Beobachtungsmodell zur Populationsentwicklung von Varroa d.

  • Hallo zusammen
    Dr Otten vom DLR Fachzentrum Bienen und Imkerei Im Bannen 38-54 56727 Mayen, sucht noch Imker, die beim Aufbau eines Beobachtungsmodells zur Populationsentwicklung von Varroa destructor mitmachen. Aber macht euch selbst ein Bild.




    1. Vorbemerkungen


    Die erhöhten Herbst- und Winterverluste 2002/03 werden oft mit einer hohen Varroavermehrung im Jahr 2002 begründet. Belege, geschweige denn genaue Zahlen hierfür gibt es aber nicht. Auch wird der Ruf nach einem Frühwarnsystem bzw. einem Prognosemodell vergleichbar verschiedener Warnsysteme in der Landwirtschaft immer lauter. Nachfolgend soll daher die Entwicklung und Umsetzung eines Beobachtungs- und Prognosemodells vorgestellt werden.


    2. Ziel


    Ziel des Projekts ist die Populationsentwicklung von Varroa destructor über den natürlichen Totenfall an Hand regional breit gestreuter Beobachtungsdaten zu beschreiben, um längerfristig Prognosen zum Gefährdungspotential erstellen zu können. Dabei sollen klimatische Unterschiede (z.B. Höhenlage, Region) und biotechnische Bekämpfungsmaßnahmen (Drohnenbrutschneiden ja/nein) als beeinflussende Faktoren Berücksichtigung finden.
    Da natürlicher Totenfall und die Zahl der Milben in einem Volk (Populationsgröße) nur eine begrenzte Korrelation zeigen und u.a. klimatische Faktoren Einfluss nehmen, soll die Zahl beobachteter Völker möglichst groß gewählt und Teilauswertungen über Klimazonen (z.B. gestaffelte Höhenlagen oder Landkreise) vorgenommen werden.


    3. Methode


    Um eine flächendeckende, automatisierte und aktuelle Datenerfassung und Datenverwaltung mit möglichst geringem Zeitaufwand zu gewährleisten, ist geplant, die Dateneingabe von beobachtenden Imkern direkt über das Internet in eine zentrale Datenbank vornehmen zu lassen. Die Eingabe soll über einen Zugangsschlüssel gesichert werden. Beobachtungsdaten können aber auch per Fax übermittelt werden. Sie werden dann zentral in die Datenbank eingespielt.
    Basis des Prognose-Modells sollen nicht die gezählten Absolutwerte, die u.a. je nach Befallsgrad und vorausgehender Bekämpfung sehr unterschiedlich sein können, sondern Veränderungen gegenüber einem definierten Zeitraum im Frühjahr (KaIenderwochen 14 bis 17 im April) sein. Aufgrund wöchentlicher Schwankungen sollen auch nicht die Einzelwerte, sondern die Mittelwerte der jeweils zurückliegenden vier Wochen als Berechnungsgrundlage dienen. Die Erfassung erfolgt bis zum Beginn der chemischen Varroabekämpfung im Juli/August.




    4. Zeitplan


    Die technischen Voraussetzungen werden derzeit geschaffen. Dabei wird ein Programm für die Datenerfassung über das Internet und Berechnungsroutinen zur Analyse der Beobachtungswerte entwickelt. Gleichzeitig werden Imker aus ganz Deutschland gesucht, die bereit sind den natürlichen Totenfall an einem oder mehreren ihrer Völker wöchentlich zu erfassen und die Daten per Internet (oder Fax) zu übermitteln. Auf der Basis der eingehenden Rohdaten wird dann die Geschwindigkeit der Milbenvermehrung berechnet und zusammengefasst veröffentlicht. Die Anonymi- tät der einzelnen Beobachtungsstellen bleibt damit gewahrt. Anhand der Standortdaten können bei ausreichender Datenmenge differenzierte Angaben über den Verlauf in einzelnen Regionen oder Höhenlagen gemacht werden. Auch der Einfluss des Drohnenbrutschneidens wird dabei berücksichtigt.
    Je Volk werden zu Beginn der Bienensaison einmalig Angaben zum Standort (Gemeindeschlüssel), zur Höhenlage und zum Drohnenbrutschneiden erfasst. Wöchentlich wird dann die Zahl der natürlich abgestorbenen Milben ergänzt. Der Zeitaufwand je Volk wird auf maximal zwei Minuten zuzüglich der Datenübermittlung geschätzt.
    Dieses Modell kann die Verantwortung des einzelnen Imkers allerdings nicht ersetzen. Auf nicht absehbare Zeit wird unabhängig vom jeweiligen Befallsverlauf weiterhin eine konsequente Bekämpfung der Varroamilbe erforderlich sein. Das beschriebene Prognosemodell stellt kein Frühwarnsystem dar.


    Auskunft erteilt:
    Dr. Christoph Otten
    DLR Fachzentrum Bienen und Imkerei Im Bannen 38-54 56727 Mayen
    Christoph.Otten@dlr.rlp.de

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Nochmal Hallo
    im obigen Text fehlt eine Grafik. Ich hoffe, diesmal kommt sie an.


    http://mdhilgers.bei.t-online.…age/Varroapopulation1.jpg

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Guido schrieb:

    Da natürlicher Totenfall und die Zahl der Milben in einem Volk (Populationsgröße) nur eine begrenzte Korrelation zeigen und u.a. klimatische Faktoren Einfluss nehmen, soll die Zahl beobachteter Völker möglichst groß gewählt


    Hier sehe ich eine Achillesferse der insgesamt (wie ich finde) guten Idee. Der natürliche Totenfall und die tatsächliche Milbenpopulation korrelieren nämlich nicht immer so, wie sie "sollen". Da es sich da um einen systematischen Fehler handelt, wird man auch mit einer "möglichst groß gewählten" Zahl beobachteter Völker nicht wirklich weiter kommen.


    Ist die Alkoholwaschmethode eine zu große Zumutung, um von einer breiten, mitmachenden Imkerschaft akzeptiert zu werden? Sie erstellt ein wesentlich genaueres Bild des tatsächlichen Varroabefalls. Vielleicht liest Herr Otten hier ja mit und äußert sich mal.


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes,


    ich bin auch einer der ca. 70 teilnehmenden Imker.
    Ich werde zusätzlich die Waschmethode anwenden und darüber Buch führen, da ich gänzlich auf Drohnenbrutschneiden verzichte.
    Warum sie Dr. Otten nicht anwendet, weiß ich nicht, vielleicht fürchtet er, sie sei bei den Imkern eher verpönt.
    Werde ihn mal fragen ...

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-