Überwintern auf Honig

  • Hallo, Mitstreiter,


    also, meine Bienen kriegen zum Winter auch Ambrosia (d. h., wahrscheinlich werde ich mir doch Api-HF 1575 besorgen; kommt aber wohl aufs selbe hinaus). Ich will wahrhaftig nicht die Zuckerfütterung verdammen. Worauf ich hinaus will ist die Beobachtung, von der mehrere mir bekannte Imker mit langer und völkerzahlmäßig sehr umfangreicher Erfahrung berichten:


    Bienen aus Völkern, die im Herbst sehr scharf abgeschleudert wurden und dann ausschließlich Zucker für den Winter hatten, zeigen im Frühjahr eine deutlich geringere Langlebigkeit (ausgedrückt im Bienen-Brut-Verhältnis und in der Geschwindigkeit des Populationswachstums) als Völker, die über mehrere Kg Honig im Brutraum verfügten und den Zucker/Sirup nur noch zum "Auffüllen" auf die notwendige Menge bekamen.


    Ok, das ist ebenfalls nicht studienmäßig belegt. Aber es leuchtet mir sofort ein. Die Argumente, daß die Monokulturen und die Entnahme der früher im Jahr eingetragenen Honige auch nicht natürlich seien, will ich ja gar nicht von der Hand weisen. Trotzdem überzeugt mich die o. g. (mehrfach unabhängig berichtete) Beobachtung davon, daß der Honig zumindest als Teil des Winterfutters nicht nur den Zweck der reinen Kohlenhydratquelle hat.


    Interessante Diskussion! Henry, mein letzter Beitrag war nicht so unfreundlich gemeint, wie er vielleicht geklungen hat. Entschuldige bitte!

  • Moin Johannes,


    ich denke (und das deckt sich wohl auch mit den überlieferten Erfahrungen bzw. Beobachtungen) daß Völker die radikal abgeerntet und anschließend spät eingefüttert werden, schlecht oder zumindest schlechter auswintern, liegt nicht (nur) am verwendeten Futter, sondern (vor Allem)daran, daß Winterbienen dieses Futter bewegen und einlager müssen und daß die Völker spät im Jahr auseinandergerissen und erheblich gestört werden.


    Ich vermute daher, daß Völker denen man spät ihren eigenen Honig abschleudert und anschließend wieder einfüttert noch schlechter überwintern würden, als gäbe man ihnen Invertzucker. Aber solche Tierversuche will ich hier nicht anregen. Es würde ja wohl, außer der Möglichkeit die Waben zu wechseln nicht bringen.


    Wenn jemand auf Honig überwintert dann läßt er doch etwa ab dem Abblühen der Linde die Völker in Ruhe und füttert bestenfalls noch etwas zu. Hier wird die eigentliche Ursache für die Fehldeutung liegen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, Henry,


    die Beobachtungen bezogen sich, wenn ich sie richtig verstanden habe, weniger auf die Auswinterung (ich meine jetzt Stärke beim Auswintern) als vielmehr um die Frühjahrsentwicklung und die Langlebigkeit der nächsten Bienengeneration.


    Klar, auch das mag zusammenhängen... Aber überzeugt bin ich noch nicht.


    Viele Grüße, Johannes


    PS: Nimmst Du eigentlich noch Imkerpaten"kinder" an? Ich hätte da vielleicht wen in petto in L.

  • [quote='wald&wiese','https://neu.imkerforum.de/forum/thread/?postID=71729#post71729'](Darum wurde die Zuckerfütterung propagiert und eingeführt! Seitdem spielt die Nosema nicht mehr die Rolle als Krankheit).

    DAS ist Quatsch. Auch nach Einführung der Zuckerfütterung gabs Nosema. Eher noch mehr, da im Frühling nun Reizgefüttert werden konnte.

  • DAS ist Quatsch. Auch nach Einführung der Zuckerfütterung gabs Nosema. Eher noch mehr, da im Frühling nun Reizgefüttert werden konnte.


    Mal in alten Bienenbüchern nachlesen. Die ""Frühjahrsschwindsucht" war allgegenwärtig, vor allem in den Waldhoniggebieten. Die Zuckerfütterung a la Freudenstein hat sich nur deshalb durchgesetzt, weil die Völker besser überwinterten.
    Natürlich gibt's auch heute noch Nosema, aber das Ausmaß der Krankheit ist seit der Zuckerfütterung massiv zurück gegangen. Wei ldurch die ballastarmen Zucker (Saccharose) der Darm sehr viel weniger belastet wird, als bei Tauhonig.
    Man muß allerdings klar unterscheiden zwischen Blüten- und Tauhonigen. Nur die Tauhonige sind ballaststoffreich, so dass die Bienen in langen Wintern ohne Ausflugmöglichkeiten Probleme bekommen. Ein gutes Substrat für das Auswachsen der Nosemasporen.

    Was Reizfütterung im Frühjahr mit Nosema zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht.

  • ...seit der Mensch die Monokulturen Tannen- und Fichten-"Äcker" angelegt hat, war ihr offensichtlich die Zeit zu kurz, um sich auch an die puren Honigtau-Honige anzupassen.



    Die Zeit war auch zu kurz, um sich an das regelmäßige Abernten in einer Saison zu gewöhnen.


    Honige müssen meiner Meinung nach reifen. Dazu gehört eine monatelange Wärmebehandlung durch die Bienen, die Vermischung verschiedener Trachten und eine ausreichende Trachtvielfalt. Die oft berichteten Probleme mit Überwinterung auf Honig außerhalb von Honigtaugebieten sind vielleicht genau darauf zurückzuführen, dass den Bienen nur wenige Sommertrachten übriggelassen werden - die kurze Zeit bis zum Winter reicht dann nicht aus, um den Honig richtig reifen zu lassen.


    Ich denke daher, dass Bienen schon sehr gut auf Honig überwintert werden können, vorausgesetzt, es werden einige Dinge dabei beachtet. Wegen mangelndem Waldhonig, klammere ich meine Aussage diesbezüglich aus.


    Bernhard

  • Wer am 24.2. die Zuckerseiten bei 3sat verfolgt hat, wir sich vielleicht auch gewundert haben, dass beim Tortendiagramm die Industrie mit ca 30% den höchsten Anteil hat. Für den Imker eröffnet sich da eine neue Partnerschaft mit der Zuckerindustrie. Wir lassen etwas mehr Honig in den Stöcken bauen dafür aber die Bienenhütte aus Stahlbeton.

    weg mit den Zwergbienenständen (K.Freudenstein)

  • Hallo Luxnigra,


    heisst das, du hast Erfahrung mit der Überwinterung auf Honig? Muss man, bzw. was muss man da beachten? Gerade auch vor Bernhards Kommentar, sich nicht nur auf die Sommertrachten zu stützen, wäre ein Mini "HowTo" mal ganz interessant.


    Gruß
    Ludger

  • Das Thema interessiert mich ebenfalls,
    weil ich Überschußernterin werden möchte und keine großen Verkaufsmengen benötige.
    Bei Warré wird`s Ganzjahreshonig: All in one (HR) und der insgesamt im Spätsommer abgenommen.


    So ganz theoretisch: auch hier wird der Gesamtvorrat dieser Zarge entnommen, die Reihenfolge des Eingelagerten ist auch durch Rückfütterung wohl nicht wieder herzustellen. (Wegen des evtl so wichtigen umgekehrten Zehrweges im Winter. Ist der wirklich so relevant? Spättrachten sind oft angeblich nicht die bekömmlichsten)
    Inwieweit stellen die Bienen denn in so einem "Gesamtlager" eine Honigmischung her? Wird bei langer Lagerzeit wirklich alles etliche male umgelagert und gemischt? Wieviel Durchmischung? Gibt es dazu eventuell sogar Untersuchungen zu Honigsortendifferenzen aus dem Zentrum der Honigkappe und der Peripherie?


    Mit dem HR im Magazin wird dies doch unterteilt nachgebildet. Alles drauflassen hieße doch auch hier Durchmischung. Bei Flachzargen zB, was ist unten drin und was oben? Die Durchmischung muß so ja nach oben mehr und mehr abnehmen.


    Klärt mich auf. Ich hab den Tautz verliehen, im großen Honigbuch steht nix und ich bin mal zu faul zum Stöbern heut :wink:


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Das Thema interessiert mich ebenfalls,
    weil ich Überschußernterin werden möchte und keine großen Verkaufsmengen benötige.


    Wenn Überschussernten bedeutet, dass erst im Frühjahr nach der Überwinterung der übriggebliebene Honig geerntet wird, interessiert mich das auch. Ich plane, die Bienen über das ganze Jahr verteilt Nektar sammeln zu lassen, sie auf ihrem eigenen Honig überwintern zu lassen und erst kurz vor den ersten Massentrachten (um Ostern rum) den restlichen Honig zu entnehmen. Die übrigbleibende Menge interessiert mich dabei nicht. Es geht um gesunde und vitale Völker, die ihrer Evolution entsprechend auf einem breiten Band an Nektar überwintern. Hat damit schon jemand Erfahrungen gemacht?


    Viele Grüße
    Holger

  • Marion, meine Erfahrung ist: Honig oder Futter wird verdeckelt, sobald der Wassergehalt stimmt und danach bis zum Verzehr nicht mehr angerührt. Ist zwar nur bedingt aussagekräftig, weil HR bei mir normalerweise geschleudert werden, aber bei Reserven im Brutraum und bei meinen Experimenten ohne ASG war das immer so.


    holger : die Idee ist edel, nur wäre der Honig nach der Sommerbehandlung nicht mehr verkehrsfähig.

    Mit freundlichen Grüßen -- Traugott Streicher