Wie wirkt eigentlich die Ameisensäure auf Varroa destructor?

  • Hallo,


    ich habe meine 12 Völker nun 3 Wochen lang mit Ameisensäure 60% ad.Vet behandelt. Für meine 2 Zargigen Segeberger jeweils 2 Nassenheider. Immer schön nachgefüllt, so dass pro Volk ca. 450ml verdampft sind. Nun erstmal das erfreuliche: viel Brut und keine Bienenbärte vor den Beuten. Nun das weniger erfreuliche, ich gehe gerade so an den Beuten lang, da fallen mir 2 scheinbar sehr junge Drohnen auf dem Flugbrett auf, da die Drohnenschlacht eigentlich schon fast vorbei ist. Nehme mir die beiden und schau sie mir genauer an. Jede jeweils eine schön ausgewachsenen rotbraune Milbe !


    Da frag ich mich doch, wie wirkt eigentlich Ameisensäure auf die Milbe??
    Ein Imkerkollege sagt, er hätte früher gelernt, dass die Ameisensäure die Milben nur betäubt. Sie wohl abfallen, aber wieder nach oben klettern. Daher mussten sie eine gefettete Unterlage verwenden.


    Heute heisst es die Ameisensäure wirkt schon in den Brutzellen. Aber bitte wie? Also beim Googeln bin ich nicht schlauer geworden, und vielleicht zu doof um die richtigen Suchbegriffe hier im Forum einzugeben. Da stand auch nichts bei.


    Gruß


    Frank

  • Nothobranchius schrieb:

    Immer schön nachgefüllt, so dass pro Volk ca. 450ml verdampft sind. Nun erstmal das erfreuliche: viel Brut und keine Bienenbärte vor den Beuten. Nun das weniger erfreuliche, ich gehe gerade so an den Beuten lang, da fallen mir 2 scheinbar sehr junge Drohnen auf dem Flugbrett auf, da die Drohnenschlacht eigentlich schon fast vorbei ist. Nehme mir die beiden und schau sie mir genauer an. Jede jeweils eine schön ausgewachsenen rotbraune Milbe !
    Frank


    Hallo Frank,
    wie kannst du 450 ml, ich musste den Wert ein paar mal lesen um es zu glauben, um diese Zeit verdampfen? Bei dir möchte ich absolut keine Biene sein! Ich habe immer die Methode mit dem Schwammtuch benutzt, dabei bin ich von einer zweizargigen Beutenbetriebsweise von einer dreimaligen Behandlung mit jeweils 50 ml 65%iger AS ausgegangen. Sie dir mal die Werte unter http://www.uni-hohenheim.de an, dann hast du einen ungefähren Anhaltswert was man an AS-Säure vor der Auffütterung verdampft.

  • Hallo Frank,


    AS wirkt auch in der verdeckelten Brut, das ist sicher.
    Man nimmt an, dass sie den Varroen die Trachealöffnungen verätzt.Der dickere Chitinpanzer der Bienen schützt sie etwas vor den aggressiven Dämpfen, aber die Bienenbrut, die ja noch keinen Panzer hat, ist sehr stark gefährdet.
    Von wegen Drohnen:
    Die müssen ja nicht von dir gewesen sein.
    Wenn Du mal ein Volk öffnest, siehst Du ja, ob Varroen auf den Bienen zu sehen sind oder nicht.
    Es stimmt, dass Varroen von der AS nicht gleich getötet werden; viele lassen sich beim Herannahen der Dämpfe von ihrem Wirtstier fallen.
    Wenn du aber offene Gitterböden benutzt, fallen sie ins Gras unter die Beuten und die Ameisen freuen sich.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • @ Honigmayerhof.
    Auch mir erschien es etwas viel. Ich habe im letzten Jahr 200ml pro Volk zu Beginnn der Auffütterung verdunstet. Die waren nach ca. 1,5 Wochen durch.
    Nun hat mir unser Vorsitzender die Empfehlung gegeben, mindestens 4 Wochen kontinuierlich Ameisensäure verdunsten zu lassen. Da kommen die 450ml halt in 3 Wochen zusammen. Habe natürlich in die Völker geschaut. Die Brut entwickelt sich völlig normal, es sind genug frische Stifte da, alles sehr ruhig in den Kästen. Nun mag es daran liegen, dass das Wetter im Moment sehr wechselhaft ist und durch die Temperaturschwankungen auch unterschiedlich Säure verdampft. Aber wie gesagt, Bienenbärte oder Heulen ist nicht zu beobachten. Von daher hoffe ich doch, dass es meinen kleinen Bienchen recht gut bei mir geht 8)
    Zudem habe ich schon über die Hälfte eingefüttert.


    Michael , das mit den Verätzungen war für mich auch das einzige plausible. Jedoch gibt es mir zu denken. Einige meiner Königinnen machen nun die 2.te Ameisensäurebehandlung mit, will mal nicht hoffen, dass sich die Schädigungen addieren. Zur Sicherheit nehme ich 5 begatte Königinnen in Kleinstablegern mit über den Winter.


    Was mich natürlich etwas stutzen lässt ist eine Aussage eines Imkers aus dem Landesverband, der meinte, dass nach der Ameisensäure an einem Volk 4000 Varroen gefallen währen. (Er wertet die Varroenanzahl ü ber den Scanner am PC aus und schickt die Daten nach Mayen). Mein Varroenfall beschränkt sich auf einzelen Milben, höchstens 40 Stück gesammt (3Wochen). Ich habe aber nur unter 2 Völkern Varroagitter und außerdem letztes Jahr sowohl mit Ameisensäure wie auch mit Milchsäure und im Dezember noch mit Bienenwohl behandelt.


    Gruß


    Frank

  • Michael schrieb:

    Wenn du aber offene Gitterböden benutzt, fallen sie ins Gras unter die Beuten und die Ameisen freuen sich.

    Hallo, Michael,


    kann man denn AS mit offenen Gitterböden wirksam verdunsten? Das wäre für mich sehr praktisch, da ich eine Beute von Wagner ohne Varroaschieber habe, da der seinerzeit nicht lieferbar war. Bisher dachte ich immer, der Boden muß für die Zeit, in der der Dispenser oben auf den Rahmen steht, zu sein, damit die Konzentration hoch genug bleibt.


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes,


    da ich mit Dispensern, jedweder Couleur, keine guten Erfahrungen gemacht hatte, benutze ich wieder mein gutes altes Schwammtuch.
    Und da mache ich die Bodenschieber frühestens nach 8 Stunden rein.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Frank,


    Es ist immer schwierig Ratschläge zu geben, besonders in der Imkerei.
    Einerseits will man den Anfänger oder Betroffenen nicht verschrecken,
    beleidigen oder bloßstellen, andererseits will man doch eine Hilfe anbieten.
    Ich habe über viele Jahre die AS angewendet und kam mit ihr sehr gut
    zurecht. Henry hat schon so eine schöne Aufstellung gemacht, die eigentlich sehr gut dies alles beschreibt, aber trotzdem will ich noch ein paar wichtige Anmerkungen dazu machen. Ich halte es mit Michaels These, das gute alte Schwammtuch erfüllt seinen Zweck genauso gut wie die Verdunster, dafür habe ich ja meinen Verstand um die Aussentemperaturen bei der Schwammtuchmethode zu beachten, das ist der wichtigste Punkt neben der Beachtung der ein - oder zweizargigen Beute, die mir die Behandlungsmenge je nach Volksstärke, vorschreibt. Ein zweizargiges Volk bekommt 50 ml ein einzargiges Volk 30 ml gut gekühlter, nicht gefrorener AS Säure und das 2 - 3 mal im Abstand von jeweils 5 Tagen. Ich behandele nicht mit dem Schwammtuch, wenn es am Abend mehr als 20 Grad Aussentemperatur hat. Die Verdunster kosten doch nur Geld und dann muss oft noch ein Rähmchen entfernt werden, bei einzargig oft ein Problem aus Platzgründen. Das ist alles was der Imker im Grunde wissen muss. Aber hier noch ein paar
    Hintergrundgedanken zur Varroabekäpfung. Ich bekämpfe unmittelbar nach der Abschleuderung, meistens M. Juli, da zählt jeder Tag um den Varroadruck zu mindern. Manche meinen, Sie müssen da jede Varroa erwischen, es heißt ausdrücklich, bei dieser Varroabekämpfung soll nur der größte Varroadruck von den Völkern genommen und wenn da das gute alte Schwammtuch 2 -3 mal angewendet, das sogar in die Brut hilft, dann wüsste ich es auch nicht mehr. Die Restentmilbung erfolgt sowieso nur in der brutlosen Zeit November / Dezember. Nach 10 -15 Tagen ist diese Maßnahme vorbei und jetzt im August sollen die Winterbienen ohne dauernden, brutschädigenden AS Dunst erzeugt werden, da kann ich nicht mit der As Säure immer wieder Brutschäden verursachen, was ja eindeutig durch die Bieneninstitute bewiesen ist, dass die AS Säure Brutschäden verursacht, ob du dies selbst so feststellen kannst, wage ich zu bezweifeln. In einem Fall Frank wirkt die AS sicher nicht, wenn man nebenher auffüttert oder offenes Futter in den Waben hat, dann wird die As Säure gebunden. Nach der Auffütterung so Mitte bis Ende September kann (könnte) man nochmal mit der Medizinflasche 250 ml AS Säure 85% verdampfen, was in ca. 10 Tagen vorbei sein sollte. Einschiebladen bei den Segebergern raus oder bei anderen Beuten, die hintere Abdeckung des hohen Boden raus, damit die Bienen baldmöglichst aus der Brut gehen. Bei der OS Bedampfung kann man im Oktober nochmal bedampfen, aber OS oder Bienenwohl darf auf keinen Fall zweimal auf die Winterbienen aufgebracht werden. Die Restentmilbung erfolgt dann in der brutlosen Zeit November / Dezember. Wenn man aber bedenkt, was das alles an Arbeit ist, gibt es bienenschonendere, einfachere Methoden, so z.B. die Tymolschälchen, oder das 3 malige Beträufeln von Bienenwohl, oder die 3 malige OS Verdampfung. Wichtig ist nach den neuesten Erkenntnissen der Bieneninstitute eine sofortige Behandlungsaufnahme nach der Abschleuderung. Wenn man weiß, dass sich die Varroapopulation in einem Monat verdoppelt, dann ist jedem wahrscheinlich klar dass es ein großer Vorteil ist, wenn ich statt M. August schon M Juli mit der Behandlung beginne um den Varrodruck zu brechen, dabei muss ich nicht mit der Brechstange (4 Wochen Dauerbegasung) die Varroa auszurotten. Die m.E. wichtigste Behandlung sit die in der brutlosen Zeit, hier entscheidet sich meistens schon die Varroapopulation von nächsten Herbst, denn wenn ich hier einen Behandlungserfolg wie bei der OS Verdampfung von >98 % erziele, habe ich auch in nächsten Jahr bis zur Abschleuderung keine Probleme.
    Habe ich noch etwas vergessen?