Bienenschwarm im September

  • Hallo Freunde,
    heute durfte ich in Bochum Stadtmitte 500n Luftlinie vom Rathaus einen dicken Schwarm einfangen. ich schätze 8-10l Volumen in einem Lebensbaum. Noch nie habe ich in unserer Ecke von September Schwärmen gehört. Was könnte die Ursache gewesen sein?
    Durch das einfangen ohne Schleier habe ich gleich auf den Besitzer des Lebensbaums und seine Familie solch einen positiven Eindruck hinterlassen das er spontan bereit war Imker zu werden und hat das Volk heute Abend von vorn am Bürgersteig nach hinten in seinen Garten allein per Beute transportiert. Gezähe und 4Zargen und Absperrgitter gekauft, Ameisensäure und 14l Weizenzucker und Futterstation.
    Echt super find ich das.
    Bis bald
    Helmuth

  • Hallo Helmut,


    das es dem Schwarm in seiner alten Beute nicht gefallen hat liegt vermutlich an dem andauernd stechenden Geruch von Ameisensäure oder anderen Unwidrigkeiten.


    Heiko.

  • Hallo Freunde,
    danke für Eure Antworten.
    Hatte den Eindruck auf der nach Hause Weg. das ein nahe gelegener Blumenwiesen Mittelstreifen voll in Blüte die vielleicht Hungrigen näher zu dieser Trachtquelle gezogen haben.
    Nun noch ein paar weitere Fragen: Sollte man das Volk am kommenden Wochenende mit Ameisensäure (Schwammtuch) oder 2%ige Oxalsäurezuckerlösung beträufeln? Würdet Ihr um das volk zu stärken eine auslaufende Brutwabe eines starken Volkes opfern für dieses wie Ihr sagt Hungervolk?
    MfG
    Helmuth

  • Hallo!
    Mir wurde erklärt, dass ein Bienenvolk ohne Brut bei Ameisensäurebehandlung auszieht. Außerdem stellt sich für mich die Frage: Warum den Bienen diese Tortur antun? In diesem Fall kannst Du die Milben mit einer einmaligen Oxalsäurebehandlung (egal ob träufeln oder verdampfen) vernichten ohne große Nebenwirkungen bei den Bienen.
    Bei der AS habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass entweder die Königin die Eiablabe einstellte oder die Bienen die junge Brut ausräumten(da durch die AS geschädigt). Wenn allerdings eine auslaufende Brutwabe zugehängt wird, muss mit der Behandlung gewartet werden bis diese fertig ausgelaufen ist, allerdings noch vor Verdeckelung der neuen Brut behandelt werden.
    Viel Glück mit dem Schwarm!
    lg
    Andreas

  • Moin Helmuth,


    ist der Schwarm nun groß?

    Helmuth Kessen schrieb:

    Hallo Freunde,
    heute durfte ich ... einen dicken Schwarm einfangen. ich schätze 8-10l Volumen


    Oder so klein, daß sich die Frage stellt?

    Helmuth Kessen schrieb:

    Würdet Ihr um das volk zu stärken eine auslaufende Brutwabe eines starken Volkes opfern


    Mal prinzipiell würde ich einen Schwarm nicht verstärken, wenn es ein Fremder ist und wenn andere eigene Völker mit der Brutentnahme belastet würden. Und als nächstes sollte ein Schwarm sofort gegen die Varroa (und einiges Viehzeug mehr) behandelt werden solange er noch ohne Wabenbau ist. Ich denke hier ist Perizin aus der Sprühflasche das Mittel der Wahl. (über OS-Dampf kann ich nichts sagen, wäre aber meine erste Alternative) Mit AS behandelt man keine Schwärme. Das geht schief. Oder würdest Du da einziehen, wo's stinkt. :wink: Wenn man nicht weiß, wie lange der Schwarm schon unterwegs ist, sollte man im Schwarmfangkasten füttern, dünnflüssig, mittig von oben. Egal wie spät im Jahr, einschlagen auf MW an Ort und Stelle und nach Baubegin eventuell in der Mitte Leerwaben zwischen die bestifteten MW geben. Und zügig weiter auffüttern.


    Ganz ehrlich ich will Dir keine zu großen Hoffnungen machen. :cry: War das wirklich ein Hungervolk (gibt's kaum, eher räubern die sich zu tode), dann ist das bestimmt krank oder wenigstens stark angegriffen. Jedenfalls müssen die mitgeflogenen Winterbienen jetzt schon ran, zum Bauen und Brutpflegen und Futter einlagern. Die fehlen dann im nächsten Frühjahr. Drück' die Daumen, aber mach' nicht die Zukunft einer Imkerei davon abhängig. :wink:


    Weitere Ideen zur Ursache:
    - Volk war ein Normaler Schwarm diesen Jahres und wurde später irgendwo vergrähmt.
    - Volk wollte still umweiseln. Dabei ging was schief und die alte brannte mit der ganzen Meute durch.
    - Es ist ein ganz normaler Schwarm (bei mir fliegen auch noch Drohnen)
    Dann ist das ein Beispiel von Schwarmfreude.
    - Ein Imker hat ein richtig großes Volk zu schnell zu stark eingeengt oder beim Auflösen anderer Völker eines mit massig Brut verstärkt und sich dann nicht mehr drumm gekümmert. Enge und Jungbienen gibt immer Schwärme. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Helmuth,


    ich würde den Schwarm mit Milchsäure behandelt ist biologisch man brauch nicht unbedingt Schutzausrüstung für die Behandlung, die Stärke der Milchsäure betragt 15% ,die Bienen gleichmäßig besprühen nicht zu nass die Königin sollte man in einen Lockenwickler mit paar Begleitbienen an den Rand hängen.
    Die Bienen im Schwarmfangkasten am besten behandeln ,wie oben beschrieben die Königin an den Rand hängen.
    Nach einen Tag schlägt man den Schwarm in einen neue Beute am besten auf einer Zarge, jetzt kommt das wichtigste , ich würde an deiner Stelle keine Mittelwände einhängen, dafür ist es jetzt zu spät die Bienen bauen diese Mittelwände nur sehr schlecht aus, würde es kalt bauen die Bienen nichts mehr aus ziehen sich zusammen.
    Die Gefahr ist sehr groß wenn das Wetter umschlägt werden die Bienen untätig und nehmen Futter sehr schlecht an, mit dem Bautrieb ist dann nichts mehr los, das Futter lagern die Bienen auf Mittelwänden sehr unterschiedlich ab, die Gefahr besteht das im Winter die Traube abreißt weil das Futter unterschiedlich abgelagert wurde.
    Mit Mittelwänden würde ich jetzt vorsichtig sein am besten man hängt mehr Waben als Mittelwände ein ,Pollenwaben sind auch sehr wichtig, als Futter ist Apiinvert oder Zuckerwasser im Verhältnis 3:2 3 Kg Zucker und 2 Kg Wasser ergibt eine Lösung von 5 Litern.
    Wenn das Wetter bis ende September hält kann der Schwarm auch noch Mittelwände ausbauen, wie gesagt das Wetter ist dafür wichtig.

  • Hallo Henry,


    Was überzeugt dich so an Perizin?
    Ich frage das, weil so vieles für mich dagegen spricht (Rückstände, Resistenz), und es als Alternative die organischen Säuren gibt.


    Zusatzfrage an alle: Würde ein Volk, das z.B. wegen anhaltend schlechtem Wetter brutfrei ist, bei einer Ameisensäurebehandlung auch ausziehen? Beim Schwarm leuchtet mir das ein, weil der ja noch nicht so sesshaft ist.


    Viele Grüße
    wunderbiene

  • Moin Wunderbiene,


    ich hab' halt damit bislang recht gute Erfahrungen gemacht. Bei Schwärmen wirkt es recht schnell und auf dem Boden der Schwarmfangkiste bleibt noch vor'm Einschlagen schon das ganze Viehzeug liegen. Rückstände gibt es da nur in der Kiste. Ich habe Schwärme noch nie anders behandelt, bis jetzt hat es auch noch immer funktioniert, was nicht so bleiben muß, vielleicht nur weil ich schon seit einiger Zeit die Völker immer im Wechsel mit AS oder Bayvarol und Perizin im Winter behandelt habe. Beim Bayvarol bin ich inzwischen skeptisch und habe zum Test obwohl dieses Jahr ein AS-Jahr ist in zwei Völkern Streifen. Ich bin gespannt.


    Bei AS-Behandlung ziehen die Völker nur dann aus, wenn die Stockluft für sie völlig unerträglich wird. Da hält sie auch keine Brut, denn dann sind die Völker ohnehin brutfrei, weil dann irgendetwas so schief gelaufen ist, daß die Brut ohnehin weitgehend tot ist. (Ich hab' jedenfalls noch nicht erlebt, daß es nach einem Auszug wegen einer AS-Bahandlung noch nennenswert lebende Brut gegeben hätte. Die Jungbienen sterben dann auch sofort nach dem Schlupf oder noch dabei) Brutfreie Völker ordentlich mit AS behandelt ziehen nicht aus. Die Frage ob ein von vornherein brutfreies Volk eher ausziehen würde als eines mit Brut stellt sich so nicht (oder sollte sich so nicht stellen :wink: ), denn wenn die AS wie empfohlen eingesetzt wird, bleiben beide und nur das kann das Ziel sein. Einem Volk mit Brut mehr Dosis oder häufigere Behandlung als empfohlen zuzumuten, weil es ja durch die Brut gebunden ist, finde ich irgendwie fies.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Danke Euch für Eure Beiträge.
    Mehr dazu nach dem kommenden Wochenende, wenn ich wieder nachschauen kann. Ansonsten habe ich zum ersten mal bei einem großen teil meiner Völker vor der AS-Behandlung alle verdeckelten Brutwaben entnommen und Sie mit ansitzenden Bienen in einem 5Zargen hohen Stapel seperat mit Deckel und Flugbrett geparkt im August. Nach 10Tagen habe ich diese auslaufenden Waben durchgesehen und Brutfreie Waben entsorgt. Neue Königinnen waren noch nicht geschlüpft aber kurz davor. so teilte ich diesen Brutableger auf zweimal zwei Zargen so das zwei königinnen je ein Volk bilden sollten.Dann bekam ich noch Ende August zwei begattete Königinnen und ich teite nochmals jetzt auf vier mal eine Zarge.Heute habe ich nachgesehen allen 4 Völker sind die königinnen in Brut auf eine Wabe. Die geschröpften Altvölker sind alle nicht geschwärmt bei der AS Behandlung, sondern machen einen guten Eindruck in den letzten guten Flugtagen.
    MfG
    Helmuth

  • Hallo,


    Michael2 hat geschrieben:

    Zitat

    Zuckerwasser im Verhältnis 3:2 3 Kg Zucker und 2 Kg Wasser ergibt eine Lösung von 5 Litern


    Leider stimmt Deine Rechnung nicht. 3kg Zucker und 2 kg Wasser ergibt zwar 5 kg Zuckerlösung, das sind aber keinesfalls 5 Liter! Zuckerwasser im Verhältnis 3:2 hat ungefähr ein spezifisches Gewicht von 1,33.


    Sorry für meine Kleinkarriertheit... :)



    Gruß
    Franz

  • Bei einem Schwarm im September sollte man auch an eine andere schwere Krankheit denken und entsprechend vorbeugen: Die Amerikanische Faulbrut ist nur über eine dreitägige Hungerkur im kühlen und dunklen Keller auszuschalten. Also nicht sofort einschlagen und füttern, sondern den Schwarm zwingen, sein mitgebrachtes Futter zu verbrauchen, dann sofort flüssig füttern und anschließend einschlagen.


    Vielleicht melden sich zu diesem Problem noch unsere Fachleute im Forum.


    Fraglich ist für mich, ob der Schwarm überhaupt genügend Winterbienen im Gepäck hat. Der muß möglicherweise noch kräftig brüten.


    Viele Grüße
    Christoph

  • Moin Christoph,


    wenn man nicht weiß, wie lange ein Schwarm schon unterwegs ist, ist das sehr riskant ihn nicht zu füttern. Da die Bienen das Futter untereinander verteilen sieht ein Schwarm der hungert bis zu letzt ganz gut aus. Dann geht plötzlich das Sterben los und Bienen fallen auf den Boden und bleiben dort liegen. Wenn man den Moment erwischt, weil man alle paar Stunden nachsieht, kann man den sicher das Futter verbrauchen lassen und dann sofort dünnflüssig füttern. Es sind auch schon gefangene Schwärme von heute auf morgen verhungert und das ist nicht nur kein schöner Anblick, das ist Tierquälerei. Wenn man sich wegen Krankheiten Sorgen macht, dann soll man Fremde Schwärme konsequent abschwefeln oder die Aufwändige Sanierung mit zweimaligem Einschlagen machen.

    Zitat

    Fraglich ist für mich, ob der Schwarm überhaupt genügend Winterbienen im Gepäck hat. Der muß möglicherweise noch kräftig brüten.

    Selbst wenn es genügend Winterbienen wären, würden die jetzt beim Neuaufbau des Stockes vorzeitig verbraucht und dann sind es halt keine Winterbienen mehr.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder