Verhonigter Brutraum

  • Hallo,
    ich bin jetzt im zweiten Jahr meiner Imkerei. Wie schon letztes Jahr muss ich feststellen, dass der Brutraum in der 2. Zarge sehr stark verhonigt ist. Es gibt keinen Platz mehr zum Legen. Die Völker wurden früh erweitert. Späte Erweiterung fällt also als Erklärung aus. Am liebsten würde ich Platz schaffen und Waben umhängen. Ich habe aber gelernt, dass man das nicht macht. Wer kann mir Tips geben?

  • Hallo Willi,


    es erstaunt immer wieder, wie schnell sich die Völker entwickeln, sie explodieren regelrecht. Und wenn es honigt, kann ein Honigraum in wenigen Tagen voll sein.
    Die Behauptung, doch erweitert zu haben, ist meist nicht ganz richtig - wenn kein Platz zum Legen mehr ist, wurde nicht genügend erweitert.


    Was tun? Dazu müßte ich wissen, in welcher Beute Du imkerst.
    Bei Magazinen am besten eine Zarge mit Mittelwänden oder Leerwaben zwischen Brut- und Honigraum. Und schaff' Platz für Brut im Brutraum. Eventuell kannst Du entnommene unbebrütete Waben auch schleudern, zumindest aber als Futterreserve nutzen.
    Bist Du im Platzangebot festgelegt, z.B. Hintebehandler, dann kannst Du z.B. Ableger bilden.


    Grüße, Thomas

  • Moin Willi,


    kann schon sein, daß es auch am Jahr liegt. Bei mir jedenfalls verhonigt auch alles, obwohl ich schon geschleuderte Waben ins Brutnest einsortiert habe. So schnell kannst Du garnicht gucken und die gegebenen Mittelwände sind gerade mal 4mm angebaut und schon voller Nektar. Deshalb gibt es wohl auch so viel Schwarmstimmung dieses Jahr.


    Ich habe es auch mit einer Radikalerweiterung versucht. Ich habe einem 4-Zargenvolk jetzt schon den 4. 2-Wabenableger genommen und abgeschleudert und mit den Leerwaben gleich wieder auf vier Zargen ohne Gitter gesetzt. Ich hätte ja akzeptiert wenn die Königin nun vielleicht etwas nach oben geht. Tut sie aber nicht, dafür sind die Leerwaben, bis auf die die sofort bestiftet wurden schon wieder angetragen und das relativ gleichmäßig. Also sozusagen überall. (Der Raps honigt noch immer und nicht zu knapp)


    Bei den Schwärmen ist es das Gleiche. Am 3. oder 4. Mai eingeschlagen, Bienenzunahme durch Schlupf also frühestens ab 26. oder 28. Mai mußte ich auf 3 Zarge Mittelwände und jetzt auch Leerwaben erweitern, weil einfach für die Königin kein Platz mehr war. Selbst das Untersetzen von 11 MW gleich am 9. Mai hat nicht viel geholfen. Die waren schneller verhonigt als bestiftet.


    Wenn einem nicht so viele Schwärme das Leben schwer machen würden, wird das wohl wieder ein super Honigjahr.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Willi!
    Ich kann Dir nur raten den Brutraum einzuengen.
    Dabei sollte die Wabenzahl derer entsprechen, was die Königin bestiftelt hat.
    Die anderen Waben verwendest Du für Ableger oder als Winterfutter.
    Die Einengung würde ich bei zwei Bruträumen im unteren Brutraum machen mittels Futterschied, Absperrschied oder ähnlich, da ich denke, dass ein Brutraum zu klein wäre.
    Natürlich das Absperrgitter drauf und einen Honigraum geben, falls noch nicht geschehen.
    TIP: Spätestens im April den Brutraum einengen und Honigräume geben über Absperrgitter.
    Bringen die Arbeiterinnen trotzdem nur Pollen und lagern den Honig auch nicht im Honigraum ab, so sollte die Abstammung geändert werden in eine "Honigsammelbiene".
    Empfehlung: Immer vom gesunden und ertragreichen Volk vermehren.
    Werden Ableger z.B. mit Schwarmzellen gemacht, so sollte man nun im Juni und Juli vom besten Volk (ggf. vom Züchter) Näpfchen bestifteln und Weiselzellen nachziehen.
    Diese "guten Wirtschaftsköniginnen" kommen dann Zug um Zug in die Völker.
    Herzliche Grüße
    Klaus Bäuerlein, Abenberg :wink:

    Herzliche Grüße aus Abenberg
    von Klaus Bäuerlein

  • Hallo Klaus,


    im April, also während der stärksten Entwicklung der Völker, den Brutraum einengen? Wozu soll das gut sein?
    Nach meiner Erfahrung stecken die Völker schon nicht alles in die Brut, sondern legen auch Vorräte zurück. Man sollte ihnen in der Brutnestgröße freien Lauf lassen (nach Bruder Adam: unbeschränkter Brutraum). Die Meinung: eingeengtes Brutnest - dann brüten sie weniger und sammeln mehr, ist trügerisch. Außer vielleicht: es gibt nur Frühtracht und das restliche Jahr nichts mehr - die Völker also nach der Rapstracht "einwintern".


    Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas!
    Die beste Einengung erzielt man im Februar / März.
    Die leeren und alten Waben raus.
    Die Bienen eng halten.
    Dann mit der Leistungsfähigkeit der Königin erweitern.
    Ab April kann ggf. der erste Honigraum gegeben werden.
    Ab der Tracht (z.B. Kirsche) den Brutraum nicht mehr erweitern.
    Ist das Volk noch zu klein und man möchte es erweitern, so nutzt man eine Trachtlücke oder schlechtes Wetter.
    Eine Mittelwand wird abends in das Brutnest gehängt.
    Ideal sollte es 1-2 Tage nicht honigen.
    So.
    Das Brutnest ist so groß, wie es die Königin "schaffen" kann.
    Alles was größer ist ..... muss nicht sein.
    Gruß´
    Klaus Bäuerlein, Abenberg :D

    Herzliche Grüße aus Abenberg
    von Klaus Bäuerlein

  • Hallo Thomas,
    Klaus meint bestimmt nicht, das Du Deine Völker so stark einengst, das Du hinterher so schwache Völker hast, die nichts einbringen.
    Vielmehr ist gemeint, die Völker auf den Raum einzuschränken, den sie stärkemäßig gut ausfüllen.
    Das Brutnest übt einen Druck aus, der die Honigablagerung bestimmt.
    Ein starkes Brutnest veranlasst die Bienen, den Honig brutnestfern zu lagern. Dieses möchte man ja erreichen.
    Wenn die Völker sich auf zwei Zargen mit der Brut quasi verlieren, fehlt dieser Druck. Dann ist es besser, das Volk auf einen Brutraum zu setzen.
    Wenn dann der Honigraum angenommen ist, kann man immer noch den Brutraum erweitern.
    Der uneingeschränkte Brutraum ist kein Freibrief für die Königin, das sie
    überall das Brutnest verzetteln kann. Vielmehr bedeutet uneingeschränkter Brutraum, den Volk soviel Platz zu geben, wie es zu seiner normalen Entwicklung braucht. Dazu reichen etwa 16 bis 20 Normalmaßwaben. Das war die Größe, die mit Bekanntwerden des Begriffes "Uneingeschränkter Brutraum" in den Beuten für ein ganzes Volk vorgesehen war. Das war das Neue an der Sache.
    Wenn mit dem Raps bei Dir die Tracht zu Ende ist, würde ich mit den Völkern Wandern. Oder aus den durch die Rapstracht gestärkten Völker Ableger machen und diese für das nächste Jahr aufbauen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Klaus, Lothar und andere,


    in meinen Augen gibt es noch keinen Beweis für den Vorteil des Einengens. Umgekehrt sind die Nachteile eines zu späten Erweiterns offensichtlich und bekannt. Bitte jetzt nicht mit der Legende kommen, daß die Bienen ihre gesamte Beute heizen.
    Da ich nur eimal pro Woche nach den Bienen schauen kann und sie auch nur ungern störe, ist für ich die Devise: "mit dem Platz auf der sicheren Seite sein". Alles was größer ist, muß nicht sein, schadet aber auch nicht.
    Ich arbeite ja mit Flachzargen und damit konsequent mit ganzen Zargen. Im Februar/März kommt die unterste Zarge weg und meist auch gleich eine neue oben drauf. Zu Beginn der Kirschblüte sollten die Völker drei Flachzargen Brut+Futter haben, dann kommt die vierte als erster Honigraum drauf.


    Mit der "Annahme des Honigraumes" beobachte ich folgendes: Ohne Absperrgitter gehen die Völker mit aller Kraft in ihren Volksaufbau. Nur durch ein Absperrgitter kann man sie dazu bewegen, größere Vorräte anzulegen.
    Mir kommt es darauf an, die Völker zu Trachtbeginn (Obstblüte, Raps), so stark wie möglich zu haben, vorher irgendeinen Honigraum zu füllen, ist sinnlos. Der Nektar ist in Brut besser investiert. Und mit starken Völkern ist die Annahme des Honigraumes problemlos.
    Völker, die die Brut verzetteln oder sich nicht schnell genug entwickeln, werden umgeweiselt.
    Lothar, die 16 bis 20 DNM-Waben als Brutraum sind ja wieder eine Grenze. Warum nicht konsequent sein und wirklich keine Grenze (Absperrgitter) setzen. Man staunt, was manche Völker aus sich machen.


    Die Tracht ist bei mir mit dem Raps zum Glück noch nicht zu Ende. Meist kommt noch die Linde. Schade, daß keine Robinie in der Nähe ist, sie blüht gerade und die Völker sind übervoll.


    Vile Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas,
    sicherlich ist Einengen nicht das Optimum in der Völkerführung.
    Aber wenn man Frühtracht hat, und die Völkert sind noch nicht stark genug, kann dieser Eingriff gerechtfertigt sein.
    Zur Größe des Brutraumes:
    Mehr als zwei Zargen braucht man m.M. nicht. Wenn man die Brutflächen
    auch bei Völkern zusammenrechnet, die ohne Absperrgitter geführt werden, kommt man nicht über dieses Maß hinaus.
    Einzig die Verteilung der Brut ist über mehr Waben verbreitet.
    Wenn man bei ausreichender Wabenzahl den Brutraum auf zwei Zargen mittels Absperrgitter einschränkt, ist das immer noch ein uneingeschränkter Brutraum im Sinne Bruder Adam´s.
    Zwölf Waben Dadant haben etwa die Fläche von 17 bis 18 Waben Normalmaß. Wenn man die meist brutfreien Randwaben außer Acht lässt,
    kommt man bei zehn bis elf Waben je Zarge auf die gleiche Anzahl.
    Bei Flachzargen ist das sicherlich ähnlich, wenn Du auf vier Zargen Brut hast. Dafür hast Du neben den Vorteil, das die Honigzargen nicht so schwer sind noch die Vorteile, das beim Aufsetzen ein kleinerer Raum hinzukommt, der nicht ganz so viel Stress für die Bienen bedeutet,
    und kannst feinere Eingriffe im Volk vornehmen.
    Viele Grüße Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,


    ich sehe es so wie Du, Deinen ganzen obigen Beitrag.
    Zusatz: Ohne Absperrgitter ist mehr Honig im Brutraum. Das sehe ich als vorteilhaft - der Weg zwischen Brut und Futter ist für die Pflegebienen kürzer. Und es vermeidet die Dummheit, allen Honig abzuernten.
    Und genau die Feinheit der Engriffe, die Flachzargen ermöglichen, hat mich bewogen, sie zu nehmen. Leicht sind sie trotzdem nicht - ich muß mir was einfallen lassen, sie nicht immer vom Boden auf Brusthöhe wuchten zu müssen.


    Aber vier Flachzargen Brut sind es nun doch nicht - drei zu je zehn Rahmen sind mehr als genug. Siehe auch http://www.imkerforum.de/viewtopic.php?p=1220#1220.


    Grüße, Thomas

  • Liebe Imker,


    auch ganz ohne Absperrgitter ist das mit dem Verhonigen ein Problem. Jede Leerwabe und jede Mittelwand, die derzeit in die Brutnester kommen, werden angetragen. Dabei ist ganz egal wo ich sie einschiebe. Mitten in die unterste Zarge werden sie zusätzlich auch noch verpollt. Die Königinnen bewegen sich in der gesamten Beute und stiften wo sie Platz finden und der ist im Moment sehr knapp. So gibt es auch oben schon mal in der dritten Zarge in der Mitte Stifte und ganz oben auch.


    Die Völker fliegen hier noch im Sonnenuntergang, ich denke in die Robinie. Und ich hab' garnicht soviele Waben wie ich haben müßte.


    Bei den Völkern mit Absperrgitter ist es noch viel schlimmer, denn da kann die Königin nicht ausweichen und die Arbeitsbienen sind immer schneller. Frisch geschlüpfte Zellen werden sofort angetragen und die bestifteten Bereiche werden immer kleiner.


    Wäre wirklich schön, wenn hier vielleicht mal ein Tip vom Berufsimker helfen könnte, denn diesjahr ist es wirklich schlimm.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,


    fast ein Jahr nach Henrys letztem Beitrag möchte ich das Thema wieder aufgreifen, da ich im Moment genau die von Henry beschriebene Situation habe. Die Arbeitsbienen sind schneller als die Königin, jede freiwerdende Zelle wird sofort mit Honig vollgepackt, die kommt nicht mehr zum Legen.


    Was tun???


    Gruß,
    Hedy

  • Moin Hedy,


    und auch bei mir ist es noch oder wieder aktuell ....

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Pfefferle empfiehlt, bei sehr guter Tracht ganz auf das Absperrgitter zu verzichten. Dies entspricht zwar nicht meiner Betriebsweise, hat aber in einer bestimmten Situation etwas für sich. Sollte die Königin dennoch oben ein oder zwei Waben bestiften, werden diese kurzerhand nach unten gehängt. Ein Imkerkollege, mit dem ich jetzt im Raps war, imkert grundsätzlich ohne Absperrgitter. Er hatte nur sehr wenige bestiftete Waben im HR gefunden. Die Bienen waren oben schneller als die Königin.


    Grüße
    Christoph