Räuberei (hoffentlich nicht) ohne Ende

  • Moin Imker,


    man wird leichtsinnig, wenn man mit Räuberei noch nichts zu tun hatte. Ich jedenfalls. Leider.


    Gestern Abend gegen 18:00 Uhr wollte ich am Sonntag abgeschleuderte Honigräume sortieren und Ableger damit erweitern und den abgeschleuderten Völkern die Futterzargen aufsetzen. Mein Auto also rappelvoller Zargen mit leeren Lindenhonigwaben. Etwa eine halbe Stunde konnte ich was machen also ausladen und umstapeln, dann war es schlagartig wie im Horrorfilm. Die Zargen standen inzwischen als Turm auf einer Palette. So schnell konnte ich garnicht rennen. Die Bienen fielen zu Hauf durch die Palette auf die Waben her. Jedes Imkergerät und jede leere Zarge waren in Minuten Schwarz. Mein klebriger Stockmeisel war nur noch ein Bienenknäul und das Wachsmesser ist vor lauter Bienen von der Kante gekippt. Die Bienen haben an allen grünen halbwegs beutenähnlichen Dingen zu hunderten gesucht. Sogar an den grünen Wassertonnen haben sie nach einem Einflug gesucht.


    Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, wie's hinterm Haus bei den 13 Bienenstöcken aussah. Bei den großen abgeernteten Völkern Flugbetrieb wie bei Schwarmabgang. Schwirren und Summen in der Luft, Kämpfe auf den Flugbrettern. Bienenwolken wie bei einem Vorspiel nach 10 Tagen Regenwetter. Bei den Ablegern (seit Tagen nicht geöffnet) zum Glück aber Ruhe.


    Ich hab' sofort alle Fluglöcher auf Daumendicke zugestopft (auch die der Ableger) und mit dem Regner in die Luft gesprüht. Erst gegen 21:00 Uhr wurde es ruhiger. Die Räuberbienen im Zargenstapel hatte ich inzwischen eingesperrt und hab' sie erst 21:30 Uhr abgeschüttelt. Nach 10 hab ich dann die Fluglöcher der Völker wieder auf 3-Finger-Breite frei gemacht.


    Nun mache ich mir Sorgen wie's weitergehen soll:
    1.) wegen der kleinen Fluglöcher und dem eingeengten Sitz (HR ist ja runter) und der hohen Temperaturen.
    2.) ich muß, um die wieder zu beruhigen, Futter in die Völker bringen, aber dazu muß ich die nat. (wenn auch zügig) öffnen und die Futterzargen aufsetzen (Im Dunkeln geht das wirklich nicht, meine Hände glühen noch wie dieser Smily --> :oops:) und nat. muß ich da auch Futter reinschütten.


    Habt Ihr Tipps für mich.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Henry,


    das macht man am besten ganz früh am Morgen mit dem Abschleudern.
    Ein Tropfen Honig verkleckert schon ist der Teufel los.

  • Hallo Henry,
    du kennst den Spruch mit der "Eselei" ? :wink: 
    nun gut, aber damit ist dir auch nicht geholfen, ich weiß.
    Es bleibt dir nichts anderes übrig, als die Völker kurz aufzumachen und zu füttern.
    Ich habe das z.B. gestern gegen Sonnenuntergang getan. Ging ganz gut.
    Wenn ich aber bemerke, dass die ganze Chose, sprich Räuberei, zu schlimm wird, dann höre ich konsequenterweise auf. Und mache am nächsten Tag weiter, es geht nicht anders.
    Wie fütterst Du? Flüssig? Selbst gemischt?
    Ich habe bei den Alt-und Ertragsvölkern sehr gute Erfahrungen mit Futterteig, in einer Leerzarge gereicht, gemacht. Da ist Räuberei mehr oder weniger ausgeschlossen, wenn du zugig arbeitest.
    Der Fauxpas mit den Zargenstapeln ist natürlich klassisch und sollte möglichst nicht vorkommen.
    Du scheinst ja nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein. :oops: 
    Ich habe mal erlebt, wie bei meinem Vater ein kompletter Stand, sprich so 12 Völker, hinüber waren, weil er eine Räuberei nicht bemerkt hatte.
    Mein Imkervater sagte dazu immer:
    "Im Herbst wird die frommste Biene zum Raubtier"


    Wenn wieder Ruhe eingekehrt ist, würde ich die Fluglöcher wieder öffnen, sonst wird es den Damen zu dämpfig in ihrer Bude.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo, Henry,


    die von mir so geschätzte Mrs. Lusby arbeitet nachts mit einer Stirnlampe mit roter Folie über der Lichtquelle.
    Rotes Licht sehen die Bienen nicht, für sie bleibt es dunkel und somit bleiben sie sitzen.
    Bei einer normalen Taschenlampe fliegen sie genau aufs Licht zu.
    Probier es doch einfach mal aus, schaden kann es doch nichts, und wenn es klappt, umso besser...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Sabi(e)ne,


    also, daß Bienen nicht stechen, wenn es dunkel ist, stimmt definitv nicht.


    Ich wollte zum Beweis ein Foto meiner Hände beifügen, möchte aber keinem Neuanfänger unnötig Angst und Bange machen. Glaub' mir, auch der sanftestet Ableger braust auf, wenn Du ihn im Dunkeln (also auch ganz ohne Taschenlampe und gestern auch ohne Mondschein) öffnest. Nichts mit "die bleiben sitzen" Die krabbeln wild umher, quellen förmlich wie überkochender Teer under dem Deckel hervor und sobald die Menschenfleisch finden setzt es Stiche. Auch auf nasse Hände mit Nelkenöl. Auch am Übergang Handgelenk - Imkerbluse. Auch ...


    Es war wirklich zum Abgewöhnen. Erst der Streß mit den Räuberbienen und dann das Heimfahren mit Fingern, wie Wiener und auch ganauso heiß.


    (hatte kein Lisino mit, weil ich ja nur Erweitern und Füttern wollte, Entstichspritze nicht gefunden, weil viel zu dunkel :cry: 
    Aber wenigstens Mitleid vom Weibe :wink: )


    Michael : Ich füttere Belgosuc Invertzuckersirup von oben mit der Futterzarge. Wie lange kann ich bei offenem Segeberger Boden und noch ohne Windel darunter die Fluglöcher eingeengt lassen?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    Zitat

    Aber wenigstens Mitleid vom Weibe )
     


    Hast Dich hoffentlich richtig gut verwöhnen lassen ? :wink::wink::wink:


    @offene Böden


    Kein Problem, lass die Fluglöcher eingeengt.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Moin Imkers,


    ich bin gestern nun doch noch mal zum Stand mit der Räuberei gefahren und habe Schleuderwaben und Futterzargen aufgesetzt und spät am Abend je 2kg Futter gegeben. Die Fluglöcher sind noch eng und das ist gut so.


    Gegen 18:00 Uhr fingen dann wieder die Räuberbienen an, an genau den Stellen zu suchen, wo gestern die verhängnisvolle Palette stand und auch wieder an den grünen Wassertonnen. Die haben wirklich ein Bombentiming. Kurze Zeit später gab es dann ganz vereinzelte Kloppereien auf den Flugbrettern, aber die Völker waren jetzt ordentlich vorbereitet und hatten die gesamte Abwehr als regelrechter Teppich in Stellung. Wespen und fremde Bienen sahen sich sofort drei, vier wirklich stinkigen Fluglochwachen gegenüber. Oft haben zwei Wachbienen eine fremde Biene oder Wespe gleich eingeknäult und ohne Rücksicht auf das eigene Leben weggezerrt. Dennoch konnte ich mit bloßen Händen die Schaumstoffstreifen richten. Am Wochenende werde ich, wenn's bis dahin gut läuft, die Fluglöcher wieder auf Handbreite öffnen. (Und zwar so, daß der Flugschlitz in der Mitte offen ist)

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    ich habe diese Erfahrung auch schon gemacht. Wo einmal etwas gefunden worden ist, wird immer wieder gesucht.
    Manchmal tagelang, sei es auch nur sporadisch, so dass alle halbe Stunde mal ne Biene nachschauen geht.
    Was jetzt helfen würde, wäre ein richtig guter Gewitterregen, der alle Spuren und Gerüche wegwaschen würde.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo, Henry,
    tut mir wirklich leid für dich! :cry: 
    Aber, *jetzt-mal-klugscheiß*, warum machst du das Abräumen und Futterzargen draufsetzen nicht in einem Arbeitsgang?
    Bienenflucht unter Honigraum einlegen, nächsten Tag wiederkommen, Honigräume runter, Bienenflucht runter, Futterzargen und Deckel drauf?
    Füttern kannst du dann beim nächsten Mal.
    Und als Steigerung: Leerzarge unter Bienenflucht, Rest siehe oben und aus den Bienen unter der Bienenflucht, vermutlich in der Leerzarge schön aufgekettet, Kunstschwärme?
    Entweder zum Überwintern von überzähligen Königinnen oder zum Verkauf? Diese Bienen sind genau die richtige Mischung... :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Sabi(e)ne,


    (Kurz vorrausgeschickt: bei mir ist derzeit alles was Bienen faßt belegt, nahezu alle Waben sind in den Ablegern und Ableger, die ich abgegeben habe, saßen nat. auch auf Waben die nun fehlen. Es herrscht also Waben-, Futterzargen und Beutenmangel)


    Der Gedanke war folgender: Ich wollte Schleudern und anschließend am nächsten Tag mit den abgeschleuderten Waben Ableger erweitern und Baurahmen rausnehmen. Die HR waren fast vollständig gedeckelt, da sitzen dann kaum noch Bienen drauf (und ganz ehrlich, ich hab' auch garkeine Bienenfluchten.) Es ist einfach eine Frage der zur Verfügung stehenden Zeit. Ich war am Montag früh 1:30 Uhr mit der Schleuderei vom Sonntag fertig. Bis 21:30 Uhr hatte ich die HR abgenommen. Dort wo ich schleudere, wollte ich das Futter kaufen und fehlende FZ mitnehmen. So war der Gedanke.


    Aber Du hast völlig Recht, sinnvoller und wahrscheinlich auch arbeit- (zumindest mal Räuberei-)sparender ist es, die Honig-, Baurahmenraus und FZ-drauf und Futter-Rein-Aktion gleich in einem Ritt zu erledigen und (bei Wabenmangel) die Ableger eben erst später anzufassen. So hätte ich das auch machen sollen. So und nicht anders.


    Auf diese (ganz oben beschriebene) Weise hab' ich nun aber auch Räuberei erlebt (und hoffentlich in den Griff gekriegt) und einprägsam gelernt wie man's nicht machen sollte. Am Ende bleibt dann wenigstens immer die Erfahrung.


    Meinen Händen geht es inzwischen wieder gut. (je mehr Stiche auf einmal desto schneller sind sie wieder weg, was noch zu beweisen wäre :wink: ) Weibliches Mitleid insbesondere Deines wird dennoch sehr gern genommen :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder