Varroatoleranzzucht scheint in Mode zu kommen

  • Hallo zusammen,
    da erscheint ja ein Silberstreif am Horizont.
    Aber warum nicht gleich einen Schritt weiter gehen?
    Die östliche Honigbiene ist bekanntlich varroatolerant.
    Also, gleich die entsprechenden Gene bei ihr suchen, und dann bei unseren Bienen einbauen. Aber was für einen Marker benutzen wir dann bloß? Ach, das ist eher nebensächlich.
    Aber dann bekommen wir eine Patentbiene, auf der dann irgendwer ein Monopol besitzt. Soll heißen: Wir m ü s s e n jedes Jahr neue Königinnen vom Monopolisten kaufen. Nachzucht verboten.
    Ein tolles Geschäft: Für die etwa eine Million Bienenvölker in Deutschland
    jährlich neue Königinnen für, na mindestens 50 Euro, wenn nicht mehr. Die Imker sparen doch die Kosten einer eigenen Nachzucht. Das müssen wir gleich auch noch abschröpfen. Und dann das EU-weite Geschäft usw.
    Von dieser Firma sollte man umbedingt jetzt Aktien kaufen.
    Einfacher kann man sein Geld nicht mehr verdienen.
    Ach so, das habe ich vor zwei Jahren als Aprilscherz in ähnlicher Form geschrieben. Jetzt scheint mich der Fortschritt einzuholen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,


    ich glaube bei der Honigbiene würde das nicht funktionieren. Wenn es Genmanipulierte Bienen geben würde, die varroatollerant wären und ich kaufe mir keine, mein Standnachbar aber. Dann mache ich einfach Standbegattung und mit etwas Glück kann mein Nachbar seine Königinen dann bei mir kaufen oder? Es würde nämlich genau das passieren was Fridolin immer wieder anmahnt. Die genemanipulierten Bienen würden sich unkontrolliert ausbreiten.


    Aber bis jetzt ist ja keine Genmanipulation geplant, sondern nur Selektion nach den Genen. Oder habe ich etwas überlesen.

    Gruß Thomas (Hatte mal vier Jahre lang Bienen. Dann aufgrund einer Bienengiftallergie aufgehört.)

  • Hallo Thomas,


    Das ist ja das schöne an patentierten genmanipulierten Organismen.


    Theoritisch gesehen, wenn es mal eine patentierte Genmanipulierte Biene geben sollte, müsste der Imker der sich solch eine Biene zulegt jedes Jahr neue Königinen beim Besitzer des Patents kaufen.
    Eine andere Möglichkeit wäre Lizenzgebühren zu zalhlen, wie es in der Landwirtschaft üblich ist.
    Wenn es es sich herausstellen sollte das deine Bienen, durch fremdbegattung, dieses patentierte Gen enthalten dann hast du den "Schwarzen Peter" gezogen.
    Du nutz auf illegaler Weise das patentierte Gen.
    Schadensersatz an den Patentbesitzer!
    Wenn du nachweisen kannst das es unbeabsichtigt passiert ist, darft du dann die Lizenzgebühren nachzahlen.
    Und jedes Jahr darfst du dann auch zahlen!


    Eric

  • Moin Imkers


    habt Ihr den Ursprungsbeitrag gelesen? Geht es da um Patentschutz? Geht es um Gentechnische Manipulation oder um Analyse?


    Ich finde den Weg jedenfalls ausgesprochen interessant, mal nicht von einem ganzen Volk sondern der einzelnen putzenden Biene auszugehen und ganz selektiv diese zur Mutter der Väter zu machen. Wenn auf diese Weise das Anti-Varroa-Gen (so es sowas gibt) oder eine Gen-Konstelation gefunden würde und man neben den üblichen Zuchtwertschätzungsverfahren zusätzlich darauf prüfen könnte, dann wäre das der Durchbruch ohne die komplette Aufgabe der bisherigen Zucht. Und das ist doch nun wirklich kein Ansatz der schlechtzureden ist.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Diese Arbeiten zu Selektion einer varroatoleranten Biene erfolgen ohne Genmanipulation! Lediglich der Versuch einer Typisierung des Genotyps der vorroatoleranten Biene erfolgt natürlich im Labor mit gentechnischen Methoden. Anders ist das auch nicht möglich. Der Gen-Chip, der (vielleicht) irgendwann einmal zur Verfügung steht, kann dann benutzt werden, um die Varroatoleranz sichtbar zu machen. Das läuft dann technisch so ab, wie der „Genetische-Fingerabdruck“ in der Kriminalistik: mittels RFLP (Restiktionsfragment-Längen-Polymorphismus).


    Es wird also KEINE gentechnisch manipulierte Biene gezüchtet und Patentschutz wird es auf diese Biene auch nicht geben.


    Man muß unterscheiden zwischen der Zucht der varroatoleranten Biene und der Entwicklung von Genom-Analyse-Methoden. Die Analysemethoden werden allen Züchtern zugute kommen, die varroatolerante Biene allen Imkern.


    Der Ansatz aus Hohen Neuendorf ist nach meinem Dafürhalten der erfolgversprechenste Weg, eine varroatolerante Biene zu züchten und zwar mit klassischen Methoden!

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo Gerhard, Hallo zusammen,
    Auf dem Gebiet der Genforschung bin ich ja wie die meisten hier nur ein Laie. Für mich ist es von der Genom-Analyse zur Isolierung eines Genes nur ein kleiner Schritt. Und wenn man bei Apis mellifera schon weiss, wo man die Gene findet, wird man das bei Apis cerana auch schon wissen.
    Da erscheint es mir als logischer Schritt, das man diese Gene austauscht.
    Das diese Mühe und Arbeit dann patentiert und wirtschaftlich genutzt wird,
    ist so sicher wie das Amen in der Kirche. So wie es schon ein Patent auf Mäuse mit menschlichen Wachstumsgenen gibt, wird es sicherlich dann ein Patent auf Bienen mit Varroatoleranzgenen der Apis cerana geben.
    Man wird uns diese Biene dann noch als Wohltat verkaufen: Man braucht keine Varroabehandlungen mehr durchführen. Für den unbedarften Verbraucher heisst es, wer diese Biene nicht hat, erzeugt Honig mit Rückständen, den er nicht will.
    Und da es sich bei einer solchen Firma, die diese "Patentbiene" hat, nicht um einen schrulligen Bienenzüchter handelt, der meint mit seiner Züchtung die Imkerschaft glücklich machen zu können, sondern sicherlich um einen großen Konzern, wird dieser auch durchsetzen, das er eine Art
    Monopol erhält. Er schaft ja auch Arbeitsplätze damit, weil er die 99% Hobbyimker mit Bienenköniginnen versorgt.
    So ähnlich läuft das bei Getreidsorten auch schon. Da gab es vor Jahren einmal einen Bericht über einen Bauern, der alte Getreidesorten anbaute.
    An andere interessierte durfte er dieses nicht als Saatgut abgeben, sondern als Hühnerfutter.
    Schöne neue Welt!
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Moin Lothar,


    das hatte damals was mit der Saatgutprüfung zu tun. Das ist das selbe als wolltest Du Hummelhonig als Honig verkaufen und die Honigverordung verlangt explizit die Herstellung durch Bienen. Genausogut sagt die Vorschrift was sich Saatgut nennen darf und was nicht.


    Ziel der hier besprochenen Forschung ist ein möglichst einfacher Test, ob die zu prüfende Biene das Anti-Varroa-Gen hat oder nicht. Der Test wird sicher Patentiert werden. (Wie auch der auf BSE am lebenden Rind. Das Patent hält das Labor meiner Frau :wink:) Und er wird die Züchter sicher Geld kosten, das sie an die Imker über die Königinnenpreise weitergeben.


    Eine Honiguntersuchung kostet auch Geld und ein patentiertes Stereomikroskop zur Pollenanalyse und ein Refraktometer und eine Körung und die dazu notwendigen Karten. Übrigens sind auch Opalith-Plättchen patentiert.


    Der von Dir und auch von Eric angesprochene Gen-Transfer ist hier ausdrücklich nicht Forschungsziel. Und sollte ein Unternehmen eine Biene erschaffen, die das gewünschte Gen hat, dann wird sie diese Biene nicht schützen können, weil das Gen ja in den tausenden Arbeiterinnen sein muß. (Die Königin allein schafft das ja nicht, alle Varroen selbst zu killen, wenn sie auch noch legen muß :cry: ) Wenn es also ein solches Gen gibt, ist auch schon vorprogrammiert, daß es über die Drohnen exportiert werden wird und es keinen Schutz davor gibt. Nicht mal ansatzweise, weil auch ohne menschliches Zutun Arbeiterinnen zu Drohnenmüttern werden. Ein solches Superbienchen würde also ohne, daß man's sinnvoll verhindern könnte von vorn herrein eine GVO-Freisetzung darstellen und auch noch eine, die in der Lage, ja gerade mit dem Ziel entwickelt ist, sich gegen die vorhandene Population durchzusetzen. Welchen Unternehmen sollte das Genehmigungsverfahren anstrengen, wenn nach wenigen Jahren jeder Schwarm im Wald ganz ohne abkassierbaren Halter lustig Varroen killt und Drohnen aussetzt, die dann alles begatten, was ihnen vor die "Ausstülbung" kommt während die noch verseuchten Imker Drohnen schneiden?


    Außerdem besteht ja auch die Gefahr, daß die Varroa-Killer-Arbeitsbienen besser und effektiver funktionieren als geplant (wenn man das Problem der Fortpflanzung vielleicht aus Sicht der Industrie irgendwie gelöst bzw. verhindert hat) Wer will es einem Imker verbieten genau ein Killervolk zu kaufen und zu halten, als Killerbienenbrutspender und mit der Brut daraus seine anderen Völker zu verstärken. Die geschlüpften Bienen räumen dann dort auf und fertig ist die Laube und der Entwickler hat wieder nichts verdient.


    Also bitte verbreitet nicht immer die Dolchstoßtheorie von wegen die Industrie torpediere alle Versucher in Richtung Toleranz- oder Resistenzzucht, weil sie mit damit entweder weiter oder eben ganz neu verdienen könne. Der Markt der deutschen oder europäischen Imkereien ist in Bezug auf Arzneimittel und Gentechnik bzw. -Analyse wirklich nicht mit den Hauptmärkten der Pharma- und Gentechnikunternehmen zu vergleichen. Das ist und bleibt ein Nieschenmarkt.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Diskutanten,


    wir sprechen hier nicht von einem dubiosen Pharmalabor, das irgendwo im Hinterhof Dopingmittel designt, sondern von einer der renommiertesten deutschen Unis mit einem genau so renommierten Institut. (Hohen Neuendorf)
    Und denen unterstelle ich, gerade, da sie mit öffentlichen Geldern arbeiten, keinen wirtschaftlichen Nutzen ziehen zu wollen, sondern dem Gemeinwohl verpflichtet zu sein.
    Natürlich werden sie sich ihr Verfahren patentieren lassen (dürfen), ja und ?
    Sonst macht es doch irgend so ein bekloppter Ami. :wink: 
    Ich bin sicher, Henry und ich, wir werden die varroatolerante Biene noch erleben.
    Bei Xaver bin ich mir da nicht ganz so sicher, er vergisst ja jetzt schon manchmal seine Brille. :lol::lol::lol:

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,


    Du untertreibst, Hohen Neuendorf ist das Weltweit führende Bieneninstitut in Sache Zucht und Varroatolelanz.
    Schon zur DDR Zeiten war das Institut Welweit führend.
    Die zusätzlich aus Westdeutschland gekomenen Wissenschaftler und der Leiter des Institute habe diese Stellung als führendes Forschungszentrum halten und ausbauen können.


    Ich kenne einige Imker(inen), welche das Glück hatten ihre Ausbildung am Institut machen zu können. Sie sind immer noch voll auf begeistert über die Qualität der Ausbildung und den Wissenschaftlichen Stand des Instituts in Hohen Neuendorf.


    Eric

  • Michael schrieb:

    Ich bin sicher, Henry und ich, wir werden die varroatolerante Biene noch erleben.
    Bei Xaver bin ich mir da nicht ganz so sicher, er vergisst ja jetzt schon manchmal seine Brille. :lol::lol::lol:


    Wie alt wilst du werden mein Sohn, diese Frage stelle ich in doppelter Hinsicht. Erstens in Bezug auf deine Frotzeleien über mich :D:D:D und zweitens du wirst doch nicht nach der Erderwärmung , wo manche Wissenschaftler Palmenwachstum im bayerischen Wald, dank des dann herrschenden Klimas voraus sagen und und unsere Heike statt Honig Kokosnüsse verkauft und eine Arbeiterin 16 Tage von der Eiablage bis zum Schlupf braucht, dann hast du deine varroatolerante Biene :D:D:D:D .

  • Michael,
    das hat ihn aber getroffen.
    Ein bisschen mehr Rücksicht auf Gefühle hättest du schon nehmen können.
    Zerstreutheit hat ja nicht immer etwas mit dem Alter zu tun.
    Niederbayern waren auch nie die Schnellsten.


    Sonnige Grüsse


    Margret


  • Hallo Margret,
    nein, das hat ihn nicht getroffen, der Michael weis das auch :D:D:D Das mit den langsamen, sind andere Nationen, ich will aber hier nicht ins Fettnäpfchen treten. Wir Bayern sind fortschrittlich und sind (fast) überall führend, die wenigsten Arbeitslosen, die besten Pisaergebnisse, da gäbe es noch vieles, außerdem sind wir bescheiden, nur wenn wir namentlich genannt werden, müssen wir eben wieder unsere führende Position ins rechte Licht rücken. :D:D:D:D In Bezug Schnelligkeit, ich bin schnell (müde).

  • heute vormittag besuchte ich einen alten Carnicareinzuchter, zu dem ich normalerweise einmal im Jahr hinfahre. Er züchtet seit 50 Jahren Bienen. Er erzählte mir, dass im vorigem Jahr ab Juni auf der Belegstelle immer wieder Königinnen mit gelben Bauchbinden schlüpften. Alle Suchen blieb nach einem Wanderimker blieb erfolglos, bis nach langer Zeit Waldarbeiter sich beim Belegstellenleiter beschwerten, dass die Bienen im gegenüber liegenden Wald weg müssen, da sie sonst den Wald nicht abholzen könnten. Dabei wurde ein Buckfastimker ausfindig gemacht, der da im Schutzgebiet seine Völker in der Waldtracht hatte. Der alte Reinzüchter sagte zu mir, interessehalber habe er und auch sein imkernder Sohn, der auch den Gespräch beiwohnte, solche Königinnen eingeweiselt und er hätte noch nie solche braven Völker mit soviel Honigleistung gehabt. Dabei bemerkte er, das er sein ganzes Leben lang die Lüge geglaubt habe, dass aus einen solchen Rassengemisch Stecher würden. Das war für mich ein total schönes Erlebnis, auf einen Imker, der noch dazu ein Leben lang auf seine Carnica geschworen hatte, zu treffen.