• Hallo an alle,


    ich möchte einfach mal was zur Diskussion stellen und hoffe das es diese Diskussion noch nicht gab.


    Wen man Drohnenwaben ausschneidet - was soll man mit den Ausschnitt machen?? Wegeschmeissen? Vn Hühnern ausfressen lassen - etc.? Als neuste Methode hab eich gehört, dass man die KOMPLETTE Wabe einfrieren soll - samt Rähmchen - somit werden ja unsere Varroen getötet. Nach ein paar Tagen soll man dann diese wieder aufgetaute Wabe wieder in ein Volk geben. Die Bienen würden nun die Zellen ausfressenund dann neue Brut ansetzen. Das gewonnen Eiweiß aus den toten Drohnen würden die Bienen die Brut füttern!! ????? ??? ???? Also - was meint ihr dazu?


    Gruß
    Marco

    "Wenn ich einem Hund in die Augen schaue, schäme ich mich ein Mensch zu sein!"

  • Hallo, Marco,


    *natürlich* hatten wir das Thema schon...;-) aber macht ja nix!
    Mittlerweile waren wir uns alle einig, daß Entdeckeln und von Ameisen oder Hühnern ausfressen lassen, zu gefährlich ist.
    Wegen der Verbreitung von Faulbrut.
    Das Tieffrieren und dann von den Bienen ausfressen lassen ist ebenso bedenklich, weil die Bienen von Natur aus Vegetarier sind.
    Natürlich können sie abgestorbene Eier, Larven und Puppen auffressen, ABER: was bewirkt diese riesige Menge tierisches Eiweiß einer ganzen Drohnenwabe auf einen Schlag im Volk???
    Außerdem verdirbt es recht schnell bei warmen Temperaturen...
    Ausschmelzen lassen im SoWa oder im Kessel ist auch Sauerei und mühsam.
    Andersrum, was bewirkt der Entzug dieser Menge an Eiweiß beim Volk?
    Die Investition in Drohnen ist doch ziemlich hoch...


    Meine persönliche Meinung dazu ist hier recht gut bekannt; ich schneide keine Drohnenwaben mehr.
    Die Bienen sollen selbst entscheiden, wie viele Drohnen sie brauchen; ich biete Möglichkeiten an, aber zwinge sie zu nichts...
    Die Bienen regeln das schon allein...;-)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo,
    ich musste es heuer auch erleben, die Bienen wissen sehr genau wie viele Drohnen das Volk braucht, oder anders gesagt, wie viele der faulen Männer das Volk durchfüttern kann.
    Den zweiten Leerrahmen bauten die Bienen hauptsächlich zu Arbeiterzellen aus.
    Gruß
    Werner

  • Hallo,


    ich schneide auch höchst ungern Drohnenbrut, ist aber doch ein wichtiger Teil der Varroabekämpfung, oder? Ich halte es so, 2 - 3 Drohnenwaben pro Volk zu schneiden, bei sehr guten Völkern eine oder keine. Die ersten D.-Waben hab ich im Dampfwachsschmelzer (Tapetenablöser) eingeschmolzen. Geht eigentlich recht gut, der Geruch ist im Freien auch auszuhalten. Die gedämpften Puppen muß man aber auch entsorgen, wobei ich bezweifle, ob durchs Dämpfen eventuelle Faulbrutsporen vernichtet werden. Die letzten Waben hab ich mal probeweise den Meisen überlassen, um sie später gesammelt auszuschmelzen. Ich weiss, das tut man nicht, aber nachdem eine Korryphäe in Hohenheim das empfohlen hat, wollte ich's mal testen. Die Meisen haben sich jedenfalls gefreut. Ob ich ihnen damit was gutes tue, weiss ich aber auch nicht. So ein Futterregen ist ja auch nicht unbedingt natürlich.


    zlautz

  • sabi(e)ne schrieb:

    ... weil die Bienen von Natur aus Vegetarier sind ...


    Hallo Sabi(e)ne,
    hallo Marco,


    unbestritten sind die Bienen Vegetarier, was sie aber nicht davon abhält, bei Pollen- bzw. Eiweiß-Mangel jüngere Maden auszusaugen und dieses arteigene Eiweiß an ältere bzw. kurz vor dem Verdeckeln stehende Maden zu verfüttern.
    Die dazu notwendigen Verdauungs-Enzyme gehören also zu ihrer "Normalausstattung".


    Ebenso gehört zu ihrem natürlichen Verhalten, während der sogn. "Drohnenschlacht" auch Drohnenzellen zu öffnen und auszuräumen (falls ihnen dieses Hygine-Verhalten nicht weggezüchtet wurde - Nadeltest!), auch mal eine ganze Wabe.


    Zitat

    ... was bewirkt diese riesige Menge tierisches Eiweiß einer ganzen Drohnenwabe auf einen Schlag im Volk??? ...


    Das wertvolle Eiweiß wird (statt Pollen) "natürlich" sofort an die Brut verfüttert, an die Generation, die als Ammen die Winterbienen aufziehen soll.


    Einen Überschuß an dem leicht verderblichen ausgesaugtem Eiweiß gibt es nicht, da es bekanntlich in dieser Form nicht in Zellen gespeichert wird (kann also nicht in den Honig bzw. die Schleuder kommen). Ein kleiner Vorrat wird sich (bis zur nächsten Brut-Fütterung) in den Ammen-Mägen befinden.
    Vermutlich werden "nicht verwertete" Puppen (bevor sie verderben) ebenso wie die ausgesaugten Hüllen oder wie Kalkbrut-Mumien weggetragen.


    Diese "unschöne" Eigenschaft unserer "Blumen-Wespen" (= zoolog. Gruppe, zu der unsere Bienen gehören) sieht nach einem uralten Erbe von Vorfahren aus, die sie mit den Wespen gemeinsamen haben.



    Auf der Suche nach der Tiefgefrier-Praxis habe ich zwei Threads durchsucht, dabei fand ich einige (für mich überraschend viele) Meinungen und "Hören-Sagen"-Berichte, aber leider keinen praktischen Erfahrungsbericht.
    Das wichtigste aus meinem Suchergebnis bringe ich unten als Anhang.


    honigmayerhofer schrieb:

    .... Vor kurzen erfuhr ich, dass man die Larven des Drohnenrahmens auspressen kann und dann an die Völker verfüttert ...


    Tatsächlich hat Hohenheim in den Anfangszeiten der Varroa-Invasion das Verfüttern der ausgepressten Eiweiß-Lösung vorgeschlagen (ob sie den Bienen das Ausräumen abnehmen wollten?).
    Nur weil ich damals die Bienen noch für "reine" Vegetarier ("Veganer"? ;) ) hielt und deshalb dieses Verfahren als "unnatürlich" ansah, ist es mir in Erinnerung geblieben.
    Da ich in den letzten Jahrzehnten nichts mehr davon gehört habe, wird es kaum praktiziert worden sein.
    Zur Nachahmung würde ich dieses Verfahren trotzdem nicht empfehlen, obwohl das oben Dargestellte auch hier zutrifft.


    Anhang:


    mfgkw http://imkerforum.de/viewtopic.php?p=13439#13439
    ... Die Waben mit den Drohnen entnehmen, einen Tag in der Tiefkühltruhe lagern ... und wieder einhängen (mit den toten Drohnen!) ...
    ... Wenn die Drohnen tatsächlich wieder verfüttert werden, kommt mir das ganz brauchbar vor (falls man nur dort einhängt, wo man auch entnommen hat) ...


    Obstbrenner http://imkerforum.de/viewtopic.php?p=943#943
    ... daß die beste Methode folgende sein soll: ... die Drohnenwaben samt Rahmen in den Gefrierschrank legen. Früh Morgens sofort wieder rausholen!
    ... diese entdeckelten Waben den Bienen wieder einhängen. Die Bienen sollen dann die kaputten Maden auslecken, was einen schönen Eiweißschub ins Volk bringt und die Brut sehr schön fördern soll. Ich selber habs noch nicht ausprobiert, hört sich aber einleuchtend an und ich werde es dieses Jahr auch mal probieren!


    Obstbrenner : Bin sehr neugierig auf deinen Erfahrungsbericht!


    Harry http://imkerforum.de/viewtopic.php?p=13577#13577
    Drohnen sind pures Eiweiss und auch die Bienen sehen es so.
    Wenn zuviel oder minderwertige Brut vorhanden ist oder über eine längeren Zeitraum kein Flugwetter ist und die Pollenvorräte knapp werden, verfüttern die Bienen schon mal ihre eigen Brut an dieselben.
    Drohnenbrut wird dann bestimmt bevorzugt an die Arbeiterbrut verfüttert.
    Hängt man die tiefgekühlte Brut wieder ein wird sie wahrscheinlich auch recycelt. Jedenfalls erspart es den Bienen eine Menge Arbeit.
    Pollensammeln ist viel schwerer.


    Hedwig (Hedy Adomeit) http://imkerforum.de/viewtopic.php?p=1018#1018
    ... Klingt im ersten Moment zugegebenermaßen abstoßend, aber andererseits auch logisch zu begründen ... Arteigenes Eiweiss IST eine hochwertige Nahrung.
    Wenn man so eine Drohnenwabe in den abgetrennten Honigraum hängt, wird sie leergeräumt und mit Honig wieder aufgefüllt und du bekommst völlig unbelasteten Honig. Es klingt effektiv.
    Oder haben die Bienen ein Problem mit der Menge der zu entsorgenden toten (und außer den Varroa) ja von Krankheiten völlig freien Brut?


    Michael (Gast) http://imkerforum.de/viewtopic.php?p=1019#1019
    ... die Bienenstören sich nicht an den toten Drohnen ... Allerdings hängt man den Drohnenrahmen zum Säubern nicht in den Honigraum, er soll ja wieder mit neuer Drohnenbrut gefüllt werden ...

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Werner Egger schrieb:

    ... wie viele der faulen Männer das Volk durchfüttern kann ...


    Hallo Werner,


    die "faulen" Männer gibt es nicht ;)
    sicher bin ich mir aber nur bei den Bienen, denn die Drohnen verdienen sich ihr Futter durch Mitarbeit im Stock.


    Näheres zu den "einer Ehrenrettung der verkannten Drohnen" kannst du hier nachlesen:
    < http://imkerforum.de/viewtopic.php?p=14045#14045 >


    Zu dem dort angführten Punkt 3 hier noch einige Ergänzungen:


    Drohnen sind nicht nur am "sozialen Futterfluss" mit Weiterreichen der eingetragenen Tracht beteiligt,sondern auch aktiv an der Honigproduktion, da sie ebenfalls dem Nektar aus ihren Speicheldrüsen Enzyme (Invertase, Diastase) zusetzen.


    Und das sehr effektvoll: Eine Drohne verteilt ihren Honigmagen-Inhalt an ca. 30-40 Arbeiterinnen, während diese nur 6 bis maximal 10 Mit-Arbeiterinnen versorgen können.


    Eine Einschränkung: Diese Arbeit verrichten sie nur etwa von 10-17 Uhr, die übrige Zeit ruhen die Herren und Betteln auch nicht um Futter.
    (W. Kloft in "Der Imkerfreund", Heft 1/1961).


    Aber damit unterscheiden sie sich kaum von den "fleißigen Bienen", denn Martin Lindauer protokollierte 177 Stunden lang die Tätigkeiten einer Stockbiene, davon fielen 69 Std. 53 Min. auf "Müßiggang".


    Obwohl die Drohnen mit ihrem lobenswerte Verhalten einen Beitrag zum Überwintern ihrer Sozial-Gemeinschaft (und damit zur Arterhaltung leisten) kommt mit dem August das bekannt traurige Ende - kein ruhiger Lebensabend, keine Rente ... :cry: 
    Dieses Aufopfern für die Anderen nennen die Zoologen altruistisch (= uneigennützig).


    Es würde mich freuen, wenn ich dich mit meinen Ausführungen "bekehren" könnte.


    sabi(e)ne , es gibt nicht nur "bedenkliche", sondern auch "angenehme" Tatsachen über die Drohnen zu berichten ;)

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


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  • Pressemitteilung Nr. 039/2004 der Uni Würzburg vom 9. Juni 2004</p><p><br></p><p>[url schrieb:

    http://idw-online.de/public/zeige_pm.html?pmid=81429[/url]


    ]Leichen in der Wohnung? Dieser Umstand löst bei den Bienen ein Hygieneverhalten aus ...


    Hallo,


    Es geht in diesem Bericht um das Erkennen von Eiern;
    Arbeiterinnen beseitigen die Eier ihrer Schwestern und Halb-Schwestern.


     
    Fressen oder nicht? Eine Biene schaut in eine Wabenzelle, an deren Boden ein Ei liegt - das ist die längliche, weiße Struktur. Stammt das Ei von einer anderen Arbeiterin, wird es vertilgt. Foto: Fiola Bock

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


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  • Hallo Frieder,


    hast Du den Artikel genau verstanden? Mir kommt er widersprüchlich vor:
    "Die von den Arbeiterinnen gelegten Eier sind kaum lebensfähig, sie sterben zu über 80 Prozent ab. ... Dieser Umstand löst bei den Bienen ein Hygieneverhalten aus, sie fressen die "faulen Eier" rasch auf."
    Also, von Arbeitsbienen gelegte Eir sterben rasch ab, abgestorbene werden entfernt ohne darauf zu achten, von wem sie sind.


    "Es hat nach den nun publizierten Ergebnissen den Anschein, dass die Bienen eine für das Überleben der Kolonie wichtige Verhaltensweise einsetzen, um die nicht entwicklungsfähigen Eier ihrer Schwestern zu entfernen."
    Also, durch das Hygieneverhalten werden die Eier der Schwestern vernichtet (s. oben).


    Jetzt aber: "Dabei vernichten sie "so ganz nebenbei" auch die wenigen entwicklungsfähigen Eier ..."
    Oh, wie daß nun? Wie erkennen sie so ganz nebenbei an den nicht faulenden Eiern, daß sie von ihren Schwestern sind?


    Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas,


    über diesen Widerspruch bin ich auch gestolpert (vielleicht handelt es sich um eine unglückliche Formulierung),
    deswegen war ich mit meinem Kommentar so kurz und habe bei dem Mitautor Dr. Pirk per eMail nachgefragt.
    Das Ergebnis werde ich dir mitteilen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


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