Futter oder Brut...?


  • Liebes Forum,


    ich bin neu hier (gerade heute erst im Forum angemeldet - dies ist mein erster Beitrag) und auch neu als Imker.


    Zur Vorgeschichte: Habe vor 6 Wochen einen Ableger auf 3 Waben erhalten (Zander), dieser Ableger war Bestandteil eines Anfängerkurses, den ich am Anfang dieses Jahres absolvierte.


    Innerhalb der ersten 2 Wochen tat sich eigentlich nix... Ich machte jeden Tag Fluglochbeobachtung, schaute (selbstverständlich, wie das sicher alle Anfänger tun) täglich einmal in die Beute und stellte keine Veränderung fest.


    Da gab mir ein befreundeter Imker den Hinweis, ich müsse füttern. Also kaufte ich 2 kg Zucker, den ich mit etwas Wasser zu einem dicken Brei anrührte und mittels Locheimer in einer zweiten Zarge gab. Es dauerte etwas mehr als eine Woche, da war der Eimer leer. Also tat sich doch etwas...!


    Einmal konnte ich feststellen, daß Bienen Zuckerstückchen aus dem Flugloch hinaustrugen und ich dachte an Räuberei. Als ich unten die weiße Plastikschublade zog, bemerkte ich, daß sich darauf der größte Teil des Zuckers wiederfand...


    Dann las ich irgendwo im Internet, daß man die Schublade entfernen solle, wenn nicht behandelt wird, sodaß der Gitterboden frei sei. Dies machte ich dann. Jetzt stellte ich Veränderung fest (nach gut 4 Wochen): Es flogen mehr Bienen als die gesamte Zeit davor! Das freute den Anfänger.


    Nun kam die nächste Praxislektion des Imkerseminares und ich trug dort meine Beobachtungen vor. Ich wurde belehrt, ich hätte gleich mehrere Fehler gemacht:
    1.) Man hätte vom ersten Tage an füttern sollen und nicht erst nach Wochen!
    2.) Man hätte flüssig füttern sollen und nicht in fester Form!
    3.) Man müsse Ableger in der ersten Zarge unten füttern (mittels Tetrapack beispielsweise) und nicht mittels Futtereimer oberhalb!
    4.) Man hätte das Flugloch klein machen sollen und nicht groß!


    So, nun hatte ich erstmal mein "Fett" weg...!


    Noch am gleichen Abend machte ich alle Fehler rückgängig. Und siehe-da: Seitdem entwickelt sich der Ableger prächtig! Alle paar Tage ist eine neue Mittelwand ausgebaut, stets kommen neue Bienen zum Vorschein (auch viele größere Bienen gesichtet, sind das nun schon Winterbienen?), täglich nehmen sie nun 1 Liter Flüssigfutter ab usw. Aus dem 3-Wabenvolk ist nun in ganz kurzer Zeit eines geworden, welches 8 (von vorhandenen 11) Wabengassen besetzt.


    Nur: Das zuletzt entdeckte Brutnest ist nur noch winzigklein (kaum handtellergroß), weil alle vorhandenen ausgebauten Waben mit Nahrung vollgetragen sind, also kein Platz zum Eierlegen mehr vorhanden ist.


    Wieder befragte ich den befreundeten Imkerkollegen: Er riet mir, nicht so viel zu füttern und erstmal wieder eine Fütterpause zu machen, was ich sogleich tat, weil es mir ja auch einleuchtete.


    Meine Probleme sind nun folgende:
    1.) Wie kriege ich den Anfängerableger auf Überwinterungsstärke, ohne weiter zu füttern?
    2.) Wie kriege ich das eingetragene Futter nun wieder heraus, sodaß die Königin wieder Platz zum Legen findet?
    3.) Wie rege ich die Bienen zum Wachsbau an, ohne zu füttern? Als Anfänger habe ich ja keine ausgebauten Waben, in welche die Königin legen könnte, sondern nur eine Packung Mittelwände?
    4.) Wie kriege ich die Königin zum Legen? Muß ich abwarten, bis die Bienen wieder einiges an Futter weggefressen haben, damit wieder neuer Platz ist?
    5.) Verstehen die Herren Imker überhaupt meine (wahrscheinlich typischen) Anfängersorgen?


    Nun bin ich mal gespannt, was ich hier bald lesen werde.
    Auf viele Tips freut sich
    Aapis.
    ====

  • Hallo Aapis,


    zu deinem Einstand als Neuimker ein herzliches Willkommen im Forum! Die 'Anfängerfehler', die du gemacht hast, haben bestimmt alle anderen Imker auch gemacht.


    In der Regel lernt man ja eben aus diesen Fehlern, denn in der heutigen modernen Zeit fehlt dem Menschen das instinktive Gespür für die Natur. Guido (auch aus diesem Forum) sagte mir einmal einen wichtigen Satz: 'Lerne von den Bienen!'.



    Zu deinen Fragen zum Ableger:


    1) Im August / September haben Ableger ihren Entwicklungshöhepunkt. Also kann es sein, daß durch das fehlende Futter ein Brutstopp eingetreten ist, der jetzt schnellstmöglichst von den Bienen wieder aufgeholt wird. Ich würde in Ruhe abwarten, wie sich die Volksstärke bis Ende Spetember entwickelt. Es reicht, Ableger auf 1 Zarge á 11 Rähmchen zu überwintern. Die 2 Zargen sind zu viel, dadurch geht zu viel Wärme verloren. Aus demselben Grund werden schwache Völker vor der Auffütterung von zwei auf eine Zarge eingeengt!
    Zu prüfen ist allerdings, ob genügend Pollen vorhanden sind (brauchen die Bienen für die Brut), evtl. muß mit Nektapoll Pollen zugeführt werden. In dieser Sache sollten die Profis aus dem Forum etwas dazu sagen...



    2) Abwarten! Die Bienen tragen das Futter um bzw. verfüttern und essen es selbst nach und nach. 3-4 Brutwaben in der Mitte dürften angemessen sein, damit die Königin Winterbienen erzeugen kann... Andere Möglichkeit: du leihst dir von deinem Imkerpaten einmal bebrütete Leerwaben (Wichtig!!! auf Jungfernwaben [wo vorher nur der Honig drin war], brütet die Königin i.d.R. nicht) die du dann gegen die zu vielen Futterwaben austauschst. Habe Ende Juli selbst einen Ableger überfüttert. Jetzt, Mitte August, war das zu viele Futter wieder verbraucht...


    3) Dazu kann ich nichts sagen - da soll einer der Profis ran! Was ich versuchen würde: eine Futterwabe ziehen und gegen eine Mittelwand austauschen.


    4) siehe unter Punkt 2) Schaff Legeplatz für die Königin durch Mittelwände bzw. einmal bebrütete Leerwaben!


    5) Oh, durchaus! Du hast ja genau das gemacht, was wohl jeder Anfänger tun würde: seine Lieblinge am Anfang mißtrauisch sich selbst überlassen, und wenn es nicht so läuft, werden sie mit Futter regelrecht verhätschelt, und dabei wird - wie immer - alles viel zu gut gemeint...


    Ich würde die tägliche Kontrolle der Bienen etwas reduzieren. Der fortlaufende Streß für die Königin könnte sich in einem Legestopp bemerkbar machen, von dem die Königin i.d.R. 3 Tage braucht um sich zu erholen.


    Mein Tipp: schau nur einmal in der Woche rein, das reicht vollkommen aus, um evtl. Fehler noch zu beheben und deine Bienen entwickeln sich in Ruhe viel besser!





    [/u]

    Viele liebe Grüße aus dem Saarland!
    Kai Kopmeier
    __________________________


    Das Staunen ist eine
    Sehnsucht nach Wissen!

  • Hallo, Aapis,


    1. nimm volle Futterwaben neben dem Brutnest raus und häng Mittelwände ein.
    2. wenn du weiter fütterst, aber nicht 1 l täglich, ein viertel Liter reicht auch, bauen sie weiter.
    3.Sind auf den Waben deutlich erkennbare Stellen mit Pollen?
    Wenn nicht, kauf dir ein Paket Neopoll, schneid es auf und leg es ihnen unten rein.
    Ohne Pollen keine Brut und draußen wird es allmählich knapp.Andere Möglichkeit: einen Teil davon flach ausrollen und oben auf die Rähmchen legen; mache ich aber nicht so gern wg. Nachgucken.
    4. Wenn du vom Nachbarn ausgebaute und bebrütete Waben leihen kannst, ist das noch besser, dann häng die anstelle von Mittelwänden rein. Dann müßte die Königin richtig loslegen.
    5.Auch die "Damen" Imkerinnen verstehen deine Sorgen :wink: 
    6. Was war das für ein Kurs, wenn du danach nicht mal richtig wußtest, wie man den Ableger zu pflegen hat? :evil: 
    Und genau diese deine Fragen sollten von dem Kurs bereits im voraus beantwortet sein; zumindest solltest du dort imkerliches Grundwissen erworben haben.


    Aber keine Hemmungen, hier weiter zu fragen, bitte!
    Genau dafür sind wir hier da :D 
    Und, es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten! :wink: 
    Wir freuen uns darauf, weiter von dir zu hören!


    P.S.: Guck nicht so oft rein, auch wenn's schwerfällt! Sie kommen besser zurecht, wenn man sie nicht so oft stört.. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Aapis,


    viel ist schon geschrieben worden und dem meisten kann ich mich auch anschließen. Nur mit der Überwinterung auf einer Zarge hab'ch meine Probleme. Wenn Du warmhaltige Beuten hast und offene Böden, dann ist die ideale Überwinterung die auf zwei Zargen.


    Ich will das auch ganz kurz begründen:
    1. Bienen bewegen sich im Winter in den Wabengassen leichter nach oben als sie Waben umlaufen, um die nächste Gasse zu erreichen.
    2. Bienen, die sich in einer Zarge aus der Mitte herraus nach rechts fressen können irgendwann das verbliebene Futter links nicht mehr erreichen, weil nur Leerwaben dazwischen sind.
    3. Wachsen die Völker im Herbst doch noch stärker als erwartet, drückt das die Bienen nach unten in die Bodengitternähe. Dann ist der positive Effekt des offenen Bodens dahin. Wohin sollten sich die Bienen auch zurückziehen, wenn die Kiste voll ist.
    4. Einen Ableger auf zwei Zargen kann man nicht überfüttern, weil immer genug Platz da ist. Da verhonigt auch das Brutnest nicht.
    5. Du mußt im Frühjahr erts viel später eingreifen, weil die Völker genug Raum und Futter haben, um erst mal machen zu können wie sie wollen.
    6. Wenn Viehzeug in die Beute kommt, überleben die oben hängenden Bienen das sogar über einem Mäusenest. Und nun stell Dir das in nur einer Zarge vor.
    7. Totenfall und Bodengemüll sind weiter von den Bienen entfernt und deutlich kälter als in nur einer Zarge. (Ich überwintere auf 3 Zargen, wobei die untere als Kletterzarge fast leer bleibt)
    .
    .
    .


    Deshalb und auch weil Deine eine Zarge ohnehin verhonigt ist, die Bienen aber noch bauen würde ich ganz knallhart eine komplette Zarge MW untersetzen und ganz langsam weiterfüttern. Es ist noch genug Zeit und was sie in diesem Jahr nicht mehr ausbauen, machen die dann eben im nächsten. Wenn Du Dir Waben leihen kannst, dann setz' die auch einfach unter das jetztige Brutnest und fülle rechts und links mit MW oder eben auch Leerwaben auf. Je bebrüteter desto mittiger. :wink:


    Und sieh' wirklich nicht so oft rein oder leg' Dir wenigstens 'ne Plexiglasplatte drauf.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Aapis,


    Ich habe selbst einen Kurs gemacht, aber ohne meine beiden (welch unverschämter Luxus!) Imkerpaten, die imkerlich eng befreundet sind, und die ich jederzeit fragen darf, bei denen ich auf den Ständen mitlaufen und mitarbeiten darf, wäre ich überfordert (gewesen).
    Sie schauen auch mit auf meinen Stand (Rat und Tat), wenn ich es möchte. Und sie machen`s gerne, auch weil ich meine ersten Völker von dem einen gekauft habe, und deren Königinnen aus Weiselzellen vom anderen stammen.....


    Also: Heißer Tip, schon oft und oft hier gelesen: Such Dir einen Paten! In 20 Völker (oder noch mehr) gucken bringt mehr, als nur in die eigenen zwei.
    Und fragen fragen fragen....


    Übrigens hat uns der Kurslehrer zum Abschied noch seine private Telefonnummer gegeben, damit wir ihn bei Problemen immer erreichen können.


    Viele Grüße
    wunderbiene


    p.s.: Ich weiß, wie gut ich es habe!
     :)

  • Hallo, Aapis,


    was mir heute im Laufe des Tages noch so einfiel: hast du das Flugloch kleiner gemacht???
    Wenn nicht, könnten deine "stets kommen neue Bienen zum Vorschein (auch viele größere Bienen gesichtet, sind das nun schon Winterbienen?)," auch Räuber sein... :cry: 
    Wenn nämlich das Brutnest tatsächlich nur knapp handtellergroß ist, wo sollen dann die vielen Bienen herkommen? :o
    Und nach vier Wochen reger Brut dürften auch noch nicht allzu viele Flugbienen dasein, sondern eher Stockbienen *denk*


    Bitte erzähl doch noch was von deinen Beobachtungen, so auf Entfernung ist es ziemlich schwierig, was dazu zu sagen...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • Liebes Forum,


    vielen Dank für die schnellen und ausführlichen Antworten, auf die ich gerne noch etwas eingehen möchte.




    @ Kopmeier:


    OK, ich muß Geduld üben und einfach etwas abwarten.


    Eingetragener Pollen ist vorhanden.


    Es ist tatsächlich eine Jungfernwabe mit Eiern bestiftet, was mich erstaunte, aber auch freut!


    Kann ich auch eine neue Mittelwand direkt ins Brutnest geben oder immer nur von außen heranrücken?


    OK, die tägliche Kontrolle wird zurückgefahren.




    @ Sabiene:


    Guter Fütterungstip, ich werde also mal mit nur einem Viertel Liter weiterfüttern.


    Pollen ist vorhanden (ob reichlich, vermag ich nicht zu sagen, weil ich nicht weiß, wieviel "reichlich" ist...) und wird auch täglich in ansehnlicher Menge eingetragen. Konnte ich noch vor Wochen beobachten, daß immer nur Bienen ohne Pollenhöschen ankamen, ist es derzeit nahezu umgekehrt: Fast ausschließlich Pollenträgerinnen beobachte ich am Flugloch und nur hin und wieder mal eine Biene ohne Pollen! Übrigens sind manche Sammlerinnen zum Teil völlig mit Pollen überklebt oder sie ziehen den (gelben) Pollen wie an klebrigen Schnüren hinter sich her, den sie am Flugloch teilweise auch immer wieder verlieren... Sieht eigentlich recht ferkelig aus...


    Jawohl, das Flugloch habe ich damals nach Bekanntwerden des Fehlers sogleich kleiner gemacht (mit dem Nachteil, daß nun mitunter so reger Gegenverkehr besteht, daß es zu Stauungen kommt).


    Der Imkerkurs? Es war ein Kurs von Dr. Liebig an der Uni Hohenheim. Bestimmt hatte er uns nix falsches erklärt, es wird wohl in der Riesenmenge an Informationen in meinem Gedächtnis etliches untergegangen sein.




    @ Henry Seifert:


    Die Idee mit der Überwinterung auf zwei Zargen statt nur auf einer Zarge gefällt mir, Deine Argumentation kann ich verstehen und hat etwas für sich. Ich werde mir darüber Gedanken machen.


    Die Idee mit der Plexiglasplatte ist gut, aber ich denke, ich bin wohl auch ein bisschen falsch verstanden worden, weil ich mich nicht ganz richtig ausgedrückt hatte. Richtig ist: Ich bin jeden Tag draußen bei den Bienen. Wenn ich beobachte, ist dies stets zunächst Floglochbeobachtung. Hin und wieder hebe ich den Deckel ab, und mit einem Blick erfasse ich (oberflächlich und grob) das Geschehen im Volk. Dazu muß ich noch nicht einmal die Plastikfolie entfernen. Die Bienen nehmen das (hoffentlich) nicht übel und ich erkenne leicht, wieviele Waben besetzt sind (wenn auch nicht, in welcher Stärke). Daß ich die Plastikfolie entferne und einzelne Waben herausziehe, um sie näher in Augenschein zu nehmen, kommt eher selten vor. Wenn, dann ziehe ich meist die beiden Randwaben, die ja im Moment noch reine Mittelwände sind und die ich gerne ausgebaut sehen möchte! Hierzu klappe ich die Plastikfolie nur um soviel zurück, daß ich gerade diese Rähmchen entnehmen kann.
    Wenn ich also schrieb, ich "gucke ins Volk", dann häufig nur so, daß ich den Deckel öffne ("Aha, alle Bienen sind noch da!") und wieder drauflege. Mit "Blick ins Volk" ist also nicht der Blick auf die einzelne Zelle und damit das Entnehmen von Wabenrähmchen gemeint gewesen.




    @ Wunderbiene:


    Gleich zwei Paten!? Das ist natürlich prima! Nein, dieses Glück ist mir nicht beschieden. Ich habe wie gesagt keinen Paten, sondern nur einen mir befreundeten Imker, der mir ab und zu einen Tip gibt. Ein Pate ist wohl weit mehr...


    Kursleiters Telefonnummer? Auch bei mir kein Problem. Hast Du schon mal bei Dr. Liebig angerufen? Probiers mal, und Du wirst ein Problem haben... :lol:



    Nochmals vielen Dank an alle für die guten Ratschläge. Wohltuend ist auch die herzliche Aufnahme hier im Forum! Da fühlt man sich gleich daheim!


    MfG Aapis

  • Hallo Aapis,


    Also, viele heißt nicht unbedingt gut am Anfang. In meinem Fall haben meine Paten weitgehend die gleiche Betriebsweise, und weitgehend die gleiche meines Kurslehrers, und sie kennen sich gut untereinander.
    Es gibt auch den Spruch:
    Fünf Imker - sechs Meinungen, die sich gegenseitig völlig ausschließen.


    Ich habe alles an Literatur rangeholt, was ich kriegen konnte. (Über Fernleihe in der Bibliothek kriegt man fast alles, ohne viel Kosten). Was mir am Anfang am meisten gegeben hat (und das Buch steht immer noch ganz oben auf meiner Wunschliste für`s selber haben): Ruttner: Die Naturgeschichte der Honigbiene. Ich habe da sehr viel darüber erfahren, wie Bienen funktionieren, nicht nur unsere. Faszinationsfaktor für mich: gaaaaaaanz hoch.


    In viele Völker schauen bringt`s (meine ich). Läßt dich dein befreundeter Imker gucken? Ich habe als Gegenleistung auch bei der Honigernte geholfen (Waben entdeckelt, Honigräume abgeräumt etc. und auch darüber wieder viel gelernt). Und wenn ich zum Händler fahre (der hier etwas weiter weg ist), frag ich immer nach, ob ich was mitbringen soll. Und ihre Apfelbäume sind immer gut von mir geschnitten.
    Trotzdem habe ich das Gefühl, daß das Konto nicht ausgeglichen ist.


    Viele Grüße
    wunderbiene

  • Hallo, Wunderbiene,


    stell dir mal vor, es gibt auch noch Imker denen macht es Spass ihr Wissen mitzuteilen und noch mehr Spass zu bemerken, das es für dich nicht nur ein Spass ist.
    Da brauchst du keine Kontoauszüge um etwas gutzumachen!


    Grüsse
    Margret

  • Hallo, Wunderbiene,


    mach dir mal über "Konto ausgeglichen" keinen Kopf!
    Sowas sollte man eher als "Generationenschuld" betrachten.
    Irgendwann wirst du einen oder mehrere Anfänger an die Hand nehmen und ihnen genauso helfen, wie dir geholfen wurde, und dann ist es erledigt :lol:


    Ganz im Ernst: wenn jeder von uns es schaffen würde, im Laufe seines Lebens zwei Neue dauerhaft zur Imkerei zu bringen, hätten wir keine Nachwuchssorgen mehr....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo,
    Das war nicht so buchhalterisch gemeint, wie`s rüberkam.


    Der hiesige Verein hat tatsächlich keine Nachwuchssorgen. Ein dutzend Anfänger werden jedes Jahr im Kurs ausgebildet. Viele von ihnen kommen von außerhalb, aber so eine handvoll bleibt dem Verein.
    Es gibt da einige erfahrene Imker, die Anfäger mitnehmen. Einer aus meinem Kurs betreut seine Bienen auf dem Stand seines Paten.
    Abgesehen davon gibt es Sammelbestellungen für Material , klasse Vorträge werden organisiert etc.
    Und es findet sich für jeden Anfäger ein Schleuderraum, ein Standplatz...
    Muß ich noch sagen, daß der Kindergarten und die Grundschule immer gern am Stand gesehen werden?


    Kurz: Es wird da, mit großem Spaß (sonst ginge das gar nicht), ein Rieseneinsatz geleistet, den man gar nicht genug würdigen kann.


    Klar, daß ich das als "Generationenvertrag" sehe. Aber noch wundere ich mich über zu vieles, was meine Bienen machen, weil mir noch eine ganze Menge Wissen fehlt. Staunen über sie werde ich hoffentlich mein ganzes Leben lang!


    Viele Grüße
    wunderbiene

  • Moin,moin !!!!!!


    Was mich mal wieder stört sind diese Gegensätze, im Norden scheint man mit seinen Junkimkern ja ganz komisch umzugehen. Die werden zum Schleudern gebeten, müssen mit in die Völker gucken bekommen wohl möglich noch gut gemeinte Tip´s, da kann man seine Imkerkollegen fragen , also verkehrte Welt, für alle die nicht da her stammen !


    Also ich muss schon sagen, da ist mir Vorgehensweise im Süden doch lieber. Den Interessierten einen Kursus andrehen, noch einen Drei-Warbenableger hinterhergeschmissen, kurzer Verweis auf´s Internet und fertig.


    Also Klasse, das ist doch der richtige Weg wie man den jungen Leuten die Imkerei nahe bringt !! Bravo Herr Kursleiter !!!!!


    So wird´s gemacht im übrigen Deutschland. Jetzt wird mir einiges klar, meine lieben Ratgeber aus dem Internet.


    Gruß

  • Grüßgottle Murphy,


    Murphy schrieb:

    Also ich muss schon sagen, da ist mir Vorgehensweise im Süden doch lieber. Den Interessierten einen Kursus andrehen, noch einen Drei-Warbenableger hinterhergeschmissen, kurzer Verweis auf´s Internet und fertig.


    glücklicherweise sind Vorurteile durch Unkenntnis keine nordische Tugend.
    Auch ich habe genau den gleichen Kurs vor zwei Jahren besucht. Es handelt sich NICHT um einen 3-Tages-Kurs, der mit dem hinterherwerfen eines Ablegers endet, sondern der Kursteilnehmer wird über ein komplettes Bienenjahr (und das bei uns im Süden ganz schön lang :lol: ) begleitet. Die dort vom Kursleiter praktisch am Bienenvolk vermittelten Infos sind hochkarätig und katapultieren denjenigen, der zuhört (und vielleicht mitschreibt), weit über Anfängerwissen heraus. Für den 1-Volk-Anfänger vielleicht noch nicht relevant, aber für später aufnehmenswert waren auch die vielen wertvollen Hinweise auf eine effektive Betriebsweise, des 'schnelle schaffe' was mir Schwoba so möged.
    Meinen 3-Waben-Ableger bekam ich in der Kursmitte überreicht, es wäre bei Problemen genügend Zeit zum Fragen gewesen. Eine Kurseinheit im Honigraum mit Entdeckeln und Schleudern war übrigens inklusive. Ich habe mich jedenfalls nach den Kurs so gut für mein Leben mit den Bienen vorbereitet gefühlt, dass ich auf Paten verzichtet habe.
    Durch die angenehme Eigenart des 'Kursleiters' auf wichtige Dinge (dazu zählt auch der Umgang mit dem Ableger) mehrfach einzugehen, hätte Aapis die notwendigen Infos haben müssen. Ich kann es mir nur so erklären, dass er/sie beim Kurs an den entscheidenden Stellen der Faszination der Bienen erlegen ist, was bestimmt jeder verstehen würde.


    Trotzdem kann ich mir auch Eure nordische Kurslösung als eine gute Sache vorstellen.


    Mic

  • Hallo,


    Unser Kurs ging von März bis Juli, ganztägig an ungefähr zehn Samstagen. Vormittags Theorie, nachmittags Demonstration am Bienenstand.
    Der Tag für die Honiggewinnung mit DIB-Nachweis war incl.
    Es war jedem selbst überlassen, wie und wann er sich Bienen zulegt. Es gab da jemand, der im Kurs war, weil er Bienen durch einen plötzlichen Todesfall geerbt hatte, einer kaufte sich gleich zu Beginn des Kurses ein Volk, die meisten fingen gegen Ende des Kurses mit gekauften Ablegern an.


    Paten kriegt man hier nicht gestellt. Man muß schon selber "Gödbitten". Vielleicht bin ich ja pütscherig mit meinen Bienen, aber erstens mag ich keine (in diesem Fall: heißgeliebten) Tiere aus vermeidbarem Nichtwissen totquälen, und zweitens steckt eine ganze Menge Geld drin, das ich mir nicht so einfach aus der Jacke schüttele. Deshalb war es mir wichtig jemand zu haben, den ich fragen kann.
    Den zweiten Paten hat mir der Zufall geschenkt. Er ist ein Arbeitskollege, den ich vor meinem Kurs noch nicht kannte (sehr große Firma).


    Es gibt immer Verbesserungsvorschläge in der Ausbildung. Ich würde es z.B. begrüßen, wenn im ersten Jahr die Anfänger grundsätzlich in irgendeiner Form begleitet werden können. Treffen der Neuimker vielleicht, bei denen erfahrene Imker zur Verfügung stehen?
    Einen Kurs, bei dem jeder Teilnehmer parallel zum Kurs seinen kleinen Ableger aufzieht und dann über ein Bienenjahr betreut, stelle ich mir ideal vor.
    Viele Fragen stellen sich einfach erst, wenn man den Deckel aufmacht.
    Denn Bienen lesen keine Bücher, und tun gerne mal etwas, was im Kurs nicht durchgenommen worden ist :D


    Bin gespannt auf eure Erfahrungen, Meinungen.


    Viele Grüße
    wunderbiene