Überwintern auf Honig

  • Hallo,


    hat jemand von euch Erfahrung damit, seine Völker auf Honig zu überwintern. Wie stellt man das praktisch an. Ich habe bei Bruder Adam etwas darüber gelesen, das er seine Ableger immer auf Honig überwintern ließ und ich glaube zur Demeter Imkerei gehört es auch dazu. Günther Ries schreib sehr wage in seinem Buch das das Überwintern von Völkern auf Honig mehr Honig im Frühjahr bringt.
    Ich weiß nicht, ob ich es wirklich machen will, aber wie stellt man es an.


    Zur Zeit haben meine Bienen drei Zargen, einen Honigraum über Absperrgitter und zwei Brutraumzargen. Würde es ausreiche den Bienen jetzt den Honigraum wegzunehmen und ihnen den Rest selbst zu überlassen?

    Gruß Thomas (Hatte mal vier Jahre lang Bienen. Dann aufgrund einer Bienengiftallergie aufgehört.)

  • Hallo Thomas


    Warum sollten die Bienen nicht auf Honig überwintern können ?? Das haben sie Millionen von Jahren getan. Nur muss man darauf achten auf welchem Honig, da der Mensch den Haushalt der Natur etwas durcheinander gebracht hat mit Blühzeiten. Schlecht dürften Waldhonige sein, da sie die Kotblase stark belasten und die Gefahr besteht das die Bienen im Stock koten müssten. Ebenfalls kritisch müsste Raps oder Senfhonig sein, da diese Honig früh kristallisieren und die Bienen Probleme haben das Wasser zu beschaffen um diese Honige aufzulösen. Aber normaler Blütenhonig, Akazienhonig und ähnlichen sind problemlos.


    Mit imkerlichen Grüßen



    Reinhard

  • Hallo Rainhard,


    das die Bienen das können ist mir schon klar, aber wie muss ich meine Betriebsweise anpassen damit es auch funktioniert?

    Gruß Thomas (Hatte mal vier Jahre lang Bienen. Dann aufgrund einer Bienengiftallergie aufgehört.)

  • Moin Imker,


    wir haben hier an der Veterinämedizinischen Fakultät einen alten Prof. der auch für die Bienen zuständig ist. Weil er eigentlich immer zu viele Völker und zu wenig Zeit hat, will er sich die Arbeit und vor allem die Kosten des Einfütterns sparen. Und es klappt hervorragend. Er hat die üblichen DNM-Hinterbehandlungsbeuten allerdings in Freiaufstellung und 8-Waben-DNM-Holzmagazine. Nach der Linde, die er schon nicht "hart" abschleudert beläßt er den Bienen allen eingetragenen Honig, richtet den Wintersitz und behandelt. Alles andere regeln die Bienen komplett selbst.


    Es ist nicht sehr weit zum Botanischen Garten in dem immer was blüht, auch zwei sehr große Euodias. Und hier in der Stadt mit den vielen Kleingärten finden die Bienen bis zum Schneefall auch immer was. Hinter dem Uni-Gelände liegen Bahnanlagen und ein teilweise stillgelegtes Kraftwerk. Dort blüht Goldrute.


    Wenn also späte Trachten genügend Nektar liefern und eben keinen Waldhonig, kommen die Bienen sehr gut klar.


    Das "Mehr" an Frühjahrshonig ist aber sicher der Honig vom letzten Herbst. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    lt. Günther Ries ist das mehr an Honig im Frühjahr darauf zurückzuführen, das die Bienen besser Überwintern können. Für mich macht das auch irgendwie Sinn. Honig ist eben viel reichhaltiger als Zucker. Vielleicht ist es aber auch Quatsch.

    Gruß Thomas (Hatte mal vier Jahre lang Bienen. Dann aufgrund einer Bienengiftallergie aufgehört.)

  • Ich überwintere schon seit 3 Jahren alle meine Ableger auf (Blüten-)Honig. Ich habe in dieser Zeit keinen einzigen aufgefüttert, und alle sind gut durchgekommen. Auch abgeschwärmte Völker füttere ich nicht. Zur Honigernte taugen sie nicht mehr, also nehme ich den Honigraum ab und was sie eintragen, gehört ihnen.


    lg, Stefan

  • Ich überwintere seit Jahren auf Honig. In erster Linie,um meine Kosten zu reduzieren.
    Allerdings sollte man beachten, dass Blatthonige nicht zur Überwinterung geeignet sind. Diese besitzen einen zu hohen Anteil an Stoffen, die bei der Verdauung den Darm der Bienen im Winter mit Ballaststoffen belasten. Und wenn der Winter lang ist, und die Bienen nicht abkoten können ist der Zusammenbruch der Völker vorprogrammiert. Ebenso ist dies ein hervorragendes Substrat für Nosema. (Darum wurde die Zuckerfütterung propagiert und eingeführt! Seitdem spielt die Nosema nicht mehr die Rolle als Krankheit).
    Blütenhonige sind völlig problemlos für die Überwinterung, auch Raps. Unter Wassermangel leiden die Völker im Winter nicht.
    MfG

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo G.Wustmann,


    wie machst Du es genau mit dem überwintern. Auch so wie Henry geschrieben hat, das nach der Linde der Honigraum weggelassen wird und der Rest findet sich von selbst? (Abgesehen von der Varroabehandlung)


    Wie bist Du sicher, dass die Bienen genug Wintervorräte haben?


    Gruß


    Thomas

    Gruß Thomas (Hatte mal vier Jahre lang Bienen. Dann aufgrund einer Bienengiftallergie aufgehört.)

  • Moin Thomas,


    daß Bienen auf Honig besser überwintern als auf Invertzucker ist Quatsch; daß im Frühjahr mehr Honig drin ist stimmt sicher. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,


    ich überwinter meine Ableger auch auf Honig. Gibt ebenfalls keine Probleme. Letztes Jahr habe ich meinen 4 Völkern gerade mal 15kg Zucker dazugefüttert, weil sie nochmal stark Honig eingetragen haben. Gab auch kein Problem.


    gazdin :


    Mir sind dieses Jahr 4 Völker abgeschwärmt, allerdings 2 schon Ende April. Ich habe aber trozdem über 40kg Honig pro Volk geerntet, wobei ich bei 2 nicht abgeschwärmten Völkern nur je ca. 35 kg bekommen habe. Daher denke ich nicht, dass jedes abgeschwärmte Volk nicht mehr zur Honigernte taugt.


    Gruß


    Frank

  • Henry schrieb:

    daß Bienen auf Honig besser überwintern als auf Invertzucker ist Quatsch

    Woher weißt Du das denn schon wieder?


    Also:


    daß Bienen auf Invertzucker genauso gut überwintern wie auf Honig, ist Quatsch.


    Behaupte ich jetzt einfach einmal, ohne das je in der Praxis geprüft zu haben.


    Du kannst einen Menschen auch folsäurearm ernähren. Oder nur mit 20% seines Tagesbedarfs an Zink oder Molybdän. Sterben wird daran niemand. Es geht mehr darum, wie es ihm damit nach ein paar Jahren geht. Du kannst ja auch den Pollen nicht unbegrenzt und ungestraft durch Eiweißfutter ersetzen.


    Ich finde das auch für einen positivistischen Imker wie Dich :wink: im Grunde nachvollziehbar, oder? Die Biene hat sich über Jahrmillionen an das Überwintern auf Honig angepaßt. Also ist der per se erst einmal das beste Winterfutter. Nicht aufgrund irgendwelcher esoterischen Kostbarkeiten in dieser edlen Gabe der Natur, sondern weil die Biene auf die Honigüberwinterung hin evoluiert ist.


    Hätte der Mensch seit 1000.000 Jahren seinen Kohlenhydratbedarf über Zucker decken müssen, gäbe es heute sicher trotzdem noch Menschen. Allerdings würden sie an Vollkornbrot todkrank. Nun ist es umgekehrt gekommen, und siehe da, nun brauchen wir sogar die total nährwertlosen Ballaststoffe, die ernährungsphysiologisch zunächst mal gar keinen Sinn machen. Was wir immer kriegen, brauchen wir irgendwann auch. Man muß nur lange genug warten.


    Viele Grüße, Johannes


    (PS: Mailboxempfänger bitte die dreifache Sendung entschuldigen)

  • Moin Johannes,


    ich will nicht streiten und erklären, daß Bienen im Winter die reine Energie aus Zucker brauchen und für die weiteren Bestandteile des Honigs keine Verwendung haben und sich damit nur die Kotblase füllen. Und weil es unfair wäre jetzt mit irgendwelchen Studien zu kommen, die vielleicht nicht nachgeprüft werden können oder gar mit Hören-Sagen, hier nur ein paar Textstellen aus Standardwerken, von denen wohl jeder Imker wenigstens eines hat:


    Bruder Adam, Meine Betriebsweise, Seite 54, Die Einwinterung: "Wie allgemein bekannt ist, überwintern Bienen schlecht, wenn sie ausschließlich mit Heidehonig versehen sind."


    Dr. Gerhard Liebig: Einfach imkern, Seite 63, Vorbereitunbg auf den Winter: "Eine Flug- und Toilettenpause von 3 bis 4 Monaten können die Völker durchaus unbeschadet überstehen, wenn sie in dieser Zeit auf eine ballastarme Zuckerdiät gesetzt sind...", "Zuckerfütterungshonig ist in dieser Beziehung günstiger für die Bienengesundheit einzustufen als Honig, ..."


    Franz Lampeitl: Bienen halten, Seite 56, Winterfutter: "Heinrich Freudenstein war es, der um die Jahrhundertwende die Rohrzuckerfütterung einführte, weil er alle paar Jahre in Fichtentrachtgebieten seine Völker durch die Ruhr verlor. Heute ist dies Allgemeingut in der Imkerei."


    Werner Schundau: So imkern wir..., Seite 46, Das Winterfutter: "Da uns das Wohlergehen unserer Bienenvölker in diesem Fall wichtiger ist als die Einsparung von Arbeitszeit, füttern wir sie ab Ende Juli nur noch mit Zuckerlösung"


    Wenn Du also behaupten möchtes, daß Bienen auf Invertzucker schlechter überwintern als auf Honig, dann kannst nun Du das sicher belegen. :lol: Ich halte dagegen!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Zitat

    wie machst Du es genau mit dem überwintern. Auch so wie Henry geschrieben hat, das nach der Linde der Honigraum weggelassen wird und der Rest findet sich von selbst? (Abgesehen von der Varroabehandlung)


    Wie bist Du sicher, dass die Bienen genug Wintervorräte haben?


    Hier ist in der Regel spätestens um den 10 Juli die Tracht vorbei. Ausnahme ist nur die Goldrute im August.
    Den Völkern werden nach der letzten Ernte im Juli die Honigräume abgenommen. Und danach kontrolliert ,wie sich die Futtervorräte entwickeln. In meinen Normalmaß-Beuten sollten in Abhänggigkeit der Volksstärke mindestens die Hälfte aller Waben verdeckelte Honigwaben sein. Hier honigt im August noch die Goldrute... ein köstlicher Honig, aber für die Überwinterung bestens geeignet.
    Sollte das Blatt honigen, so muß dieser Honig geschleudert werden ,weil auf ballastreichem Honig die bienen schlecht über den Winter kommen. Wer schonmal an Ruhr oder Nosema erkrankte Völker gesehen hat und den „Dreck“ von den Waben und Beuten und Bienenhaus wegmachen mußte, der weiß, wovon ich rede.



    Klar hat sichdie Biene über Millionen von Jahren auf die Honig- und nicht die Zucker-Überwinterung angepaßt. Aber: ballastarme Blütenhonige wurden „früher“ auch nicht vom Imker „geklaut“.... und die balllastreichen Honige, wie Blatt-, Wald- und Heidehonig waren zu dieser Zeit nicht die einzigen Honige im Wintervolk. Sie sind aber meist die letzten Honige, die die Bienen im Jahr sammeln, aber völlig ungeeignet für eine gute Überwinterung. Die Natur ist nicht immer perfekt. Ansonsten würde es keiner Evolution bedürfen.


    MfG

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Johannes Haller schrieb:


    ... daß Bienen auf Invertzucker genauso gut überwintern wie auf Honig, ist Quatsch ...


    Hallo Johannes,


    theoretisch mag dieser Satz in deinem Sinne stimmen,
    praktisch gilt er leider aber gerade anders herum:
    sie überwintern auf Invertzucker besser!!!


    G. Wustmann schrieb:

    ... sollte man beachten, dass Blatthonige nicht zur Überwinterung geeignet sind. Diese besitzen einen zu hohen Anteil an Stoffen, die bei der Verdauung den Darm der Bienen im Winter mit Ballaststoffen belasten. Und wenn der Winter lang ist, und die Bienen nicht abkoten können ist der Zusammenbruch der Völker vorprogrammiert. Ebenso ist dies ein hervorragendes Substrat für Nosema ...


    Dem kann ich nur zustimmen;
    denn bevor der "Zuckerapostel" Freudenstein seine Ansicht durchsetzen konnte, gingen Hunderttausende Völker an der Verdauungsstörung Ruhr zugrunde.
    Mit dem Kot wurden die Sporen der Amöbenruhr und der Nosema im Stock ausgeschieden und so weiter verbreitet.
    Erst mit der Zuckerfütterung hat die Ruhr ihren Schrecken verloren.
    Da die Völker eines Standes unter den gleichen Bedingungen lebten, gab es oft Total-Verluste.


    Zitat

    ... Hätte der Mensch seit 1000.000 Jahren ...


    Dein Vergleich mit der menschlichen Ernährung hinkt;
    denn die Winterbienen haben in ihrem Fettpolster alles gespeichert, was sie (außer dem reinen Energieträger Zucker) zur Überwinterung brauchen.
    Es reicht sogar noch zum Futtersaft beim Brutbeginn (dann geht's an den eingelagerten Pollen).


    Zitat

    ... Die Biene hat sich über Jahrmillionen an das Überwintern auf Honig angepaßt ...


    Natürlich, aber seit der Mensch die Monokulturen Tannen- und Fichten-"Äcker" angelegt hat, war ihr offensichtlich die Zeit zu kurz, um sich auch an die puren Honigtau-Honige anzupassen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


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    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)