja in einigen Jahren gute Königinnen beziehen? Aber wer weiss, wie die sich mit unseren Bienen verkreuzen?
    Deshalb sollte man nur kontrolliert mit diesen züchten.
    Fakt ist,das die a.B. bessere Abwehrmechanismen gegen Varroa haben.
    Der mühseligste Weg wäre, diese zu erforschen und nachzuprüfen, in wie weit diese bei unseren Bienen vorhanden sind und wie man diese dann fördert; und das dauert dann etwa Fünfzig Jahre. Bis dahin haben wir mit Sicherheit andere Probleme mit unseren Bienen.
    (Kl. Beutenkäfer in Portugal!!)
    Deshalb die theoretische Frage, die wie in der Einleitung zu diesen Threath von mir formuliert, auch provukant gemeinte Frage, warum nicht
    afrikanisierte Bienen bei uns.
    Natürlich wäre es einfach, sich entsprechende Königinnen schicken zu lassen. Kontakte sind Internet sei Dank ja schnell geknüpft.
    Und der Imker, der seinen Honig mit dem Argument verkauft, er geht zwar mit zwei Schutzanzügen gleichzeitig an seine Völker, aber nicht mit irgendwelchen Behandlungsmitteln, wird bei immer kritischer werdenden Verbrauchern sicherlich gute Geschäfte machen.
    Aber das alles muß man (noch?!) unter der Rubrik Theorie und Provukation verstehen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.