Fiese Schmarotzer

  • Liebe Imkernden,


    ich habe heute am Kaffetisch meine Bienen beobachet. Da fiel mir eine Biene auf, die einen eher kugeligen statt länglichen Hinterleib hatte und sich sehr lange am Tisch ausruhte. Ich entdeckte auf ihr drei Parasiten, die zwischen den Hinterleibsglieders saßen. Zwei am zweiten einer am dritten Ring. Ich hielt sie für Varroen, konnte sie aber nicht entfernen. (wegen Bienenretter und so :lol: ) Es waren keine Milben und ich mußte das Bienchen töten um die Parasiten genauer untersuchen zu können. Sichtbar war am Bienenhinterleib, wie gesagt, eine Kappe, wie von einer sich festhaltenden Varroa aber nicht unter, sonder auf dem Hinterleib.


    Beim Versuch den einzelnen Parasiten zu enfernen entpuppte sich dieser im wahrsten Sinne des Wortes als kleines schwarzes Insekt mit weißen Flügeln. Das Vieh lebte und hatte in etwa 4mm Länge. Die beiden anderen waren noch Maden und waren etwas größer. Ich konnte sie nicht herrausziehen, ich mußte den Hinterleib Ring für Ring auseinandernehmen. Die Maden hinterließen dann ein Loch von immerhin 1,5mm Durchmesser und bis zum Brustglied reichend.


    Was saß da in meiner Biene?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Liebe Imker,


    ich hab' sie glaube ich gefunden, die Mistviecher:


    http://www.faunistik.net/PONLI…SIPTERA/strepsiptera.html


    Es paßt so ziehmlich alles. Der verformte Hintern des befallenen Bienchens, die weiblichen Parasiten, die sich nicht entfernen ließen und die Fächerflügel am Männchen.


    Was soll ich dagegen tun?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    Zitat

    Was soll ich dagegen tun?


    Also, rein rechtlich ist die Sache klar:
    Sie gehören einwandfrei dir und du darfst sie behalten! :P


    Aber im Ernst:


    Nix.


    Ich glaube kaum, dass du die Viecher in deinen Beuten lokalisieren kannst.
    Wenn ja, werden sie die Säuredusche im Spätsommer oder gar die Chemiekeule à la Perizin sicher nicht mögen.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Henry,


    mit deiner Entdeckung hast du ein seltenes Glück gehabt, immerhin leben die Männchen nur knapp einen Tag.


    Sicher hast du inzwischen auf der von dir angegebenen Webseite anhand der (vergößerten) Bilder gesehen und gelesen, dass es sich bei den beiden anderen Parasiten evtl.(?) um die larvenähnlichen Weibchen (die noch von ihrer letzten Larvenhaut umgeben sind) oder um Männchen-Puppen handelt.
    Ausserdem ist dort angeben,
    - dass lebendgeborenen Larven auf Blüten abgelegt werden und dort ihren Wirt finden, und
    - befallene Bienen oft nicht mehr in ihr "Nest" zurückkehren;
    also kein Massenbefall in deinen Stöcken.


    Enoch Zander (Handbuch der Bienenkunde II. Krankheiten und Schädlinge der erwachsenen Bienen, 5.Aufl.) kennt keine Fächerflügler als Schmarotzer bei der Honigbiene.


    In einigen anderen Insekten-Büchern ebenfalls Fehlanzeige bei Honigbienen.


    Auch der offensichtlich sehr kompetente Verfasser der Webseite nennt bei den auf ihren Wirt spezialisierten Stylopidae (neben den Wespen) nur Wild- bzw. Solitärbienen
    < http://www.faunistik.net/PONLI…EPSIPTERA/stylopidae.html >.


    Schau dir dein Bienchen nochmal genau an, falls wegen der abnormalen Form keine Verwechslung mit einer Wildbiene vorliegt (es fliegen den Honigbienen zum Verwechseln ähnliche Arten), dann solltest du unbedingt dieses seltene Exemplar mit seinen Bewohnern einem Zoologischen Institut zukommen lassen.
    Es könnte sich um eine unbekannte Fächerflügler-Art handeln, sowas wird oft nach dem Entdecker benannt: "Stylops henryi" :)

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Moin Frieder...


    leider wird das nichts, mit der Namensgebung für die Mistbiester. Herr Dr. Pohl von der Uni Rostock hat sich des Falles angenommen und die Namen der Neuentdeckung werden von den Beschreibern und nicht wirklich von den Entdeckern abgeleitet. Ich wäre auch nicht stolz darauf, Namensgeber für einen Bienenparasiten zu sein. Wirklich nicht. Das kann gerne der Herr Dr. Pohl machen. Hauptsache er hat Recht damit, daß die Viechter nicht meinen Bienen schaden.


    Ich darf mal kurz aus einer eMail von Dr. Pohl zittieren:


    Es handelt sich hier um Stylops melittae (der Parasit besitzt leider keinen deutschen Namen).
    ...
    Fächerflügler befallen eine ganze Reihe von Wirten, insbesondere
    Hautflügler wie Bienen und Wespen. Unter den Bienen sind bisher nur
    Wildbienen als gefallen gemeldet. Falls es sich bei Ihrer befallen
    Biene um eine Honigbiene handelt, wäre das der erste Nachweis. Es wäre
    aber potentiell nicht ausschließbar, daß auch, sozusagen als Irrläufer
    Honigbienen befallen werden können.
    ...
    Falls es sich wirklich um eine Honigbiene handelt, dann können Sie beruhigt sein: Der Befall dürfte extrem gering sein und den Bestand Ihrer Bienen in keinster Weise schaden.


    Mit freundlichen Grüßen, Hans Pohl

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
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  • Dr. Hans Pohl schrieb:

    Falls es sich bei Ihrer befallenen Biene um eine Honigbiene handelt, wäre das der erste Nachweisl

    ... na also ...


    Hallo Henry,


    besten Dank für die Übermittlung von Dr. Pohls Meinung.


    Aus dem zitierten Satz entnehme ich, dass er dein Bienchen nicht gesehen hat?,
    ... schade, dann wärst du immerhin der Erstentdecker eines sicheren(!) Irrläufer-Nachweises bei der Honigbiene, den Dr. Pohl hätte veröffentlichen können.


    Deine Meinung über diese seltenen "Mistviecher" kann ich nicht teilen.


    Noch nebenbei:

    Henry schrieb:

    ... die Namen der Neuentdeckung werden von den Beschreibern und nicht wirklich von den Entdeckern abgeleitet


    Ein Beispiel zur Namensgebung:


    Apis mellifera adami RUTTNER, 1975


    Bruder Adam hat diese Bienen-Unterart aus Kreta mitgebracht, über ihn hat sie Dr. Ruttner bekommen und zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben. Er hat sie zu Ehren des "Entdeckers" benannt. Der Namen des Erst-Beschreibers steht in Käpitälchen mit dem Jahr der Veröffentlichung dahinter.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Hallo zusammen,
    wem es interessiert, man kann sich auch käuflich einen Artennamen sichern lassen. Zehntausende Tier- und Pflanzenarten warten noch auf einen Namensgeber. Habe ich vor einiger Zeit im Fernsehen gesehen.
    Das Geld dafür wird für Forschungsarbeiten verwendet.
    Das wäre doch ein gutes Geschenk für die/den Liebste/Liebsten?
    Aber Vorsicht, guckt ganz genau, was Ihr für eine Spezies verschenkt :lol: .
    Viele Grüße Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Liebe Leute,


    ich habe mich entschieden. Für die Bienen!


    Und das heißt konsequenterweise gegen Varroen, Wachsmotten, Wofatox-Nachbarn, Beutenkäfer und eben auch gegen Stylopse. Egal ob nun von Melitta oder von Pohl.


    Bitte nehmt mir mal nicht übel, daß ich nicht Insekten allgemein, sondern nur Bienen und Hummeln bevorzuge.


    Desderwegen will ich auch nichts mit den Fächerflüglern zu tun haben. Und meinen guten Namen geb ich dafür auch nicht her. Nicht, daß ich dann wie der Jacob darum kämpfen muß, daß die Varroa jetzt destructor heißt.


    Wenn Ihr gesehen hättet wie die Stylopse an oder in meiner Biene hingen, könntet Ihr meine Einstellung sicher verstehen. Naturschauspiel hin oder her. Wer meine Bienen angeht hat mich als Feind. Ob er nun einen lateinischen Namen hat oder Müller heißt. Und auch für verminderte Zurechnungsfähigkeit (Irrläufer) kann ich kein Verständnis aufbringen. Schließlich würde der nichtirre Stylops ja Wildbienen anfressen. Und Wildbienen sind Bienen und deshalb siehe ganz oben!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder