"Offiziell" wandern oder nicht? Was meint Ihr

  • Hallo Leuts!


    Jetzt steht ja bald wieder die Zeit ins Haus in der die Wanderungen geplant werden wollen (müssen), hier bei uns gehts dann ja eigentlich nur in die Obstblüte oder den Raps.


    Das ganze Procedere drum herum geht mir schon ein bischen auf die Nerven, ihr kennt es ja wohl alle:
    1. Gesundheitsobmann benachrichtigen
    2. Wandergenehmigung beantragen
    3. Durchsicht durch den Gesundheitsobmann
    4. Nachfrage/Genehmigung beim örtlichen Verein usw., usw.


    Ich habe meinen alten Imkervater dazu einmal befragt was er davon hält. Er ist auch der Meinung, daß vieles mittlerweile unnötiger Verwaltungskram ist bzw. aus einer Zeit resultiert wo sich die Imker selber die größten Feinde waren und es noch fast zu Schlägereien um den Standplatz im Raps kam.
    Von solchem Konkurrenzdenken kann heutzutage ja keine Rede mehr sein, ganz im Gegenteil: Man ist ja froh, wenn noch ander Imker am gleichen Schlag die Bienen aufstellen, da kann man gegenseitig mal ein Auge auf die Bienen werfen.
    (Obwohl ich gehört habe, daß im fernen Bayern - da wo der Franx-Xaver wohnt - es zwischen den Imkern noch etwas derber zur Sache geht und man sich nix gönnt :-) )


    Warum schreibe ich das?
    Weil es ja auch eine ganz legale Alternative zu diesem ganzen "Wanderzirkus" gibt!
    Wie sieht der aus? Man richtet einfach einen "festen Bienenstand" ein.
    Wenn ich also beschließe, daß der Standort im Raps ab jetzt ein fester Bienenstand ist, dann darf ich das auch ohne jegliche Genehmigung.
    Falls sich meine Meinung wieder ändert? Auch egal! Dann baut man den Stand halt wieder ab!
    Ich hab es im letzten Jahr bei 2 Völkern mal so gemacht, dann aber trotzdem beim ansässigen Verein noch Bescheid gegeben.
    Hat aber wirklich niemanden auch nur einen Kehricht interessiert!


    Jetzt kann man natürlich sagen:


    Jaa, aber die Seuchenverbreitung!


    Tja, um welche Seuche geht es denn?? Eine positive Nebenwirkung hat die Varroamilbe: Die Bienen der schlampigen Bienenhalter, die früher immer Faulbrut hatten sind radikal ausgemerzt worden!
    Denn wer sich um seine Bienen so wenig kümmert, daß er Faulbrut bekommt (ohne das er es merkt), der kümmert sich natürlich auch nicht um die Varroa.


    Ich kenne mittlerweile zwei Imker, die das ganze Theater gar nicht mehr machen und ich bin auch am überlegen.


    Was denkt Ihr??

  • Moin Obstbrenner,


    ich habe gerade von einem durchaus nicht kleinen Wanderimker gehört (der das Theater auch satt hat) daß es keine Möglichkeit gibt, einem Imker zu verbieten, mit seinen Völkern zu wandern und sie aufzustellen wo er will, wenn ihm der Grundstückseigner am Wanderstand die Genehmigung dazu erteilt. Und da es auf 10m mehr oder weniger Flugstrecke nicht unbedingt ankommt, stellt der seine Wagen in die Bauerngärten und auf die Hofe von Orten die vom Raps umgeben sind.


    Ob das wirklich rechtens ist, kann ich nicht sagen. Es hat jedenfall viele Vorteile.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Imkerkollegen,


    sobald man die Kreisgrenze mit seinen Bienen verläßt (im Land Hessen), ist ein Gesundheitszeugnis erforderlich (Seuchengesetz). Bei der Kreisbehörde, in welcher der neue Standplatz sein wird, müssen die Völker angemeldet werden. Ein- oder Ausfuhr in Sperrbezirken ist grundsätlich verboten. Es dürfen auch keine AFB freien Völker verstellt werden.

    Mit freundlichem Imkergruss
    Dieter Luft

  • Hallo drohne2000


    welche Strafe droht mir, wenn ich meine Bienen über die Kreisgrenze hinaus transportiere?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    Bislang ist sowas laut Aussage des Kreisveterinäres in seiner Amtszeit im Vogelsbergkreis noch nicht vorgekommen.


    In jedem Falle muss sich der Imker auf eine Geldstrafe einstellen, deren Höhe im Einzelfall festgelegt wird.


    Sollte der Wanderer auch noch nachweislich AFB einschleppen, so kann er mit einer "saftigen" Geldstrafe rechnen, von den Schadensersatzforderungen anderer Imker einmal abgesehen.


    Ich denke aber, daß sich der Zukauf von Bienen für bereits eingerichtete Stände von heimischen Imkern in einer Grauzone bewegt, zumal ich diese Information auch erst vor kurzem bei einer Vortragsveranstaltung von unserem Kreisverein durch den Kreisveterinär erhalten habe. Ein Gesundheitszeugnis sollte für alle Käufer und Verkäufer eigentlich selbstverständlich sein.

    Mit freundlichem Imkergruss
    Dieter Luft

  • Hallo zusammen,
    also in der Eifel wandert wer will.
    Nach meiner Meinung ist das wie bereits geschrieben alles veraltet (ebenso die meisten Vereine).
    Wie heißt es so schön:


    Wer viel fragt, kriegt auch viele Antworten.
    oder
    wo kein Kläger auch kein Richter.


    Sollte jeder so machen wie er will.


    Gruß aus der Eifel

  • Hallo Dieter,
    hast Du Dich verschrieben? "es dürfen auch keine AFB-freien Völker verlegt werden." Na, welche denn dann? Jetzt bin ich etwas verwirrt.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • ich bin entsetzt!


    Warum gibt es wohl Wanderverordnungen?


    Das Mindeste, was jeder Imker, der wandern will, braucht, ist eine Seuchenfreiheitsbescheinigung!


    Und das "schwarz anwandern" bringt auch Ärger und Verdruß mit den ortsansässigen Imkern! Ein bischen viel Egozentrik in den vorangegangen Beiträgen.


    G. Wustmann

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • uiuiui....


    die Äusserungen die den Zusammenhang Milbe/AFB umreisst zeugt auch nicht von allgewaltiger Kenntnis der Sachlage.


    Die Wanderordnung schreibt klar das sogen. 'Gesundheitszeugnis', ausgestellt vom 'BSV' des Heimatstandortes vor, und gegengezeichnet vom 'BSV' des angewanderten Ortes vor.
    Dabei spielen Kreisgrenzen keine Rolle, jede Bewegung (Umsetzung) der Tierchen ist ein 'Wandern', auch wenn dies grundsätzlich nicht sehr eng gesehen wird.


    Auch die Ausnahmegenehmigung für das Befahren von Wald-und Feldwegen sollte nicht vergessen werden. Bei jedem Bienenbesuch ein 'Knöllchen' von 20 Euro wegen Verstoss gg. StVO oder Waldgesetz mindert doch die Gewinnausichten erheblich.


    Gruss Walter

  • @G.Wustmann


    Zitat: "Warum gibt es wohl Wanderverordnungen"


    Tja, das genau ist ja die Frage!!!


    Oder besser: "Machen diese verstaubten alten Verordnungen überhaupt noch Sinn?"


    Einen Verdruß bei ortsansässigen Imkern konnte ich bislang jedenfalls nicht feststellen. Warum sollten die denn auch Verdruß üben???


    Etwa weil ein böser, böser Konkurrent 4 Völker in den Raps stellt und seine eigenen Bienen nichts mehr abbekommen?
    Hier im Norden gibt es soviel Raps und so wenige Imker, daß ich jeder einzelnen Biene ein eigenes Feld zuweisen könnte!


    Oder sollte sich der Verdruß in der Obstblüte einstellen??
    Doch wohl auch eher nicht!!
    Die armen Obstbauern versuchen doch mit Geld, guten Worten und lecker Obst verzweifelt ein paar Imker und Bienen auf Ihre Plantagen zu locken!
    Leider mit immer weniger Erfolg.


    Das Problem mit der Seuchenfreiheit nehme ich durchaus auch ernst.
    Aber wie stellt sich das denn in der Praxis dar???
    Der Obman kommt an, macht den Deckel auf, zieht zwei Waben und hält die Nase in den Stock ob es stinkt.
    Dann schaut er nach löchrigem Brutnest bzw. Faulbrutschorf.
    Natürlich findet er nichts! Ich habe ihn im letzten Jahr mal gefragt:
    Er hat seit 10 Jahren keine Faulbrut mehr gesehen.


    Ich meine das nach der Varroa die alten Honigernter (Imker wäre wohl der falsche Ausdruck) die noch nicht mal merken, daß Faulbrut am Gange ist, eben nicht mehr existent sind.

  • Hallo zusammen,
    man sollte Freizügigkeit und Eigenverantwortung an erster Stelle setzen,
    noch vor einer, ach was, wir haben ja mindestens sechzehn, Wanderordnung, die es einzuhalten gilt.
    Freizügigkeit, weil es ImkerInnen gibt, die von ihren Bienen leben und deshalb auf Wandern angewiesen sind. Auch sollte es keinen verwehrt sein, zu Wandern,damit seine Bienen am Heimatstand nicht hungern zu müssen. Gemäß der alten Heidjerweisheit, das ein Trachttag mehr bringt als zwei Tage füttern.
    Eigenverantwortung, weil keiner mit kranken Bienen und Völkern wandern sollte, und erst recht nicht aus Sperrbezirken. Eigenverantwortung auch, nicht in Schutzgürtel von anerkannten Belegstellen einzuwandern.
    Wanderordnungen dienen mehr dem Schutz der Standimkereien vor Konkurenz. Man hat dann schnell einen Schuldigen, wenn der Ertrag nicht stimmt (der mit seinen "Riesenvölkern" hat uns alles weggeschnappt).
    Und bei Ausbruch einer Krankheit braucht man dann auch nicht bei sich selber die Schuld zu suchen.
    Hinfällig werden die ganzen Wanderverordnungen sowieso, wenn es EU-weite Regelungen gibt.
    Einige Bundesländer haben angefangen, veraltete und sinnlose Verordnungen und Gesetze zu strteichen, sie suchen bestimmt noch nach Vorschlägen...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Walter,


    sicher bist du für deinen Heimatbereich Wieden allgewalltig, aber andere Länder haben andere Sitten oder ich habe vielleicht noch nicht mitbekommen das Wieden den kleinen Landstrich Hessen eingemeindet hat.

    Mit freundlichem Imkergruss
    Dieter Luft

  • Hallo Dieter, liebe Imker,


    welche Vorschrift regelt die "saftigen" Geldstrafen? Und welche Instanz setzt die Strafen fest? Wo kann man das vielleicht nachlesen?


    PS: Strafen, also auch Geldstrafen, setzten immer eine Straftat vorraus und ein rechtskräftiges Urteil aus einem Strafverfahren. Dan müßte es also auch zitierfähige Urteile geben.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • hallo Obstbrenner,


    Du schreibst:

    Zitat

    Ich meine das nach der Varroa die alten Honigernter (Imker wäre wohl
    der falsche Ausdruck) die noch nicht mal merken, daß Faulbrut am
    Gange ist, eben nicht mehr existent sind


    Das ist aber eine sehr gewagte Aussage. :evil: Die Realität, wie ich sie tagtäglich erleben muss, spricht da aber eine ganz andere Sprache. :evil:


    @ Henry


    Dies ist wie so vieles in D föderalistisch geregelt.
    In meinem Bundesland ist dies Aufgabe der Kreispolizeibehörde, also Landratsamt, Kreisveterinär, Umweltbehörde.
    Diese holen sich dann "Amtshilfe" bei der Polizei und als Sachverständige bei uns Imkern.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-