Zeitpunkt für Ablegerbildung

  • Hallo zusammen!


    Wißt Ihr, wann der richtige Zeitpunkt zur Völkervermehrung ist? Ab wann ist es sinnvoll, Ableger zu bilden und bekommt man von diesen Ablegern dieses Jahr noch Honig? Unsere Carnica sitzten auf 10 Zanderrähmchen und sehen ganz gut aus.


    Viele Grüße,


    Effendi

  • Nach der Hohen-Neuendorfer Betriebsweise erstellst Du Ableger so etwa nach der Rapstracht, in dem Du alle verdeckelten Brutwaben entnimmst. Soll sich über zwei Jahre gerechnet nicht negativ auf den Honigertrag auswirken. Die Ableger können sofort mit AS behandelt werden. Dadurch werden viele Varroen aus den Völkern geholt und diese gleichzeitig vermehrt. Natürlich kannst Du von den Ablegern keinen Honig mehr erwarten.

  • Lieber Stefan,
    damit hast Du die Hohen Neuendorfer Betriebsweise aber sehr verkürzt dargestellt.
    Ich habe vor nach dieser Betriebsweise dieses Jahr zu imkern. Also jetzt mein noch nicht praxiserprobtes Wissen zu o.a. Betriebsweise. Diese Betriebsweise ist als Antwort auf die Varoaproblematik entstanden. Mit dem ersten Schleudern der Frühtracht (nach dem Raps) werden alle verdeckelten Brutwaben aus dem Volk genommen mit ca. der Hälfte der ansitzenden Bienen. 70 % aller Milben sind damit im Ableger. Die vor der Verdeckelung stehenden Waben werden gekennzeichnet (mit reißzwecke) und 10 Tage später wieder entnommen und dem neuen Ableger zugeführt. 10 Tage deswegen, weil die Varoa sich maximal 10 Tage auf den erwachsenen Bienen bewegt, bevor sie sich zur Vermehrung in eine Brutzelle zurückzieht. Der Ableger wird mit einer Weiselzelle beschickt ( in dem Moment seiner Bildung, also bei erster Brutentnahme). Du solltest also entsprechend vor der 1. Schleuderung einen Zuchtrahmen in Arbeit geben. Ist die Königin dann 3 Wochen in Eilage, wird der Ableger gegen die Varoa saniert, das Muttervolk ist nahezu Varoafrei. Der Nachteil dieser Methode liegt darin, dass das Muttervolk zur Spättracht nachlässt, weil durch die starke Schröpfung Bienen fehlen.
    mfg
    Fips

  • ich wollte ja nicht die Hohen-Neuendorfer Betriebsweise vorstellen. Es ging um den Zeitpunkt der Ablegerbildung. Und dies schien mir hier zu erwähnen durchaus sinnvoll und als Quelle dient Herr Radtke aus HN.
    Ich werde dies in diesem Jahr auch machen, werde aber je nach der Volksstärke die 2. Schröpfung weglassen. Bist Du auch aus Berlin oder Brandenburg? Dann weisst Du ja, dass später höchstens die Linde auf ein starkes Volk angewiesen ist. Honigtau gibt es ja bei uns selten (letztes Jahr schon)


    (Sorry Frage erübrigt, Du bist aus Pankow wie ich gerade sehe!!!)

  • Merci Stefan & Fips,


    zuviel wollte ich nicht schröpfen, wir haben hier immer recht schöne Waldtracht, die Völker sollten also ab Mitte Juni in Bestform sein. Insofern interessiet mich, wie man zu (möglichst vielen) gesunden Ablegern kommen kann, ohne große Einbußen beim Honigertrag zu haben - ich weiß, das ist das Problem der eierlegenden Wollmilchsau. Andererseits gehen die Völker im Moment auf wie Hefeteig, das weckt wieder Hoffnung.


    Viele Grüße,
    Effendi

  • Hallo effendi und all ihr im Forum


    Ableger bilde ich in Mai, mit zwei Brutwaben, einer offene Brut und verdeckelte Brut , dazu eine fette Futter oder Honigwabe . Der Ableger kommt sofort in einer Segeberger beute wo die Gitteröffnung in Boden verschlossen wird . Der restliche Raum in der beute wird mit Mittelwände bestückt, das Flugloch verengt , fertig . Wenn du den Ableger nicht außerhalb deines Standes verstellen kannst , ist es ratsam zusätzlich Bienen dazu zu fegen , da ein großer teil der Bienen zum Muttervolk zurück fliegt. Zusätzlich füttern brauche ich die Ableger bei mir nicht , die beuten sind ende des Jahres Imma voll :wink: .

  • Imker_beginner schrieb:


    Zusätzlich füttern brauche ich die Ableger bei mir nicht , die beuten sind ende des Jahres Imma voll :wink: .



    Hallo Imker_beginner, e
    einen Ableger mit einer Futterwabe sich selbst zu überlassen, ist kein besonders guter Ratschlag, um es vorsichtig auszudrücken. Ein Ableger darf nie unter Futtermangel leiden, ein ständiger Futterstrom ist wichtig für eine rasche Entwicklung. Sobald die erste Brut der neuen Königin vorhanden ist, werden die Ableger anfangs flüssig gefüttert, dabei werden die Mittelwände schöner ausgebaut. Dann wird die Flüssigfütterung eingestellt und den Ablegern wird ein halbes Päckchen Apifonda aufgelegt.


    Mit der Entstehung der ersten offenen Brut ist eine Varroabekämpfung notwendig. Diese gelingt besonders dann gut, da keine verdeckelten Brutzellen mehr im Ableger sind. Diese Bekämpfung kann mit Perizin (nicht schimpfen), Ameisensäure oder Oxalsäure erfolgen, wenn man Perizin anwendet, sollte man bedenken, dass dieser Ableger in einer späteren Waldtracht noch Honig einbringen kann, dieser Honig aber nach den Vorschriften nicht in den Verkehr gebracht werden darf. Der Imker wird sich hier selbst entscheiden müssen, welche Bekämpfungsart er einsetzt. Wichtig ist aber, dass man überhaupt eine Varroabekämpfung durchführt. Das Bienenwohl, das auf einer 3 % Oxalsäurebasis besteht, eignet sich auch sehr gut. Sobald die erste offene Brut im Volk ist, wird 3 x im Abstand von jeweils 6 Tagen mit dem aufgesetzten Schwanenhalsdosierer das Bienenwohl in der Stärke mit der man einen Bleistiftstrich ziehen würde, auf die mit Bienen besetzten Wabengassen geträufelt.


    Beachte: In der brutlosen Zeit darf Oxalsäure und Bienenwohl nur einmal angewandt werden, bei den Sommerbienen schadet eine mehrmalige Behandlung nicht. Überprüft ob in eurem Land für Oxalsäure und Bienenwohl eine Zulassung besteht.

  • Hallo effendi,


    vielleicht gefällt Dir ja die Möglichkeit ein Fleischvolk aufzubauen und dann komplett in Ableger zu zerlegen. Dabei entscheidest Du Dich gleich am Anfang des Jahres oder gleich nach der Obst- oder Rapstracht gegen eines Deiner Völker (oder eben für alle anderen) und gibst ihm Raum, MW und Futter. Wenn die Königinnen aus der Zucht schlüpfen, teilst Du das Fleischvolk in Ableger auf, die Du dann so groß machen kannst, wie Du willst. Das Fleischvolk kannst Du auch mit Brutbrettern der schröpfwürdigen anderen Völker verstärken. Und Du kannst es vor der Ablegerbildung behandeln, was unter Umständen Königinnen und Verdunster spart. (Mitgegebene verdeckelte Waben bringen dann aber Milben in die Ableger!)


    @Imker_beginner: Was Franz-Xaver da schreibt, will ich mal unterstreichen. Mit ordentlich Futter bringst Du die Ableger auf zwei Zargen und kannst sie als normale Völker über den Winter bringen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Christoph schrieb:

    Hallo Fips,


    wo kann man diese Betriebsweise nachlesen?


    Danke und viele Grüße
    Christoph


    Lieber Christoph,
    Jens Radtke hat es noch nicht detailliert veröffentlicht (Erste Ansätze findest Du in seinem Artikel im Deutschen Bienenjournal 6/96). Ich habe ihn gerade in einer Mail darum gebeten. Seine Betriebsweise ist einleuchtend. Oben beschrieben habe ich die Methode "Hohen Neuendorfer Betriebsweise für den Standimker". Sie ist so simpel wie beschrieben. Die Idee geht exakt von der Lebensweise der Varoa aus. Diese Methode ist anders ausgedrückt, eine modifizierte Bannwabenmethode. Bei der aber nicht die Königin eingesperrt wird, sondern der Einfachheit halber zu einem "beliebigen" Zeitpunkt alle verdeckelten Brutwaben entnommen werden. Gehst Du beispielsweise zu einem beliebigen Zeitpunkt in ein Volk rein, befinden sich nahezu exakt 70% aller Varoen in der Brut. Der Aufenthalt der Varoa auf der adulten Biene beträgt maximal 10 Tage, so dass du bei der 2. Brutentnahme alle Varoen aus dem Volk entnommen hast. Du hast also ein Varoa"freies" Muttervolk, allerdings auch ohne verdeckelte Brutwaben.
    Dadurch, dass als Bieneninstitut, Hohen Neuendorf aber alle Vor- und Nachteile einer Betriebsweise belegen will, ist es mit der Veröffentlichung der Methode noch nicht ganz soweit. Der Honigertrag ist im ersten Jahr geringer durch diese radikale Schröpfung als in Vergleichsvölkern. Aber nur geringfügig. Seit Jahren kommt Hohen Neuendorf (lt. Jens Radtke) ohne Medikamente aus.
    1. Mit dieser Methode,
    2. Drohnenbrutschneiden und
    3. leichte Ameisensäurebehandlungen.
    Die Methode ist noch erweitert für den Wanderimker, da wird bei der 2. Brutwabenentnahme noch ein Kunstschwarm gebildet, der dann am Wanderstand dem Muttervolk über varoadichtem Gitter aufgesetzt wird. Durch das Gitter findet ein Geruchsausgleich der beiden Völker statt, dass bei der nächsten Honigentnahme, der besseren Königin der Vorzug gegeben werden kann, und die Völker ohne Schwierigkeiten vereinigt werden können. Als Ergebis hast Du 2 Völker mit einer jungen Königin, wobei eines ein varoafreies Wirtschaftsvolk war, und das andere intensiv saniert werden konnte ohne irgendwelche Aufwendungen für Winterfutter, weil der Ableger sich übers Jahr sellbst versorgte.
    Aber wie gesagt im Herbst, oder besser im nächsten Jahr kann ich genaueres zu dieser Methode sagen.


    P.S. Die Methode, eisgekühlte Ameisensäure zu benutzen, kommt auch von Hohen Neuendorf und soll ein Weiselsterben während der Behandlung ausschließen. Sobald Jens Radtke antwortet, werde ich unter Betriebsweisen einen neuen Thread eröffnen, solang es nicht schon geschehen ist.


    mfg
    fips

  • honigmayerhofer schrieb:


    Hallo Imker_beginner, e
    einen Ableger mit einer Futterwabe sich selbst zu überlassen, ist kein besonders guter Ratschlag, um es vorsichtig auszudrücken. Ein Ableger darf nie unter Futtermangel leiden, ein ständiger Futterstrom ist wichtig für eine rasche Entwicklung. Sobald die erste Brut der neuen Königin vorhanden ist, werden die Ableger anfangs flüssig gefüttert, dabei werden die Mittelwände schöner ausgebaut. Dann wird die Flüssigfütterung eingestellt und den Ablegern wird ein halbes Päckchen Apifonda aufgelegt.


    Die Ableger kontrolliere ich durch anheben der beute auf Fütterstand, bei Unsicherheiten wird geöffnet. In Futternot war bei mir noch nie eins, wenn ich durch der Folie kuck und sehen, dass der Ableger nicht gut in Schuss * Entwicklung* ist wird gefüttert. Das mit der Varroabekämpfung mache ich genau so :D .


    Natürlich habt ihr die sicherste Methode genannt.


    mfg
    Imker_beginner

  • Hallo,


    wenn ich Ableger erstellen ist meist ende Mai bis Anfang Juni.
    Die Ableger werden meist mit 2-3 Brutwaben gebildet dazu kommen noch Futterwaben mit Pollenanteil ,die Ableger bringe ich immer auf einen Aussenstand um die stärke zu halten.
    Nach 9 Tagen behandel ich die Bienen mit Milchsäure und gebe eine unbegattete oder eine begattete Königin zu ,ab diesen Zeitpunkt wird nur mit Teig gefüttert ,um räuberei zu vermeiden und Ableger nicht mit Futter zu überfüttern.

  • Hallo Michael2!
    Warum sollte es bei einer Flüssigfütterung der Ableger zur Räuberei kommen?
    In der Natur gibt es keinen Futterteig und so muss bei der Futterteigfütterung klar sein, dass die Abläufe im Volk vielleicht anderes laufen als bei einer Flüssigfütterung (ähnlich natürlichem Nektar).
    So kann es sein, dass ein Ableger bei einer Schlechtwetterperiode das Futter nicht verwenden kann, weil kein Wasser geholt werden kann.
    Selbiges trifft auch bei Standorten zu, wo kein Wasserspender in der Nähe ist.
    Futterteig muss mit viel Fachwissen eingesetzt werden.
    Will man eine starke Völksentwicklung haben, so kommt man um die Flüssigfütterung nicht umhin.
    Herzliche Grüße
    Klaus Bäuerlein, Abenberg


    NS: Die Leistungsfähigkeit eines Volkes (auch einer Königin) kann man nur prüfen bei einer Flüssigfütterung. Nicht vergessen.

    Herzliche Grüße aus Abenberg
    von Klaus Bäuerlein

  • Hallo Klaus,


    es kann jeder entscheiden wie er füttert, da ein frisch erstellter Ableger keine großen Verteitungstrang hat als großes Volk gebe ich immer am Anfang nur Teig.
    Und das es um diese Zeit schlechtes Wetter geben hat hab ich noch nie erlebt, und wenn es kalt wird dann meist nicht unter 10 Grad oder scheid es bei dir noch ende Mai Anfang Juni.
    Ich selbst kenne keinen Imker der frisch erstellte Ableger gleich mit flüssigem Futter füttert.
    Eine Räuberei ist schnell ausgebrochen als man denkt.
    Wenn man eine unbegattete Königin zusetzt, bringt es am Anfang gar nichts flüssiges Futter zu füttern weil erst mal die Königin begattet werden muss, und das dauert auch seine Zeit.
    In der fortlaufenden Entwicklung kann man später flüssig Füttern aber zu viel blockiert die Entwicklung auch, das Futter muss auch abgelagert werden.
    Futterteig hat den Vorteil dass die Bienen ihn langsam aufnehmen und eine gleichmäßige Reizung damit erreicht wird.