Varroabekämpfung - Temperatur für Ameisensäurebehandlung

  • Hallo zusammen,


    es wird langsam dringend Zeit für die Varroabekämpfung, wir verwenden im Sommer nach dem Abschleudern die Schwammtuch-Ameisensäurebehandlung.


    Im Moment ist es noch sehr warm, wir haben daher die Befürchtung, daß zuviel AS verdampft und die Bienen schädigt. Habt Ihr Informationen über die richtige Temperatur für die Behandlung? Normalerweise sollte die Temperatur zwischen 18 und 23 °C liegen, wenn man 80 % ige Säure verwendet. Bis zu welcher Temperatur kann man 60 %ige Säure verwenden? Habt Ihr Erfahrungen mit reiner (99-100 %) Säure?
    Spielt die Temperatur eine so große Rolle? Die Bienen halten die Stocktemperatur doch sowieso konstant, oder?


    Übrigens: wir legen über die Beuten anstatt der Plastikfolie ein Edelstahl-Varroagitter, auf das dann abwechselnd das Schwammtuch mit der Säure oder Futterteig gelegt wird. So sparen wir uns das Öffnen der Beuten.


    Viele Grüße,


    Effendi

  • Hallo, effendi,


    ich habe trotz über 30°C mit meinen Liebigdispensern (85% AS) stabile und gute tägliche Verdunstungsraten gehabt. Allerdings habe ich nach den Erfahrungen im letzten Jahr die Dochtgröße eine Stufe kleiner gewählt, als in der Anleitung empfohlen. Verträglichkeit bisher problemlos.


    Für mich heißt das, wenn Ameisensäure, dann nur noch mit Liebigdispenser. Da kann man sich mit dem Zeitpunkt der Behandlung nach den eigenen Vorstellungen statt nach dem Wetter richten.


    Viele Güße, Johannes

  • Hallo Johannes,


    wieviel Milbenabfall hast du?
    Bei der Behandlung muß auch der Milbenbfall beachtet und kontroliert werden.
    Ich hoffe das deine Völker diesen Winter gut überstehen.

  • effendi schrieb:


    Im Moment ist es noch sehr warm, wir haben daher die Befürchtung, daß zuviel AS verdampft und die Bienen schädigt. Habt Ihr Informationen über die richtige Temperatur für die Behandlung? Normalerweise sollte die Temperatur zwischen 18 und 23 °C liegen, wenn man 80 % ige Säure verwendet. Bis zu welcher Temperatur kann man 60 %ige Säure verwenden? Habt Ihr Erfahrungen mit reiner (99-100 %) Säure?
    Spielt die Temperatur eine so große Rolle? Die Bienen halten die Stocktemperatur doch sowieso konstant, oder?


    Hallo Effendi,


    auch mit 65%iger Ameisensäure (Schwammtuch von oben) würde ich persönlich nicht bei Temperaturen von deutlich über 25 °C arbeiten. Theoretisch sollte die Stocktemperatur weitgehend unabhängig von der Außentemperatur sein, praktisch ist das aber wohl insbesondere in den Außenbereichen der Beute nicht der Fall.


    Grüße


    Ulrich

  • Da es die ganze letzte Wochen seit der Abschleuderung viel zu warm für eine SA-Behandlung war, habe ich direkt mit dem Abschleudern alle Völker zwei Mal im Abstand von sieben Tagen mit Bienenwohl behandelt. Der Erfolg war wie immer durchschlagend.


    Ich kann es nur empfehlen und werde allerdings - sobald es kühler ist - mindestens eine AS-Behandlung durchführen. Aber immerhin konnten so schon eine ganze Menge Milben von der Winterbienenbrut fern gehalten werden.


    Viele Grüße


    Klaus Maresch

  • Hallo,


    wie ich das mache habe ich in diesen Beitrag beschrieben http://imkerforum.de/viewtopic.php?t=2319, Experimente mit hoher Konzentration sind sehr gefährlich und risikoreich.
    Wer bei hohen Temperaturen behandelt schädigt die Winterbienen und riskiert das die Völker nicht den Winter überleben.
    Von den Verdunster halte ich sehr wenig, der Milbenabfall ist zu gering und die Verdunstungrate sehr unterschiedlich, Wirkungsgrad gleich null.
    Meine eigenen Erfahrungen sprechen für sich, von Kollegen hab ich gleiche Ergebnisse erfahren und sogar mit anderen Imkern getestet.
    Mein Urteil für dieses Behandlungsverfahren ist mangelhaft und risikoreich.

  • Klaus Maresch schrieb:

    Da es die ganze letzte Wochen seit der Abschleuderung viel zu warm für eine SA-Behandlung war, habe ich direkt mit dem Abschleudern alle Völker zwei Mal im Abstand von sieben Tagen mit Bienenwohl behandelt. Der Erfolg war wie immer durchschlagend.


    Hallo Klaus,
    ich bin ein furchtbar neugieriger Mensch und würde nur zu gerne wissen, warum du keine komplette Blockbehandlung durchgeführt hast. Da BienenWohl nur oberflächlich wirkungsaktiv ist und nicht in die Brutzellen einwirkt, muss die Schlupfperiode der Milben ausgenützt werden. Innerhalb von 20 Tagen sind alle Jungmilben auf den Stockbienen anzutreffen. Daher wird durch die Behandlungsfolge ein hoher Milbenabfall erzielt.
    Im Abstand von 5-6 Tagen werden 3 Behandlungen durchgeführt.
    Behandlungstag 1: Wirkung vom 1. bis etwa 8. Tag
    Behandlungstag 6: Wirkung vom 6. bis etwa 14. Tag
    Behandlungstag 12: Wirkung vom 12. bis etwa 18. Tag

  • Ganz einfache Antwort:


    Ich ahbs nciht geschafft, meine mittlerweile 170 Völker so zu behandeln wie ich es gern getan hätte. Außerdem ist ja noch mindestens eine AS-Behandlung noch eingeplant.


    Viele Grüße


    Klaus Maresch

  • Die geschlüpften Varroa müssen sich nach dem Schlupf noch einen sogenannten "Reifungsfraß" aneignen, um in Eilage zu kommen. In dieser Zeit, zwischen vier und vierzehn Tagen, sitzen sie festgeklammert auf einer Ammenbiene. Ist die Geschlechtsreife erreicht, suchen sie wieder eine neuntägige Bienen- oder Drohnenlarve in einer Brutzelle auf und lassen sich einschließen. Da die Verdeckelungszeit einer Biene vom 6. Tag bis zum Schlupf 21. Tag dauert erwischt man bei einem 3 x igen Behandlungdzyklus mit Bienenwohl oder OS Bedampfung sehr, sehr viele Milben, wobei die Bedampfung wesentlich bienenschonender ist, als die Beträufelung.

  • Die OS-Träufelbehandlung hat im Sommer einen winzigen Wirkungsgrad bei meinen Völkern.
    Ich habe ein beinahe brutfreies Altvolk, bedingt durch Nachschaffung der Kö, mit 50ml OS 3,5% beträufelt.
    Resultat: In einer Woche vielen 30 Milben. Ich rechne mit einem Befall von mindestens 1000-3000 Milben.
    Wo sind die Spinnentierchen abgeblieben?
    Wie wirkungsvoll ist dann eine Blockbehandlung in brütenden Völkern, wenn jeweils nur 10-15ml gegeben werden? 3 x 30 Milben?
    Wohlgemerkt, es war eine Träufelbehandlung ,keine Verdampfung.
    Gruß
    Simon

  • Hallo zusammen!


    warum diskutiert Ihr hier die Oxalsäuebehandlung? Die Oxalsäure wirkt doch nur als Kontaktgift und ist in der verdeckelten Brut wirkungslos. Zwar klingt die Zeittabelle von Honigmayerhofer logisch, aber was spricht gegen die Ameisensäure?


    Ich halte es für nicht sinnvoll, nur eine Varroabekämpfungsmethode anzuwenden, zu groß ist das Risiko der Toleranz- bzw. Resistenzbildung. Ist es nicht sinnvoll jetzt, da noch viel Brut vorhanden ist, eine Methode zu wählen, die auch in der Brut wirkt? Oxalsäure kommt dann im Spätherbst.


    Wie sind also Eure Erfahrungen mit der Ameisensäure? Welche Temperatur haltet Ihr für welche Konzentration für optimal? Ist 100 %ige Ameisensäure sinnvoll bei niedrigeren Temperaturen (15°C)? Beginnt Ihr die Behandlung in der Früh oder am Abend? Und ganz wichtig: was sind die pro und contra der Langzeitmethode (Medizinflasche) gegenüber der Schwammtuchbehandlung?


    Viele Grüße,
    Effendi

  • Hallo Effendi,
    ich nehme seit 6 Jahren am Feldversuch AS-Behandlung an der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim teil. Unter der Federführung von Dr. Liebig haben ungefähr 20 Imker (Freizeit- und Berufsimker) verschiedene Dareichungsformen der AS getestet. Ich habe mich auf die Methode MOT (= Kurzzeitbehandlung mit der Medizinflasche ohne Teller) entschieden. Diese wende ich heuer in der fünften Saison mit gutem Erfolg an (Verluste bei durchschnittlich von mir gehaltenen 30 Völkern weniger als 10 %). Wie das Ganze funktioniert kannst du unter http://www.uni-hohenheim.de/bienenkunde/konzept.htm#Bekämpfungs-Konzept nachlesen. Viel Erfolg wünscht Pit

    Imkeranfänger 1973, nach 3 Jahren wegen Schul- und Berufsausbildung Aufgabe des Hobbys, 1996 Wiedereinstieg, zwischen 15 und 25 Völker, Landrasse auf Hohenheimer Einfachbeute im Selbstbau, AS auf Schwammtuch und Tropfflasche.

  • Hallo Effendi,
    hatte den Temperaturbereich vergessen: zwischen 15 und unter 30°C 85%ige AS. Ich stelle die Medizinflasche mit Tropfauslauf auf einen bierdeckelähnlichen Karton (Bierfilz) und das Alles nicht direkt auf die Rähmchenoberträger, sondern erhöht durch ein Holzklötzchen.
    Gruß Pit

    Imkeranfänger 1973, nach 3 Jahren wegen Schul- und Berufsausbildung Aufgabe des Hobbys, 1996 Wiedereinstieg, zwischen 15 und 25 Völker, Landrasse auf Hohenheimer Einfachbeute im Selbstbau, AS auf Schwammtuch und Tropfflasche.

  • Moin Effendi,


    ein echtes contra der Langzeitmethoden sind die Verdunster selbst.


    Oft sind sie schlecht zu befüllen, schlecht zu kontrollieren und nachzufüllen, manche benötigen eine Extra-Zarge, andere verdrängen Waben. Außerdem sind sie nicht billig.


    Ich lege abends nach dem Bienenflug pro Zarge ein mit 22 ml getränktes Schwammtuch auf. Auf Zweizarger also zwei Schwammtücher nebeneinander. Im Boden steckt die Windel. Am nächsten Abend nehme ich die trockenen Tücher raus und füttere wieder. Die Windel kommt auch wieder raus.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder