gibt es Rassenunterschiede bei Ausflugstemperaturen?

  • Habe gestern bei meinen Bienen und bei den Bienen meines Bienenpaten geschaut (nur am Flugloch!). Es hatte bei uns Temperaturen um 10 Grad. Mein Volk und das Volk von dem mein Volk als Schwarm gekommen ist (eher Carnica), sind nicht geflogen. Die anderen 3 Völker meines Bienenpaten sind schon geflogen (Nachkommen eines gekauften Volkes - gelbe Bienen).
    Meine Fragen dazu:
    Kann das auf Rassenspezifische Unterschiede zurückzuführen sein? Welchen Vorteil oder Nachteil hat es wenn die Bienen schon bei diesen Temperaturen fliegen oder auch nicht?
    Hat das Auswirkungen auf die Entwicklungsgeschwindigkeit der Völker?


    lg
    Andreas

  • Hallo Andreas,
    es gibt Unterschiede, nicht nur körperliche, bei verschiedenen Rassen.
    Die Dunkle Biene fliegt schon bei niedrigeren Temperaturen, da schaut noch keine Carnica aus dem Flugloch. Sie fliegen auch bei schlechteren Wetter. Das ist indirekt der Grund, warum in den Obstanbaugebieten früher Korbvölker von den Obstbauern bevorzugt wurden. In diesen saßen (meist) Völker der dunklen Biene. * Trotz sparsamen Futterverbrauch ist es mit dunklen Bienen möglich, Obsthonig zu ernten.
    (laut Ruttner, "Naturgeschichte der Honigbiene")
    Allerdings fangen die Dunklen trotz früheren Ausflugbeginn nicht auch früher mit Brüten an.
    Nicht immer ist so etwas vom Vorteil. Afrikanische Bienenvölker orientieren sich zum Flugbeginn nach der Helligkeit. Sie würden sich über Winter völlig kahlfliegen, neben der Tatsache, das viele dieser Rassen keine Winterruhe kennen.
    Auch innerhalb der Carnica-Gruppe gibt es Unterschiede, so soll die Biene aus den Karparten eine längere Winterruhe halten, als die aus den Alpen.
    Früher oder später Flugbeginn ist eine Anpassung der verschiedenen Bienenrassen an die Umweltbedingungen.
    Aber was mich noch interessieren würde, was für Bienen hält Dein Imkerpate? Von der Beschreibung her würde ich die für Ligustica oder Buckfast halten. Ich weiß aber, das in Österreich nur Carnica gehalten werden darf, neben einigen Gebieten in Tirol, Salzburger Land und Voralberg, wo es noch dunkle Bienen gibt.
    *Nach pers. Mitteilung beim Tag der offenen Tür in Celle, durch v.Pragh, fliegen Korbvölker allgemein bei niedrigeren Temperaturen aus. Sie haben halt mehr Kontakt zur Aussenwelt. Dadurch bestäuben sie auch Obstkulturen dann, wenn die Kastenvölker nicht fliegen. Und bei den Dunklen kommt noch die Erbanlage durch. "Indirekt" habe ich geschrieben, weil ein Obstbauer von diesen speziellen Rassenfragen sicherlich nicht allzuviel weiß.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Imkerfreunde,
    alle Eigenschaften die sich die Dunkle Biene in 1 Mill. Jahren Anpassung zwischen Blüte, Biene und Klima erworben hat sind Vorteile gegenüber ihren südlichen Schwestern.
    Mit herzlichem Imkergruß
    Gerhard Glock

  • Mein Imkerpate weiß selbst nicht genau welche Rasse er hält. Das erste Volk (von dem auch meine Bienen abstammen), dürfte eher der Carnica zuzurechnen sein (grau, ist ihm zugeflogen). Ein Jahr später hat er ein Volk bei einem befreundeten Imker gekauft, der gute Kontakte zur Imkerschule hat und von dort auch immer Zuchtmaterial bekommt. Die Imkerschule ist ein Carnicareinzuchtbetrieb. In unserer Gegend sind trotz Verbot allerdings auch viele Buckfustbienenstände (Strafe wenn man erwischt wird ist ca. so wie für Falschparken). So hatten dann auch die Bienen ein bis zwei gelbe Ringe am Hinterleib. Auf der Stockkarte die mein Pate mitbekam, stand mit einem genauen Datum (welches ich nicht mehr weiß) auf gelbe Biene umgeweiselt (dieser Imker dürfe also auch mit anderen Rassen versucht haben).
    Ich und mein Imkerpate haben also keinen Abstammungsnachweis für unsere Bienen.


    Frohe Ostern
    Andreas