Die spinnen, die Schwärme...

  • Dank der Solidarität zweier lieber Forumsteilnehmer nach meinem Winterdesaster bekam ich am 1. Mai zwei Schwärme geschenkt (einen versprochenen, einen überraschenden). Der eine normalgroß, ca. 1,5 kg, C-Reinzucht. Der andere kapitale 3,2 kg, C-Landrasse, maximal brut- und schwarmfreudig (10 volle Dadantwaben Brut vor dem Auszug). Beide Königinnen von 2003.


    Ich logierte beide am folgenden Tag ein, den kleineren am Nachmittag auf Mittelwände, den großen abends auf Anfangsstreifen; beide in Dadantkisten mit 6 Rahmen und Trennschied. Nachmittags auf den ersten bereits den Adamfütterer, den ich abends befüllen wollte.
    Als ich abends mit dem 2. Schwarm anrücke, sehe ich den ersten sich auf eine Ecke des Deckels und auf das Flugloch einfliegen (Deckel von Wagner auf Fütterer von Weber! Shit! Eine winzige Lücke, deren Durchkriechen jeder Biene weh tun muß!) Drinnen sitzt der ganze Schwarm im Fütterer und hat das Bauen angefangen. Auf den MW gähnende Leere.


    Ich klopfe den ganzen Schwarm erneut in die Kiste, verstopfe das Fluglöchlein oben, fülle den Fütterer und logiere auch den zweiten Schwarm ein.


    Einen Tag später vor der Abfahrt in den Urlaub nach Marquartstein :wink: schaue ich noch 'mal rein. Da bauen tatsächlich beide Schwärme im leeren Raum neben dem Schied Stabilbau an den Boden des Futtertroges :evil:! Wunderschöne, bei der Landrasse schon sehr große Waben... Und das neben lecker Oberpfalzmittelwänden! Anfängerverzweiflung packt mich. Was mache ich falsch!? Mitleidig (auch mit mir selbst) reiße ich beiden Schwärmen das Nest herunter und fülle die Beute mit MW bzw. die andere mit Anfangsstreifen-Rahmen.


    Vier Tage später bietet sich der freundlicherweise in meiner Abwesenheit nachsehenden Schwarm-Spenderin das Bild, daß der große Schwarm nun an der entgegengesetzten Beutenseite auf Anfangsstreifen baut, aber ätsch! in die verbleibende schmale Lücke neben dem Trennschied eine kraftstrotzende Naturbau-Futterwabe von oben bis zum Boden hineingezirkelt hat. Völlig abseits vom Nest!


    Da soll jemand diese Tiere verstehen...

  • Hallo Johannes,
    die Tiere verstehen wir schon...
    ... den Imker nur nicht. :lol: 
    Warum gibst Du den Schwärmen nicht den ganzen Raum mit
    Mittelwandrahmen?
    Die Futterzargen setzt Du erst auf, wenn die Schärme angefangen haben, zu Bauen.
    Nach etwa 14 Tagen hört ein Vorschwarm auf zu Bauen. Dann kannst Du noch immer mittels Trennschied einengen, oder die nicht ausgebauten oder schlecht ausgebauten Mittelwandrahmen durch Leerwaben ersetzen.
    Einem Vorschwarm gibt man nur Mittelwände, weil er viel Drohnenbau errichtet, einem Nachschwarm kann man Anfangsstreifen geben, da er wenig Drohnenbau errichtet.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Johannes,


    Du scheinst ja wirklich lustige Bienen zu haben. Oder besser gesagt: dickköpfige.
    Ich verstehe sie schon. Sie wollen, so scheint es, eben "naturgemäß" bauen. Und da sind Mittelwände und Anfangsstreifen nicht das Wahre. Ich habe manchmal auch den Eindruck, daß man sich Mühe geben muß, damit ein Schwarm genau dort baut, wo er soll.
    Oder ist vielleicht das Wachs der MW nicht in Ordnung?
    Ob Du mit dem Schied richtig umgegangen bist, kann ich Dir nicht sagen. Ich arbeite ohne.


    Daß eine Beute nicht die kleinste Ritze haben darf, hast Du nun gelernt. Das verstopfte Löchlein wird nicht ewig verstopft bleiben. Tu dort was.


    Viele Grüße, Thomas

  • Hallo, Lothar und Thomas (und Winfried),


    ja, warum...


    Lothar schrieb:

    Warum gibst Du den Schwärmen nicht den ganzen Raum mit Mittelwandrahmen?

    Weil ein dadanterfahrener Imker mit der von mir verwandten Methode bisher keine Probleme hatte (die ist übrigens im "Schweizerischen Bienenvater" für Dadantbeuten auch genau so beschrieben). Aber wie war das mit den vielen Meinungen...


    Ebenso hörte ich von verschiedenen, ebenfalls erfahrenen Imkern, daß das sofortige Füttern 1:1 nach einem Tag Kellerhaft (die ich eingehalten hatte) kein Problem sei. Winfried schrieb mir noch per e-Mail, man könne Schwärme mit Futter wieder aus der Beute treiben. Zumindest in dieser Hinsicht habe ich also Glück gehabt...


    Lothar schrieb:

    Einem Vorschwarm gibt man nur Mittelwände, weil er viel Drohnenbau errichtet

    Sollen sie ruhig... Der eine Vorschwarm baut ja nun inzwischen brav seine MW aus; der andere soll mal machen, wie er denkt; ich möchte bei einem Volk etwas mehr über ihre Bedürfnisse erfahren. Petra S., von der der große Schwarm kommt, der jetzt naturbaut, hat bei ihren (auch Vor-)Schwärmen im Naturbau nur maßvollen Drohnenbau in der Peripherie des Nestes (stimmt doch, Petra, oder?)


    Thomas Hädrich schrieb:

    Tu dort was.

    Schon geschehen... :D


    Lothar, Thomas und Winfried, vielen Dank für Eure wertvollen Hinweise hier. Man lernt am meisten, wenn es nicht so läuft, wie geplant...


    Viele Grüße, Johannes

  • Lieber Johannes,
    ist immer noch keine "Ordnung" bei deinen Schwärmen eingekehrt?Du hast ganz recht, ich habe und hatte bisher keine übermäßigen Probleme mit zu viel Drohnenbrut, allerdings finde ich Drohnenbrut auch prinzipiell wenig problematisch. Meine Bienen können davon anlegen, soviel wie sie wollen -ich schneide sie ihnen auch nicht (mehr) weg- und ich habe den Eindruck gewonnen, sie wissen ganz genau, wie viel sie vertragen.
    Allerdings habe ich auch den Verdacht, eine überaus vitale Biene zu beherbergen.
    Meine letztjährigen Schwärme habe ich immer direkt in ein Magazin eingeschlagen; wenn er mir dafür zu klein erschien, habe ich den Raum komplett eingeengt, so dass einfach kein Platz für wildes Bauen blieb.
    Lieber Winfried,
    für mich ist es neu zu erfahren, dass man durch Futtergabe den Schwarm wieder aus der Beute treiben kann. Ich habe bisher immer mit kleinen Portionen dünner Zucker-Honig-Lösung gefüttert, um den Bautrieb anzuregen, hat bisher gut geklappt.Kannst du mir erklären, was du meinst?
    Schöne Grüße
    Petra

  • Moin Petra,


    ich kann auch nicht genau sagen, warum Schwärme, die ohne Kellerhaft direkt eingeschlagen werden, manchmal wieder ausziehen, wenn man sie sofort füttert. Irgendwie scheint das den natürlichen Regeln des Schwarmablaufes zu wider zu laufen. Eine Schwarm, mit vollen Honigblasen bei allen Bienen, beginnt zu bauen, um das mitgebrachte Futter abzulagern und fliegt sich erst anschließend auf das neue Flugloch ein. Bienen, die ihr Futter abgelagert haben fliegen sich ein, akzeptieren die neue Heimat und gehen raus sammeln. (Damit entspannt sich das Verhältnis Bienen zu Wabenfläche bzw. Biene zu Raum.) Wird nun innen gefüttert, werden die Honigblasen praktisch nie leer. Zellen werden sofort verhonigt und die Probleme sind die selben wie in der alten Beute.


    Es ist vielleicht wie bei den Menschen: Wenn wir umziehen fühlen wir uns auch erst zu Hause, wenn die Koffer ausgepackt sind, vorher sind wir noch mitten im Umzug :wink: Und wenn die Schränke der neuen Wohnung schon voll sind können wir nicht auspacken ...


    Es gibt aber auch eine andere Idee: Ein Schwarm fliegt soweit es seine Reserven erlauben. Wenn seine Reserven aufgebraucht sind, bleibt er notgedrungen wo er ist. (deshalb macht man die Kellerhaft) Wenn die Reserven, weil ja nachgefüttert wird, nicht zu Ende gehn, warum dann nicht weiterziehen?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Um das Ausziehen eines frisch eingeschlagnen Schwarms zu verhindern, banne ich ihn mit einer Brutwabe. Mir ist noch nie einer ausgezogen, außerdem kann - wenn nicht behandelt werden kann - diese Wabe als Varroafalle benutzt werden.


    Viele Grüße
    Christoph

  • Lieber Henry,
    was du beschreibst, finde ich einleuchtend. Meine Schwärme kommen alerdings immer bis zu drei Tage in den Keller; vielleicht habe ich dieses Phänomen deshalb noch nicht erlebt (muß ich auch nicht haben...)
    Danke für deine Antwort!
    Schöne Grüße
    Petra

  • Hallo,


    Der dritte Schwarm ist bei unserer Region gefallen innerhalb 5 Tage. Nach dem Motto " Die spinnen die Schwärme". Ist heuer ein Schwarmjahr so wie es aussieht. Von mir selbst haben zwei geschwärmt und die anderen drei sind von irgendwoher.


    Zwei hab ich einschlagen können.


    Gruß Gerhard

  • Hallo,


    die Fortsetzung zu der oben angefangenen Geschichte.


    Der Schwarm auf Mittelwänden hat inzwischen ein schönes, makelloses Brutnest über 3 komplette Dadantwaben angelegt, das noch in Vergrößerung begriffen ist.


    Aber der andere... :evil:


    Bereits in der Nachschau vor 1 Woche konnte ich ein hochvitales, werdendes Bienenvolk auf Naturbau beobachten und dabei feststellen, daß manche Völker MW-Anfangsstreifen eher belustigend als anregend finden. War eine Woche vorher der Baubeginn noch in Ordnung, hatten sie jetzt Waben nachträglich bereits oben am Ansatz verzweigt, andere rechtwinklig (!) zu den Anfangsstreifen über mehrere Rahmen gezogen - kurz, "Wildbau" in seiner reinsten Form. Ein Trennen der Rahmen im Bereich des zentralen Brutnestes war nicht mehr möglich, ohne die Stabilität des ganzen Schlamassels zu gefährden. Die Waben sind sehr groß, und die Bienen scheinen sich pudelwohl darauf zu fühlen. Daß ich sie so nicht bearbeiten kann, scheint sie überraschenderweise gar nicht zu stören...


    Es gibt bei der Qualität des Naturbaus (aus Imkersicht) offenbar von Volk zu Volk enorme Unterschiede. Der am selben Standort letztes Jahr von Heikes Buckis errichtete Naturbau war perfekt.


    Mir stellt sich nun die Frage, wie ich mit diesem Volk umgehe und bin für Vorschläge und Ideen dankbar. Noch mal den Bau zu zerstören und MW 'reinzuhängen, barg m. E. das Risiko, daß der Schwarm vergreist, daher habe ich das nicht gemacht.


    Am ehesten machbar erscheint mir, im Sommer z. B. in einer Trachtlücke die Waben mit einem heißen Messer zu trennen, einen Kunstschwarm zu bilden und das Volk bis zur Einwinterung den Bau komplett neu auf MW errichten zu lassen. Das Problem wird sein, die (ungezeichnete) Königin da herauszusuchen. Wie macht man das? Durch ein Gitter sieben? Kann da jemand aus der Praxis berichten?


    Oder gibt es ganz andere Vorschläge?


    Vielen Dank und viele Grüße,


    Johannes

  • Johannes Haller schrieb:

    ... "Wildbau" in seiner reinsten Form...
    ... Frage, wie ich mit diesem Volk umgehe ...


    Hallo Johannes,


    für dein Problem empfehle ich dir die Bildung eines "offenen" Kunstschwarmes am Tage der letzten Schleuderung bzw. beim Abräumen des Honigraumes.
    Vertiefe dich mal in meine Antwort an Peter (vom 23.3.03):
    < http://www.imkerforum.de/viewtopic.php?p=6458#6458 >


    Falls die Königin beim Ausschneiden des Wirrbau's nicht auftauchen sollte, musst du die Waben in den leeren Brutraum abklopfen bzw. abfegen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Lothar,
    wieso bauen vorschwärme soviel drohnenbau, auch mit junger königin? eigentlich müssten sie doch erst mal ihren bestand sichern?
    mein erster schwarm sitzt auf anfansstreifen und baut unglaublich viel drohnenzellen,ist aber fast schon zu spät um noch mittelwände einzuhängen, er sitzt und baut auf 6 dadantwaben. was würdest du tun?
    viele grüße
    lila

  • Hallo, Frieder,


    danke für Deinen Hinweis auf die Methode mit dem offenen Kunstschwarm. Dazu habe ich noch zwei Fragen:


    1. Warum Mittelwände erst am 2. Tag?


    2. Warum zunächst Apifonda und erst am 3. Tag Zucker 1:1?


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo lila,
    so ganz genau weiß ich das auch nicht.
    Logisch wäre es, weil der Vorschwarm ja eine begattete Königin hat, das er fast nur Arbeiterinnenbau errichtet.
    Das er es nicht tut, liegt meiner Meinung daran, das er diese ja bald austauscht, indem er umweiselt. Degegen spricht dann wieder, das die Natur bei Bienen, um Inzucht zu vermeiden, auf Fremdbegattung setzt.
    Aber wenn alle Vorschwärme sich so verhalten, kommt zu der ersten Paarungszeit der Bienen während der Nachschwärme, noch eine zweite, wenn die Vorschwärme umweiseln. Das könnte den Bedarf der vielen Drohnen erklären, für die natürlich entsprechend Wabenbau vorhanden sein muss.
    Zum Problem mit den Mittelwänden: Gelernt habe ich, das man a l l e n
    Schwärmen nur ganze Mittelwände gibt. Der Grund dürfte klar sein, man zwingt den Schwarm damit, entgegen seiner Neigung, besonders viel, für den Imker wertvolle, Waben mit Arbeiterinnenbrut zu bauen.
    Vermutlich wolltest Du Deine Völker auf Naturbauwaben umstellen, und hast deshalb nur Anfangsstreifen gegeben? Soweit ich das hier im Forum bisher gelesen habe, klappt dies am Besten mit Kunstschwärmen mit
    diesjährigen Königinnen.
    Was Du jetzt noch machen kannst, ist noch nicht angefangene Anfangsstreifen gegen volle Mittelwände austauschen, oder den Bau so
    akzeptieren, wie der Schwarm ihn errichtet hat und später den "Größten Murcks" gegen ausgebaute Waben auswechseln.
    Vielleicht konnte ich Dir ja etwas helfen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.