Wie und wann kann ich alte Waben wechseln?

  • Hallo alle zusammen,


    Vorab meine Geschichte in kurzform:


    Ich habe mir letzten Mai mei erstes Volk angeschaft, von dem ich einen Ableger gebildet habe, der sich prächtig entwickelt hat. Beide Habe ich mit genügend Futter versehen und eingewintert.
    Zu meiner großen Freude habe ich diese Woche festgestellt, dass beide Völker bis jetzt gut überlebt haben ( reges Flugtreiben). :D


    Ich habe auch festgestellt, dass sich in dem gekauften Volk einige Wagen befinden die schon fast schwarz sind (in der nähe des Brutnestes). :-?


    Nun meine Frage:


    Wie und wann kann ich diese Waben am besten austauschen?


    Und geht das auch mit unausgebauten Mittelwänden (mangelndes Wabenmaterial)?



    Vielen Dank für eure Antworten!!!!!! :lol:


    Gruß: Timo :D

  • Tach Fusch,


    die üblichste Methode ist wohl das Aufsetzen einer kompletten Zarge mit Mittelwänden. Wenn sich nach einigen Wochen das Brutnest in diese Zarge ausgedehnt hat, kann man entscheiden, ob man noch eine weitere Zarge MW als Brutraum aufsetzt und ausbauen läßt oder ob man eine weitere Zarge MW über Gitter als Honigraum aufsetzt.


    Die sanfteste Methode ist wohl, oben immer MW zu geben und unten irgendwann die brutfreie alte Zarge komplett rauszunehmen. (Wahrscheinlich hat Dir der Verkäufer ohnehin nicht seine besten Rähmchen vermacht :wink: Würde wohl jeder so machen)


    Sollte dort noch ein Streifen auslaufende Brut sein, auf die man nicht verzichten will, kann man auch ein Absperrgitter auf diese alte Zarge legen, damit Tracht das Brutnest nicht wieder nach unten drückt oder man hängt die paar Brutwaben weiter oben nochmal ein. Zargenbetriebsweise ist das dann aber nicht. :lol:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,


    Mir hatte ein Imker aus der Umgebung gesagt, daß er immer am Rand die Waben entnimmt und in der Mitte neue Mittelwände zusetzt. Auf diese Weise erneuert er die Waben stetig und entfernt so auch Teile der Drohnenbrut, die ja eher am Rand in den kühleren Bereichen gebildet wird. Bisher haben wir das allerdings noch nicht ausprobiert, weil wir auch noch aufbauen und beim Umsetzen von DNM auf Zander die von Henry beschriebene Methode verwenden.
    Ab wann ist übrigens der frühestmögliche Zeitpunkt, um den Brutraum zu erweitern? Nicht, daß es den Bienen zu kalt wird!


    Gruß, Effendi

  • Hallo Effendi!


    Die Erweiterung sollte entsprechend der Volksstärke erfolgen.
    Anhand der imkerlichen Qualifikation kannst Du ja rechtzeitig vorher erkennen, wann entsprechender Bedarf besteht (Anzahl Brutwaben, Schlupfzeitpunkt, etc.). :roll: 
    Die Erweiterung findet optimalerweise immer kurz vorher statt, damit die Bienen um diese Jahreszeit schön eng sitzen.
    Bei einer "Großraumbeute", wie einer Trogbeute (~ Standimker) oder Dadant (~ Wanderimker) bist und bleibst Du flexibel.
    Hier gibt es auch keine "Kältezonen" (außer hinter dem Schied).


    Leider kann man bei anderen Systemen nur Zarge für Zarge aufsetzen, also meist 9 oder 10 Rähmchen auf einmal. Hier würde ich warten bis der Kasten kracht vor Bienen. Ein Aufsetzen macht aber nur Sinn bzgl. dem Brutraum, wenn die Bienen jetzt oder in den nächsten Wochen "krachen".
    Sollte das Volk erst Ende April durchstarten, so bitte direkt ein Absperrgitter auf den einzigen Brutraum auflegen und dann schon mit Honigraum erweitern. Sonst wird nur unnütz Honig verschenkt und die Bienen machen im "zu großen Raum" nur Quatsch. :oops:


    Nachdem die Bienen durch die Kälteperiode bedingt aus der Brut waren (Ende Febr./Anfang März) und erst seit letzter Woche wieder voll brüten müßte es bis zur Erweiterung Ende März reichen. Dies sollte man immer im Kopf haben (....darum schaut man ja rein....).


    Sobald die Tracht einsetzt (besser einige Tage vorher) kommt immer der erste Honigaufsatz oben drauf.


    Hoffe Dir damit geholfen zu haben und verbleibe mit den besten Wünschen!


    Gruß
    Klaus Bäuerlein, Abenberg 8)

    Herzliche Grüße aus Abenberg
    von Klaus Bäuerlein

  • Hallo Klaus,
    ich habe ein Volk auf eine Zarge (12 DNM) eingeengt. Meinst Du, dass ich direkt bei Trachtbeginn im Zweifel (Kiste immer noch nicht voll) direkt über Absperrgitter den Honigraum aufsetzen sollte?

  • Moin Stefan,


    auch wenn Du Klaus gefragt hast: :D


    Ich meine Ja! (Ganz so läuft es auch bei Bruder Adam. Die Brutkiste muß nicht ganz voll sein, um Honig zu ernten)

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Stefan!


    Wenn ein Volk derzeit die 12 Waben nicht voll macht, so würde ich bei entsprechender Zeit (...das Du zu den Völkern kannst....) durchaus noch etwas einengen. Z.B. die überschüssigen Speckwaben wegnehmen und für Ableger oder die Einwinterung aufheben.
    Als Sperrschied kann auch eine "Futtertasche" fungieren, welche ja die meisten Imker haben. :wink:


    Vor der Tracht verhonigt der Brutraum nicht!
    Deshalb macht es eben Sinn den Erweitungstrieb des Volkes durch Mittelwandgabe zu nutzen um einen neuen Wabenbau zu bekommen und das Brutnest der Leistungsfähigkeit dieser einzelnen Königin anzupassen.


    Hier kann man sofort erkennen, wenn was nicht "rund" läuft (z.B. Futtermangel, Varroa, Brutkrankheit, schlechte Königin.....).


    Kommt die Tracht, so wird die Königin deshalb nicht leistungsfähiger!
    Ab nun werden die Bienen den Honig dort lagern, wo zuviel Platz ist - also ggf. auch im Brutraum (größter Fehler: Mittelwand in das Brutnest bei Volltracht = Mittelwand verhonigt und ist dann im Brutnest wie ein Sperrschied ~ Förderung des Schwarmtriebes).


    Insoweit empfehle ich, wenn Du Honig ernten willst den Brutraum möglichst optimal den Bedürfnissen der Königin und dem moderaten Volkszuwachs (....Jungbienen...) anzupassen und wenn die Tracht beginnt aufzusetzen und mittels Honigraum zu erweitern. Besser = einige Tage vorher aufsetzen.
    Ist der Brutraum (z.B. Dadant) zu 10 Waben voll, so wird der Honigraum bei Raumgabe aufgesetzt und nicht mehr erweitert.
    Wenn im Honigraum genügend Nahrung deponiert ist nimmt man die alten Speckwaben komplett raus.
    Normal reichen dann so 8-9 Brutwaben plus eine Randwabe für Vorräte.
    Beim Zander als Beispiel sind 10 Brutwaben ausreichend.
    Schlecht ist es da nur, wenn man eine Biene hat, welche diesen Raum immer und immer wieder mit Honig und Pollen zupflastert.
    Nur dann (!) sind 10 Zander im Brutraum zuwenig für eine gute Königin.
    Aber eine Rechtfertigung deshalb dann zwei Bruträume zu geben bzw. diese Waben in den Honigraum umzuhängen sollte man nicht ableiten.


    Insoweit ist die "Gesamtsituation" ausschlaggebend und nicht immer nur ein einzelner Schritt!
    Wichtig ist, dass man einen Einzelschritt auf ein Volk bezogen, nachvollziehen kann und die evtl. Folgen auch erkennt.
    Deshalb gibt es auch nicht die beste Biene oder den besten Kasten!


    Es ist die Harmonie von Fachwissen (....wie hoch hat man seine persönliche Messlatte gelegt....), Betriebsweise, Biene und Zubehör.


    Stimmt diese Kombination, so kann eine Harmonie zwischen Imker und BIEN entstehen und somit auch eine Freundshaft mit Höhen und Tiefen.
    Man könnte das Ganze dann auch als "EINHEIT" sehen.


    Den Weg dorthin muss jede Imkerin und jeder Imker selbst suchen.


    Gruß
    aus dem Frankenland
    Klaus Bäuerlein, Abenberg :lol:

    Herzliche Grüße aus Abenberg
    von Klaus Bäuerlein

  • Bäuerlein Klaus schrieb:

    Bei einer "Großraumbeute", wie einer Trogbeute (~ Standimker) oder Dadant (~ Wanderimker) bist und bleibst Du flexibel.
    Hier gibt es auch keine "Kältezonen" (außer hinter dem Schied).


    Leider kann man bei anderen Systemen nur Zarge für Zarge aufsetzen, also meist 9 oder 10 Rähmchen auf einmal. Hier würde ich warten bis der Kasten kracht vor Bienen.


    Hallo Klaus,


    Du bist begeistert von der Großraumbeute - das ist eben Deine Meinung.
    Die angebliche Flexibilität der Großraumbeute wird durch Flachzargen im Brutraum weit übertroffen - das ist meine Meinung. Hier wird durch Aufsetzen einer ganzen Zarge nicht unangemessen viel Platz auf einmal gegeben.
    Auch wird mit den "Kältezonen" viel übertrieben: Bienen heizen nicht ihre ganze "Wohnung", sondern nur den von ihnen besetzten Raum. Außerhalb dieser Kugel herrschen Umgebungstemperaturen, egal wie groß die Beute ist.
    Und "Krachen lassen" würde ich die Bienen niemals. Es imkert sich wesentlich entspannter, wenn in der Beute stets ausreichend Platz ist. Der Biene ist es mit Sicherheit auch angenehmer, nicht in beengten Platzverhältnissen leben zu müssen.
    Mit meiner Vorgehensweise, stets ausreichend Platz zu lassen, z.B. es nicht zu einer unter den Waben durchhängenden Bienentraube kommen zu lassen, hatte ich noch keine Schwierigkeiten.


    Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas,


    ich denke auch, daß bei warmhaltigen Beuten etwas mehr Raum als unbedingt nötig der bessere Weg ist. Ich will nur ein paar wenige Gründe anführen.


    1. Es sind weniger Eingriffe notwendig, wenn in größeren Einheiten erweitert werden kann.
    2. Sammeltrieb ist abhängig von der Anzahl der verfügbaren leeren Zellen.
    3. Enge ist ein Schwarmfaktor.
    4. Die Entwicklung der Völker wird durch Erweitern gefördert nicht durch Einengen.


    Sicher ist es Unsinn einem Minivolk zwei Zargen zu geben. Es schadet aber deutlich weniger als ein Dreizargenvolk auf zweie einzupressen. Die Natur macht es vor. Das Restvolk nach Schwarmabgängen ist machmal so klein, daß EWK-Besatzungen als Großvölker durchgehen. Dennoch entwickelt es sich auf der viel zu großen Wabenmenge problemlos bis zum Wintervolk und im nächsten Jahr zum Vollvolk weiter. Manche Baumvölker schwärmen jedes Jahr.


    Enge ist ein Problem, Platz nicht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Thomas!
    Das ist doch das Schöne in der Imkerei - man spricht darüber. :lol:


    Ich imkere mit drei Rähmchenmaßen und vier Systemen.
    Wenn ich von Vereinfachung und Honigertrag spreche, so kenne ich auch die Unterschiede.


    Man muss die Völker nicht krachen lassen in der kalten Zeit.
    Dies ist schon richtig, aber unter eine kuscheligen Decke ist es doch angenehmer als in einem kühlen Raum?
    Die Bienen "fühlen sich sichtlich wohler" und konzentrieren sich auf das Wesentliche.
    Im weiteren kann man so eine weitere Honigzarge mehr reinholen - ganz nebenbei.


    Ich stimme Dir auch zu, dass die Bienen die Wabengassen ggf. nach dem Aufsetzen einer neuen Zarge "zumachen".
    Aber es ist doch besser, wenn man bei Sturm nicht den ganzen Tag die Haustüre zuhalten muss, sondern schön eine Tasse Tee trinken kann.
    Die Bienen welche unnötig heizen und extra für sowas rumsitzen müssen machen doch nichts anderes - ODER?


    Die Entscheidung trifft der Imker/die Imkerin.


    Gruß
    Klaus Bäuerlein, Abenberg 8)

    Herzliche Grüße aus Abenberg
    von Klaus Bäuerlein

  • Hallo Henry,


    schön, daß Du die vier Punkte zusammenfaßt. Hier am Stammtisch hatte ich sie schon mehrfach vertreten.
    Nur eines möchte ich korrigieren: Es gilt auch für die einfache unisolierte Holzbeute.


    Thomas

  • Hallo Thomas!
    Volltreffer!
    Mit Punkt "4" triffst Du den Nagel auf den Kopf!
    Du hast sicherlich aus Unachtsamkeit vergessen zu schreiben, dass man den Brutraum mit der Einfütterung erweitert um eine gute Volksentwicklung zu erreichen.


    Die anderen Punkte habe ich mal überlesen, weil im März kein Schwarmtrieb entsteht und auch die Anzahl der leeren Waben keine Rolle spielt, da wir keine (!) Tracht haben, welche hier negative Auswirkungen hätte.
    Es ist auch nicht einfacher mit ganzen Zargen zu imkern, mal zusätzlich von den Kosten abgesehen.


    Im weiteren ging es auch nicht um eine Einengung zur Schwarmförderung. Derartiges macht man sich ja bei der Königinnenzucht beim Anbrüter zunutze. Da will man einen kompakten Bienensitz mit viel Temperatur, weil dann die Königinnen "besser werden".


    Nein - Raumgabe im März und April so wie die Königin den Platz benötigt! :wink:


    Sobald die Tracht einsetzt - besser noch einige Tage zuvor (Wetterbericht, Blüten kontrollieren) mit Honigräume Raum geben. :lol:


    Schafft eine Königin nicht mehr Legeleistung und man benötigt schon vor der Tracht Platz, dann Absperrgitter auflegen und Honigraum aufsetzen.


    Das Volk hat also immer genügend Futter und immer genügend Platz.


    Gruß
    Klaus Bäuerlein, Abenberg

    Herzliche Grüße aus Abenberg
    von Klaus Bäuerlein

  • Ach Klaus,


    nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.
    Die kuschelige Decke ist eben kein Vergleich für die Wintertraube. Die "kuschelige Decke" bilden ja die äußeren Bienen.
    Mit dem Sturm hast Du recht - es darf in der Beute nicht ziehen. Da kann die Beute aber groß sein, wie sie will.
    Übrigens - Du hast einen Sensor für das Wohlfülen der Bienen?


    Thomas