Agressive Bienen ohne Rauch?

  • Hallo zusammen,


    neulich haben wir uns ein neues Volk geleistet. Einmal wollten wir einen kurzen Blick in das Volk werfen, hatten aber leider keinen Rauch dabei. Die Bienen kamen uns dabei sehr aggressiv vor, daher meine Frage:


    Um wieviel ruhiger werden Bienen durch Rauchgabe?


    Wir hoffen nun, daß die Viecher mit Rauch wesentlich ruhiger werden, was wir bisher erlebt haben, war aber kein Spaß - die Bienen wollten stechen, sie sind durch jede Ritze gekrochen und haben uns hinterher auch ein paar hundert Meter entfernt nicht in Ruhe gelassen. Ein Fehler war es sicher, ohne Rauch eine Wabe zu ziehen!


    Viele Grüße,
    Effendi

  • Moin effendi,


    also ob das ohne Rauch ein Fehler war, will ich nicht sagen. Ich arbeite seit Jahren ohne Rauch (also seit vielen Jahren :wink: ) Ich benutze, wenn sie auffliegen Nelkenölwasser aus dem Zerstäuber. Aber auch nur, wenn's wirklich sein muß und vorm Aufsetzen der Zarge, damit ich keine Bienen drücke.


    Wenn sie Dich angreifen, beim Waben ziehen, sind sie wahrscheinlich nicht von der "milden" Sorte. Auf Rauch kann man sich da dann wohl auch nicht verlassen. (Vorm Flugloch will ich ja auch nicht gestochen werden und räuchere ich ja nicht) Oder hast Du beim Ziehen Bienen zerquetscht? Dabei werden Sie verständlicherweise sauer. Da hilft dann sicher auch kein Rauch mehr. Manchmal ist aber auch für die Bienen Mistwetter. Da hilft dann garnichts. Wenn Du dann rein mußt geht es eben nur in Montur.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo effendi,


    der Verkäufer wußte wohl, warum er das Volk verkaufte! So ein Verfolgungsverhalten, auch wenns "nur" 20m sind ist auch mit Rauch nicht in den Griff zu kriegen. Allerdings waren heute nachmittag bei mir auch alle Völker nervöser als sonst. Wahrscheinlich die Wetterlage. Und soweit sind wir ja nicht auseinander. Ich hoffe für dich, dass das Volk heute nur schlecht aufgelegt war.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo ihr Vorredner,


    ich komme gerade von einem älteren Herrn bei uns aus dem Ort.
    Mußte ein Glas Honig als "Schmerzensgeld" rüber wachsen lassen.
     :evil: 
    Er war mit seiner Frau auf dem sehr gut bevölkerten Wanderweg unterwegs, der ca. 15 unterhlb meines Hauptstandes verläuft, als er unerwartet von einigen Bienen angegriffen und gestochen wurde.
    Er erhielt mehrere Stiche.
    Ich war zu dieser Zeit an den Bienen beschäftigt und habe nichts besonderes bemerkt!
    Allerdings habe ich dann auch gesehen, dass die Bienen auf dem Flug zum Löwenzahn, der momentan im Massen blüht, den kürzesten Wag genommen haben und genau in Kopfhöhe über den Wanderweg gefegt sind.
    Scheinbar sind sie heute, so wie du, Reiner, schreibst, etwas weniger gut gelaunt.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Effendi
    Kann schon sein, daß deine Bienen heute nur nervös waren. Trotzdem würde ich nicht ohne Rauch an ein Volk gehen um Waben zu ziehen. Mit dem Rauch kannst du den Bienen sagen, daß Sie mal Platz machen sollen, wenn du eine Wabe wieder einschiebst, das Absperrgitter auflegst oder eine Stelle der Wabe genau inspizieren willst. Ich nehme die Imkerpfeife lieber als den großen Rauchbläser dazu. Wenn du sowas ohne Rauch machst zerquetschst du immer Bienen und das macht ein Volk natürlich auch nervös. :-? 
    Das geht sicher auch mit dem Wassersprüher, aber ganz ohne würde ich wirklich nur gucken. Waben ziehen ist da schon zu viel.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Selber denken ist durch nichts zu ersetzen.

  • Ich habe gestern und heute auch beobachtet, dass die Bienen reizbarer als sonst sind. Vor einer woche hätte ich noch ins Flugloch blasen können ohne sie herauszufordern. Heute habe ich mir den Schleier übergezogen um lediglich den Flug zu betrachten. Vielleicht liegts an der spärlichen Nektarabgabe trotz schönem Wetters. Wildkirsche und Ahorn blühen. Selbst die Rapsfelder werden gelb. Mit Nektar schwer beladene Bienen bleiben aus. Dafür jedoch massiver Polleneintrag.


    Viele Grüße
    Stefan Kahlert

  • Hallo zusammen,
    Wollte nur kurz Stellung nehmen zum Thema Rauch. Ich nehme immer etwas Rauch bevor ich eine Beute aufmache. Es ist eine Unsitte mit dem Wassersprüher die Bienen zu beruhigen. Wenn man bedenkt das es ca. 12 Std. dauern kann bis die Bienen nach dem Öffnen und Umpflügen Temp. und Luftfeuchtigkeit wieder eingestellt haben ,wie ist es dann wenn der Imker auch noch mit der Wasserflasche kommt! Ich finde es immer noch besser dosiert Rauch zu geben. Gruß Matthias Asmussen

  • Moin Heideblockimker,


    das Sprühwasser hat auch Vorteile. zB kann man sich selbst schnell mal die Hände einsprühen und man kann Bienen vor dem Abfegen anfeuchten. Auch kann man einfach die Bienen, die einen umschwirren, kurz einnebeln. Außerdem bringen ein paar Tropfen Nelkenöl im Wasser einen eigenen Geruch mit. Wenn man Feglinge bildet, ist das auch von Vorteil.


    In aller Regel ist auch die Luftfeuchte im Stock höher als draußen. Beim Öffnen sinkt diese Luftfeuchte stark ab. Da ist es doch nur gut wenn etwas Wasser nachkommt. Und die Bienen werden ja auch nicht geduscht :wink:


    Und ganz wichtig: Klares Wasser verdirbt den Honig nicht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:

    ...das Sprühwasser hat auch Vorteile. zB kann man sich selbst schnell mal die Hände einsprühen...


    Hallo, Henry,


    wozu tut man das?


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes,


    Bienen meiden doch feuchte Flächen. Das klappt auch bei den Händen. Wenn sie feucht sind (nicht Schweiß! sondern Wasser), ist die Gefahr, daß Dich auf Deinen Händen herumkrabbelde Bienen stechen, deutlich geringer.
    Vielleicht liegt der Effekt auch nur darin, daß der unangenehme Säugetiergeruch von den Händen genommen wird.


    Wenn die Bienen mal etwas aufgeregt sind, auffliegen und sich dann häufiger auf meine Hände setzen, sprühe ich sie gern schnell einmal ein. Sonst benutze ich den Sprüher nur manchmal, um die Bienen vor dem Aufsetzen einer Zarge vom Zargenrand wegzukriegen.


    Grüße, Thomas

  • Hallo Effendi,


    habe selbst einen Stecher am Stand, verfolgt hat der mich aber bisher noch nicht. Ob das mit Rauch in den Griff zu bekommen ist...
    Jemand hatte im Forum mal gesagt: Jedes Volk erhält eine zweite Chance...


    An den Stecher gehe ich nur noch mit größter Umsicht heran, mit den Tipps der Freunde aus dem Forum. Nur bei gutem Flugwetter, Nelkenöltuch, viel Rauch, manche empfehlen auch, das Flugloch für die Zeit der Behandlung zu verschließen (habe ich aber noch nicht gemacht). So konnte ich sogar ohne Stiche einen Baurahmen einhängen.


    Ohne Rauch gehe ich prinzipiell nicht an die Völker! Man muß ja nicht Hamburger Hafen bei Nebel spielen, aber die Bienen ziehen sich einfach zurück und saugen Honig auf. Karl Pfefferle beschreibt in seinem sehr lehrreichen Buch den Umgang mit Rauch zur Verhinderung von Aggressivität.


    Christoph

  • Moin Thomas,


    jetzt hast Du doch glatt genau das geantwortet, was ich hätte schreiben wollen :lol:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Christoph,


    inzwischen sind wir uns auch recht sicher, daß wir uns waschechte Stecher eingehandelt haben. Der Stock muß jetzt erst einmal seinen Kaufpreis einbringen und dann gehts der Königin an den Kragen.


    Es sollte doch reichen, wenn ich nach dem Ausbrechen der Königinnenzellen 9 Tage nach dem Killen der Königin ein Rähmchen mit frischer Brut und Eiern aus einem friedlichen Volk einhänge, oder? Wann meint Ihr, kann ich das spätestens machen? Für die Stiche, die sie uns verpaßt haben, sollen die Mistviecher noch was tun und Honig liefern!


    Übrigens, ein Happy-End gibts auch noch: wir haben noch drei lammfromme Völker zu einem guten Preis bekommen, die sich hervorragend entwickeln. Als Effendine die Rähmchen im Vollschutz (aus Schaden wird man klug...) umgesetzt hat, ist sie sich irgendwann ziemlich unnötig vermummt vorgekommen.


    Viele Grüße,
    Effendi

  • Moin Effendi,


    wenn Du die Alte sowieso raussuchen willst, dann kannst Du auch gleich die Waben mit offener Brut entnehmen und damit einen Königinnenableger bilden. Aber bitte nicht alle ansitzenden Jungbienen mitnehmen. Igendwer soll ja auch noch nachziehen. Dem Königinnenableger nimmst Du dann irgendwann später die Stecher-Alte weg und gibst die Brut Deinem Volk zurück, wenn die Zellen auf der Edel-Wabe gepflegt oder verdeckelt sind. Die Bienen kehrst Du vor's Flugloch Oder Du wartest bis die Nachzuchtweisel ordentlich in Eilage ist. Das ist sicherer, denn wenn sie Dir abhanden kommt, hast Du ja immernoch den stechenden Ableger mit Weisel. Du nimmst den Königinnenableger als eine Art Brut- und Reserveweiselparkplatz in Anspruch.


    Wenn Du zur Vorbereitung den BR eine Woche vorm Aussuchen mit einem Gitter teilst, mußt Du auch nur in einem Raum mit Weisel und offener Brut rechnen. Wenn Du Gitterschiede hast, dann kannst Du das Ganze für die Woche auch noch senkrecht teilen oder ganz professionell die Alte auf wenige Waben einsperren.


    Ich würde das besser jetzt als gleich machen. Die guten Drohnen sind ab Anfang/Mitte Mai unterwegs. Mit Stechern würde ich mich (und meine Nachbarn) nicht rumquälen. Und die junge Weisel erspart Dir auch das Schwarmtheater.


    Späte Nachschaffung mit Brutpause würde ich in Wirtschaftsvölkern nicht machen. In Mai und Juni mag das gehen, aber wenn man die normale Etwicklung während der Winterbienenerzeugung stört, kann das kein Vorteil sein.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder