Bienen Kaufen, gerechtfertigter Preis?

  • Hallo zusammen,


    ich möchte dieses Jahr mit der Imkerei anfangen, nachdem ich schon seit 2 Jahren mit dem Gedanken schwanger gehe.


    Meine Frage:
    Ich habe eine Belegstelle (Carnica) im Flugradius, muss also "kompatible" Bienen nehmen. Es wurde mir ein Ableger oder ein ganzes Volk oder auch ein Schwarm angeboten. Mit einem Schwarm möchte ich ungern anfangen.
    Wenn ich Bienen kaufe, geht der Preis sowei ich weiss nach besetzten Waben. Wieviel ist gerechtfertigt? Nicht dass ich glaube über den Tisch gezogen zu werden, aber ich hätte vorher gern ungefähr eine Vorstellung von Aussenstehenden.
    Standort: Ostthüringen, Wabengröße: DNM


    Vielen Dank für Eure Antwort(en)

  • Liebe oder lieber Cerr,


    die Preise für Bienen sind soweit ich das einschätzen kann reine Börsenpreise. Nach schlimmen Wintern, wenn alle Bienen wollen, sind Völker unbezahlbar. In Schwarmjahren bekommt man Schwärme geschenkt. Den Preis beeinflussen aber auch Eigenschaften, wie behandelt oder nicht, aufgefüttert, überwintert, Königinnenalter und -Qualität ect.


    Früher bekam man seinen Anfangsschwarm übrigens geschenkt! Wäre doch schön, wenn's wieder so wäre. Oft wollten einem, dann gleich mehrere Vereinsimker "ihre" Bienen geben. Und viele waren stolz drauf, daß jemand mit "ihren" Bienen anfing.


    Ich rate Dir übrigens immer zu einem Schwarm. Der baut gut, und Waben wirst Du brauchen, entwickelt sich rasend schnell und bringt oft im ersten Jahr etwas eigenen Belohnungshonig. Jungvölker generell sind für Anfänger besser geeignet als das Ubernehmen von Vollvölkern. Viele Imker (und deren Ehefrauen oder halt -Männer) müssen sich an das 16:00 Uhr-Gesumme erstmal gewöhnen. Da ist es nicht hilfreich gleich am zweiten Imkertag tausende Bienen fliegen zu haben. Auch Nachbarn zeigt man lieber einen kleinen Schwarm, als drei Türme voller Bienen, besonders wenn die einem noch nicht zutrauen, daß man die Masse irgendwie im Griff hat.


    Billiger und besser ist es allemal, sich mehrere Schwärme oder Ableger hinzustellen und zu überwintern als das gleiche Geld in ein einziges großes Volk zu stecken.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Newcomer,


    keine Angst, ich rede nicht so lange wie der Vorredner. :wink:


    Bei uns kosten die Völker je nach Volksstärke und Abstammung der Königin 80 - 100 €.


    Viel Spass

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Sorry Bißchen OT, aber auch Bißchen IT


    Michael würdest Du wirklich für ein Volk 80-100 Euro hinblättern? Ich hatte immer das Gefühl solche Preise zahlen nur Leute, die sich Bienen in den Garten stellen, weil es "in" und "Öko" ist und einfach abwarten was damit passiert. Bei uns (und damit meine ich die Gegend, wo Deine Frau herkommt :wink: ) ist es immernoch so, daß man fragt, ob man seine Kiste mal vorbeibringen und mit 'nem Ableger oder Schwarm wieder abholen kann.


    Ganz im Ernst, was rechtfertigt denn so einen Preis?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Michael schrieb:

    keine Angst, ich rede nicht so lange wie der Vorredner. :wink:


    Bei uns kosten die Völker je nach Volksstärke und Abstammung der Königin 80 - 100 €.


    Viel Spass


    Hallo Miteinander,


    ich habe meíne Völker auch für 80 € verkauft - 100 € werden zum Teil bei uns verlangt. Stellt euch doch nicht so an, das Volk bringt ca. 20 kg Blütenhonig und dann hat es sich abbezahlt. Obendrein bekonnt er 12 neu gekaufte Rähmchen mit. So ein rentables Geschäft möchte ich als Käufer auch mal machen. Wenn einer bei 80 € noch handeln will, bekommt er einen A... tritt. :evil::evil:

  • Hallo Henry,


    ich kaufe noch verkaufe ich Völker.
    Mir sagte mal ein Imkerfreund:"Aber wenn ich wüßte, woher, würde ich mir jedes Frühjahr neue Völker kaufen". Da sind 80-100€, z.B. mit einer geprüften, guten, sanftmütigen Königin vom Vorjahr allemal gerechtfertigt.
    Die Völker werden bei uns so Anfang/Mitte April verkauft und können meist gleich den Honigraum erhalten:
    Rechnen wir mal:- Es erbringt so ca. 20Kg Honig => 160€ - Es bringt dir 2 Ableger => 100€


    Wenn ich es dann im August/September abschwefele, habe ich keinerlei Futterkosten, keine Medikamente (!) und kann das Wachs noch als rückstandsarmes Wachs verkaufen.
    Und der Winter mit all seinen Unbillen kann mich mal.
    Ist das kein gutes Geschäft ?

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Cerr,


    wenn du im Flugkreis einer Belegstelle Bienen halten möchtest dann erkunde dich mal bei den Betreibern der Belegstelle.
    Die Preise sind ganz normal, das Geld sitzt bei den Leuten nicht mehr so locker, und wer verschenkt schon Bienenvölker kurz vor der Frühtracht.
    Mir hat ein Berufsimker gesagt ein Volk sollte im Jahr 240 DM Gewinn bringen, wenn man rentabel Arbeiten möchte.
    Im Eurozeitalter sind das normal 120 Euro, da alles teurer geworden ist liegt der Wert etwas höher.
    Ich hab schon oft erlebt, dass Leute Bienen bei mir kaufen wollten aber nichts dafür bezahlen, wenn ich in einen Laden gehen und was haben möchte muss Geld dabei haben, und kann nicht sagen das ich die Ware billige habe möchte.
    Schaut euch die Preise im Imkerfachhandel an, da haben sich einige Artikel um das doppelte verteuert.
    Wenn man neue Völker erstellt (Ableger) koste die am Anfang Zeit und Material Rähmchen, MW, Futter, Bienen und die Königin.
    Henry ich würde an deiner Stelle mal überlegen wie viel wert Bienen dir sind, oder würdest du jeden Bienen schenken der bei dir vorbeikommt?
    Macht dass ein Berufimker der davon lebt, kann ja den Laden gleich dicht machen.

  • Hallo,


    danke erstmal allen für Eure Tipps. Jedenfalls hab ich jetzt eine Vorstellung, auch wenn es für mich ganz schön viel Geld ist. Zumal es mir gut passieren kann, dass im nä. Frühjahr nichts mehr lebt...
    Aber dass ist Risiko.

  • Hallo Cerr
    wenn du wirklich so wenig Geld für den Start mit den Bienen ausgeben willst kannst du ja auch auf den Frühjahrshonig verzichten und statt dessen im Juni einen oder mehrere 3-Wabenableger kaufen. Die kosten grob die Hälfte. Im Frühjahr ist ein Preis von etwa 100 Euro für ein überwintertes Volk durchaus fair wenn du bedenkst, daß der Verkäufer auch die Varroabehandlung und das Winterfutter bezahlen mußte und auch noch das Überwinterungsrisiko trägt.
    Gruß
    Wolfgang

    Selber denken ist durch nichts zu ersetzen.

  • Liebe Imker,


    falls Ihr Nachwuchssorgen habt: Könnte das an den Preisen liegen?


    Ich habe noch nie Geld für Völker bezahlen müssen und wenn ein abitionierter Anfänger mir seine Beute und Rähmchen mit MW am Jahresanfang vorbeibringt, kriegt er auch heute noch einen Schwarm, Kunstschwarm, Schröpfableger oder Königinnenableger einlogiert. Ganz umsonst bzw. kostenlos. Aber die Natur und ich entscheiden wann und wie. (Einen geschenkten Barsch ...) Wenn der Anfänger diese Ableger oder Schwärme über's Jahr bekommen hat, hat er die Basis und entscheidet dann selbst, wie's weitergeht.


    xaver : Wie kommst Du auf 12 neue Rähmchen. Cerr schrieb doch DNM. Außerdem bekommt man doch normalerweise keine neuen Rähmchen, sondern die auf denen das Volk eben überwintert wurde. Oder liege ich da falsch?


    Einzargige Ableger bildet man doch auch unter Verwendung von Waben, die im nächsten Jahr ins Schmelzwachs gehören. Oder entnehmt Ihr Euren Völkern die neuen Waben für die Ableger und laßt die alten drin?


    :lol: Nicht, daß jetzt alle Forumser Beuten schicken. Ich hab' zwar auch schon Völker ins Emsland abgegeben, aber ich gebe nur ab was übrig ist, nach Reihenfolge oder Sympathie. :lol:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Naja, ob die Rechnung mit dem Honigertrag aufgeht, mit dem man den Preis für das Volk schon im 1. Jahr wieder hereinbringt ... ich weiß nicht. Dazu gehört eine optimale Führung der Völker; und bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
    Für die meisten von uns als Freizeitimker wird das Geld auch nur eine Nebenrolle spielen.
    Im übrigen bin ich heute noch recht dankbar für meine ersten zwei Völker, die ich als Schwärme umsonst bekommen habe (nach 3 Wintern leben sie immer noch). Manchmal frage ich mich, woran es wohl liegt, dass ich in unserem Verein mit 28 Jahren mit Anstand der Jüngste bin (der Durchschnitt liegt irgendwo jenseits der 60). Nun ja, ein Grund ist bestimmt, ich schließe mich Henrys Meinung an, dass nur wenige bereit sind für 3 Völker zw. 240,- und 300,- Euro auszugeben.
    Obwohl noch nicht lange im Geschäft, habe auch ich schon Völker weitergegeben. Es freut mich einfach, wenn jemand meine Leidenschaft für die Bienen teilt. Wenn ich auch nur einen zur Imkerei bringe, habe ich schon was für die Erhaltung der bedrohten Art des Imkers getan.
    Wer von der Imkerei lebt, wird natürlich nicht darum herumkommen Völker dazu zu kaufen - bzw. zu verkaufen; er lebt ja nicht nur von Honig allein.


    Eine Regel für Anfänger war bei uns hier - haben mir unsere alten Bienenväter erzählt -: ein Volk bekommst du geschenkt, eins musst du dir kaufen, eins sollte dir zufliegen. War, finde ich, gar nicht dumm.


    lg, Stefan

  • Liebe Imker,


    wenn man bedenkt, wieviel Arbeit und Geld in einem überwinterten Völkchen steckt, sind meiner Auffassung nach 80 Euro mehr als gerechtfertigt.
    Sicher ist es sinnvoll Anfänger zu unterstützen und mal ein Völkchen günstiger abzugeben. Ein generelles Verschenken bzw. Verscherbeln wertet jedoch die ganze Bienenzucht ab. Schließlich stellt ein gesundes Volk ein wertvolles Gut dar, den es zu erkennen und erhalten gilt. Ein Käufer kann das ruhig über seinen Geldbeutel erfahren. Um so mehr wird er bemüht sein, das Völkchen zu pflegen.


    Gruß Magnus

  • Hallo!


    Ich habe mein erstes Volk als Schwarm von einem Imker geschenkt bekommen (bei ihm kann ich auch immer wieder auf den Stand mitgehen und er schaut auch manchmal bei mir mit, damit ich keine zu groben Fehler mache). Er hat sein erstes Volk auch bekommen und sich ein weiteres gekauft (80 Euro vor 2 Jahren) und mit diesen beiden Völkern weitergeimkert.
    Dies hat mir den Anfang sehr erleichtert. Ich mußte so nur die Beute, Rähmchen und Mittelwände kaufen. Schleuder kann ich auch noch mitbenutzen (damit der Anfang nicht zu teuer wird). Da bin ich meinem Imkerpaten sehr dankbar für die ganze Hilfe (ich helfe ihm Honigräume schleppen und bei der Schleuderung - hier kann ich auch viel lernen).
    Trotzdem bin ich auch am überlegen ob ich mir nicht ein weiteres Volk kaufen soll, da sind 80 -100 Euro glaube ich sicher in Ordnung (gesund, ruhig, gute Abstammung, wabenstetig, ...). Möchte aber zuerst auf die Leistung des Schwarmes schauen und einen Ableger davon machen.
    Beim Kauf eines Volkes oder auch eines Ablegers ist aber sicher eine ordentliche Bezahlung notwendig (war ja auch Arbeit dahinter). Wenn man einen Schwarm nicht selbst einfangen will und jemand anderen als Starthilfe einfangen läßt, kann man gerne darauf verzichten.


    lg
    Andreas

  • Hallo,


    wow, da hab ich ja eine Diskusion angestossen...


    Also ich sehe vollkommen ein, dass ein Imker für seine Völker Geld verlange muss, wenn er sie weggibt.
    Hier in der Ecke klagen aber alle Imker über Nachwuchssorgen und wenn man bedenkt, was es ausser den Bienen noch an Investitionen kostet, mit der Imkerei anzufangen ist auch klar, warum keiner nachkommt.
    Ich selbst habe auch lange überlegt ob ich es anpacke oder nicht. Im Moment bin ich beim Beuten bauen, um mir diese Kosten zu ersparen.
    Eine Schleuder kann ich sicher irgendwo mal mitbenutzen, im ersten Jahr werde ich eh noch nicht viel Honig ernten.


    Mit einem Schwarm zu beginnen wurde mir abgeraden, damit man sich nicht gleich schwarmfreudige Bienen in Haus holt. Und ein Ableger... da müsste ich noch warten...
    Ich denke ein Volk kann ich mir leisten und vielleicht 2 Ableger daraus bekommen, so dass ich mit 3 Völkern in den Winter gehe und eine reelle Chance habe, dass nächtes Jahr noch mind. eins lebt.


    Danke nochmal für eure Tipps