Haftung für Unterlassen der Behandlung?

  • Liebe Imker,


    haftet nach Eurer Meinung ein Imker, der die Behandlung seiner Völker gegen die Varroa unterläßt, für Schäden, die seinen Nachbarimkern durch Reinvasion entstehen?


    Wenn ja, haftet er auch dann, wenn er ungeignete Behandlungsmethoden einsetzt oder an sich geeignete Methoden zur falschen Zeit einsetzt?


    Geht die Haftung, so sie denn besteht, auf den Anbieter einer nicht geeigneten Behandlungsmethode über, wenn der Anbieter die Wirksamkeit seiner Methode oder seines Produktes verspricht, diese aber nicht eintritt?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • .., Henry,


    wie willst du beweisen, daß es Varroen von ihm waren??? :o


    Bei Anwenderfehlern den Hersteller haftbar zu machen, geht nicht.
    Außerdem wird bei keinem der angebotenen Mittel versprochen, daß es volle Wirkung bringt, so blöd ist kein Hersteller.


    Und, ganz nebenbei, wie willst du Re-Invasion beweisen?
    Wenn jemand, sagen wir OS bei gedeckelter Brut angewendet hat, und nicht weiß, daß sie nicht in den Zellen wirkt, und denkt, er ist jetzt varroafrei, wird er vier Wochen später doch wahrscheinlich lauthals "Re-Invasion" schreien , obwohl es immer noch seine eigenen Varroen sind....


    Du mußt nicht glauben, daß alle Imker alle Methoden so gut kennen wie du :wink: 
    Wie ist sonst zu erklären, daß BayvarolStrips das ganze Jahr drinbleiben oder mit auch mit Perizin ganzjährig gearbeitet wird oder auch AS von April bis September durchgehend reingehauen wird???
    Da herrscht allzuoft noch eine "viel hilft viel" Mentalität...


    Wie kommst du denn eigentlich auf diese Fragen?*neugierig-guck*

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hm,


    es wird wohl immer Leute geben die versuchen sich ihr Hobby (oder sonstiges) durch Mängelrügen oder Haarspaltereien von anderen finanzieren zu lassen. Gibts wohl nur in Deutschland !?


    Gruß
    Matthias

  • Moin Matthias,


    so ist das nicht gemeint. Es geht mir wirklich um die grundlegende Frage. Und ganz nebenbei könnte der reinfizierte Bienenstand ja auch ein Stand eines Berufsimkers sein. (Ich weiß auch, daß, wenn ein Deutscher verunfallt die erste Frage nicht ist, wie komme ich ins Krankenhaus, sondern welches Amtsgericht ist zuständig :roll: )


    Ich ziele mit meiner Fragekette eher darauf, daß es ja eine Reihe von Experimenten und angeblichen Lösungen für das Varroaproblem gibt und viele Anbieter die Wirksamkeit versprechen. Diese Anbieter, und das sind durchaus auch Hersteller von Verdampfern also nicht nur Bestrahler und Teemischer, wären in der glücklichen Lage, Luftblasen verkaufen zu können, wenn nicht von Seiten anderer Imker ein gewisser Druck auch auf den Anwender aufgebaut werden kann.


    Soweit ich weiß, besteht bei der Varroa Melde- und Behandlungspflicht. Von der Meldepflicht wird nur abgesehen, weil de fakto jedes Bienenvolk als befallen angesehen wird. Bei der Behandlungspflicht ging man zumindest bislang immer vom Eigeninteresse des Imkers aus und hat daher informiert und weniger oder garnicht kontrolliert. Rein juristisch unterscheidet sich die Varroatose aber nicht von der Faulbrut und dort wird vorgeschriebenerweise die Behandlung und deren Erfolg kontrolliert. Und im Faulbrutfall gibt es tatsächlich Schadenersatzhaftung und das sogar für unwissentliches Verbreiten der Seuche.


    Auch ist es bei der aktuellen relativ dünnen Bienestandsdichte nicht so schwer, wie immer wieder dargestellt, einen Milbenemitenten auszumachen und auch einen Amtsrichter davon zu überzeugen, wo die Milben herkommen. Bei Faulbrut reicht das Anwandern mit infizierten Völkern aus, obwohl theoretisch auch andere Faulbrutvölker unerkannt ebenfalls angewandert sein könnten. Daher denke ich, daß alle Imker eines Gebietes, die anerkannte Methoden kontrolliert erfolgreich anwenden, durchaus ein Gericht überzeugen können, daß sie untereinander nicht die Quelle erneuter Invasion sein können. Aus dieser Tatsache und der Erkenntnis, daß Schwärme in nicht ausreichender Anzahl in der Natur überleben können, läßt sich schon Ableiten, wer die Milben freisetzt. Das dürfte dann auch problemlos gutachterlich untersetzt werden können. Ich will mich garnicht an der Frage der Festsetzung der Schadenshöhe verbeißen. Mir geht es nur darum, ob überhaupt ein Schadensersatz- oder auch ein Unterlassungsanspruch besteht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    die überprüfbare Wirksamkeit von Produkten ist schon interessant, und wurde z.T. von Instituten bereits durchgeführt und in den Bienenzeitschriften veröffentlicht.
    Sehr hilfreich überhaupt wäre ein Bienenkataster in dem alle regionalen Bienenstände/völker eingezeichnet wären. Auf Deinem "Klageweg" könne man letztendlich vielleicht (??) eine zeitgleiche Behandlung aller Völker erzielen.


    Gruß
    Matthias

  • Hallo,


    Ich dachte diese Meldepflicht besteht längst. :o :roll: .
    Jedenfalls werden hier beim örtlichen Verein die Völker und ihre Standplätze jedes Jahr abgefragt.
    Ich bin davon ausgegangen, daß das Pflicht ist, damit man im Falle von AFB die umliegenden Völker überprüfen und nötigenfalls Maßnahmen treffen kann.
    Genauso wie ich dachte, daß für Wanderungen ein Gesundheitszeugnis Pflicht ist.
    Leider gibt es hier in der Gegend immer wieder AFB. Und deshalb halte ich viel von solchen Pflichten.


    Viele Grüße
    wunderbiene

  • Wunderbiene schrieb:

    Leider gibt es hier in der Gegend immer wieder AFB. Und deshalb halte ich viel von solchen Pflichten.


    Viele Grüße
    wunderbiene


    Hallo Wunderbiene!


    Wie wird denn bei Dir die AFB entdeckt ? Wie wird die Seuchenfreiheitsbescheinigung erlangt ? Werden denn auch alle Völker im Verein untersucht ? Wie ist es mit den Völkern deren Imker nicht organisiert sind. Und wie ist das in anderen Gegenden von Deutschland ?


    Gruß M.

  • Hallo Murphy,


    Obwohl ich nicht genau weiß, wie ernst ich deine Fragen nehmen soll....


    Wie wird denn bei Dir die AFB entdeckt ? Bis jetzt glücklicherweise nicht passiert. Aber im Fall des Falles: Untersuchung der Futterkranzproben, alle meine Völker, jedes Jahr. Sollte ich an meinen Bienen irgendetwas feststellen, was auf eine Krankheit wie AFB deutet, hole ich den Seuchenwart unseres Vereins dazu, sicher ist sicher.
    Wie wird die Seuchenfreiheitsbescheinigung erlangt? - Siehe oben! Werden denn auch alle Völker im Verein untersucht ? - Wenn es der Besitzer der Völker veranlaßt.
    Wie ist es mit den Völkern deren Imker nicht organisiert sind. - Weiß ich nicht.
    Und wie ist das in anderen Gegenden von Deutschland ? - Das wollte ich gerne wissen.


    Viele Grüße
    wunderbiene

  • Hallo Wunderbiene,


    meine Fragen kannst >DU< schon ernst nehemen.


    Aber das was du schreibst ist doch das Problem am ganzen. Jeder Imker der nicht wandert muss auch nicht untersuchen lassen. Wie soll man also die AFB bekämpfen ? Wieviele Imker gibt es, die das nicht einmal erkennen würden ?


    Wenn viele Faulbrutfälle auftreten, ist das ein Erfolg guter Untersuchungsmethoden ? Die Frage kann man natürlich auch andersrum stellen.


    Es soll auch die Begutachtung durch Seuchensachverständige des Vereins geben im Gegensatz zu der Futterkranzprobe. Die sitzen dann in der Versammlung uns sagen solche Dinge: Nee,nee das mit dem umlarven mach ich nicht mehr, ich kann die Stifte selbst mit Brille nicht mehr sehen. Da kann sich jeder selbst seinen eigenen Reim darauf machen, wie die Unterschrift unter manche Faulbrutuntersuchung kommt.


    Solange das nicht verbindlich geregelt wird, wird die AFB auch kaum ausgemerzt.


    Gruß
    m.

  • Ich lasse wegen des Verkaufs mit Gesundheitszeugnis jedes Frühjahr jemand vom Veterinäramt kommen...
    Kostet zwar Geld, betrachte ich aber als gut angelegt.
    Auf jeden Fall ist der gute Mann fachkundiger und fitter als die Herren vom Verein, er ist ja auch erst 35....*ggg*..und kann noch sehr gut ohne Brille gucken.


    Und Futterkranzproben ziehe ich trotzdem noch....
    In solchen Sachen tendiere ich zu Hosenträgern UND Gürtel.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • v

    Murphy schrieb:

    Jeder Imker der nicht wandert muss auch nicht
    untersuchen lassen.

    Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Ich
    wandere derzeit nicht und mußte bzw. wollte meine Bienen einer
    AFB-Untersuchung unterziehen... Da in meinem Standortgebiet im
    vergangenen Jahr AFB aufgetreten ist, wurden auch meine Bienen, obwohl
    ich nicht vereinsmäßig organisiert bin, aber sehr wohl bei der
    Tierseuchenkasse registriert bin, auf AFB untersucht.
    Ich denke, wer seiner Pflicht nachkommt und seinen Bienenbestand der
    Tierseuchenkasse meldet, der wird auch erfasst und eine Bekämpfung der
    AFB ist somit gut möglich.


    Hartmut

  • Guten Morgen,


    ich weiß nicht, wie es in anderen Bundesländern ist, aber in NRW und NDS muß man seine Standorte sowieso beim Veterinäramt angeben.
    Im Seuchenfall wissen die dann schon sehr genau, wer wieviel wo stehen hat...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Forum,


    Sabine schrieb:

    Zitat

    ich weiß nicht, wie es in anderen Bundesländern ist, aber in NRW und NDS muß man seine Standorte sowieso beim Veterinäramt angeben.


    Bei uns hier interessiert das keine Sau. :evil: 
    Es gab mal vor ca. 7-8 Jahren einen Versuch, ein Kataster einzurichten, aber das wars dann auch.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-